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Test
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17.01.2014

Numark NS7 II Test

DJ-Controller für Serato DJ

Seven Inches of Fun!

Numark NS7 II im bonedo.de-Test. Berührungsempfindliche Drehregler, rotierende Echtvinyl-Plattenteller, viele Performance-Tools, eine autarke Mischpultsektion und satte 16 MPC-Pads – das sind nur einige „Kernkompetenzen“ des MIDI-Controllers Numark NS7 II. Er tritt in den Ring, um den Turntablisten dieser Welt zu zeigen, dass man auch mit einem MIDI-Controller richtig gut scratchen und beatjugglen kann – oder was die DJ-Trickkiste sonst noch so hergibt. Die Kommandozentrale tritt in die Fußstapfen der mittlerweile viereinhalb Jahre alten Serato Itch Steuereinheit NS7, die wir Ende 2009 in diesem Test unter die Lupe nehmen durften.

In erster Linie ist das Gerät zwar ein von einem 24-Bit-Audiointerface angetriebener DJ-Controller, allerdings arbeitet sein interner Vierkanal-Mischer auch ohne Computer und bietet dementsprechend zahlreiche Anschlussmöglichkeiten für Plattenspieler, CD-Player und sonstige Zuspieler. Ein wichtiger Faktor, nicht nur für manchen Oldschool-Veteranen. Als Betriebssoftware kommt nicht mehr Itch, sondern Serato DJ zum Einsatz, dessen Cue-, Loop-, Roll-, Sampler- und Slicer-Features über 16 anschlagsdynamische Pads auf den Tanzflur abgefeuert werden dürfen. Doch auch die Sektionen für die Navigation und zur Steuerung der beiden Effektabteilungen der DJ-Software verheißen eine waschechte Performance-Maschine, die bei mir unweigerlich die Frage aufkommen lässt, ob ich hier und heute wohl die ultimative „Waffe“ für Serato DJ vorliegen habe. Die Antwort folgt in diesem Artikel.

Doch bevor wir tiefer in den Testbericht eintauchen, sollte ich vielleicht noch den recht stolzen Preis von 1500 Euro (UVP) erwähnen, mit dem sich der Hersteller offensichtlich an den professionellen Kundenkreis richtet und somit zumindest schon einmal in preislicher Hinsicht die DJ-Controller-Liga anführt. Dahinter folgt mit 999 Euro, aber ohne motorisierte Echtvinyl-Plattenteller, der Pioneer DDJ-SX. Nun aber genug des Vorgeplänkels, es ist an der Zeit, den innovativen Neuankömmling am Controller-Firmament ins Scheinwerferlicht zu rücken und auf Herz und Nieren zu prüfen.

Details

Eine erste Überraschung, die natürlich keinen Einfluss auf meine Wertung hat, erlebe ich gleich, als ich den Testkandidaten aus seiner ziemlich großen, schwarzweißen Box befreie: Die beiden Plattenteller sind bei meinem Vorführmodell (ausnahmsweise) bereits vormontiert. Normalerweise liegen die beiden Scheiben, deren Befestigungsschrauben und ein Inbusschlüssel dem Paket separat bei. Zur Spannungsversorgung dient ein Kaltgerätekabel, während zur Verbindung mit dem Rechner das ebenfalls enthaltene USB-Kabel genutzt wird. Außerdem finde ich in dem Karton eine Anleitung in deutscher Sprache sowie die üblichen Sicherheits- und Garantiebelege. Die Software Serato DJ lade ich von der Hersteller-Website.

Erster Eindruck

Mit Maßen von 762 x 405 x 107 Millimetern (Breite x Tiefe x Höhe) und einem Gewicht von stolzen 15,3 kg ist Numarks NS7 II der wahrscheinlich größte und schwerste DJ-Controller auf dem Markt und ganz sicher kein Kandidat für den Rucksack. Doch das Gewicht hat seinen guten Grund, denn das gesamte Chassis ist aus überaus robustem Metall gefertigt. Ebenfalls schwer und widerstandsfähig sind die beiden Drehteller mit ihren hochwertigen Lagern geraten. Sämtliche Tasten am Gerät bieten einen angehen Druckwiderstand, die leichtgängigen Fader machen auf mich eine gute Figur und auch den stabil verbauten Drehknöpfen möchte ich einen respektablen Grip bescheinigen. Das hohe Qualitätsniveau setzt sich erfreulicherweise bei den Anschlussbuchsen fort. Positiven Anklang finden zudem die acht großen Gummifüße an der Unterseite des Probanden, denn sie sorgen für einen sicheren Stand auch auf sehr glatten Flächen. Was soll ich sagen: Chapeau! Ein tadelloser erster Eindruck.

Anschlüsse

Wie üblich für DJ-Equipment tummeln sich die meisten Anschlüsse an der Rückseite des Gerätes, allen voran hier die analogen Eingänge für vier Mischpultkanäle, die als Stereo-Cinch-Buchsen ausgelegt sind. Kanäle 1 und 2 verarbeiten Phono- oder Line-Signale, wobei die Vorauswahl per Dip-Switch erfolgt und eine verchromte Schraube die Erdungskabel der Plattenspieler befestigt. Channel 3 und 4 sind ebenfalls mit Cinch-Buchsen bestückt und ausschließlich für Line-Zuspieler vorgesehen. Ferner ist auf der Rückseite der Mikrofoneingang 2 als XLR/Klinke-Kombibuchse beheimatet. Ein weiterer Mikrofoneingang gleichen Schnittstellenformates wartet an Vorderseite auf dynamische Mikrofone. Er ist mit einem On/Off-Schalter ausgestattet und verfügt über einen Zweiband-EQ (Hi/Low).

Das Master-Signal greife ich je nach Beschallungs-Equipment am symmetrischen XLR-Ausgang und/oder am Stereo-Cinch-Out ab, wohingegen der separat regelbare Booth-Out nur via Cinch-Kabel seinen Weg zur (Monitor-) Anlage findet. Ferner entdecke ich an der Rückseite noch den Umschalter für das Drehmoment der beiden rotierenden Plattenteller (Low/High), eine USB-Buchse Typ-B und die Kaltgerätekabelbuchse nebst Power-Taste.

Ein Schwenk zu Vorderseite offenbart gleich zwei Kopfhöreranschlüsse als Standard- und Miniklinke. Prima, da braucht es keinen Adapter mehr. Der Blend-Drehregler gibt mir die Möglichkeit, auf dem Kopfhörer stufenlos zwischen Cue und Master hin und her zu blenden, wobei ich die Vorhörsektion alternativ im Split-Cue-Modus betreiben kann. Der Volume-Drehregler justiert die Lautstärke. In der Mitte des Frontpanels blicke ich auf vier Dreifach-Umschalter, mit denen ich die einzelnen Kanäle den beiden Crossfader-Seiten A oder B zuordne oder sie vom Crossfader-Routing trenne.

Bevor ich das Bundle zum Praxiseinsatz zitiere, lade ich mir von der Numark-Website den Treiber für die Hardware (zum Testzeitpunkt Version 2.2.6) auf meinen Rechner, seines Zeichens ein iMac mit 2,4 GHz Intel Core2Duo Prozessor und 4 GB RAM, der unter OSX in Version 10.8.5 läuft. Einer Registrierung auf serato.com folgen anschließend der Download und die Installation von Serato DJ in der Version 1.5.2 und der Spaß kann beginnen!

Serato DJ

Aktuell bietet der neuseeländische Hersteller Serato mit den Programmen Serato Intro, Serato DJ, Itch und Scratch Live vier verschiedene Softwares zum Download an, doch ähnlich wie bei Native Instruments „Traktor Pro“ wird es in naher Zukunft auch bei Serato nur noch „ein“ Tool für das Profi-Segment geben und das heißt Serato DJ. Nutzer von Scratch Live haben allerdings keinen Grund nervös zu werden, da der volle Support bis zum Jahr 2015 garantiert ist und Scratch Live ohnehin sehr performant und betriebssicher ist. Außerdem wäre ein Sidegrade von Scratch Live auf Serato DJ (aktuell noch) kostenlos möglich. Nutzer der Einsteigerversion Serato Intro können zum Testzeitpunkt für rund 100 Euro auf das Flaggschiff upgraden. Das bedeutet natürlich auch, dass sich Serato DJ nun nicht mehr ausschließlich via Controller, sondern auch mit Timecode-Vinyl oder Control-CDs steuern lässt. Zum Testzeitpunkt ist das Programm allerdings noch nicht mit allen RANE Interfaces und Mixern kompatibel, doch im Frühjahr 2014 soll die komplette Palette abgedeckt sein. Einzige Ausnahme bildet das Audiointerface SL-1, das zukünftig nicht mehr unterstützt wird.

Serato DJ bietet je nach Hardware zwei bis vier Decks, wobei der Mischer grundsätzlich nicht in der grafischen Benutzeroberfläche angezeigt wird. Die Software beherrscht manuelle Schleifen, automatische Loops, Loop Rolls und die neu hinzugekommene Pitch-Loop-Funktion für Tonhöhen-Sildes – das macht mich neugierig. Der Slip-Modus ist auch nicht zu verachten, denn er lässt die Audiodatei unabhängig von der aktuellen Aktion (Scratching etc.) ungehört im Hintergrund weiter laufen, damit der Rhythmus der Musik auch nach „unsauberen“ Manövern erhalten bleibt. Eine Sync-Funktion ist ebenfalls mit an Bord. Wer jedoch lieber das manuelle Beatmatching praktiziert, kommt mit den 105 Millimeter langen Pitchfadern ebenfalls auf seine Kosten, zumal die Pitch-Range (+/- 8, 16 oder 50 Prozent) mit einer eigens dafür zuständigen Taste umgeschaltet werden kann. Der Sync-Fraktion sei gesagt: Wer das Beatgrid eines Songs editieren möchte, kann dies nicht nur mit der Computermaus erledigen, sondern direkt am Gerät unter Verwendung der Tasten „Adjust“, „Slip“ und „Tap“. Klasse.

