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19.11.2020

Umfrage: 94% der Clubs stehen vor Geschäftsaufgabe

Der Bundesverband deutscher Discotheken und Tanzbetriebe (BDT) hat sich in Osnabrück zu einem Branchentreffen zusammengefunden. Die Aussichten sind düster und es stehen neue Pleitewellen für Discos und Clubs bevor. Auch Wirtschaftsminister Altmaier nahm an der Veranstaltung teil und versprach große Hilfen.

Der BDT ist der spezielle Berufsverband der Clubbetreiber und Discothektenunternehmen und vertritt die Interessen von ca. 1.500 Betrieben. Laut einer aktuellen Umfrage des Dachverbandes DEHOGA stehen 94 Prozent der teilnehmenden Discotheken- und Clubbetreiber kurz vor der Geschäftsaufgabe. Nicht nur diese Umfrage zeigt wie wichtig sofortiges Handeln ist.

Bei dem Treffen Ende Oktober waren rund 200 Kongressteilnehmer am Start. Einer von ihnen war Knut Walsleben, Präsident des BDTs. Dieser erklärte gleich: "Die Lage der Clubs und Diskotheken in Deutschland spitzt sich dramatisch zu". Danach richtete er gleich einen Appell an die Politik: "Für unsere existenziell betroffenen Unternehmen reichen die derzeitigen staatlichen Hilfen bei Weitem nicht aus. Den Clubbetreibern und Discothekenunternehmern geht die Luft aus." Walsleben begrüßte die Verlängerung der Überbrückungshilfen, gab sich damit aber nicht zufrieden. Er forderte die Übernahme von Fixkosten zu 100% und eine Erhöhung der monatlichen Höchstgrenze von 50.000€. Auch die Frist der Mehrwertsteuersenkung für Getränke und Eintrittstickets solle nicht zu ende gehen. 

Altmaier verspricht weitere Hilfen

Peter Altmaier wurde per Videochat zugeschalten und stellte sich den Fragen der Teilnehmer. Dabei äußerte er Verständnis für die Sorgen der anwesenden:

"Ab heute kann die neue Überbrückungshilfe II, die bis Ende 2020 zur Verfügung steht, beantragt werden. Hier haben wir noch einmal deutlich nachgelegt und übernehmen jetzt sogar bis zu 90 Prozent der Fixkosten. Das sind gute Nachrichten für alle Unternehmen, die aufgrund behördlicher Anordnungen geschlossen sind oder nur mit halber Kraft fahren können. Bei der heutigen 'Club Convention' mit Unternehmerinnen und Unternehmern wurde der Ernst der Lage für die Clubszene noch einmal sehr deutlich. Ich hoffe deshalb umso mehr, dass viele Clubunternehmerinnen und -unternehmer von den verbesserten Konditionen der verlängerten Überbrückungshilfe profitieren können."

Sicheres Feiern ist möglich

Die Bundespolitik wird bei der aktuellen Corona-Situation eher noch für längere Zeit auf Kontaktbeschränkungen setzen. Merkel forderte in dieser Hinsicht zuletzt einen langfristigen Plan. Es ist nicht anzunehmen, dass Clubs in den nächsten Monaten wieder den Regelbetrieb aufnehmen können, obwohl die ersten Studien zu möglichen Impfstoffen vielversprechend sind. Unter bestimmten Auflagen und bei niedrigeren Fallzahlen ist ein Neustart allerdings nicht auszuschließen. Dies hofft natürlich auch Walsleben, der lieber auf Profi-Gastgeber als auf illegale Raves hofft. "Discotheken sind die Lösung, nicht das Problem", so Walsleben. "Wir haben große Räume, hochmoderne Lüftungsanlagen und effektive Hygiene- und Nachverfolgungskonzepte." Ohne weiter Hilfen gehe ein "wichtiges Stück Kulturgut" verloren. Eine Möglichkeit wären umfassende Schutzmaßnahmen, gegebenenfalls mit praktikablen und bezahlbaren Schnelltests. Dies wäre wohl noch immer der sicherere Weg als bei schwer kontrollierbaren Homepartys und illegalen Veranstaltungen.

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