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Workshop
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18.05.2013

Kickstart Digital-DJing - Workshop DVS-Basics Teil 1

Das kleine 1x1 für Digital-DJs

Digitale Vinyl-Systeme wie Native Instruments Traktor Scratch oder Scratch Live von Rane/ Serato sind derzeit wohl die angesagtesten DJ-Tools. Die Abkürzung DVS steht dabei für „Digital Vinyl System“. Bei diesen „Systemen“ werden mithilfe von althergebrachten Zuspielern wie Plattenspielern oder CD-Playern mit Timecode-Tonträgern (CD oder Vinyl) Audiofiles gesteuert, welche auf der Festplatte eines Computers schlummern. DVS-Systeme simulieren auf diese Art und Weise die Wiedergabe altbewährter Tonträger und ermöglichen dem Anwender mit Hilfe derer, bewährte DJ-Techniken wie Scratches oder Backspins auszuführen. Auch ein nahtloser Wechsel zwischen Songs von Audio-CD oder Vinyl und Audiofiles vom Rechner sind so kein Problem. In den Gründertagen von DV-Systemen hatte der erste Platzhirsch Final Scratch noch den Ruf, zu anfällig für einen professionellen Einsatz zu sein. Das hat sich aber im Laufe der Jahre aufgrund der technologischen Weiterentwicklung und der Optimierungsbemühungen der Hersteller zum Positiven gewendet, sodass sich derartige Setups mittlerweile sowohl bei Profis wie auch bei Hobby-DJs größter Beliebtheit erfreuen.

Idiotensichere Spielzeuge mit Autopilot sind digitale Vinyl-Systeme jedoch bei Weitem noch nicht. User, die wichtige Grundregeln ignorieren oder gar nicht kennen, können so krasse Störsignale provozieren oder im schlimmsten Fall sogar einen Computer-Absturz verursachen. Doch all das lässt sich gut umschiffen, indem man sich an bestimmte Maßgaben hält. Seid also bereit für den ersten Teil des kleinen 1x1 für DVS-DJs! 

Workshop

Es gibt viele verschiedene DVS-Programme auf dem Markt und es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, auf alle erhältlichen Produkte explizit einzugehen. Daher habe ich mich auf die beiden populärsten Systeme, sprich Traktor Scratch (Version 2.6.0.) von Native Instruments und Scratch Live (Version 2.4.4.) von Rane/ Serato beschränkt. Da alle DVS-Kombis prinzipiell über ähnliche Features verfügen, ist dieser Artikel durchaus auch für Anwender von Torq, Cross und Co. übertragbar. In unseren Tests verwendeten wir Windows (Version 7) und Mac OS X 10.6.8 als Betriebssysteme.

Das Thema „DVS“ ist wirklich sehr breit gefächert und dieser Workshop deckt zwar einen großen Anteil aller Problematiken ab, dennoch gibt es bestimmt technische Probleme, die hier nicht beschrieben werden. Ich denke aber, dass euch dieser Artikel helfen wird, grundlegende Fehler im Umgang mit DVS von vornherein zu vermeiden und euer Setup effektiver zu nutzen. Also: Let`s go! 

Computer-Preferences/Benutzerkonten

In den Systemeinstellungen eines Macs oder in der Systemsteuerung unter Windows gibt es unzählige Optionen, die sich konfigurieren lassen. Auf diese Weise kann ein Rechner optimal an die individuellen Bedürfnisse und Gewohnheiten des jeweiligen Anwenders angepasst werden. Außerdem dienen diese Voreinstellungen dazu, die Performance des Computers hinsichtlich der primär verwendeten Software zu optimieren. Es lassen sich Justierungen für Audio, Bildschirmschoner, Schriftgrößen, Tastatur, Mauspad, u.v.m. vornehmen. Der folgende Text zeigt euch, worauf ihr achten solltet, um euren Rechner perfekt auf die verwendete DVS-Software abzustimmen.

Benutzerkonten

Doch bevor wir uns mit den Systemeinstellungen beschäftigen, kommen wir zunächst zu einem Arbeitsschritt, welchen ich bereits vor der Installation der DVS-Software empfehlen möchte. Es bietet sich an, ein spezielles Benutzerkonto für die DJ-Tätigkeit anzulegen. Dies ist sowohl unter Mac OS X als auch bei Windows-Computern möglich. Jedes Konto verfügt über einen eigenen Desktop, eigene Systemeinstellungen sowie ein eigenes Passwort. Erfahrungsgemäß nutzen die meisten Leute ihren Rechner nicht ausschließlich zum DJing, sondern auch für andere Tätigkeiten. Und da sind die Computer-Voreinstellungen, welche optimal auf die verwendete DVS-Software abgestimmt sind, für andere Programme womöglich eher ungeeignet und umgekehrt. Ein weiteres Argument für ein separates Benutzerkonto ist die Unbeflecktheit der Benutzerordner und der meisten Libraries. Erfahrungsgemäß neigen Anwender, die ihre Rechner z.B. auch für Büroarbeiten nutzen, dazu, ihren Schreibtisch mit Dateien zu überschwemmen. Doch gerade bei der Arbeit mit Performance-intensiveren Applikationen kann das zum Problem werden. Erfahrungsgemäß verschlechtert ein z.B. vollgepackter Desktop merklich die Performance eines Rechners, egal ob Mac oder PC.

