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Peavey MiniMax™500 Test

Einer meiner ersten Bassverstärker zu Teenagerzeiten war ein unglaublich robuster Peavey Mark III aus den späten 70er-Jahren. Der 300 Watt starke Transistoramp war gespickt mit zahlreichen Features, wie zwei getrennte Kanäle (separat und kombiniert schaltbar), ausgerüstet mit Mitten-Parametrik, zuschaltbarem grafischen Sechsband-EQ (alles per mitgeliefertem Fußschalter abrufbar!), Crossover-Funktion und dem damals noch neuen DDT Endstufen-Limiter. Irgendwann habe ich den Amp verkauft, sehr wahrscheinlich “lebt” er auch heute immer noch! 50 Jahre existiert nun die Firma Peavey bereits. Typisch für die meisten Firmen in den innovativen Gründerzeiten der 50er- und 60er-Jahre startete auch Hartley Peavey sein Unternehmen mehr oder weniger in einer Garage. Mit unzähligen Patenten, individuellem Design und der Philosophie “quality gear at a fair price” expandierte der Hersteller von Audio-Equipment und Musikinstrumenten kontinuierlich bis heute weltweit, stets mit einem geschickten Gefühl für den Zahn der Zeit. Sei es der frühe Einsatz von Transistortechnologie, die Verwendung erster CNC-Fräsen im Gitarren- und Bassbau, die Emulation von Röhrenklang auf Transistorbasis und vieles mehr. Stets war Peavey ein maßgeblicher Vorreiter – und das mit einem permanent guten Preis-/Leistungsverhältnis.

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Auch Bassverstärker baut Peavey seit den ersten Tagen; der erste seiner Gattung hieß damals Dyna-Bass™. Pünktlich zum 50-jährigen Jubiläum beglückt Peavey uns Bassisten nun mit einem 500 Watt starken “Westentaschen-Budget-Amp made in China”, der sich abermals am Zeitgeist orientiert und die drei ewigen Kontrahenten “Leistung, Größe und Gewicht” auf einen äußerst praktikablen Nenner zu bringen scheint. Neu ist das natürlich nicht, und das Angebot an Mini- und Lightweight-Amps hat die Grenze der Überschaubarkeit längst überschritten. Wir sind also gespannt, was Peavey der Konkurrenz entgegenzusetzen hat!

Details

Der Peavey MiniMax 500 wird in einem kleinen “ready to go”-Pappköfferchen ausgeliefert, das die werbeträchtigen Worte “Maximum Tone, Power, Portability” trägt. Ok, damit wäre dann auch deutlich die Zielsetzung definiert. Neugierig macht jedoch die zusätzliche Aufschrift “Psycho Acoustic Low End Enhancement”. “Jetzt ziehen sie aber echt alle Register!”, denke ich mir – aber warten wir besser erst einmal ab. Sicher im Karton gelagert befinden sich neben dem Objekt der Begierde noch eine schnuckelige Tragetasche, das Netzkabel und eine DVD (!) mit der Bedienungsanleitung.
Die wichtigsten Fakten auf einen Blick:

  • 500 Watt Leistung an 4 Ohm, basierend auf Transistor Class-D-Technologie
  • 2,7 kg Gewicht
  • Abmessungen: 27 x 8,5 x 20 cm inklusive Füße, Rackgriffe und herausragende Anschlüsse
Fotostrecke: 4 Bilder Der nur 2,7 kg schwere Peavey MiniMax wird …
Fotostrecke

Das Frontpanel des schwarzen Aluminiumblechgehäuses wurde mit zwei kleinen Griffbügeln ausgestattet. Zum Tragen kann man sie zwar verwenden, wirklich notwendig wären sie angesichts der kleinen Abmessungen allerdings nicht. Dafür übernehmen sie immerhin eine nicht unwichtige Schutzfunktion für die Bedienelemente. Sollte man den Verstärker einmal auf der Gesichtsseite abstellen, so kann dennoch nichts passieren.
Das Frontpanel wurde ästhetisch und klar lesbar mit einer weißen Beschriftung versehen und beherbergt fünf durchaus attraktiv wirkende weiße Chickenhead-Regler. Ein kleines, aber sympathisches Relikt aus beliebten Vintage-Zeiten? Neben aller Nostalgie haben sich diese Potiknöpfe jedoch einfach vor allem wegen ihrer deutlichen Ablesbarkeit der Positionsstellung bewährt.

