Hersteller_Pioneer
Test
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10.09.2010

Praxis

Setup
Wie zu erwarten, ist der „Pioneer“ in Sekunden ins bestehende Setup eingebunden. Wer mit USB-Medien oder CDs spielt, muss lediglich das Netzkabel anschließen, die Cinch-Ausgänge mit dem Mixer verbinden und den Einschaltknopf betätigen. Unverzüglich illuminiert das Pioneer-Logo auf dem Screen, drei Sekunden später ist der Proband voll beleuchtet und ready-to-rock. Das Slot-In-Laufwerk nimmt meine Rohlinge sanft und zügig entgegen. Nur schade, dass der Einschub nicht beleuchtet ist. Sowohl die verschachtelte MP3-CD als auch die Audio-CD werden innerhalb von fünf Sekunden eingelesen. Schön, dass sogar der iPod-Nano mit allen Tags eingelesen wird. Wieder braucht es keine fünf Sekunden und der Inhalt ist abspielbereit. Mein etwas träger 2GB USB-Stick benötigte etwa die doppelte Zeit. Der Touchpod wurde indes nicht erkannt, und auch die Musikalien auf dem Samsung-YP-Player standen nicht zur Verfügung. Besonders überrascht hat mich der blitzschnelle Scan der externen Macintosh-Festplatte. Sie war in Sekunden startklar. Schön - und sehr praxistauglich.

Effekte und Loops
Pioneer entschied sich bei den neuen Geräteklassen gegen eine Implementierung von Effekten. Die wird mancher vielleicht vermissen. Bedenkt man jedoch, dass ein Großteil aktueller Mixer über sehr gut klingende interne Lösungen verfügt, und zudem auch externe Effektgeräte immer mobiler, intuitiver und preisgünstiger werden, kann man diesen Schritt - das nötige Kleingeld vorausgesetzt - vielleicht nachvollziehen.

Wie die Geschwister aus der 800er-Baureihe besitzt der Testkandidat zwei interne Schleifenvarianten nebst Dividern. Zwei centgroße, hell beleuchtete Tasten IN und OUT setzen die Einsprungs- und Endpunkte manueller Loops at-the-fingertip. Und zwar in frei definierbarer Position und Länge. Wer einen der Buttons länger gedrückt hält, kann zudem die entsprechende Flankenposition mit dem Jogwheel anpassen. EXIT verlässt den Audiozyklus, Reloop reaktiviert ihn. Rechts neben dem Display unterhalb des USB-Ports sind vier beleuchtete Shortcuts für beatsynchrone nahtlose Schleifen in den Längen 1/1, 2/1, 4/1 und 8/1 arrangiert. In Kombination mit der Schaltfläche BEAT-SELECT können diese auch als Loopcutter verwendet werden, zum Beispiel für Viertel-, Achtel- oder Sechszehntel-Intervalle. Quantisierung steht sowohl für den manuellen als auch für den AUTO-Modus zur Verfügung.

Der SLIP-Modus lässt einen Track während einer User-Interaktion quasi im Hintergrund weiterlaufen. So kann der DJ Tricks vorführen und nach Beendigung der Aktion spielt der Song dort weiter, wo er sich ohne Eingriff befunden hätte. Voll im Flow. Das ist so ähnlich wie bei Numarks NDX-800 Bleep-Feature (Test hier) oder Seratos Censor-Funktion.

Der Simultan-Dolmetscher
Unter Windows werden zunächst die Treiber von Pioneers Website installiert, am Mac wird der Proband automatisch eingebunden. Er lässt sich als Audio-Interface, MIDI-Controller und HID-Device nutzen. Der HID-Modus ermöglicht vielen DJ-Programmen, Songinformationen und eigene Analyseergebnisse direkt an der Hardware auszugeben. Erfordern Traktor, VDJ oder Mixvibes lediglich eine USB-Verbindung, läuft Serato Scratch Live erwartungsgemäß nicht mit dem Pioneer-Interface, sondern verlangt ein SL1 oder SL3.

