Test
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03.05.2021

Praxis

Der DJM-S7 nimmt den freigeräumten Stellplatz zwischen den Pioneer PLX-Turntables ein und am Hub schließe ich einen DDJ-SP1 Add-on Controller an.

Fader

Zuerst kommen ein paar klassische Vinyl-Schallplatten auf den Teller und ich stelle erfreut fest, dass der Klang der Phono-Preamps wirklich gut ist und der Mixer weder auffälliges Rauschen noch digitale Störgeräusche von sich gibt. Der Magvel Fader Pro lässt sich via Schraube an die eigenen Anforderungen anpassen, um eure Scratch-Routinen abzufeuern. Obendrein kann der Cut-In im Software-Tool definiert werden. Für Cross- und Linefader ist Faderstart vom Cue oder Hotcue verfügbar. Die Blendrichtung sämtlicher Flachbahnregler lässt sich umkehren und selbstredend gibt es individuelle Curve-Controls. Alles da, was das Scratcher-Herz begehrt. Die Haptik des Magvel Fader Pro wurde laut Pioneer beim DJM-S7/S11 optimiert, die Stabilität der Knopfachse in vertikaler Richtung um 30 Prozent gesteigert.

Bluetooth

Das dürfte nicht wenigen DJs gefallen. Pioneer integriert eine Bluetooth-Version 5.0 Schnittstelle. Die unterstützten Codecs sind SBC, AAC, Qualcomm aptX, Qualcomm aptX Low Latency.

Dieser Eingang weist die Besonderheit auf, sich über die Settings entweder dem Kanal 1 oder dem Kanal 2 oder dem Master zuweisen zu lassen. Folglich könnt ihr Tracks auch reinmixen oder mit den jeweiligen FX versehen, allerdings ist die bekannte Blauzahn-Latenz nicht zu unterschätzen, wenn ihr Loops/Sounds/Jingles abfeuern oder mit einer App zusätzlich jammen möchtet. Der Kommunikationsabstand beträgt circa 10 m. So kann man schon beim Aufbau seine Musik vom Smartphone spielen, vielleicht mal einen Plattenwunsch erfüllen oder als Bar-Betreiber Musik abspielen, wenn der DJ noch den Plattenkoffer packt respektive noch auf dem Weg ist. 

Mikrofonabteilung

Das Mikrofonsignal klingt rauscharm und die integrierte, in vier Schritten regelbare Talkover-Funktion leistet gute Arbeit. Pioneer haben dem Pult neben einem Master-Limiter außerdem einen Mikrofon-Limiter spendiert. Das Mikro kann am Booth-Output (de-) aktiviert werden und bei Bedarf lässt sich ein Lowcut-Filter zuschalten. Klasse.

Mixer und Color FX

Der DJM-S7 kommt mit einem musikalischen Dreibänder daher, der das jeweilige Frequenzband komplett auslöschen oder um 6 dB anheben kann. Weitere Klangformung ist mittels Filter-Knob möglich, dem sich aber auch alternative Effekte zuweisen lassen. Merke: Hierfür bedarf es eines Computers, um die persönliche Auswahl (auch der Beat-FX, auf die ich gleich zu sprechen komme) auf zwei Bänken abzuspeichern. Der fliegende Wechsel der Color-FX im Standalone-Betrieb via Shift oder Encoder ist (noch?) nicht gegeben, auch nicht via Utility-Modus. Die integrierten Color-FX sind Filter, Dub-Echo, Noise, Pitch und ein Wide-Filter. Die Parameteranpassung ist via Software-Tool möglich. nachstehend gibt’s die Audios dazu. 

Multi-FX-Abteilung

Der DJM-S7 bietet aber noch eine weitere Möglichkeit, FX abzufeuern, und zwar über die riesigen Effekthebel in Verbindung mit den Direktzugriffstasten. Hier könnt ihr euch zwischen Software-FX (Serato, rekordbox), Loop-MIDI und den integrierten Beat-FX entscheiden.

Die Effektsteuerung der Beat-FX über die leichtgängigen, gut zu handhabenden Transformer-Hebel macht richtig Laune. Entweder temporär nach unten bewegen (es gibt eine Rückholfeder) oder als Hold nach oben gedrückt. Mittels der Parametertasten sind FX-Einstellungen möglich, beispielsweise Reverb-Anteil oder Echo-Timing, das Tempo kann via Beatcounter aus dem Audiosignal ausgelesen, von Serato übermittelt oder manuell eingetappt werden. Zugemischt wird mittels Dry-Wet-Regler, soweit bekanntes Prozedere. 