Man muss dem MiniMax einen schlüssigen und übersichtlichen Aufbau attestieren.
Man muss dem MiniMax einen schlüssigen und übersichtlichen Aufbau attestieren.

Die Aufteilung der Bedieneinheit ist erfreulich spartanisch und überschaubar gehalten. Ein Inputregler links, ein Outputregler rechts, und dazwischen ein aktiver Dreiband-EQ, der sich in Neutralstellung befindet, wenn alle Regler in 12-Uhr-Position ausgerichtet sind. Nichtsdestotrotz existieren einige Zusatzerweiterungen, die sich erst bei genauem Hinsehen offenbaren. Links befinden sich zwei 6,3mm Klinken-Eingangsbuchsen, unterschiedlich ausgelegt in der Eingangsempfindlichkeit für passive und aktive Bässe. Rechts befinden sich zwei Miniklinkenbuchsen. Die erste dient dem Anschluss einer externen Audioquelle, wie MP3-Player, Metronom, etc., und die zweite Buchse ermöglicht den Anschluss eines Kopfhörers. Wird diese Buchse belegt, dann schaltet sich der Ausgang des MiniMax stumm.
Ein essentielles Zusatzfeature des MiniMax ist ein integriertes Stimmgerät: Der Tuner wird per Druckschalter in Betrieb genommen, wobei auch das Signal des Amps stummgeschaltet wird. Eine LED-Anzeige zeigt an, welcher Ton gerade analysiert wird. Drei über der Anzeige sitzende LEDs ermöglichen die Feinjustierung. Die Kalibirierung des Tuners ist allerdings fest auf 440 Hz eingestellt und lässt sich nicht verändern.
Die Dreiband-Klangregelung regelt folgende Frequenzbereiche:

  • Bass: Kuhschwanzfilter (Shelve) mit Zentralfrequenz 50 Hz cut/boost -/+ 15dB
  • Middle: Glockenfilter -/+ 15dB cut/boost bei wahlweise 250 Hz oder 600 Hz (mittels Druckschalter wählbar)
  • Treble: Kuhschwanzfilter (Shelve) mit Zentralfrequenz 8 kHz cut/boost -/+ 15dB

Der Dreiband-EQ ist mit drei zusätzlichen Drucktastern ausgestattet, die jeweils unterhalb von den Frequenzreglern positioniert sind. Sie üben folgende Funktion aus:

  • Punch: aktiviert einen Bassboost bei 100 Hz um +6dB
  • Mid Shift: Das ist der besagte Schalter für die Auswahl der Wirkungsfrequenz des Mittenreglers, entweder bei 250 Hz (Schalter gedrückt) oder 600 Hz (Schalter nicht gedrückt)
  • Bright: hebt die Frequenzen um 1 kHz um +10dB an
Fotostrecke: 2 Bilder Hier ein Blick auf die EQ-Sektion mit den drei zusätzlichen Drucktastern.
Fotostrecke