Allgemeine Computer-Voreinstellungen

Um zu verhindern dass man während der DJ-Performance auf seinem Bildschirm statt der GUI der DJ-Software, plötzlich esoterische Muster zu Gesicht bekommt, sollte man zunächst den Bildschirmschoner komplett deaktivieren. Ansonsten verliert man nämlich jedes Mal kostbare Zeit, um wieder zur regulären Arbeitsoberfläche zurückzukehren. Unter Mac OS X kann man in den Systemeinstellungen unter „Persönlich“ und dem Unterpunkt „Schreibtisch & Bildschirmschoner“, entsprechende Einstellungen vornehmen. Benutzer von Windows-Computern werden hingegen in der Systemsteuerung unter „Anzeige“ und dem Menüpunkt „Bildschirmschoner“ fündig.

Die meisten DVS-Systeme auf dem Markt sind in der Lage, Musikstücke von Audio-CDs direkt vom Laufwerk abzuspielen. Achtet man in diesem Fall aber nicht auf die richtige Voreinstellung, so öffnet sich beim Einlegen der CD zusätzlich zur DVS-Software automatisch ein weiteres Programm, wie z.B. iTunes oder Windows Mediaplayer. Das ist zwar keine Katastrophe, kostet aber eben auch wieder Zeit und Nerven, da man gezwungen wird, die gerade gestartete Software wieder zu schließen. Außerdem geht für jede weitere parallel laufende Software kostbare Rechner-Power verloren. In Mac OS X findet man in den Systemeinstellungen unter „CDs & DVDs“ die entsprechenden Optionen. In Windows 7 lassen sich im Unterpunkt „Automatische Wiedergabe“ der Systemsteuerung die Programme deaktivieren, welche beim Einlegen bestimmter Medien sonst gestartet würden.

Jedes Betriebssystem verfügt über Konfigurationsmöglichkeiten hinsichtlich des Energieverbrauchs. So kann der Bildschirm, die Festplatte oder gleich der gesamte Computer nach einer einstellbaren Zeit automatisch in einen Ruhezustand versetzt werden. Nichts davon kann man aber bei der DJ-Arbeit mit dem Computer gebrauchen. In den Systemeinstellungen von Mac OS X (Version 10.6.8.) sollte man unter „Energie sparen“ daher den automatischen Ruhezustand von Computer, Monitor und Festplatte(n) komplett deaktivieren. Die gleichen Einstellungen finden sich in der Systemsteuerung von Windows 7 unter „Energieoptionen“. Bei beiden Betriebssystemen sollte man die Ruhezustände sowohl für den Netz- wie auch für den Batteriebetrieb deaktivieren.

Die Funktionen von DVS-Programmen lassen sich durch die Computermaus, einem externen Controller (z.B. Traktor X1) oder durch Tastatur-Kurzbefehle steuern. So kann man z.B. durch Drücken einzelner Tasten Cue-Punkte anwählen, den Abspielmodus (Absolute oder Relative) ändern, Loops aktivieren u.v.m. Gerade bei Laptops sind viele der Tasten mit mehreren Funktionen belegt. So steuern die Funktionstasten (F1-F12) eines Macbooks im Default-Modus die Bildschirm-Helligkeit und die Systemlautstärke. Verwendet man aber z.B. die Scratch Live Software und möchte, wie im Manual beschrieben, die Funktionstasten zur Änderung der Abspielmodi nutzen, so steht man zunächst einmal ein wenig auf dem Schlauch. In den Systemeinstellungen von OS X muss hierfür unter dem Punkt „Tastatur“ die Option „Standard-Funktionstasten“ deaktiviert werden. Bei Windows-Computern ist diese Voreinstellung nicht immer zwingend erforderlich. Das hängt ganz vom verwendeten Hersteller bzw. Modell ab. Falls nötig, lassen sich entsprechende Einstellungen in den Systemsteuerungen von Windows 7 im Tastaturmenü vornehmen.

WLAN

Da man in den meisten Fällen als DJ während einer Performance keine Internetverbindung benötigt (Ausnahme bei Web-Streaming), macht es Sinn im Vorfeld sämtliche Netzwerkverbindungen auszuschalten. Erstens schont diese Maßnahme Ressourcen und zweitens ist nichts nerviger, als wenn während eines Jobs aus dem Nichts ein Dialog aufpoppt, welches auf die verschlüsselte WLAN-Verbindung der benachbarten Imbissbude aufmerksam macht. Unter OS X (Version 10.6.8.) kann man in den Systemeinstellungen unter „Internet & drahtlose Kommunikation“ die Airport bzw. WLAN-Verbindung abschalten. In der Systemsteuerung von Windows-Computern lässt sich das WLAN unter „Netzwerkverbindungen“ (de)aktivieren. 