Traktor meets CDJ
Ich starte zunächst Traktor 1.2.6. Am Testgerät wird die Verbindung bestätigt. Dann gilt es, dem Tabletop noch eines der vier Softwaredecks zuzuweisen. Für jenes Deck wird dann in den Preferences noch das Audiorouting (Pioneer-Interface) vorgenommen – fertig.

Tja, was soll ich sagen. Mucke läuft, Songdetails werden am Display dargestellt, Laufzeiten und BPM sind übermittelt und ich bin direkt im Geschehen. Vom automatischen und manuellen Looping, über den Scratchmode und der Keycorrection entspricht die Belegung im Wesentlichen den Aufschriften an der Hardware. Besonders gefallen hat mir auch die Option, multiple Loops per Tastenhieb speichern und löschen zu können. Auch mit dem Encoder durch den Browser-Tree zu manövrieren und mit den TRACK SEARCH-Buttons durch die Playlisten zu navigieren, kommt einer effizienten Arbeitsweise gleich - eine absolut gelungene Einbindung!

VDJ meets CDJ
In einer nicht minder geglückten Umsetzung erkennt Virtual DJ den Controller auf Anhieb. Das Display zeigt bereitwillig alle relevanten Tags an. Der Blick zum Computer ist nicht einmal nötig, wenn man in der Musik-Bibliothek navigiert und Songs nachladen möchte, denn die aktuelle Auswahl wird ebenfalls am Pioneer-Display abgebildet. Aber halt leider nur die aktuelle Auswahl, also genau ein Song. Schnell ist dieser per Push ins Deck geladen. Nudging, Scanning und Scratching funktionieren ordnungsgemäß, Looping, Cuts und Hotcues gehen flott von der Hand. Die Steuerung der Software ist intuitiv, selbst der SLIP-Modus funktioniert. Zwar lassen sich beide Softwaredecks über einen Neunhunderter bedienen, das macht dann aber nur Sinn, wenn ein weiteres Interface eingebunden wird. Stereo-Split ist in meinen Augen keine Option.

Scratch-Live meets CDJ
Zunächst ist der Download der aktuellen Scratch Live-Fassung von der Herstellerwebsite nötig, da erst die Versionen ab 2.1 unseren Testkandidaten von Haus aus einbinden. Das Update verläuft ohne nennenswerte Zwischenfälle. Danach werden alle benötigten Komponenten verkabelt und das SL3-Interface angestöpselt. Das war`s auch zunächst einmal mit der nativen Unterstützung. Von Kontrolle und HID-Modus leider noch keine Spur. Ein wenig Forschergeist bringt das nötige Pioneer Firmwareupdate auf die Version 3.1 ans Licht. Ist der CDJ geflasht, kann auch der Scratch Live-User loslegen. Zu den Features gehören unter anderem der direkte Zugriff auf die Library, manuelle und Autoloops, Scratching und Cuepoints. Ein Konfigurationsdokument von der Herstellerseite zeigt die genaue Belegung auf. Was der User allerdings noch immer benötigt, ist ein Rane-Interface. Das SL1-Serato-Set (16-Bit) bekommt er im gut sortierten Fachhandel ab etwa 500 Euro, mit dem Nachfolger SL3 kostet es rund 50 Prozent mehr.

CDJ-900 mit Timecodes
Die Kontrolle einer DJ-Software per Timecode-CDs gelang ohne Probleme. Das Scratchverhalten war erwartungsgemäß gut, genau wie Tempomodifikationen und Loopfunktionen. Allerdings stellt sich für Notebook-Artisten grundsätzlich die Frage, ob nicht der komfortablere HID-Modus hier bessere Dienste leistet. Für mich persönlich fällt die Entscheidung hier zugunsten des Human-Interface-Devices aus. Warum? Zum einen, weil zusätzliche ID3-Tags auf dem Bildschirm erscheinen, oder weil sich hardwareseitiges Encoder-Browsen samt Screeninfo effizienter gestaltet als mit einem Selection-Track. Für Scratch-Enthusiasten indes ist sicherlich auch die minimal tightere Latenz des Audiosignals entscheidend und könnte für den Einsatz der Timecode-CD sprechen. Manchmal ist der Anwender jedoch von der Wahl befreit, denn nicht jede DJ-Software arbeitet mit HID. Aber dann gibt’s ja noch immer den MIDI-Modus ohne Displaykommunikation.