Damit sind die Basisfeatures des Peavey MiniMax jedoch noch nicht ausgeschöpft, denn es existieren noch zwei weitere Druckschalter in den Außenpositionen, welche ganz besonderen Funktionen zugeordnet sind.
Unter dem Gainregler befindet sich der Schalter “TT Boost”. Hinter dem Kürzel “TT” verbirgt sich der Begriff “TransTube”, eine Peavey-eigene Röhrensimulation, deren erste Ursprünge bereits in einer Schaltung von Übungsverstärkern im Jahr 1980 zu finden waren und die 1995 weiterentwickelt wurde. Das Ziel ist, ein Soundverhalten des Verstärkers zu erreichen, welches dem eines Röhrenverstärkers entspricht – vor allem, wenn dieser in den Bereich der Verzerrung übergeht. Die Schaltung hat einen besondern Clou: sie begegnet auf sehr geschickte Weise dem Problem, dass man bei wechselseitigem hin- und herschalten zwischen cleanem und verzerrtem Signal für gewöhnlich auch die Lautstärke verändert, wenn man nur über einen einzigen Vorstufenkanal verfügt.
Die TT-Schaltung funktioniert auf folgender Basis:
Man schaltet mittels des Druckschalters die Funktion ein, regelt mithilfe des Gain-Reglers die gewünschte Vorstufenzerrung aus, und stellt mit dem Volume-Regler dann die gewünschte Endlautstärke ein. Schaltet man die TT-Simulation wieder aus, so hört man auch wieder einen cleanen Basssound, der jedoch in derselben Lautstärke erklingt wie der zuvor verzerrte Sound. Die Schaltung ermöglicht also den Wechsel zwischen Clean und Overdrive ohne eine zusätzliche Gain-Anpassung. Leider ist diese Funktion, wie auch alle anderen, nicht per Fußschalter fernsteuerbar -alle Schaltvorgänge müssen direkt am Amp vorgenommen werden.

Die Eingangssektion mit dem kleinen Schalter für das Trans-Tube-Feature.
Die Eingangssektion mit dem kleinen Schalter für das Trans-Tube-Feature.

Die letzte auf dem Frontpanel zu ortende Funktion verbirgt sich in einem Schalter unterhalb des Lautstärke-Reglers. Es ist die eingangs erwähnte Funktion mit dem illustren Titel “Psycho-Acoustics-Technology”. Wie man im Manual nachlesen kann, handelt es sich dabei um eine Schaltung, die den Subfrequenzanteil einer Note analysiert und ihn mit Obertönen anreichert, die stärker im Wahrnehmungsspektrum des menschlichen Gehörs liegen. Auf diese Weise erscheint der Basston kräftiger und lauter, ohne der Endstufe mehr Leistung abringen zu müssen. Gleichzeitig behält der Ton eine stärkere Präzision als dies bei der Wiedergabe von Subfrequenzen der Fall wäre.
Ganz rechts finden wir noch den als runden Druckschalter designten Netzschalter, welcher blau leuchtet, wenn der Verstärker in Betrieb ist. Darunter befindet sich das Logo “DDT” (Distortion Detection Technique). Dies bezeichnet eine Peavey-eigene Endstufenlimiter-Schaltung, die bereits seit den späten 70er-Jahren Verwendung findet. Es ist eine äußerst effiziente Methode, die Endstufe vor Clipping zu bewahren – und somit gleichfalls ein Schutz für die Lautsprecher und auch gegen eine mögliche Beschädigung der Endstufe selbst. Das Gefährlichste für einen Lautsprecher ist ja nicht unbedingt eine hohe Dauerbelastung, sondern Überlastungsspitzen in Form von Rechteck-Kurven, wie sie entstehen, wenn eine Transistor-Endstufe in den Grenzbereich gefahren wird und übersteuert (Clipping).

Userfreundlich auf der Front platzierte Features und wirkungsvolle Peavey-eigene Innovationen - dieser kleine Kraftzwerg hat es wirklich in sich!
Userfreundlich auf der Front platzierte Features und wirkungsvolle Peavey-eigene Innovationen – dieser kleine Kraftzwerg hat es wirklich in sich!

