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Test
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23.03.2018

Korg Prologue Test

Hybrid Synthesizer mit Potenzial

Symbiose zwischen analogem Charme und digitalen Möglichkeiten

Mit der Präsentation des Hybrid-Synthesizers „Prologue“ läutete Korg kürzlich während der NAMM 2018 vielversprechend das neue Jahr ein. Das lang erwartete Flaggschiff hat seine Wurzeln im erfolgreichen Konzept der Minilogue und Monologue Synthesizer und kommt in zwei Varianten, wobei der Prologue-8 als leicht abgespeckte, transportable Version des üppiger ausgestatteten Prologue-16 zu verstehen ist. Mit digitalen On-Board-Effekten, Layer-/Splitfunktionen und weiteren interessanten Features bei grundsätzlich analoger Klangsynthese liefert Korg einen Vorschlag, in welche Richtung die Synthesizer-Welt in Zukunft steuern könnte: Die Symbiose zwischen analogem Klang-Charme und digitaler Modulations-Flexibilität in einem einzigen Gerät. Allerdings eroberten zuletzt Hybrid-Synths wie zum Beispiel der Roland JD-XA nicht wie erhofft die Herzen der Synth-Fans.

Dass Korg auf dem modernen Synthesizer-Feld klanglich, preislich und technisch mithalten kann, haben bereits Korg-Synths wie der Minilogue oder der MS-20 mini bewiesen. Jedoch befindet sich der Korg Prologue in einem wesentlich höheren Preis-Segment als seine Vorgänger Minilogue und Monologue. Erhält er durch das Hybrid-Konzept tatsächlich einen bemerkenswerten Nutzen, der ihn zurecht von der breiten Masse zeitgenössischer Synths absetzt? Wir haben das neue Flaggschiff in der Variante „Prologue-16“ für euch getestet.

Details

Äußeres

Endlich wieder Mut zur Größe! Der jüngste Trend der Miniatur-Synths und Slimkey-Tastaturen trieb zuletzt so manchen Synthesizer-Enthusiasten in die Verzweiflung, da die Bespielbarkeit und Verarbeitung der Geräte teilweise stark unter dem Aspekt des möglichst leichten Transportes gelitten haben. Mit Korg‘s „Natural Touch“-Tastatur im Voll-Format und einer großzügig angelegten Bedienoberfläche wirkt der Prologue hingegen selbstbewusst, lädt sofort zum Spielen und Schrauben ein. Das edle Aluminium-Gehäuse mit Echtholz-Seitenteilen macht einen sehr soliden Eindruck.

Die beiden Versionen mit 49 oder 61 Tasten bringen mit 7,5 kg beziehungsweise 9 kg zwar schon Gewicht auf die Waage und den engen Schreibtisch, setzen damit aber auch gleichzeitig ein Statement: Der Korg Prologue präsentiert sich auf Anhieb als treuer, robuster Begleiter, auf den man sich verlassen kann. Und bekanntlich gilt außerdem: Das Auge hört mit. Je größer der Synth, desto größer der Sound? Das werden wir noch herausfinden. Zunächst werfen wir allerdings einen Blick auf das Hybrid-Konzept des Prologue.

Fotostrecke: Korg Prologue aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. (Fotos: Bonedo)

Bedienfeld und Klangerzeugung

Die Bedienoberfläche des Prologue erinnert zunächst an die des wesentlich handlicheren Minilogue. Durch das größere Format findet allerdings ein jeweils ausgewachsenes Pitch- sowie ein Mod-Wheel auf dem Bedienpanel Platz, wo bei den Miniatur-Ausführungen kleinere Kompromiss-Lösungen gefunden werden mussten.

In seiner Basis ist der Korg Prologue ein vollwertiger Analog-Synthesizer: Die zwei VCO‘s sind per Kippschalter zwischen Sägezahn, Dreieck und Puls schaltbar, am Shape-Poti kann die jeweilige Wellenform weitergehend bearbeitet werden (z. B. Pulsbreite). Die Oszillatoren können auf Cent-Ebene gegeneinander verstimmt, oder aber miteinander gesynct werden. Des Weiteren laden Ring- und Cross-Modulation die beiden Oszillatoren zur wilden Fahrt zu atonalen Sounds und Klangwelten ein. Ein analoges, resonanzfähiges Filter mit zwei Drive-Stufen und regulierbarem Keyboard Tracking führt den analogen Signalweg fort. Leider kann das Filter weder von -12dB auf -24dB Absenkung/Oktave umgeschaltet, noch in seiner Polarität verändert werden. Es bleibt bei dem einen großen Cutoff-Poti. 

