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Test
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13.05.2015

KORG KAOSS DJ Test

Zweikanalmixer, Controller, Audiointerface und KAOSS FX

„Schwarz“ ist nicht immer ein Trauergewand!

Heute haben wir den KORG KAOSS DJ zum Bonedo-Test eingeladen, eine Kombination aus DJ-Controller für Serato mit zweikanaligem USB-Audiointerface, Standalone-Mixer und einer KAOSS-FX Einheit. Der jüngste „KAOT“ der so erfolgreichen Familie ist nicht nur ein äußerst kompaktes Minimischpult, sondern er bringt natürlich auch das kleine, namensgebende XY-Pad auf seiner Bedienoberfläche mit und da er ebenso als Software-Kommandozentrale und nicht zuletzt als Audioschnittstelle fungieren kann, verbirgt sich hinter ihm ein richtiger Multifunktionalist. „Eierlegende Wollmilchsau“ würde ich jetzt noch nicht sagen, aber vielleicht am Ende dieses Tests? Wir werden sehen ...

Details

Die japanische Firma KORG entwickelte sich Anfang der 70er-Jahre zu einem ernst zu nehmenden Hersteller von Synthesizern. Sowohl der MS-20 wie auch der Polysix entsprangen jener Zeit, Dekaden später folgten Workstations wie die M1 und Triton, die weltweit enorm großen Zuspruch fanden. Zur Jahrtausendwende öffnete KORGs erstes KAOSS Pad die Tür zu einem völlig neuen Markt. Die haptische FX-Schleuder schlug bei den DJs ein wie eine Bombe, so dass KORG davon große Stückzahlen absetzen konnte. Doch damit nicht genug, denn die Company hatte Blut geleckt und entwickelte potentere Nachfolger wie den „Pro“ oder Version 3 sowie Abwandlungen, Marke Kaossilator, und diverse Mini-Ausführungen. KAOSS DJ ist ebenfalls nicht der erste Versuch seitens KORG, einen DJ-Mixer und ein KAOSS-Pad zu verschmelzen, wie ihr anhand unseres Tests zum KM402 (Test hier) unschwer erkennen könnt.

Kontaktaufnahme

Als ich vorab die Review für KORGs „Neuen“ zusagte, erinnerte ich mich an die Bilder aus den Pressemitteilungen des Herstellers. Das Teil sah hochwertig und zudem interessant aus, seine realen Dimensionen konnte ich dem Bildmaterial wohl nicht entnehmen, denn irgendwie erwartete ich etwas „Größeres“.

Ein wenig ungläubig betrachte ich also die mir übergebene die Kartonage, die mir ein wenig zu klein für das, was ich erwartet hatte, vorkommt, doch das ist sie nicht. „Ach, ist der putzig“, denke ich mir und schon scannen meine Augen die schwarze Oberfläche und meine Finger können nicht mehr widerstehen, erste Trockenübungen mit den Bedienelementen durchzuführen, was mir einen durchweg positiven ersten Eindruck vermittelt. Auch die Anschlüsse geben ein sauber verarbeitetes Bild ab. Das Chassis ist aus einem schwarzen, durchaus widerstandsfähigen Kunststoff gefertigt, was prinzipiell kein Nachteil sein muss, zumal KAOSS DJ nicht „billig“ wirkt. Wie so oft resultiert der Verzicht auf Metall beim Gehäuse in einem absolut mobiltauglichen Kampfgewicht, denn der Kaot bringt lediglich 730 Gramm auf die Waage und passt aufgrund seiner sparsamen Abmessungen von 30,7 x 15,8 x 4,2 Zentimetern in nahezu jeden Rucksack, auch in den eines Zehnjährigen. Zum Lieferumfang des Pakets zählen der schwarze Minimischer, ein USB-Kabel und eine viersprachige Bedienungsanleitung, die alles Wichtige für den Start, unter anderem auch auf Deutsch, leicht verständlich und umfassend erklärt.

Layout

Die Oberfläche folgt zunächst dem Layout eines klassischen Zweikanalmischers. Die große Ausnahme bildet dahingehend das zentral angeordnete 56 x 46 Millimeter große XY-Pad, das sowohl die Effekte von Serato DJ Intro als auch die FX, die aus dem Mini KAOSS Pad 2 übernommen wurden, manipulieren soll. Die Touch-Fläche wird links und rechts von zwei 45 Millimeter langen Linefadern flankiert. Darüber schließen auf beiden Seiten Dreiband-EQs an, die über eine Mittenrastung und eine kleine blaue LEDs verfügen, die zu leuchten beginnt, wenn der Regler in der Mittelstellung angekommen ist. Eine gute Orientierungshilfe.

Zwischen den Hochtonreglern liegen innen die beiden „Gains“, die ebenso eine blaue LED spendiert bekommen haben. Mittig darunter hat ein gerasterter Endlos-Controller Platz gefunden, der zusammen mit den anheimgestellten A/B-Buttons beim Browsen und Laden der Decks behilflich ist. Ein dreistelliges alphanumerisches Display zeigt die geladenen KAOSS-FX an, während ein weiterer Endlos-Controller für die Auswahl der Effekte zuständig ist. Zudem findet der neugierige DJ in der Zentrale drei milchige Buttons: „Tap“ dient zur manuellen Tempoeingabe, „Hold“ friert die aktuellen FX-Parameter ein und der Letzte im Verbund entscheidet, ob der XY-Quadrant KAOSS- oder Serato-Effekte drangsaliert.

