Hersteller_Korg DP_Digitalpiano DP_Kompakt DP_Arranger
Test
3
25.05.2015

Praxis

Sobald das mitgelieferte und leider externe Netzteil an das Piano angeschlossen wird, befindet sich das HAVIAN 30 im Standby-Modus. Ein Druck auf den POWER-Taster des HAVIAN 30 weckt das Gerät auf. Das dauert mit ca. 40 Sekunden ganz schön lange, aber es geht wesentlich schneller als beim Pa300. Ein Ausschalten im eigentlichen Sinne gibt es nicht. Mit einem etwas längeren Druck auf den POWER-Taster fährt das HAVIAN 30 wieder in den Standby-Modus herunter, verbraucht also leider auch im „ausgeschalteten“ Zustand etwas Strom. 

Lautsprecher

Das Lautsprechersystem mit 2x 25 Watt und Bassreflex-Gehäuse erzeugt einen ausgewogenen und druckvollen Sound. Für kleine Beschallungssituationen ist das vollkommen ausreichend. Auch gerade der für ein Digitalpiano wichtige Klavierklang wird sehr klar und nuanciert wiedergegeben.

Tastatur

Auch die Klaviatur ist gelungen. Die Angabe „europäische Hammermechanik“ lässt vermuten, dass die Tastatur in Europa gebaut wird (von Fatar?), genaue Informationen liegen uns dazu allerdings nicht vor. Jedenfalls ist die Hammermechanik gut und nicht zu leicht gewichtet, lässt aber dennoch auch schnelles Spiel von Orgel- oder Synthesizersounds zu, die ja gewöhnlich auf ungewichteten Tastaturen gespielt werden. 

Bedienung

Die Anordnung der Bedienelemente ist gelungen und sehr ähnlich zu den Keyboards der Pa-Serie. Wie beim Pa300 ist das berührungsempfindliche Display mit 5“ gerade noch ausreichend groß. Man muss mit dem Zeigefinger gut zielen und manchmal bedarf es mehrerer Anläufe, bis man den gewünschten Befehl ausgeführt oder den richtigen Wert verändert hat. Bei den größeren Pa-Modellen ist ein wesentlich komfortableres 7“-Display mit hoher Trefferquote verbaut.

Das Hauptfenster zeigt alle wichtigen Parameter im Überblick. Man erkennt sofort, welcher Style und/oder Song ausgewählt ist und welche Klänge für das Live-Spiel ausgewählt sind. Die weitere Menüführung ist intuitiv gehalten, wobei es oft mehrere Wege zum Ziel gibt. So kann man einen neuen Style beispielsweise über Antippen des Feldes auf dem Display oder durch den entsprechenden Selection Taster auf dem Bedienpanel wählen.

Der Mini-Joystick ist für mein Empfinden etwas zu klein ausgefallen, was zur Folge hat, dass beispielsweise beim Pitch-Bend-Effekt nur mit großer Mühe ein „Fein-Tuning“ gelingt. Der Regelweg ist so kurz, dass man meistens schon früher als geplant am Anschlag angekommen ist. Es ist daher eher ein Pitch-Bend-Schalter als ein Pitch-Bend-Regler.

Sounds und Performances

Das HAVIAN 30 ist 128-stimmig polyphon und verfügt über 950 Sounds sowie 64 Drumkits. Es gibt drei Upper-Parts und einen Lower-Part, die gleichzeitig gespielt werden können. Die Anwahl der Sounds erfolgt durch direktes Antippen des entsprechenden Parts im Display. Klänge mit dem Zusatz „RX“ nutzen Korgs „Real Experience“ Sound Technologie. Das bedeutet, dass von vielen zusätzlichen Geräuschen und/oder Spieltechniken, die das Instrument ausmachen, Samples erstellt wurden, um den Klang authentischer zu machen. Die im Vergleich zum Pa300 natürlich detailreicher gesampelten Flügel- und Klavierklänge des HAVIAN 30 sind mit Saitenresonanz und Dämpfersimulation ausgestattet. Die Sounds können umfangreich editiert und im User-Bereich abgespeichert werden.

