Hersteller_Peavey Gitarre
Test
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11.12.2015

Peavey Classic 20 MH Test

Vollröhren-Topteil

Vintage-Sound mit USB

Die Classic Serie des US Herstellers Peavey ist unter Gitarristen äußerst beliebt, da sich in ihr vielseitige, sehr gut klingende Amps im Vintage-Outfit zu vernünftigen Preisen versammeln. Die zweite extrem erfolgreiche Linie der Marke trägt die Zahl 6505 und beide durften sich auf der diesjährigen NAMM-Show über Zuwachs freuen. Und der folgt dem Trend nach unten, zumindest, was die Wattzahlen angeht. Ansonsten sollen beide Exemplare natürlich den hohen Ansprüchen der Serien gerecht werden.

Peavey überraschte die Besucher der NAMM infolgedessen mit zwei extrem interessanten Topteilen. Zum einen mit dem 6505 20 MH, der die Hard & Heavy Fraktion der Marke vervollständigt, und zum anderen mit unserem Testkandidaten, dem Classic 20 MH. Bei beiden deutet der Zusatz 20 dezent auf die Ausgangsleistung in Watt hin und die Buchstabenkombination MH wird ganz einfach mit Mini Head übersetzt.

Details

Optik/Verarbeitung:

Das kleine Topteil kommt in einem attraktiven Vintage-Äußeren und bringt gerade einmal acht Kilo bei 185 mm x 356 mm x 197 mm (Hx B x T) auf die Waage. Kein Problem also für das Tragen am Oberseiten-Griff. Acht Metallecken bieten etwas Schutz bei ruppigeren Transporten und einmal aufgebaut steht es sicher auf seinen vier Gummifüßen. Verarbeitungsseitig gibt es auf den ersten Blick absolut nichts zu beanstanden - kein Wunder, der in den USA entwickelte und in China gebaute Verstärker ist der jüngste Spross eines Traditionsunternehmens, das seit Jahrzehnten Erfahrungen im Verstärkerbau besitzt.

Die Bedienfläche ist ziemlich aufgeräumt und übersichtlich. Es beginnt ganz links mit der Eingangsbuchse, gefolgt von einem Volumenpoti. Der daneben positionierte Taster schaltet zwischen den beiden Kanälen um, was allerdings auch ein optionaler Fußschalter erledigen kann. Weiter geht es mit den beiden Pre Gain- und Post Gain-Potis, die im Lead-Kanal für Zerrgrad und Lautstärke zuständig sind. Beide Kanäle teilen sich einen Dreiband-EQ, der wie üblich Frequenzen im Bass, der Mitte und den Höhen justiert. Einen Hall hat das Topteil ebenfalls an Bord, die Intensität wird per Poti feinfühlig justiert. Es handelt sich dabei um eine digitale Version, die einen Federhall simulieren soll.

Ein rot leuchtendes Pilot-Light glüht, sobald der rechts daneben sitzende Power Schalter umgelegt wird, und los gehts wie üblich nach Deaktivieren des Standbys. Aber noch einmal kurz zurück zur Lampe, denn über dieser leuchten zwei kleine grüne LEDs unter dem Titel T.S.I. Diese Abkürzung steht für "Tube Status Indication" und meint damit den Status der beiden EL 84 Endstufenröhren. Laufen diese korrekt, bleibt es beim grünen Licht. Tritt jedoch ein Fehler auf, beginnt die einer Röhre zugeordnete LED rot zu glimmen - übrigens auch, wenn der Amp sich im Standy-Modus befindet. Das liegt schlicht und ergreifend daran, dass in diesem Zustand die Glaskolben nicht den benötigten Strom erhalten. Fällt eine Röhre im laufenden Betrieb aus, wird diese kurzerhand abgeschaltet, aber der Amp ist nach wie vor einsatzbereit. Wenn sich nach einiger Zeit und einem automatischen Reset die defekte Röhre doch wieder dienstbereit meldet, wird sie wieder integriert. Sehr clever! Alle sieben Regler lassen sich übrigens geschmeidig bedienen und dank ihrer Chickenhead-Ausführung feinfühlig justieren.

Ein Blick auf die Rückseite lässt die Augenbrauen überrascht hochschnellen, hier ist tatsächlich eine ganze Menge los. Ganz links kann zwischen 115 und 220-230 Volt umgeschaltet werden, und neben dem Netzanschluss wartet die Sicherung auf den Ernstfall. Im Fall des Falles sollte man immer daran denken, dass eine Sicherung sich nicht aus Spaß verabschiedet. Und ein Fehler in der Elektrik eines Röhrenamps kann extrem gefährlich werden, deshalb am besten einen Techniker zu Rate ziehen. Der nächste Block besteht aus dem Speaker Out, der sich zwischen 8 und 16 Ohm umschalten lässt. Eine Besonderheit des Classic 20 MH ist die Leistungsreduzierung von 20 über 5 bis hin zu 1 Watt. Wie sich das auf den Klang auswirkt, werde ich später berichten.

Weiter geht es mit dem "Mic Simulated Direct Interface", kurz MSDI. Es handelt sich dabei um nichts anderes als eine Speaker-Emulation, mit der man direkt in einen Mischer oder ein Interface spielen kann, ohne eine Lautsprecherbox abnehmen zu müssen. Eine Box braucht der Classic 20 MH übrigens auch nicht zwingend. Der mit SPKR (Speaker) betitelter Schalter aktiviert bei Bedarf einen Lastwiderstand, sodass auch beim Betrieb ohne Lautsprecher die Röhren keinen Schaden davontragen. Sollte ein Brummen im Signalweg auftauchen, lässt sich dieses in der Regel per Ground Lift-Schalter eliminieren. Dieser Schalter befindet sich rechts neben der XLR-Buchse, die das speakersimulierte Signal für Mischpult etc. bereithält. Auch ein Kopfhörer mit Miniklinkenstecker findet Anschluss, auf dem dann exakt dasselbe Signal zu hören ist.

Bei der Effects Loop handelt es sich übrigens ganz klassisch um die serielle Variante.

Bevor es in die Praxis geht, möchte ich noch auf die letzten beiden Anschlussmöglichkeiten zu sprechen kommen. Dabei handelt es sich um die für zwei Fußschalter. Während der obere für die Kanalumschaltung und einen Boost der Gesamtlautstärke zuständig ist, schaltet der zweite den digitalen Hall und den Effekt-Einschleifweg. Die Original-Fußleisten sind optional erhältlich und kommen jeweils mit zwei Schaltern inklusive LEDs, die den aktuellen Betriebszustand anzuzeigen. Es sollten aber auch andere Schalter hier einsetzbar sein. Tatsächlich sucht man einen solchen Anschluss-Luxus sogar bei den meisten ausgewachsenen Topteilen vergeblich! Parallel zum Simulated Output besitzt das Topteil auch noch eine USB-Buchse, die einen Computer ins Geschehen einbindet und das Signal auf diesem Wege digital in jede x-beliebige DAW herausgibt.

Wenn ich sehe, was alles geboten ist, dann muss ich mit Respekt vermelden, dass man sich bei der Konzeption des Amps extrem praxisorientierte Gedanken gemacht hat.

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