Hersteller_Peavey Gitarre
Test
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14.12.2015

Peavey 6505 MH Test

Vollröhren-Topteil

Von wegen Pommesgäbelchen!

Ist von Peavey die Rede, dauert es in der Regel nicht lange, bis das Gespräch auf den 6505 und seine Heavy- und Metal-Klientel kommt. Wer weiß, vielleicht haben wir es beim Peavey 6505 sogar mit dem am häufigsten verwendeten Amp im modernen Hard & Heavy und den einschlägigen Untergenres zu tun, und das sowohl auf der Bühne als auch im Studio. Immerhin kann das Topteil mit all dem aufwarten, was dem modernen Hardcore-Gitarristen lieb und recht ist. Und das sind nicht weniger als satte 120 Watt Röhrenpower, unendliche Gainreserven und den geliebten "Growl" im Sound.

Dass im Studio kaum solche Wattzahlen benötigt werden, hat sich inzwischen herumgesprochen, und so ist die 20-Watt-Version des Brachial-Amps, die Peavey auf der NAMM-Show vorstellte, auf jeden Fall für viele die frohe Botschaft des Jahres. Der Peavey 6505 MH - das Kürzel steht für Mini Head - sorgt jedenfalls schon jetzt für ordentlich Furore in der Gemeinde und ist für uns deshalb Grund genug, ihn auf die Testbank zu lupfen und genauer unter die Lupe zu nehmen.

Details

Optik/Verarbeitung:

Der 6505 MH hat mit seinen 185mm x 356mm x 197mm (H x B x T) ziemlich genau die halbe Breite des des großen Bruders, wiegt dabei aber lediglich schlanke acht Kilo, was ihn zumindest transporttechnisch zum perfekten Begleiter macht. Und robust genug ist er auch, denn schwarze Metallecken stecken unliebsame Stöße weg und schützen das mit schwarzem Tolex bezogene Gehäuse. Ein ebenfalls schwarzer Griff auf der Oberseite erleichtert den ohnehin problemlosen Transport, und ist man am Ziel angekommen, ruht das Topteil sicher auf vier dicken Gummifüßen. Optisch orientiert er sich natürlich am großen Vorbild, und das ist Peavey durchaus gelungen. Eine schwarze Lochblechplatte nimmt mehr als zwei Drittel der Front ein, den unteren Rest belegt das silberfarbene Bedienfeld, dass wir uns jetzt genauer anschauen wollen.

Los geht es mit der Eingangsbuchse an der linken Seite, daneben sitzt ein Taster, der zwischen den beiden Kanälen Rhythm und Lead umschaltet. Ersterer besitzt einen eigenen Pre-Gain-Regler, der den Gain-Gehalt festlegt, während ein weiterer Taster als Bright Switch dient, sprich, es werden Höhen hinzuaddiert, ein zweiter als Crunch Switch, der aus dem cleanen Kanal einen Crunch-Kanal macht. Diese Schaltvorgänge lassen sich (abgesehen von Bright) auch per Fußschalter fernsteuern.

Eine fette senkrechte Linie trennt den Rhythm- optisch vom Lead-Kanal, der den Reigen der weiteren Regler ebenfalls mit einem Pre-Gain-Poti eröffnet. Die folgende Dreiband-Klangregelung, bestehend aus Bass, Mid und High, teilen sich beide. Zwei weitere Potis mit den Bezeichnungen Rhythm Post-Gain und Lead Post-Gain sorgen für die Justierung der jeweiligen Ausgangslautstärken, sodass sich in dieser Hinsicht beide Kanäle sehr gut aufeinander abstimmen lassen. Es folgt ein Reverb-Regler, der - was sonst - für den Hall-Anteil zuständig ist. Auch bei unserem Kandidaten scheppert keine Feder mehr, ein digitaler Hall-Prozessor versucht sich darin, den guten alten Federhall zu simulieren. Die beiden folgenden Regler dürften alle kennen, die schon einmal mit einem 6505 zu tun hatten. Es handelt sich um das Resonance- und Presence- Duo. Presence sorgt hier für eine Höhenanhebung aus der Endstufe heraus, ganz so, wie man das auch von vielen anderen Röhrenamps kennt, Resonance hingegen ist für eine Feinjustage der tiefen Frequenzen zuständig, und zwar ebenfalls endstufenseitig. Und eines kann ich schon vorweg sagen: Dieses Poti entfaltet eine ziemlich beeindruckende Wirkung, aber dazu später mehr. Oberhalb der beiden obligatorischen Standby- und Power-Schalter leuchten zwei grüne LEDs unter der Überschrift T.S.I., eine Abkürzung für Tube Status Indication, die den Betriebszustand der beiden EL 84 Endstufenröhren anzeigen. Funktionieren sie korrekt, bleibt es beim grünen Licht. Tritt jedoch bei einer Röhre ein Fehler auf, glimmt die zuständige LED rot. Auch im Standby-Modus schalten sich beide LEDs auf rot, da die Glaskolben weniger Strom erhalten. Entscheidet sich eine Röhre dazu, im laufenden Betrieb auszusteigen, wird diese kurzerhand abgeschaltet, aber der Amp ist nach wie vor einsatzbereit. Nach einer gewissen Zeit nimmt das Topteil einen Reset vor und prüft, ob die defekte Röhre es sich vielleicht doch anders überlegt hat. Ist dies der Fall, wird sie wieder integriert.