Recordbox
Bereits vor dem Verkaufsstart verkündete Pioneer die Entstehung einer neuen Spezies. Da stellte sich natürlich die Frage, welche innovativen Features, Effekte oder Remix-Technologien wohl in die neue Generation einfließen würden. Die Antwort ist simpel. Das Motto lautet: „Prepare & perform“. Beim Generationswechsel hält also der digitale Workflow Einzug. Das verwundert nicht, wenn man bedenkt, mit welchen Privilegien die Fraktion der DVS-Artisten heutzutage beglückt wird. Ausgeklügelte Features wie Loops, Sampler, Cuepoints und FX sind eine Betrachtungsweise, der Workflow selbst wird aber ferner auch von der Bereitstellung einer Offline-Analyse, Beatgrid, Fade-Markern, Playlisten und der damit verbundenen Performance-Vorbereitung entscheidend geprägt. Da muss man sich schon mächtig ins Zeug legen, um mit den Platzhirschen der digitalen Setschöpfungskette, nämlich Traktor und SSL mitzuhalten. Eine Software muss her. Namentlich Recordbox.

Recordbox analysiert die Songs auf der Festplatte und dem USB-Stick, legt ein Beatgrid als Basis zur Quantisierung von Benutzerinteraktionen an und hilft bei der Vorbereitung der Mixsession mit Playlisten und Hotcue-Bänken. Der Club-Gig gestaltet sich daher, wenn Recordbox-kompatible Geräte vor Ort sind, komfortabel. Der DJ kann in aller Ruhe im Studio oder auf der Couch mit dem Laptop seine Darbietung planen, Playlisten erstellen, exakt im Timing sitzende Cues und Hotcues anlegen, Schleifen bauen und diese in der nächtlichen Performance nutzen. Die relevanten Daten werden gleich mit auf den USB-Stick geschaufelt.

Die Arbeit mit Recordbox orientiert sich schon ziemlich an dem, was DVS-Schwergewichte vorlegen. Und das ist in meinen Augen gut so. Recordbox ist sehr anwenderfreundlich, ich habe für euch eine Fotostrecke angelegt, die euch einen Überblick verschaffen und die Funktionsweise etwas verdeutlichen soll. Als Erstes gilt es, einen Ordner mit Audiodateien zu importieren. Die Songs werden in gut sieben Sekunden pro Stück analysiert.

Ist eine Datei berechnet, erscheint im oberen Bereich des Programms eine Wellenübersicht mit den Basisinformationen zu Titel, Cover Art, Laufzeiten und Tempo. Darunter ist ein vergrößerter Ausschnitt zu sehen, der das Beatraster anhand von weißen Punkten darstellt.

Die Wellenformen lassen sich zur besseren Platzierung von Cuepunkten oder Loops in vierzehn Stufen zoomen. Was mir allerdings fehlt, sind Werkzeuge zum Verschieben, strecken und stauchen des Taktrasters, falls Unterschiede bei der Platzierung des Gitters nach der Auswertung auftreten.

Hotcue-Bänke speichern maximal je drei Markierungen, die dann unkompliziert auf den Stick exportiert werden, um sie am Player zu nutzen. Diese können allerdings nur am 2000er Topmodell abgerufen werden. Betrachtet man den vierstelligen Preis des kleineren Bruders, ist dies etwas schade. Sowohl in der Recordbox, als auch am Gerät selbst ist es allerdings möglich, bis zu zehn normale Cuepoints oder Loops pro Song anzulegen. Der DJ navigiert dazu einfach an die Position, wo er eine Markierung oder einen Loop platzieren möchte, betätigt die Taste CUE, oder bei Schleifen IN und OUT und speichert mit der Memory-Taste. Das ist soft- oder hardwareseitig das gleiche Verfahren, der wechselseitige Austausch funktioniert ohne Probleme. Mit den Pfeiltasten an der Konsole kann der DJ gespeicherte Punkte nacheinander anfahren. DELETE löscht, was nicht mehr benötigt wird .

