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15.12.2017

MONOM Berlin - Neues Zentrum für das Raumklangsystem von 4DSOUND

Stellt euch vor, ihr könntet euch bei einem Konzert direkt zwischen den einzelnen Klängen hindurchbewegen. So als ob man durch die Stadt geht und diese dabei auf sämtlichen Ebenen aus unterschiedlichen Richtungen in verschiedenen Lautstärken mit den Ohren erfasst. Sound in 4D. Überall ist Klang. Wie Autos, die an euch vorbeifahren, bewegen sich Töne im Raum vorbei an euren Körpern. Manchmal sind sie ganz leise und erscheinen direkt am Ohr, wie zum Greifen nah. Unter euch wabert ein warmer Teppich aus Subbässen.

Was hier ein bisschen nach Ohrenkino klingt und eigentlich nur schwer in Worte zu fassen ist, weil es selbst erlebt werden muss, ist längst Realität. Bislang war diese Art von Erfahrung allerdings nur oder vor allem im akademischen Kontext möglich, wie z.B. an der TU Berlin oder der UDK im Rahmen der Forschung an der Wellenfeldsynthese.

Jetzt findet das räumliche Hören seinen Weg in die Öffentlichkeit und in den Konzertsaal, bzw. Club. MONOM ist Berlins erstes öffentliches Zentrum für Raumklang und wurde am 1. Dezember im historischen Funkhaus Berlin als experimentelle Spielstätte und mit einem hochmodernen Raumklangstudio eröffnet.  

Ich sage nur Karlheinz Stockhausen, Kugelauditorium und Weltausstellung in Osaka 1970. Der räumliche Klang wird schon lange erforscht, jedoch erst in den letzten Jahren mit fortgeschrittener Technologie zunehmend als neues Medium erkannt. Heute handelt es sich um eine äußerst kreative Disziplin. Damit sich dieses spannende Forschungsgebiet weiter etabliert und um ein breiteres Publikum zu erreichen und zu begeistern, wurde in Zusammenarbeit mit 4DSOUND, einem kreativen und technischen Kollektiv, das seit vielen Jahren Raumklang als Medium erforscht und dem "Spatial Sound Institute Budapest", das MONOM Berlin gegründet. 

William Russel ist der Creative Director vom Monom und sichtlich begeistert: "Hier bieten sich ganz neue Möglichkeiten des Ausdrucks und der Kommunikation mit Klängen und zwar sowohl für Performer und Künstler, als auch für die Zuhörer. Für Künstler aus den unterschiedlichsten performativen Disziplinen, wie z.B. Klangkünstlern oder Produzenten elektronischer Musik gibt es vor allem ganz neue Möglichkeiten und Dimensionen, zum Experimentieren und um Ideen auszudrücken. Für die Musiker, die hier bereits arbeiten und forschen ist es toll, dass sie nun einen Ort und die Möglichkeit habe, ihre Erfahrungen und Arbeitsmethoden auszutauschen. So kann sich dieses System weiter entwickeln und wachsen." 

Seit der Eröffnung am 1. Dezember finden dort regelmäßig Performances und Klanginstallationen statt. 2018 wird das futuristische Labor außerdem zum Veranstaltungsort für das jährlich stattfindende CTM Festival (ehemals club transmediale), einem Festival für experimentelle und elektronische Musik in Berlin. 

Das Herzstück von MONOM ist das 4DSOUND-System, ein integriertes Hardware- und Softwaresystem und gleichzeitig ein einzigartiges räumliches Instrument, in dem bis zu 400 Personen Platz haben. Es besteht aus 48 omnidirektionalen Lautsprechern, die über den gesamten Raum verteilt sind und sich auf 9 leistungsstarke Subwoofer, die unter einem akustisch transparenten Boden versinken, erstreckt. 

Die Steuerungsplattform des 4DSOUND-Systems ist flexibel und intuitiv zu bedienen. Sämtliche Klangparameter lassen sich in Echtzeit kontrollieren. Von den Lautsprechern hört man dabei allerdings keinen einzigen Ton. Stattdessen erscheinen sämtliche Klänge im Raum als unabhängige physische Einheiten. Akustische Landschaften, in denen sich die Hörer nach Belieben aufhalten und frei bewegen können, um diese physische Klangumgebung zu erkunden.

Einzigartig und daher besonders spannend und vielversprechend klingt die Möglichkeit der interdisziplinären Arbeit, wo unterschiedliche sensorische Dimensionen kombiniert werden können. Hier haben 4DSOUND Pionierarbeit geleistet. Durch eine harmonische Integration diverser Interfaces können neben Klängen und Sounds auch Bewegung, Tanz, Licht, Visuals, virtuell erweiterte Realitäten, Biofeedback, Metrik oder Gehirnwellen integriert werden. 

Verschiedene Künstler und auch Technologen und Wissenschaftler können nun zusammen arbeiten. Es gibt übrigens auch ein spezielles „Artist in Residency“ Programm. Wer sich berufen fühlt, räumlichen Klang als Ausdrucksmedium zu erforschen, hat die Möglichkeit, sich beim Spatial Sound Institut für eine Künstlerresidenz zu bewerben. 

Hierzu nochmal William Russel: "Die letzte Deadline war im Oktober. 160 Bewerbungen gab es, aus denen nun Künstler aus verschiedenen Disziplinen herausgesucht werden, damit es eine möglichst fruchtbare Zusammenarbeit gibt".

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