Bevor ich mich der Rückseite widme, muss ich noch einmal kurz erwähnen, dass alle zehn Regler mit schwarzen Potikappen ausgestattet sind und sich sehr geschmeidig und vor allem feinfühlig justieren lassen. Die Verarbeitung des Amps ist insgesamt hochwertig und hat in keinem Aspekt die fernöstliche Anmutung, an die seine Herkunft aus China vielleicht manchen denken lässt. Aber die Befürchtungen sind bei Markengeräten ohnehin grundlos, denn die Fertigungsstätten im fernen Osten genießen mittlerweile einen hervorragenden Ruf.

So, jetzt geht's nach hinten!

Und dort ist ganz schön was los! Betrachtet man die Ausstattung der Rückseite, muss es der kleine Amp faustdick hinter den Röhren haben. Ganz links wird zwischen 115 und 220-230 Volt umgeschaltet, daneben findet die Kaltgerätebuchse ihren Platz. Im Fall des Falles wird hier auch die Sicherung getauscht. Aber immer daran denken: Die fliegt nicht einfach so raus! Bevor man hier im besten Fall nur den Amp, im schlechtesten seine Gesundheit ruiniert, sollte man einen versierten Techniker einschalten, denn mit defekten Röhrenamps ist nicht zu spaßen.

Weiter geht es mit dem Speaker Out, der sich zwischen 8 und 16 Ohm umschalten lässt. Eine Besonderheit des Classic 20 MH ist die Leistungsreduzierung von 20 über 5 bis hin zu 1 Watt. Wie das klingt, werde ich natürlich im Praxisteil herausfinden.

Einen Speaker-Simulator hat das kleine Topteil auch, Peavey hat es MSDI getauft, was für "MIC SIMULATED DIRECT INTERFACE" steht. Es handelt sich dabei um nichts anderes als eine Speaker-Emulation, die das Signal direkt und ohne zwischengeschaltete Box in ein Mischpult, einen Wandler oder sonstige weiterverarbeitende Audiogeräte entlässt. Dazu wird lediglich der SPKR-Taster gedrückt, und schon läuft das 6505 Mini-Topteil ohne Box und ohne irgendwelche Schäden befürchten zu müssen. Sollte es im Signalweg brummen, ist auch dies kein Problem, denn mit dem integrierten Ground-Switch lässt sich dieses Problem meist beheben. Auch an den Anschluss eines Kopfhörers mit Miniklinke ist gedacht, der exakt mit demselben lautsprechersimulierten Signal gefüttert wird wie die XLR Line-Out-Buchse.

Wie es sich für einen zeitgemäßen Gitarrenverstärker gehört, besitzt unser Proband auch einen Effekt-Einschleifweg, bei dem es sich ganz klassisch um die serielle Variante handelt. Wer den 6505 auch fern- bzw. fußsteuern möchte, findet dazu zwei Buchsen für Fußschalter, die optional von Peavey angeboten werden. Aber natürlich sollten auch andere, passende Schalter funktionieren. Geschaltet werden außer den Kanälen und Crunch (Boost) auch Reverb und FX Loop. Eine solche Ausstattung hätte ich bei diesem Topteil ehrlich gesagt nicht erwartet, einen solchen Luxus sucht man bei so manchen ausgewachsenen Boliden vergeblich! Aber das ist noch nicht alles, denn parallel zum Simulated Output besitzt das Topteil auch noch eine USB-Buchse, die zum Anschluss an einen Computer dient und das Signal auf diesem Wege digital in jede x-beliebige DAW herausgibt. Natürlich hat Peavey auch für diese Buchse einen Namen: "Microphone Simulated USB Audio Recording Out".

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