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Test
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25.05.2020

Novation Launchpad Pro MK3 Test

Grid-Controller und Stand-alone-Sequencer

Novations neuer „Push 2“-Controller für Ableton Live 10 ?!

Letzes Jahr präsentierte uns Novation die ersten neuen Varianten des Launchpads: Mini Mk3 und Launchpad X. Nun gibt es auch einen Nachfolger des Launchpad Pro: Das Novation Launchpad Pro Mk3 – und es überrascht mit vielen tollen Neuerungen, einer tiefen Integration in Ableton Live 10 sowie mit einem eingebauten Step-Sequenzer, der sogar stand-alone, also auch ganz ohne Computer, funktioniert!

Details

Verortung

Das Launchpad Pro MK3 ist ein bidirektionaler USB-MIDI-Controller mit Pad-Matrix und die aktuellste sowie umfangreichste „intelligente“ Controller-Lösung von Novation für Ableton Live 10. Der Grid-Controller macht damit dem Ableton Push 2 ordentlich Konkurrenz – und das sogar für weniger als die Hälfte des Geldes. Bei einem Straßenpreis von 300 Euro ist er dennoch teurer als das hauseigene Launchpad Mini MK3 (ca. 100 Euro) und das Launchpad X (175 Euro). Mit Maßen von 268 x 18 x 268 mm und einem Gewicht von 1 kg ist der Pro außerdem nur unwesentlich größer als das Launchpad X.

Ableton Live 10 Controller mit allen Schikanen

Das neue Launchpad Pro MK3 ist nach wie vor kein alleiniger Universal-Controller, sondern zu allererst ein Pad-Controller für Ableton Live und dessen Clip-Matrix bzw. Grid. Somit lassen sich ganz einfach Clips starten, stoppen und aufnehmen sowie Tracks selektieren, scharf stellen, im Level regeln und, und, und. Die Sends zu bedienen ist ebenfalls kein Problem, genau wie bei den beiden „günstigeren“ Launchpads. Weitere Funktionen um die eigentliche Matrix runden den Bedienkomfort ab – somit hat das Pro gegenüber den kleineren und günstigen Launchpads mit den vielen expliziten Taster und exklusiven Funktionen die Nase ganz weit vorn!

Noten und Drums spielen sich mit den 64 RGB-Pads anschlag- sowie druckempfindlich. Die bidirektionale Verzahnung mit Ableton Live erkennt außerdem, welche Art von Tracks man gerade bedienen will, und wechselt dementsprechend zwischen Session-Ansicht, Drum-Pad-Darstellung, „traditioneller Klaviatur“ hin und her.

Hinzu kommen verschiedenste Skalen im Note-Mode, sodass sogar Anwender mit wenigen bis gar keinen Musiktheoriekenntnissen tolle Melodien zaubern können, ohne dabei aus dem Konzept zu geraten. Neu und damit ein echtes Alleinstellungsmerkmal ist der ausgefuchste Chord-Mode, mit dem ihr tolle Drei- und Vielklänge finden und die besten davon zwischenspeichern könnt. Die Bedienung erfolgt nach einer kurzer Orientierung ziemlich intuitiv und wie alle anderen „Modes“ über die 64 Pads der Matrix, die sich dann entsprechend färbt.

Daneben gibt es viele Shortcuts von Ableton Live, wodurch man zum Composen kaum noch eine Maus in die Hand nehmen muss. Dazu zählen: Undo/Redo, Duplicate/Double, Quantise, Fixed Length, Capture MIDI, Swing, Click, Tempo, Tap etc. – und natürlich Device Control. 

Mit Device Control lassen sich die ersten acht Parameter eines Ableton Plugins steuern, ohne diese extra mappen zu müssen. Die Pads verwandeln sich dann – wie an vielen andere Stellen auch (Volume, Pan, Sends, etc.) – in acht Fader, bestehend aus jeweils acht Pads. Je nachdem, wie hart die Pads angeschlagen werden, lassen sich dementsprechend sanfte bzw. weiche Fades erzeugen. Außerdem kennt jedes Pad noch vier Zwischenstufen, sodass die Auflösung eurer Parameter ziemlich fein dosiert werden kann.

