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Test
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29.04.2020

MFB Synth Pro Test

Polyphoner analoger Synthesizer

Purismus trifft auf ungewöhnliche Lösungen

Die Berliner Synth-Schmiede MFB steht vor allem für solides, puristisches und charaktervolles Analog-Handwerk. Nach diversen Drum-Machines (Tanzmaus,  Tanzbär 2) und Mono-Synths (Dominion 1) präsentiert MFB nun seinen ersten polyphonen Synth, der auf den Namen „Synth Pro“ hört und unter anderem mit acht Stimmen, drei flexiblen VCO‘s, einem Dual Filter und On Board-Effekten ausgestattet ist. Nicht zuletzt durch Geräte wie dem Prophet REV28-v, Korg Minilogue XD Module oder dem Novation Peak ist der Synth Pro auf dem Analog-Poly-Markt nicht allein.

Nach einer ersten Test Preview finden wir nun genauer heraus, was den Synth Pro ausmacht und ob, beziehungsweise wie er sich von seiner Konkurrenz absetzen kann.

Details

Äußere Erscheinung

Wie bei MFB üblich, wurde auch beim Synth Pro auf ein ausschweifendes Design verzichtet. Der Fokus liegt hier eher auf dem Inhalt, als auf der Optik. Das kompakte, nüchtern graue Alu-Gehäuse (BxTxH: 31.5x18x4 cm) erzeugt dennoch einen charmanten Kontrast zu den schicken Holz-Seitenteilen. Mit seinen 4 kg Gewicht fühlt sich der Synth Pro zwar solide und wertig an, ist aber nicht zu schwer.

Aufbau und Bedienoberfläche  

Gleichmäßig auf der Bedienoberfläche aufgereiht sind die vielen Potis, welche durch Markierungen und die markant gelbe Schrift übersichtlich in verschiedene Sektionen aufgeteilt sind. Sie fühlen sich wertig an, lassen sich mit angenehmem Widerstand drehen und haben den Elektronik-Baukasten Look der bisherigen MFB-Geräte abgelegt. Die verschiedenen Sektionen sind relativ klassisch aufgebaut. Es gibt 3 syncbare VCO‘s, die sich zu stimmstabilen DCO‘s umschalten und gegeneinander verstimmen lassen. Zur Auswahl stehen die Wellenformen Rechteck, Dreieck und Puls, zwischen denen stufenlos übergeblendet werden kann. Befindet sich der Waveform-Regler auf 0, wirkt der jeweilige VCO als Sub-Oszillator. Ist er hingegen voll aufgedreht, bekommen wir es mit der sogenannten „Extra“-Wellenform zu tun, bei der pro Oszillator wahlweise zwischen Pulse oder Ring-Mod geswitcht werden kann. Bei Oszillator 3 dient die Extra- Wellenform außerdem als zugegebenermaßen gut versteckter Noise-Generator. Die Oktavlagen per Schalter zwischen 16‘, 8‘ und 4‘ gewechselt werden. 

Dank tempo-syncbarem LFO (Rechteck, Dreieck, Puls) und stufenloser Wellenform-Überblendung lässt sich der gesamte Wellenform-Umfang der Oszillatoren modulieren, was bei anderen Synths nur mit der Pulse-Waveform möglich ist. Bei Deaktivierung des DCO-Modus lassen sich außerdem FM-Sounds erzeugen, deren Charakter mittels FM Amount-Poti reguliert wird. Die zusammengemischten Oszillatoren wandern nun in die Filter-Sektion. Hier trifft das Signal auf MFB’s ungewöhnliches Dual Filter-Konzept, welches ich in der Form aus keinem anderen Synth kenne. Ein 12dB Multimode Filter (Lowpass, Bandpass, Hipass) und ein 24dB Lowpass Filter lassen sich parallel oder seriell kombinieren. Via Global Cutoff-Schalter lassen sich beide Filter-Frequenzen syncen und mit nur einem Poti kontrollieren. Außerdem können beide Filter zu wahlweise 25 %, 50 % oder 100 % im Stereo-Bild platziert werden. So lässt sich zum Beispiel im linken Kanal eine andere Filter-Einstellung als im rechten erzeugen, wozu kaum ein anderer Analog-Synth fähig sein dürfte. 

Insgesamt drei Envelopes wurden dem Synth Pro spendiert, von denen die letzte allerdings keine ADSR, sondern eine AD/R-Hüllkurve ist. Pro Patch lässt sich jeweils eine Hüllkurve eurer Wahl auch loopen und als eine Art dritter LFO nutzen. Die Hüllkurven sind flexibel jeweils auf die beiden Filter oder den VCA routbar, weitergehende Routings auf einzelne Parameter (wie etwa beim DSI Prophet 08 REV2) sind nicht möglich. Das fertige Patch wird je nach Wunsch schließlich mit der On Board FX-Sektion dekoriert, die neben Hall und Echo auch Modulations-Effekte wie Chorus oder Flanger in Stereo-Manier bietet. Eine Drive/Distortion-Einheit wurde leider nicht verbaut, was bei Konkurrenz-Produkten wie etwa dem Novation Peak mittlerweile schon zum Standard-Repertoire gehört. Einen Überblick über das ganze Prozedere könnt ihr euch mittels des etwas rudimentären Mini LC-Displays verschaffen.

Hier werden auch alle weiteren Einstellungen wie Midi-Settings, der Voice Mode (Poly, Unisono, Mono, Chord, Rotate) oder Modulations- und Envelope-Routings eingestellt. Etwas umständlich dieser Workflow, möchte ich doch gerade bei einem analogen Synth am liebsten die Routings direkt in der Sektion einstellen können und nicht in einem undurchsichtigen Sub-Menü. Ähnlich hakelig kommt auch die Preset-Anwahl daher. Die acht Buttons, die die jeweilige Bank repräsentieren, übernehmen nämlich gleich mehrere Funktionen wie etwa die Anwahl des Sequenzers (polyphon) oder Arpeggiators (monophon). Ohne einen Blick in die Bedienungsanleitung ist man hier zunächst etwas aufgeschmissen und weiß nicht, ob man grad ein neues Preset anwählt, oder beispielsweise den Glide verändert. Die Aufregung dürfte sich aber mit der Zeit legen. Insgesamt stehen jeweils 240 Presets für Sounds und Sequenzen bereit, aufgeteilt in 30 Bänke. 

Verbindung mit der Außenwelt  

Ein Blick auf die Rückseite behauptet eindeutig: Weniger ist mehr. Wo bei anderen Synths diverse In/Outs verbaut wurden, konzentriert sich MFB aufs Wesentliche. Neben einem 6,3 mm Stereo Klinken-Ausgang (Achtung: Y-Kabel benötigt!) gibt es einen 3,5mm Phones-Anschluss, Midi In/Out/Through und neben dem herkömmlichen USB PC-Anschluss einen umgedrehten USB KEYS-Eingang für den direkten Einsatz moderner USB-Controller ohne dezidierte Midi-Kabel. Cool! CV-Anschlüsse oder einen Audio-In zum Durchschleifen externer Geräte suche ich vergebens, was ich angesichts des Desktop-Formates und des aktuellen Analog/Eurorack-Hypes etwas schade finde. Mit Strom versorgt wird der Synth Pro über das mitgelieferte 6V-Netzteil, Batteriebetrieb ist nicht möglich.

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