Neben den Factory-Sounds gibt es auch eine Abteilung mit Legacy- und GM-Klängen. Die Einstellungen der Live-Sounds lassen sich in Performances speichern, wofür 240 Speicherplätze bereit stehen. So kann man beliebte Registrierungen schnell abrufen. Korg hat schon viele Performances vorgegeben, die man aber überschreiben kann.  

Klang

Die Klangqualität des HAVIAN 30 ist für ein Digitalpiano dieser Preisklasse sehr gut. Dabei muss erwähnt werden, dass bei vielen Digitalpianos die übrigen Klangkategorien gegenüber akustischem Piano und E-Piano stark abfallen. Beim HAVIAN 30 allerdings habe ich in keiner Sound-Kategorie echte Schwächen feststellen können. Ganz wie ein Arranger-Keyboard präsentiert es sich als echter Allrounder.

Die leistungsstarken Effekte werten den Sound zusätzlich auf. Das HAVIAN 30 besitzt 125 verschiedene Effekttypen. In den zwei getrennten Master-Effekt-Bereichen sind jeweils zwei Effekte verfügbar. Ein Effekt-Bereich ist für die Backingtracks (Styles und Songs) und einer für die Keyboard-Tracks vorbehalten. Jeder Track besitzt einen 3-Band-EQ (!), zusätzlich gibt es einen finalen parametrischen Master-EQ. 

Bei den folgenden Beispielen habe ich einerseits Einzelsounds, andererseits aber auch Performances, also fertige Sound-Kombinationen, angespielt.

Bei den Akustik-Pianos sind viele unterschiedliche Klänge anwählbar, ich habe im Beispiel "Piano Mix" der Reihe nach einige Sounds angespielt. Die Saitenresonanz- und Dämpfer-Simulationen kann man im entsprechenden Audio-File deutlich hören.

Die E-Pianos sind auch in guter Qualität und dank der umfangreichen Effektsektion auch in großer Vielfalt vorhanden:  

Bei den Orgeln lässt sich der Leslie-Effekt mit dem Joystick umschalten: 

Strings und Pads können auch überzeugen: 

Blasinstrumente sind eine Stärke des HAVIAN 30 – wer hätte gedacht, dass man das mal über ein Digitalpiano schreiben könnte: 

Auch die Synth-Sounds und Gitarren kommen authentisch rüber und setzen sich gut durch: 

Styles und Songs

Kommen wir zunächst zu den Styles, bei denen der Arranger die acht Begleitspuren mitlaufen lässt, die zum gespielten Akkord passen. Das HAVIAN 30 besitzt 420 Werksstyles. Jeder Style besteht aus drei Intros, vier Variationen, vier Autofills, einem Break und drei Endings. Direkt mit dem jeweiligen Style verknüpft sind vier verschiedene STS (Single Touch Settings), also Registrierungen für die Upper- und Lower-Sounds, damit man während des Live-Spiels schnell zu verschiedenen zum Style passenden Klängen umschalten kann. Diese STS-Einstellungen kann man auf den eigenen Geschmack anpassen und speichern.

Styles können im HAVIAN 30 selbst erstellt und editiert werden. Im User- und Favorite-Bereich lassen sich über 1040 (!) selbst erstellte, veränderte oder hinzu gekaufte Styles ablegen, wofür allerdings ein externes Speichermedium (USB-Stick) benötigt wird. Auch die Factory-Styles können theoretisch mit Eigenkreationen überschrieben werden! Hier zunächst einige Audiobeispiele der Styles. Dabei habe ich für die Live-Sounds immer die STS angewählt, die zum Style passend angeboten wurden:

Bei einem Digitalpiano wie dem HAVIAN 30 ist es wichtig, dass auch beim pianistischen Spiel mit beiden Händen ohne Splitpunkt die Akkorderkennung gut funktioniert. Beim folgenden Beispiel spielte ich die Piano-Figur immer höher, um zu testen, ob der Arranger auch dann noch die Akkordfolge umsetzte: 

Das klappt ganz gut, wobei die mit beiden Händen gespielten Töne für eine sichere Erkennung nicht zu weit auseinander liegen dürfen.

