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Test
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09.10.2015

Nord Stage 2 EX HP76 Test

Stagepiano

Alter Schwede!

Mit dem Nord Stage 2 EX hat der schwedische Hersteller seinem Premium-Stagepiano ein Update verpasst. Während der kleine Bruder Nord Electro mit der Modellnummer 5 massive Verbesserungen erhielt, gab es beim Stage keine bahnbrechenden Neuerungen gegenüber dem Vorgängermodell. Die wird es wohl erst mit dem Stage 3 geben. Neu ist allerdings die Tastatur im 76er-Modell, die eine Weiterentwicklung der HP-Mechaniken aus dem Electro und Nord Piano ist und das Gesamtgewicht deutlich verringert.

Sie sind nicht mehr weg zu denken von den Bühnen dieser Welt: Die roten Kisten aus Schweden haben sich längst ihren Platz in den Bestseller-Listen erspielt und die Messlatte für Stagepianos ziemlich hoch gehängt. Sowohl der Nord Electro als auch der Nord Stage heimsen regelmäßig Preise ein. Denn auch wenn die Instrumente nicht gerade billig sind: Qualität ist das beste Rezept. Wie sich die neue Tastatur in der Praxis schlägt und welche Features das Stage EX mitbringt, wollen wir in diesem Test herausfinden.

Details

Überblick

Man kennt das Prinzip von einem bekannten Smartphone-Hersteller aus Cupertino: Da wird das Vorgängermodell nach einem Jahr um ein „S“ ergänzt und erhält diverse technische Verbesserungen, bevor die nächste Generation eine neue Modellnummer bekommt. Ähnlich macht es Nord mit seinem Flagschiff, nur dass in Schweden eher drei bis vier Jahre vergehen, bis ein neues Modell erscheint. So gab es 2005 das erste Nord Stage, 2008 das Nord Stage EX, 2011 das Nord Stage 2 und 2015 nun das Stage 2 EX. Ich betrachte diese langen Zyklen als Zeichen der Wertbeständigkeit.

Anders als auf der kalifornischen Apfelfarm sind die technischen Neuerungen bei den Updates der Schweden nicht ganz so umfassend. Beim Stage 2 EX lässt sich das schnell zusammenfassen: Der Speicher für Pianosounds wurde von 500MB auf 1GB verdoppelt, das 76er Modell hat nun die HP-Tastatur, die Sample-Library wurde aufgefrischt und die Farbgebung auf dem Panel minimal verändert. Die überarbeitete Sample-Library steht natürlich auch allen Anwendern eines Nord Stage 2, Nord Electro (ab Version 3) oder Nord Piano (ab Version 2) zur Verfügung.

Rein äußerlich ist das EX also kaum von seinem Vorgänger zu unterscheiden. Abgesehen vom neuen Farbschema des Panels hat sich beim Netzanschluss etwas getan: der zweipolige Euro-Stecker ist dem dreipoligen Kaltgeräte-Stecker gewichen. Leicht verändert wurden auch die Potis, die nun etwas leichtgängiger sind und in manchen Fällen eine Mittenrasterung haben, etwa beim EQ. Neu ist beim 73er-Modell außerdem der Tastaturumfang, der nun nicht mehr von F bis F geht, sondern von E bis E. Dadurch wurde das Panel beim Compact-Modell leicht nach rechts verschoben und der Schriftzug ist auf die linke Seite gewandert.

Geblieben ist das bewährte Konzept des Stage, das sozusagen das Beste aus den drei Nord-Welten vereint: Die Orgel-Simulation aus der Combo-Organ C2, die im Electro und Piano verwendeten Flügel-, Upright- und Vintage-Piano-Sounds und eine Synth-Engine, die ihre Wurzeln im Nord Lead und dem inzwischen nicht mehr erhältlichen Nord Wave hat. Obwohl in diesem Test alle wesentlichen Merkmale des schwedischen Stagepianos auf den Prüfstand kommen, kann ich den bonedo-Test des Nord Stage 2 meines Kollegen Tobias Philippen nur wärmstens empfehlen. Interessant für ambitionierte Nord Stage User könnte auch der Workshop Sound Programming am Nord Stage 2 sein, in dem die vielseitigen Möglichkeiten des Instruments praxisorientiert nachvollzogen werden können.

Gehäuse und Anschlüsse

Das Nord Stage 2 EX kommt in einem absolut roadtauglichen Metallgehäuse daher, das an den Seiten von den Nord-typischen Holzwangen eingerahmt wird. Der auffällige feuerrote Lack dominiert, die Unterseite ist komplett schwarz. An der tadellosen Verarbeitungsqualität gibt es keine Zweifel. Wie der Name auch schon besagt ist dieses Instrument für den harten Bühnenalltag gemacht. Brachte die 76-tastige Vorgängerversion noch 16,5 kg auf die Waage, hat unser Testgerät über vier Kilo abgespeckt. Das überraschend geringe Gewicht macht sich im Handling extrem positiv bemerkbar. Grund dafür ist die HP-Tastatur, auf die ich später noch zu sprechen komme.

Auf dem Bedienpanel wimmelt es nur so von Potis, Tastern und LEDs. Wer mit dem Bedienkonzept des Nord Stage nicht vertraut ist, sitzt hier erstmal wie das Schwein vorm Uhrwerk. Hat man aber den Aufbau und die Struktur durchschaut, ist die Bedienung verblüffend logisch und intuitiv. Das Gerät ist in vier Sektionen unterteilt. Von links nach rechts sind das die Orgel, das Piano, die Synth-Sektion und der Slot für externe Klangerzeuger, also die Masterkeyboard-Funktionen. In der Mitte um das nicht gerade üppige Display mit 2x16 Zeichen gruppieren sich Taster und ein Encoder für Soundauswahl, Controller-Zuweisungen und weitere Settings. Ganz links finden wir den obligatorischen Pitch-Stick aus Holz und das Modulationsrad aus Keramik. Ganz rechts warten die Effektsektion, der EQ und die Amp-Simulation auf ihren Einsatz.

Bei den Anschlüssen wurde nicht gegeizt: Ein Audio-Eingang steht als Mini-Klinke zur Verfügung. Das eingespeiste Signal wird nicht an die Ausgänge weitergegeben, sondern nur auf den Kopfhörer-Ausgang geroutet und kann somit für Übezwecke und zum Monitoring genutzt werden. Die vier Ausgänge lassen sich flexibel belegen: Ausgang 1 und 2 fungieren als Stereo-Paar, die Outputs 3 und 4 können als weiterer Stereo-Ausgang oder als zwei separate Mono-Ausgänge definiert werden. Ebenso umfangreich sind die Pedal-Anschlüsse: Sustain, Control, Rotor/Latch sowie Organ Swell/Volume lassen keine Wünsche offen. Wer in den vollen Genuss der drei gängigen Piano-Pedale und des Pedalgeräusches eines echten Flügels kommen möchte, muss allerdings wohl oder übel das optional erhältliche Nord-Triple-Pedal kaufen und an die Sustain-Buchse hängen, denn nur damit sind alle Features der Piano-Sektion nutzbar.

Für die klassische MIDI-Anbindung gibt es In und Out, für MIDI via USB und den Datenaustausch bzw. Sampletransfer eine USB-Buchse.

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