Dafür kann eine 80hz Low-Cut-Schaltung eingesetzt werden, was gerade für Synth-Pads im Live-Mix eine Bereicherung sein dürfte. Neben der Amp-Hüllkurve gibt es eine weitere ADSR-Hüllkurve, die einerseits auf den Filter wirkt, auf Wunsch aber auch den Pitch der Oszillator-Sektion moduliert. Auf der Suche nach weiteren herkömmlichen Modulations-Möglichkeiten werde ich zunächst enttäuscht: Ein Pitch/Vibrato-LFO liegt zwar als Default-Einstellung auf dem Mod Wheel. Leider steht ansonsten lediglich ein flexibel routbarer LFO bereit, wo bei anderen Poly-Flaggschiffen wie etwa dem DSI Prophet ´08 bis zu 4 LFO‘s nutzbar sind. Ein klassischer Arpeggiator ist mit diversen Modi und Tap Tempo am Start. Allerdings suche ich vergebens nach einem Sequencer. Warum war Korg hier so sparsam? Und wieso sollte ich für den Prologue das dreifache gegenüber einem auf analoger Ebene ähnlich ausgestatteten Korg Minilogue zahlen, der sogar zusätzlich noch einen ausgewachsenen Sequencer mit an Bord hat? 

Die Frage ist schnell beantwortet, als ich mir die weiterführende Ausstattung des Prologue ansehe. Neben den beiden VCO‘s gibt es in der Oszillator-Sektion nämlich noch die sogenannte „Multi-Engine“: Eine zusätzliche, digitale Oszillator-Einheit, welche als Noise Generator fungiert, aber auch VPM-basierte FM-Sounds in den Prologue integriert.

Fotostrecke: Bedienelemente auf der Gehäuseoberseite des Korg Prologue, von links nach rechts. (Fotos: Bonedo)

Schließlich bietet die Multi-Engine noch freie 16 User-Slots. Der Hintergrund dafür ist das Prologue SDK (Software Development Kit), welches im Frühjahr 2018 erscheinen soll. Mit dieser Anwendung sollen dann benutzerdefinierte, digitale Oszillator-Wellenformen erstellt und in die User-Slots des Prologue geladen werden können. Das eröffnet eine riesige Palette an speziellen, eigenständigen Klang- und Modulations-Möglichkeiten. Eine ähnliche Erweiterung erwartet auch den Effekt-Bereich des Hybriden. Bis zu 16 nach persönlichen Vorlieben erstellte Modulations-Effekte können dann in der Effekt-Sektion des Prologue verewigt werden, die aber schon von Werk so einiges bietet: Chorus, Flanger, Phaser und Ensemble sind als digitale Modulations-Effekte mit an Bord. Die Auswahl erfolgt via Kippschalter, im Display wird der jeweilige Effekt angezeigt und ist dort auch zwischen Mono und Stereo umschaltbar. 

Das Display hätte zugegebenermaßen etwas größer ausfallen können. Es ist Dreh- und Angelpunkt für die Übersicht über nahezu alle via Poti einstellbaren Parameter und beheimatet ein Oszilloskop, welches die aktuelle (modulierte) Wellenform anzeigt. Zusätzlich werden hier im Edit Mode diejenigen globalen und sound-spezifischen Einstellungen getätigt, für welche die Potis und Kippschalter nicht vorgesehen sind. Auch die Art des integrierten Digital-Reverbs kann in diesem Display festgelegt werden und reicht von klassischen, dezenten Halls bis hin zu abgefahrenen, experimentellen Modulations-Hallfahnen.

Sowohl bei Reverb/Delay, als auch bei den verschiedenen MOD FX kann nur jeweils ein Effekt pro Zeit aktiv sein. Eine Aneinanderreihung verschiedener Effekt-Pedale ersetzt die FX-Sektion des Prologue also nicht unbedingt. Wer sich fragt, wozu die üppigen 16 Stimmen im Prologue 16 denn gut sein sollen, den sucht früher oder später die Multi-Trimbalität des Gerätes heim:

Der Synth kann zwei Sounds mit dann jeweils acht (beim Prologue 8 jeweils vier) Stimmen gleichzeitig erzeugen, die in ihrem Signalweg bis auf einige Effekte voneinander unabhängig sind. Dank des PGM/FETCH-Buttons ist es sogar möglich, für die beiden Klangebenen - bei Korg „Timbres“ genannt - aus der Bank an Preset-Sounds auszuwählen, um keine neuen Klänge programmieren zu müssen. Mithilfe eines Balance-Reglers kann die Balance der beiden Sounds reguliert werden, wenn sie zum Beispiel zusammen als Layer gespielt werden. 

Es gibt aber auch noch die Möglichkeit, die Tastatur zu splitten und so beispielsweise Bass- und Pad-Sounds über die Tastatur verteilt zu spielen. Im X-Fade Modus wird ein Crossfade-Übergang zwischen den zwei Ebenen im Tastenverlauf aktiviert. An einem Kippschalter kann festgelegt werden, in welchem Timbre man sich gerade auf dem Bedien-Panel befindet. So entsteht eine übersichtliche Doppelstruktur, die keinerlei Einschränkung in der jeweiligen Klang-Bearbeitung mit sich bringt. 

Die Polyphonie des Prologue kann außerdem in den Voice Modi genutzt und auch eingeschränkt werden: Neben dem klassischen Poly sind die Modi Mono, Unisono oder auch Chord anwählbar, wobei sich der Synth einen gespielten Akkord merkt und ihn dann jeweils auf die einzeln gespielten Tasten legt. Ein tolles Feature, welches beispielsweise an den Korg-eigenen Klassiker „Polysix“ aus den 80er Jahren erinnert. Der Regler „Voice Mode Depth“ hält für jeden der Modi einen intuitiven, praktischen Effekt bereit (z. B. Detune/Unisono, Chord Type/Chord). 

Die sehr vielseitig erzeugbaren Klänge des Prologue 16 können am Ende der Kette noch durch einen analogen Kompressor geschliffen werden, der durch seinen Gain-Regler auch als Booster/Sättigung genutzt werden kann. Für die mögliche Vielfalt an Sounds stehen schließlich 500 Programm-Speicherplätze zu Verfügung, die in der Menü-Ebene des Displays verwaltet werden können. Außerdem lassen sich wichtige oder projektspezifische Sounds als Sammlung in sogenannten „Live-Sets“ auf die acht LED-Buttons im Edit-Bereich routen, von wo aus sie dann beispielsweise im Live-Kontext sofort abrufbar sind.

Anschlüsse

Während die Bedienoberfläche des Flaggschiffes großzügig bestückt ist, sieht es auf der Rückseite eher karg aus: Korgs Entscheidung, neben dem Phones Out lediglich einen Stereo-Output zu verbauen, verhindert, dass die Layer/Split-Sounds jeweils einzeln ausgegeben werden können. Neben Midi In/Midi Out finde ich noch Sync-Buchsen zur Synchronisation mit externen Sequencern, Drum-Machines oder Synthesizern wie etwa den Geräten aus Korg‘s hauseigener Volca-Serie.

Reguläre CV In/Outs zur Kommunikation mit älteren Synthesizern bleiben leider aus, dafür gibt es einen zeitgemäßen USB Midi-Anschluss. Die Pedal-Eingänge für Expression/Damper ermöglichen die Kontrolle einzelner Klang-Parameter, falls die beiden Hände gerade für das Spielen des Synths gebraucht werden. Das Filter scheint beim Korg Prologue weniger Dreh- und Angelpunkt, sondern eher Mittel zum Zweck zu sein. Es gibt keinen Audio-Eingang, um externe Signale durch den Filter und seine Drive-Stufen zu schicken, was sicherlich interessant hätte werden können. Schade.

Nach Betrachtung der teils für einen im Herzen analogen Synth ungewöhnlichen Features (On-Board-Effekte und digitale, editierbare Oszillator-Wellenformen) wird langsam deutlich, dass sich der Korg Prologue nur schwer mit anderen zeitgenössischen Analog-Synthesizern vergleichen lässt: Der philosophische Ansatz, die Vorzüge der Digital-Welt mit denen der analogen Klangsynthese durch derartigen Mitteln zu verbinden, ist eher ungewöhnlich und verlegt teilweise Schwerpunkte im Bereich der technischen Ausstattung. Auf dem Papier vermisst man zunächst einige Features gemessen am Preisbereich. Schauen wir mal, ob und wie sich Korg‘s Hybrid-Rezept im Klang des Prologue-16 niederschlägt.

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