Ein praktisches Feature des HAVIAN 30 ist der Akkordsequencer, mit dem man im Style-Play-Modus eine Akkordfolge „loopen“ kann. Während die Akkorde dann automatisch in Schleife gespielt werden, kann man darüber jammen, bis man den Akkordsequencer deaktiviert.

Bei den Werksstyles sind standardmäßig alle Begleitspuren aktiviert, wodurch die Styles überladen wirken können. Man kann aber wie im folgenden Beispiel durch geschickte Nutzung der Variationen und schrittweises Hinzuschalten der einzelnen Instrumenten-Tracks die Darbietung dynamisch steigern: 

Im Song-Play-Modus lassen sich MIDI-Files oder MP3-Dateien abspielen, zu denen dann gespielt werden kann. Dabei kann selbst ein MP3-Song mit den Transpose- bzw. Tempo-Tastern in der Tonhöhe und/oder in der Geschwindigkeit verändert werden, allerdings nur in gewissen Grenzen.

Der Sequencer-Modus dient dazu, MIDI-Files zu erstellen bzw. das eigene Spiel aufzunehmen, wofür das HAVIAN 30 verschiedene Möglichkeiten bereitstellt. Beispielsweise werden im Quick-Record-Modus eine Begleitsequenz mit einem beliebigen Style und die gespielten Keyboardtracks aufgezeichnet. Das geht sehr schnell und man erhält durch den mitlaufenden Arranger sofort einen kompletten Song, ohne mühsam Spur für Spur aufnehmen zu müssen. Anschließend lassen sich z.B. noch Style-Variationen ändern und auch Akkorde editieren. Speichert man einen solchen Song, so wird er als MIDI-File abgelegt und kann ab jetzt im Multitrack-Sequencer des HAVIAN 30 bis ins Kleinste bearbeitet werden.

Eine weitere praktische Aufnahmemöglichkeit ist der integrierte MP3-Recorder, der direkt auf einem USB-Stick aufzeichnet.

Songbook

Korg bietet – wie auch in der Pa-Serie – das „Songbook“ als mächtiges Datenbank-Tool an, um alle Einstellungen des HAVIAN 30 komfortabel zu speichern und zu verwalten. Egal, ob zur Begleitung Styles oder MIDI- bzw. MP3-Songs benutzt werden, mit einem Songbook-Eintrag sichert man alle Sound- und Arranger-Einstellungen auf einem Speicherplatz. Dabei werden vier STS (Single-Touch-Settings) mit abgelegt, sodass man während der Darbietung in der Lage ist, zwischen verschiedenen passenden Klängen umzuschalten. So kann man sich im Laufe der Zeit eine Liste für sein persönliches Repertoire erstellen, in der für jede gewünschte Darbietung das HAVIAN 30 optimal eingestellt wird. Dabei können neben dem Namen des Songs auch Angaben zu Tempo, Tonart, Artist und Genre mit abgespeichert werden. Mithilfe der umfangreichen Suchfunktion kann man dann bei Bedarf schnell den passenden Songbook-Eintrag finden.

Das HAVIAN 30 enthält werksseitig bereits Hunderte Datensätze für viele international bekannte Songs. Zwar musste man die Namen der Songs aus urheberrechtlichen Gründen leicht abändern, aber bei den meisten Einträgen wird sofort klar, um welchen Song es geht. Schnell ist ein Eintrag angewählt und das HAVIAN 30 ist startklar zum Spielen. Hier ein paar Beispiele:

Vor einem Auftritt lässt sich eine Playlist erstellen, das Umschalten zum nächsten Song geschieht dann mit einem Knopfdruck auf „NEXT“ – sehr praktisch für die Bühne! Korg bietet für die Verwaltung dieser Datenbank auch eine Songbook Editor Software zum kostenlosen Download an, allerdings leider nur für Windows. 

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare