Software
Test
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12.04.2018

Praxis

Bedienung

Die Bedienoberfläche gleicht dem Vorbild, wodurch der Minimoog-Workflow erhalten bleibt. Bis auf das Output-Modul, das natürlich auf den A-440-Schalter zum Kalibrieren, den Kopfhörerausgang und den Main-out-Schalter verzichtet, ist alles an der Bedienoberfläche identisch zur Hardware. Die Extras verstecken sich nämlich in Untermenüs, die sich ausklappen und aufrufen lassen, wenn sie gebraucht werden. Über dem gewohnten Minimoog-Bedienfeld befindet sich eine Menüleiste, in der Presets durchgeskippt, gespeichert und geteilt werden können. Auch eine Undo/Redo-Funktion ist mit an Bord. Die vier Module Arpeggio, Bender, Delay und Looper lassen sich via Effect-Button einblenden. Um an die Parameter der Module zu gelangen, können sie wie Schubladen herausgezogen werden. Das Bedienfeld wird dann allerdings verdeckt.

Der Arpeggio hat fünf Patterns, Latch, Key Hold, drei Oktaven an Bord und erlaubt Rates von 1/4 bis 1/32. Bender ermöglicht Chorus- bis Short-Delay-mäßige Modulationen, die sich mit Time, Rate, Depth und Feedback justieren lassen. Das Stereo-Delay kann synchronisiert werden, was beim Nutzen einer DAW am Rechner bzw. iOS-Host immer eine willkommene Funktion ist. Der Looper kann durch seinen spartanischen Funktionsumfang eher nicht überzeugen.

Die App verfügt über einen Play Mode, der die Whells und das „Controllers“-Modul ausblendet, dadurch sind alle Parameter und die Klaviatur etwas größer. Ich vermisse bei der App jedoch das Zoom-Feature, mit der sich die Bedienoberfläche nahtlos skalieren lässt, wie es bei der Model-15-App der Fall ist. Auf einem iPad in der Standardgröße 9,7 Zoll sind die Regler im Play Mode leicht bedienbar, was man von der Klaviatur nicht behaupten kann. Bei einem iPad Pro 12,9 Zoll sieht das sicherlich besser aus. 

AUv3 und Ressourcenbedarf

Gut, dass der iOS-Moog als AU-Instrument in Hosts wie Garageband und Cubasis geladen werden kann. So können dessen Klaviaturen und Arpeggio- sowie Chord-Trigger-Features genutzt werden. Vor allem aber lassen sich mehrere Instanzen laden. Je nach iDevice auf einem iPad Air 2 (Apple A8X Chip, 3-Core 2 GHz Prozessor und 2 GB RAM) ist bei vier monophonen Instanzen Schluss, bei aktivierter Polyphonie sind je nach Anzahl der Stimmen entsprechend weniger Instanzen möglich. Auf dem iPhone X (Apple A11 Bionic Chip, 6-Core 2,74 GHz, 3 GB RAM) kam Garageband bei 9 monophonen Instanzen ins Stocken. Der iOS-Synth ist also einigermaßen Ressourcen-hungrig, was man für eine solch gelungene Emulation aber in Kauf nehmen sollte.

Synchronisation mit der DAW

Wer mit Ableton-Link-fähigen DAWs (Ableton Live, Reason, Bitwig etc.) arbeitet, hat es sehr leicht, den Moog synchron zum Host laufen zu lassen. Einmal „Link“ in der DAW und in der iOS-App aktiviert, läuft der Minimoog synchron zum Host, was im Test mit Ableton Live 9 wie erwartet funktioniert und auch stabil läuft. Doch auch mit anderen DAWs kann die Minimoog-App synchronisiert werden, da Moog in den MIDI-Settings auch die Nutzung der Netzwerk-Sessions ermöglicht hat, sehr gut! Hier befindet sich auch das Mapping-Feature, mit dem jedem Parameter der Bedienoberfläche CC-Nummern zugewiesen werden können.

Klang

Bisher war mir keine bessere Emulation für iOS bekannt als der iMini von Arturia. Im Vergleich verhält sich Moogs Variante originalgetreuer, besonders was die Filter-Sektion betrifft. Auch die Sättigung, die man mit dem External-Input-Regler erreichen kann, klingt einfach weniger nach Distortion als nach einer Sättigung, mit der sich die Sounds andicken lassen. Insgesamt erscheint der Sound druckvoll, was man vom iMini leider nicht behaupten kann, wie ihr es im letzten Klangbeispiel hören könnt. Unter den 160 Presets sind altbekannte Sounds, aber auch viele neue dabei, die erstmals durch die Polyphonie und auch die neuen LFO-Wellenformen möglich sind – ein Vorteil gegenüber der Hardware. In den folgenden Klangbeispielen habe ich einige Sounds aus dem Kategorie-Browser angespielt.  

Zu guter Letzt habe ich den Minimoog und den iMini miteinander verglichen: Nur der erste Oszillator ist aktiv. Dessen Wellenformen werden von links nach rechts durchgeskippt, danach folgt eine erste Filterfahrt mit 50 % Resonanz und eine zweite mit 50 % aufgedrehtem External Input. Der iMini geht anders mit den ADS-Hüllkurven um, was man bei der Filterfahrt mit dem Ladderfilter gut raushören kann. Der External Input fügt dem Signal – zumindest ab 50 % – keine Sättigung, sondern eher eine unschöne Distortion hinzu. Beim Minimoog wird das Signal nicht komplett verzerrt, sondern leicht angedickt, was für wesentlich weichere Ergebnisse sorgt.

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