In der Software-Transportsektion stehen viele Werkzeuge für die Vorbereitung am Rechner bereit. Farblich orientieren sich diese zum Teil an der Hardware, was den Zugang für computer-resistente Anwender erleichtert. Die Darstellung der Loops ist sehr gelungen, bei der Platzierung entscheidet der DJ selbst, ob seine Eingaben an die nächste Rastermarkierung verschoben, sprich quantisiert werden.

Genau so einfach gestaltet sich der Umgang mit den Songkatalogen. Im Playlistfenster wird zunächst ein neuer Index angelegt, markierte Songs werden dann per Rechtsklick eingepflegt. Die Einbindung der iTunes Bibliothek könnte man durchaus als nahtlos bezeichnen. Die Liste der Wahl wird einfach in die CDJ-Bibliothek geklickt. Und genauso einfach werden sie dann auf den USB-Stick geschaufelt. Hier zeichnet sich eine deutliche Handschrift der französischen Mixvibes-Truppe ab, die eine ähnliche Umsetzung in ihrem DVS-Zugpferd Cross implementierte (Test hier). Wer möchte, kann auch mit nebeneinander platzierten Fenstern im Drag-and-drop-Verfahren arbeiten. Eigene Ablauf-Zusammenstellungen können auch aus Recordbox heraus in ein anderes Format (.pls,.m3u), etwa nach iTunes zurückexportiert werden.

Natürlich darf auch ein Tag-Editor zum Editieren unterschiedlicher Datei-Informationen nicht fehlen. Hier (etwas versteckt) kann der DJ die Quantisierungsoption für die CDJ-Hardware manuell zuschalten. Nachdem die Songs mit den neuen Informationen auf den Speicherstick übertragen wurden, stehen Markierungen, BPM, Wellenformanzeigen und Beatraster unmittelbar nach dem Ladevorgang an der Konsole zur Verfügung.

Unterm Strich ist Recordbox eine gelungene Software für den CDJ-Anhänger. Eigentlich fehlt nur noch, dass Pioneer eine eigene kostenlose Mix-Software zum Download bereitstellt, die sich offline und später dann per MIDI oder HID mit den Geräten im Club betreiben lässt, ohne optische Medien oder Flashspeicher. Prepare-and-perform-Plus.

Unterschiede zwischen CDJ-900 und CDJ-2000
Auch wenn der 900-er sich featuremäßig näher am 2000-er als am 350er platziert, so gibt es doch einige feine Unterschiede. Ich möchte nun nicht jedes Detail aufzählen, aber zumindest diejenigen, die einen Kaufentscheid ausmachen könnten. Einige Hauptmerkmale sind sicherlich das grafikfähige Display des Spitzenmodells, der Leuchtkranz um das Jogwheel herum sowie die Unterschiede in der Buttonbeleuchtung und der Beleuchtung des CD-Einschubs. Er besitzt zudem Hotcue und Sample-Buttons, einen SD-Card-Einschub und einen großen REVERSE-Schalter anstelle eines Buttons. Statt umfangreich vordefinierter Schleifenlängen kommt allerdings nur ein 4-Beat-Autoloop mit Cutter vorhanden. Zudem hat das Flagschiff einen berührungsempfindlichen Ribbon-Controller für einen virtuellen Needledrop und ein Jogwheel-Widerstandspoti im Gepäck. Die DVD als Abspielmedium ist aufgrund mangelnder Unterstützung von Videoformaten für mich persönlich kein sonderlich wichtiges Kriterium.

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