Da der DJM-S7 die komplette Range der 22 DJM-S11 Beat-FX mitbringt, hat man hier genug Zündstoff für kreative DJ Sessions, zumal auch noch die Soft-FX aus Serato DJ Pro bzw. rekordbox mit einbezogen werden können. Hierfür stehen dem DJ die sechs Direktzugrifftasten zur Verfügung. Die Effekte lassen sich jederzeit manuell über die jeweilige Taste plus Browser-Encoder ändern und im zugegebenermaßen etwas kleinen Display ablesen, das über Effekttypus, Timing/Parameter und BPM informiert. Bei einem Reboot des Mixers bleibt die Selektion erhalten, bei einem Bank-Switch dagegen nicht. Gut gelöst. 

Standalone-Pad-FX

Das klappt auch, wenn keine Software im Spiel ist, denn die Beat-FX lassen sich über die DJM-Pads triggern, zum Beispiel Helix-Intervall, Loop-Roll-Länge oder Tonhöhe der Signalgeneratoren bzw. des Pitch. Die Performance-Modi-Tasten und Parameter-Regler liegen im Standalone-Modus brach. Ebenso die Loop-Abteilung. Die Hätte man aber durchaus noch mit einbeziehen können, zumal es ja auch den „Roll“-Beat-Effekt am S7 gibt.

Das Beat-FX Angebot umfasst:

  1. Echo
  2. Ducking Echo
  3. Echo Out
  4. Spiral
  5. Helix
  6. Delay
  7. Reverb
  8. Back-Spin
  9. One-Shot Spin
  10. One-Shot Brake
  11. Vinyl-Break
  12. Flanger
  13. Phaser
  14. Hochpassfilter
  15. Tiefpassfilter
  16. Trans
  17. Kill
  18. Roll
  19. Fader Pitch
  20. Fader Saw
  21. Fader Sine
  22. Fader Square

Ein interessantes Feature verbirgt sich hinter dem Fader Pitch FX, mit dem ihr die Tonart des Tracks via Linefader transponiert, ohne dass der Track leiser/lauter wird. Nicht weniger ungewöhnlich für einen DJ-Mixer sind die Tongeneratoren Fader Sine/Square und Saw, bei denen ihr eine Note via Hebel oder Pad spielt und diese dann in der Tonhöhe mittels Linefader variieren könnt. Erinnert mich ein wenig an das Vestax Faderboard. Neben den bewährten DJM-FX passen auch One-Shot Spin und One-Shot Brake ebenfalls gut in den Kontext des Mischpults.

Prima auch: Für einige Effekte kann zudem ein Smoothing eingeschaltet werden, das einem abrupten Abbruch des Effektsignals entgegenwirkt und diesen sanft ausklingen lässt. Sehr schön. Beispiele nachstehend.

Performance-Pads

Die Performance-Pads weisen eine adäquate Größe von 25 x 20 mm auf und lasen sich gut treffen bzw. spielen. Die Pad-Modi (Hotcue, Roll, Saved Loop, Sampler, Pitch Play, Slicer Loop, Saved Flip und Scratch Bank) des DJM-S7 arbeiten unabhängig voneinander. Für den Sample-Player ist zudem eine Lautstärkeregelung verfügbar.

Loop-MIDI

Mit dem neuen Loop-MIDI Feature lassen sich MIDI-Signale (auf zwei Bänken) in einem definierbaren Beat-Zyklus an die DJ-Software senden. So lassen sich Funktionen der jeweiligen DJ-Software wiederholt im Takt abgefeuert werden, um beispielsweise einen Build-up mit Drum-Triggern des Sample-Players zu erzeugen, Vocal-Stakkatos abzufeuern etc. Das Prozedere ist simpel: Timing einstellen, Effekthebel bewegen, fertig. Einige Routinen wie Hot-Cue, Sampler und Key Shift-Up hat Pioneer bereits zugewiesen. Das führt uns zu den beiden Software-Universen, denen dieses Mischpult auf den Leib

Rekordbox

Erste Anlaufstelle für Neueinsteiger in den Pioneer-RB-Kosmos: die Website rekordbox.com. Ist die DJ-Software geladen und installiert, erfolgt die Inbetriebnahme des DJM-S7 plug ’n’ play. DVS-Timecodes müsst ihr jedoch selbst kaufen.