Mehr als eine Achter-Parameter-Page könnt ihr aber auch mit dem Pro MK3 nicht erreichen, sodass sich umfangreiche Plugins, wie beispielsweise der EQ-8 von Ableton Live, nicht vollständig nutzten lassen – es sein denn, ihr wählt den bekannten Umweg über die acht Makroregler. Alle anderen bisher angesprochenen Features erfordern hingegen keinerlei Konfiguration oder Einrichtung – alles geht „out of the Box“, also sozusagen automatisch. Obendrein sind auf der Herstellerseite umfangreiche Video-Tutorials verfügbar, die alle Funktionen sehr detailliert erläutern. Somit benötigt man quasi kein Handbuch – außer man ist wie ich ein Freund der gezielten Suche und des „CMD+F“-Befehls. In beiden Fällen sollte man allerdings des Englischen mächtig sein. 

Custom-Pages für noch mehr MIDI-Kontrolle!

Neben den vorbildlich aufgebauten Online-Tutorials gibt es noch eine weitere wichtige Website namens Novation Components. Die bräuchte ich aber eigentlich gar nicht verlinken, da sich der Link dazu im Chrome Browser automatisch öffnet, sobald ihr euer Launchapd per USB-Anschluss einsteckt. Das dient der tieferen Konfiguration nach eigenem Gusto, sprich: Der Erstellung von Custom Pages – wobei aber auch diese bereits ab Werk eine gute Vorkonfiguration zeigen.  

Jedenfallt könnt ihr euch bei Bedarf per Drag-and-drop eigene Layouts zusammenstellen, und das auch noch ziemlich komfortabel. Zur Auswahl stehen horizontale und vertikale Fader, „nomale“ MIDI-Note Buttons, Program Change Messages sowie Drum-Pad-Konfigurationen und Klaviaturen. Fertige Mappings für beliebte Synths wird man hier sicherlich auch bald finden – wie bereits bei den anderen Launchpads.

Dicker 4-Track Stand-alone-Sequenzer

Das war aber noch nicht alles, denn es folgt noch ein echter Knaller! Das Launchpad Pro Mk3 verfügt nämlich über einen ausgefuchsten Stand-alone-Sequenzer mit bis zu vier Tracks und je acht Patterns, die wiederum bis zu 32 Steps lang sein können. Pattern-Chaining und Grouping aka Szenen sind ebenfalls möglich. Und das richtig tolle daran ist: Ihr seid nicht auf Ableton Live angewiesen, denn das Ganze funktioniert auch ohne Computer! Novation liefert sogar ein USB-A-Netzteil sowie ein paar Klinke/MIDI-Adapter für die rückseitigen Ports mit, sodass auch DIN-MIDIs sequenziert werden können.

Externe MIDI-Signale lassen sich ebenfalls in den Sequenzer aufnehmen – und wenn man dann doch in die DAW, sprich in Ableton Live, zurück will, lassen sich die erstellten Patterns mit einem Tastendruck als Clip in die Clip-Matrix holen. Den in Live eingebauten Sequenzer, der über Push 2 funktioniert, gibt es aber leider nicht, genau wie Note-Repeat.

Das Handbuch umfasst 20 Seiten allein zum Sequenzer, es handelt sich hier also nicht um eine billige Dreingabe à la Behringer – das Ding hier ist serious: Queuing, Clearing, Duplicating von Szenen und Patterns, Sync-Rates (1/4, 1/4T, 1/8, 1/8T, 1/16, 1/16T, 1/32, 1/32T), Playback Directions (Forward, Backward, Ping-Poing, Random), Variable Start/End-Points, Step-Velocity-Edit sowie Probability, Mutations und Micro-Steps sind möglich!

Anschlüsse und Lieferumfang

Das Launchpad verfügt über einen USB-C-Anschluss. Ein passendes Kabel für USB-C ist dabei, genau wie ein Kabel für „normales“ USB, sprich: Typ B. Ein MIDI-Eingang sowie zwei MIDI-Ausgänge finden sich als Klinke und es sind drei entsprechende Adapter für DIN-MIDI mit dabei. Der zweite MIDI-Out kann als Thru agieren oder den MIDI-Out 1 kopieren. Das USB-Typ-A Netzteil gibt ist ebenfalls mit im Karton, genau wie ein nettes Software-Bundle, das ihr nach erfolgreicher Registrierung erhaltet.

Zur mitgelieferten Software gehört eine Ableton Live Lite Version sowie das AAS Session Bundle inklusive Lounge Lizard Session (E-Piano), Strum Session (Electric Guitar) und Ultra Analog Session (Synths). Ein XLN Additive Keys zur freien Auswahl ist auch am Start, der Klevegrand ROVerb (Reverb) und die DAW Cassette (Tape-Emulation) sowie das Softube-Time-and-Tone-Bundle runden die Auswahl ab. Die Plugins haben insgesamt einen Wert von ca. 330 Euro – nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass der Controller bereits selbst rund 300 Euro kostet.

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