Interessant für Cuejuggler: Insgesamt bietet die Software nun acht statt lediglich fünf Cue-Punkte pro Deck. Aus dem Hause iZotope stammen zwölf Klangverbieger für die Effektsektion. Kreativ veranlagten DJs ermöglicht der Sample-Player „SP-6“ obendrein das Abspielen von Samples und Loops, wobei die Performance einerseits am Ausgang des Mixers für die Ewigkeit festgehalten werden darf oder über die integrierte Recording-Funktion, mit der sich auch die einzelnen Decks aufzeichnen lassen. Um den Rahmen dieses Artikels nicht zu sprengen, erlaube ich mir, nicht auf jedes Detail des Programms einzugehen. Im Bedarfsfall könnt ihr hier einen ausführlichen Testbericht meines Kollegen Peter Westermeier lesen.

Los geht’s

Nachdem ich Steckdose, Controller und Mac verbunden habe, betätige ich den Netzschalter und es dauert es circa fünf Sekunden, bis die ersten Kontroll-LEDs aufleuchten. Nach weiteren fünf Sekunden folgt dann die USB-Leuchte, um mir eine störungsfreie Kommunikation zwischen Rechner und Controller zu signalisieren, woraufhin Serato DJ den Controller automatisch konfiguriert. Im Gegensatz zum Vorgänger Serato Itch lassen sich bei Serato DJ nun falls nötig auch zusätzliche Controller per MIDI-Learn-Funktion zuweisen.

Mixer

Im Zentrum des NS7 II liegt die Mixer-Sektion mit ihren vier Kanälen, die ich praktischerweise auch ohne Rechner nutzen kann, um zum Beispiel mit CD-Playern und echten Turntables zu arbeiten oder alte Vinyl-Schätze zu mixen. Die Vorauswahl der Eingangssignale nehme ich am entsprechenden Kanalzug vor. Zur Auswahl stehen das jeweilige Software-Deck, der Mikrofoneingang 2 oder „Line“ respektive an den Kanälen 1 und 2 zudem „Phono“. Die Aufholverstärkung der Kanäle übernimmt der obligatorische Gain-Regler. Mit satten elf Schritten fallen die LED-Ketten zum Abgleich der Pegelstände an den einzelnen Kanälen beträchtlich aus. Zwar kann ich den Phono-Preamps einen angenehm warmen Sound mit sattem Bassbereich attestieren, doch leider rauschen sie für meinen Geschmack ein wenig zu stark und ich würde daher, in Schulnoten ausgedrückt, zu einer „3-“ tendieren.

Der Dreiband-Equalizer arbeitet wahlweise mit einem Boost von 6dB oder 12dB (Preferences Serato DJ) und verfügt über eine Full-Kill-Funktion. Allgemein sind alle Drehknöpfe sehr griffig ausgefallen und verfügen mit Ausnahme der Endlos-Encoder über nützliche weiße Mitten-Markierungen. Die EQs rasten zudem an der Nullstellung ein. Der Klang ist als hochwertig und warm einzustufen, was auch auf die schön „musikalisch“ agierenden Channel-Filter mit ihrer gut gewählten Resonanz zutrifft, die gleich darunter platziert sind. Entgegen dem Uhrzeigersinn kontrolliere ich den Tiefpass und in der anderen Richtung den Hochpass. Alternativ zu dieser Standardfunktion lässt sich mithilfe von „Filter-Roll“ der Filter-Loop-Modus aktivieren und das Audiofile wird automatisch geloopt, sobald ich die Mittenstellung des Reglers verlasse. Die Schleifen werden dabei in östlicher oder westlicher Drehrichtung immer kürzer, was für interessante Soundeffekte sorgt!

Die Kanal-Fader sind sehr leichtgängig und legen, genau wie der Crossfader, einen Arbeitsweg von circa 50 Millimetern an den Tag. Auch dieser macht einen vortrefflichen Eindruck auf mich und gleitet angenehm hin und her. Die Arbeitskurve lässt sich zudem stufenlos verstellen, sodass ich damit sowohl komplexe Scratch-Techniken wie den „Flare“ oder den „Crab“ performen kann, aber auch butterweiche Überblendungen hinbekomme. Das ist klasse und wird Turntablism-Nerds und Club-DJs gleichermaßen zufrieden stellen. Die Zuordnung der Crossfader-Seiten mit den vier Dreifach-Umschaltern am Frontpanel funktioniert ebenfalls hervorragend, sorgt für maximale Flexibilität und macht außerdem einen Crossfader-Reverse-Switch überflüssig. Top!

Genau wie die bereits erwähnten Displays der einzelnen Kanäle verfügt auch der Master über eine elfsegmentige LED-Kette zur Pegelanzeige. Praktischerweise sind Master und Booth mittels zweier großer Drehknöpfe unabhängig voneinander in der Lautstärke regelbar, was einem bei der Beschallung von unterschiedlichen Räumlichkeiten oder beim Einsatz einer Monitoranlage zugute kommt. Beide Ausgänge klingen angenehm rauscharm und liefern einen druckvollen Sound mit transparenten Höhen ab.

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