Was die DVS Performance angeht, ließ sich bei voreingestellten 256 Samples gut arbeiten, darunter gab es in meiner Kombi mit einem 2015er MacBook Pro Aussetzer. Die Bedienung des Mixers respektive der Controller-Funktionen geht schnell in Fleisch und Blut über. Die Pad-Modi werden entsprechend der Rekordbox-Vorgaben gemäß des von euch im Pad-Editor konfigurierten Setups gemappt, wobei eine Doppeltrigger-Funktion im Preferences-Menü zusätzlich zu Shift/Pad-Mode (de)aktiviert werden kann.

Schaltet man während der Verwendung von rekordbox dvs via „Shift-Serato FX“ den Effektmodus um, ist der Zugriff auf die sechs voreingestellten Software-FX möglich. Fürs Protokoll: Die Pioneer Makro-FX sind nicht von der Hardware aus steuerbar und mit dem Mischer lassen sich keine Software-CFX bedienen.

Ansonsten bietet der rekordbox dj Performance-Modus wahrlich viele Features für DJs, inklusive Videos, Lyrics und automatisches Lighting. Das Effektangebot ist groß. Auch Scratch-Pad, Sequencing, Track-Matching, Capturing für den Sampler und einen Edit Mode hat die Software zu bieten.

Mittels MIDI-Learn-Funktion können weitere Controller integriert werden, zum Beispiel für die Lichtsteuerung in Kombination mit dem Pioneer RB1-DMX-Interface. Zudem bietet RB eine der besten Library-Management und natürlich DVS-Steuerung.

Serato

Auch hier heißt es, zunächst die aktuelle Versionsnummer der DJ-Software zu laden und zu installieren. Eine Software-Lizenz ist nicht nötig, der Mischer funktioniert als Hardware-Dongle. Ich habe im Test mit meinem MBP bei voreingestellten 2 ms eine flüssige DVS-Performance erzielt. Keine Beanstandungen hier, der Track pariert auf den Fuß.

Bezüglich der Effektsteuerung könnt ihr, je nachdem welche FX-Packs ihr gekauft habt, insgesamt bis zu 40 DJ-FX nutzen. Die Selektion kann via Encoder erfolgen, jedoch ist die bidirektionale Kommunikation mit dem Screen noch nicht optimal, daher musste ich während des FX-Selektion auf den Laptop-Schirm schauen. Das geht bei RB problemlos in Echtzeit am Screen abzulesen, hier leider nicht. Für die Die FX ist nur der erweiterte Modus sinnvoll, da im Single FX Mode lediglich Timing eingestellt werden kann und keine Parameter.

Apropos Performance-Pads: Neu hier: Gate Cue und der Combo-Pad-Modus. Letztgenannter erlaubt, zwei unterschiedliche Performance-Modi gleichzeitig nutzen. Einfach ersten Modus auswählen für die obere Zeile, Taste gedrückt halten und den zweiten Modus selektieren für die untere Zeile. Easy und nützlich, um verschiedene Funktionen zu kombinieren. Mittels Shift-Kombi können bis zu 4 (!) unterschiedliche Modi mit der jeweiligen Taste angesteuert werden, da auch User-Presets verfügbar sind – könnte man unter anderem für Serato Video nutzen usw.

Besonders interessant hier ist das Scratch-Bank Feature, welches euch erlaubt, via Tastendruck einen Track aus dem Dock in ein Deck zu befördern, wobei man zuvor in der Software-Oberfläche den Scratch-Cue-Punkt definieren kann. An der Performance mit Serato DJ Pro gibt es nichts auszusetzen. Vinyl-Handling in gefühlter Echtzeit und das vergleichsweise ressourcenschonend – prima.

Dienstprogramm für Einstellungen

Vor dem Fazit möchte ich noch kurz auf das Dienstprogramm für den S7 hinweisen. Hier könnt ihr das Mixer-Input/Output-Routing verfolgen und den Output-Level festlegen. Der Reiter „FX Bank“ ermöglicht euch, die Voreinstellungen für die beiden FX-Bänke festzulegen und abzuspeichern. „Preferences“ gibt Zugriff auf den Crossfader Cut-in, DVS-Pegel, Faderstart und die Autoloop-Länge.

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