Unterhalb des Pads hat sich an prominenter Position der 45-Millimeter-Crossfader niedergelassen, der ziemlich fluffig über die Leiterbahn rutscht. Zwei symmetrische Decksektionen, die eine links, die andere rechts von der Mixersektion arrangiert, ermöglichen die Steuerung der Tracks und die Einflussnahme auf einige Abspielparameter. Unten schließt je eine Reihe mit vier milchtrüben Buttons (Shift, Play, Sync und Cue) die Player-Abteilung ab.

Einigermaßen unkonventionell ist die Beschaffenheit der Wheels, die eben keine wirklichen Räder oder Teller sind, sondern kreisrunde 77 Millimeter im Durchmesser betragende Pad-Sensoren genannt „Touchwheels“, mit denen der Deejay scratcht oder in Kombination mit Shift im Track vorspult. Außen an gewohnter Stelle liegen die 45 Millimeter langen Pitchslider, die ein weniger straffer sind und mit etwas mehr Kraftaufwand bewegt ein gefühlvolles Angleichen ermöglichen sollen. Über beiden Geschwindigkeitsreglern sind je zwei Taster beheimatet, die sonst eher in der Mixersektion zu finden sind. Zum einen liegen dort die Cue-Buttons mit aufgedruckter Headphone-Symbolik und die FX-Knöpfe, die das jeweilige Deck-Signal auf Seratos FX-Sektion routen.

Über den Wheels sitzt beiderseits ein horizontal ausgerichteter, dreifach unterteilter Touchslider, der drei verschiedene Betriebsmodi kennt, die über einen weiteren milchigen Button ausgewählt werden. Im Normalzustand kann man mit ihrer Hilfe die Wiedergabe beschleunigen oder abbremsen (links oder rechts drücken) oder mit dem mittleren Feld den Scratch-Modus für das Kreisrund aktivieren. Im Hotcue-Betrieb werden damit drei Cue-Punkte gesetzt und im Loop-Mode oder besser gesagt im Auto-Loop-Betrieb (de) aktiviert dessen Mitte die Wiederholschleife, während man rechts die Schleifenlänge verdoppelt oder diese links halbiert.

Zu guter Letzt seien hier Master und Monitor erwähnt, die oberhalb der linken Decksektion logieren. Drei Drehregler ohne Mittenrastung, alle mit blauen LEDs ausgestattet, dienen zur Pegelkontrolle der Summe und der Kopfhörerlautstärke oder zur Justierung des Mischungsverhältnisses von Cue und Master auf dem Headphone-Ausgang. Letztgenannter heißt verwirrenderweise „Balance“ und meint damit nicht die L/R-Balance auf der Pultsumme.

Schnittstellen

KAOSS DJ hat so ziemlich alles an Bord, was der mobile DJ benötigen könnte – zwar mit einigen Limitierungen, aber immerhin. Der Hybrid trägt ein 2-In/4-Out Audiointerface im Bauch, das Audiosignale mit bis zu 48 kHz und 24 Bit verarbeiten kann. Die Summe des internen DJ-Mixers wird über einen Stereo-Cinch-Ausgang, der auf der rechten Außenseite arrangiert wurde, aus dem Gerät geführt. Den zweiten Stereoausgang finden wir in Form einer 6,35-Millimeter-Kopfhörerbuchse vor, die wie der Mikrofoneingang (ebenfalls Klinke) auf der Vorderseite Platz gefunden hat. Auf der linken Außenbahn nimmt der KAOT über seine USB-Schnittstelle Kontakt mit dem Rechenknecht auf. Daneben logiert ein winziger Schiebeschalter, mit dem der Deejay (bevor er das Gerät einschaltet) auswählt, ob er KAOSS DJ als Controller oder als Standalone-Mischpult benutzen möchte. Aha, ein Wechsel vom Controller-Modus zum Mischpultbetrieb während des laufenden Betriebs ist also NICHT möglich. Limitierung 1.

Backpanel

Auf das Backpanel haben KORGs Entwickler in einem leicht versenkten Anschlussfeld die zwei Stereo-Line-Eingänge sowie einen weiteren Winzling von Schiebeschalter mit dem Aufdruck „Input A select“ verfrachtet. Zur Auswahl stehen hier der daneben ansässige Line-In oder der frontseitig zu findende Mic-Eingang, der im übrigen hinsichtlich der Aufholverstärkung (Gain) mit einem Minipoti justiert wird, das wiederum auf dem versenkten rückseitigen Anschlussfeld „versteckt“ ist. Na dann, viel Spaß beim Einpegeln! Aber Spaß beiseite, nicht mal meine Finger können jene Drehregler-Miniatur gescheit greifen. Das hätte man doch echt ein bisschen anders lösen können und überhaupt, was ist das für eine seltsame Verteilung der Anschlüsse? Hat der Deejay erstmal alles angeschlossen, ragen aus allen vier Seiten Kabel aus dem Gerät heraus. Das erinnert mich irgendwie an die zweite Ausgabe des Stanton Scratch Amps, da war das ebenfalls so und das fanden auch viele DJs ziemlich unpraktisch.

Zweite Limitierung

Mit der Entdeckung des Schalters „Input A select“ wird auch die zweite Limitierung des „Quasi-Hybriden“ deutlich: Nutzt man das Mikrofon, muss man im Mischpultbetrieb auf den zweiten Line-Eingang verzichten. So aber auch im Controller-Modus, denn dann wird das Mic-Signal durch das erste Software-Deck geschleift, so dass Player 1 keinen Track mehr ausspielen kann.

Die Stromversorgung

... erledigt im Controller-Betrieb der USB-Bus. Im Mixer-Modus lässt man das USB-Kabel am KORG angeschlossen und steckt das andere Ende der USB-Strippe, das sonst in den Rechner gestöpselt wird, am besten in einen 5V-USB-Adapter, der aber nicht im Lieferumfang enthalten ist.

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