Die Rückseite offenbart folgende Anschlüsse:
Ein Euro-Netzkabel-Anschluss, abgesichert mit T3,15AL-Sicherung in einem separaten Tunnelfach mit Drehverschluss. Um den Peavey MiniMax in einer Region mit 110/120 Volt Netzspannung betreiben zu können, muss zuvor die Sicherung ersetzt werden gegen eine T5AL. Wer also mit seinem geliebten Miniamp um die Welt fliegen möchte (was ja de facto kein Problem darstellt), der sollte auch entsprechende Sicherungen im Gepäck mit sich führen. Die Auswahl der Betriebsspannung (110/220 Volt) erfolgt über einen versenkten Schiebeschalter, der zum Schutz gegen ungewolltes Verstellen zusätzlich mit einem kleinen Plexiglasfenster abgedeckt ist.
Für den Anschluss von Lautsprechern stehen zwei Speakon-/Klinke-Kombibuchsen bereit. Die minimale Gesamtimpedanz der angeschlossenen Boxen muss 4 Ohm betragen. Apropos: An 4 Ohm liefert der Peavey MiniMax dann natürlich auch seine vollen 500 Watt Leistung!
Ein serieller Mono-Effektloop, gekennzeichnet als FX-Loop, rundet das Gesamtbild ab, mitsamt einem obligatorischen XLR DI-Ausgang, der sowohl über einen Groundlift-Schalter gegen Brummschleifen, als auch über Pre-Post-Schalter verfügt, um zu bestimmen, ob das DI-Signal vor oder hinter der Klangregelung abgegriffen werden soll. Seitlich ist das Gehäuse mit Lüftungsöffnungen versehen, wobei hinter der linken Öffnung ein permanent laufender Lüfter für Kühlung der Innereien sorgt.

Fotostrecke: 3 Bilder Austauschbare Sicherung, Effektweg, Speaker-Ausgänge …
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Profilbild von Gerd_Bass

Gerd_Bass sagt:

#1 - 04.05.2016 um 00:02 Uhr

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Zu schade, das mit dem Lüfter und dem Knacksgeräusch. Ich habe einen 35 Jahre alten Mark IV, der immer noch problemlos läuft, aber von Beginn an ein sattes Plopp beim Ausschalten vernehmen lässt. Angeblich ist das für die Speaker nicht schädlich, aber es ist so peinlich, dass ich vor dem Ausschalten i. d. R. die Speakerkabel abziehe.Seltsam, dass Peavey es in 35 Jahren nicht schafft, dieses nervige Problem zu beseitigen. Statt dessen kommt noch eines hinzu, das mein alter Mark IV nur vom Hörensagen kennt: Lüftergeräusche. Die sind nur bei mittleren bis grossen Gigs unauffällig, aber schon auf kleinen Bühnen, beim Proben oder gar bei Live Recordings im Studio ein No-go.Ich hatte schon erwartet, meine Topteil-Wunschliste bekäme einen neuen Spitzenreiter. Alles passt: Sound, Features, Preis. Wobei ich gerne 25 € mehr für einen temperaturgesteuerten Lüfter ausgegeben hätte. Aber diese beiden Geräuschprobleme verhageln ihm das Ergebnis.
Zu schade.

    Profilbild von lars.bonedo

    lars.bonedo sagt:

    #1.1 - 04.05.2016 um 06:49 Uhr

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    Hi Gerd!Ha, kenne ich - auch ich besaß zu Beginn meiner Musikerkarriere einen Peavey-Amp (sogar noch einen Mark III). Der klang gar nicht übel und war quasi "unkaputtbar", besaß aber auch schon das von dir beschriebene Knacksen.
    Du hast Recht: dass man das nach all den Jahren nicht einfach mal behebt, ist schon komisch. Scheinbar legen die Entwickler auf andere Sachen Wert; und die firmeneigenen Features sind ja auch durchaus beachtlich.
    Trotzdem: der Schritt zur Nebengeräuschminimierung wäre ja im Grunde nur ein kleiner. Dass der noch nicht getätigt wurde, versteht man nicht wirklich!Viele Grüße und weiterhin viel Spaß mit deinem Mk. IV, Lars

    Antwort auf #1 von Gerd_Bass

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