Test
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24.02.2020

Praxis

Nein, es rauscht nicht übermäßig

Das Mackie EM-91C ist schnell aufgebaut und mit Phantomspeisung  am Preamp zum Leben erweckt. Man kann sich fast schon erschrecken, wenn man das Signal freigibt. Dass man es mit viel Rauschen zu tun hat, ist nur eine Fehlannahme: Das Mikrofone hat sehr viel Output, dementsprechend hoch erscheint das Rauschen, wenn noch kein Nutzsignal anliegt. Und bedenkt man, dass das 91C ein Kleinmembranmikrofon ist, ist in Sachen Grobdynamik alles in bester Ordnung.

Zu viel Großmembran beim Kleinmembraner?

Kleinmembranmikrofone werden in erster Linie da eingesetzt, wo auch in den Höhen noch eine möglichst lineare, hoch auflösende Übertragung stattfinden soll. Ein wenig erstaunt es daher schon, dass das Mackie EM-91C durchaus etwas höhenarm klingt. Das ist zwar typisch für viele Großmembraner, doch wirkt das Mackie ein wenig matt und gebremst. Mein Erklärungsansatz ist hier, dass vielleicht versucht wurde, mit der preiswerten Kleinmembrankapsel dennoch Großmembranklang zu erreichen, es mit der Formung des Höhensounds aber etwas übertrieben wurde. Ein wenig mehr Frische und Luftigkeit würde dem Klang gut stehen – die Audiofiles unterstützen diese Argumentation, wie ich finde. Es gibt auch auch positive Aspekte daran, wie ich gleich erläutern werde.  

Neben dem Mackie EM-91C kamen noch ein (deutlich teureres Großmembran) Mojave MA-201FET zum Einsatz, das Mittelmembranmikrofon CAD Equitek E200 sowie die beiden Handheld-Kondenser Sennheiser e 865 und Behringer SB-78A.

Insgesamt zeigt das Mackie aber eine ordentliche Auflösung, leistet sich keine phasigen Einbrücke in Tiefen und Mitten und neigt nicht zu Schwammigkeit im Bass. Besonders für Vocal-Recordings erhält man mit dem EM-91C ein Signal, welches bei den meisten Stimmen und in den meisten Mixes problemlos eingesetzt werden kann. Viele Signale preiswerter Mikrofone klingen zu stark gehypt in den Höhen, kratzen und reiben und verlangen nach exzessivem Einsatz von EQ und De-Esser. Dass das Mackie in den Höhen etwas verhalten klingt, kann man also durchaus als sein Vorteil auslegen – dennoch ist es schöner, ein lineares Signal oder eines mit hochwertigen Charaktereigenschaften zu erhalten, welches im Mix dann frei verändert werden kann.

Nahbesprechungseffekt, Popp und seitlicher Schall

Der typische User des Mackie EM-91C wird mit geringen Abständen zur Schallquelle arbeiten. Der Nahbesprechungseffekt greift natürlich auch bei der im Elements verbauten Kapsel, generiert aber naturgemäß keine so volle und voluminöse Bassanhebung wie bei den meisten Großmembranern. Schön ist, dass das Mikrofon tatsächlich sehr unanfällig gegen Popps ist! Selbst aus zehn Zentimetern axial artikulierte [p]- und [b]-Laute werden problemlos dargestellt.

Es ist reichlich normal für preiswerte Mikrofone, dass frontal eintreffender Schall durchaus gut klingt, der Klang aber an Qualität einbüßt, wenn der Einfallswinkel sich ändert. Zwar ist der Sweet Spot des Elements-Mikrofons recht groß, sodass sich ein Sänger oder ein Instrument wie eine Gitarre während der Performance durchaus bewegen darf. Es ist jedoch nicht gerade die Paradedisziplin des Mackie EM-91C, weit ausgedehnte Klangkörper, starke Reflexionen von Wänden, Decken und Böden oder aber „bleedende“ Nachbarinstrumente hochwertig mit in das Audiosignal zu geben. Ich würde das 91C also in erster Linie für direkte, trockene Aufnahme empfehlen.

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