Festplatten

Für die sichere Performance einer Software ist es zwingend erforderlich, dass ein Teil der Festplatte frei bleibt. Lässt man z.B. bei einer 250 GB großen HDD lediglich 10 GB frei, so wird das die Computerperformance spürbar verschlechtern. Meiner Erfahrung nach, empfiehlt es sich bei bei Computern mit HDD-Laufwerken 30-40 % des Volumens freizulassen. Verwendet man hingegen eine SSD-Festplatte, so reichen etwa 5-10 % freier Speicherplatz hierfür aus. Diese neue Art von Laufwerken arbeitet nämlich wesentlich schneller als die HDD-Technik. Außerdem müssen SSD-Festplatten nicht defragmentiert werden. Verwendet man hingegen die älteren HDD-Laufwerke, so benötigt Mac OS X, wie gewohnt etwa 20 % freien Speicherplatz und Windows 15 %, um überhaupt defragmentieren zu können.

Während sich die Festplatte unter Mac OS X selbstständig defragmentiert, ist es bei Windows wichtig, diesen Vorgang regelmäßig manuell vorzunehmen. Nur so kann eine gleichbleibende Performance auf Dauer gewährleistet werden.

Fehlerfreie Übertragung & richtiges Kalibrieren

Verwendet man Timecode-CDs, so ist ein Kalibrieren der Signale nicht unbedingt immer von Nöten. Funktioniert in diesem Fall die Steuerung der Decks dennoch nicht korrekt, so liegt der Fehler meistens in einer Vertauschung der Anschlüsse oder einer defekten Kabelverbindung. Etwas umfangreicher ist die Palette der potenziellen Fehlerquellen allerdings, wenn man Timecode-Vinlys verwendet. Wie auch beim Abspielen von regulären Schallplatten sollte man dabei keine zu abgenutzten Abtastnadeln verwenden. Je klarer und verzerrungsfreier das übertragende Timecode-Signal am Computer bzw. Audio-Interface ankommt, desto besser und genauer kann die verwendete Software die Zeitinformationen interpretieren. Außerdem sorgen abgenutzte Nadeln für einen erhöhten Verschleiß der DVS-Platten.

Hat man das Digital-Setup komplett verkabelt, sollten die Timecode-Signale vor der Inbetriebnahme grundsätzlich überprüft und falls nötig, kalibriert werden. Dazu muss der Turntable-Pitch zunächst auf 0% Prozent zurückgesetzt werden. Bei den meisten DVS-Applikationen wird die Qualität des Timecodes mittels einer Grafik angezeigt. Bei Native Instruments Traktor Scratch und Seratos Sratch Live erfolgt die Darstellung der Signale in Form von Kreisen. Je ruhiger und dünner die Kreislinien, desto besser ist die Qualität des Timecodes. Weitere Faktoren, welche die Qualität des Signals beeinträchtigen können, sind wie bereits erwähnt abgenutzte oder verschmutzte Nadeln. Aber auch die TC-Platten sollten nicht zu abgenutzt oder verunreinigt sein. Daher ist es zu empfehlen, beides regelmäßig und fachgerecht zu reinigen und regelmäßig zu erneuern. Eine weitere potentielle Fehlerquelle ist die Erdung, welche z.B. dann auftritt, wenn das Massekabel des Plattenspielers nicht korrekt mit dem Mixer oder dem Audiointerface verbunden wurde oder die Leitung schlichtweg einen Kabelbruch erlitten hat.

Die Decks von Traktor Scratch kalibrieren sich automatisch, sobald man im Hauptfenster das entsprechende Layout auswählt und den „Calibrate“-Button betätigt. Ein wirklich cooles Feature des Traktor Kalibrierungs-Tool ist zudem, dass gänzlich fehlende Kanäle konkret benannt werden (z.B. „left channel missing“).

Bei Scratch Live muss die Kalibrierung hingegen manuell vorgenommen werden. Im Setup der Software gibt es für beide Player je eine große Darstellung des Timecodes sowie diverse stufenlose Regler für die manuelle Anpassung der Parameter. Bevor man sich in den Preferences von Sratch Live allerdings an den beiden Parametern L/R-Balance und P/A-Balance zu schaffen macht, sollte zunächst der Schwellwert (Threshold) justiert werden. So werden Störsignale wie z.B. Körperschall von der Software nicht als Bestandteil des Timecode-Signals interpretiert. Ist dieser Schwellwert zu niedrig, können Vibrationen des Turntables, die durch tieffrequente Schwingungen erzeugt wurden, die Wiedergabe eines Audiofiles zum „Stottern“ bringen. Daher ist bei der Justierung des Thresholds grundsätzlich ein realistischer Abhör- und Beschallungspegel enorm wichtig. Dazu sollte man beim Soundcheck die PA und die Monitoranlage voll ansteuern. Man lässt auf dem linken Deck ein Musikstück laufen, während die Nadel des rechten Decks auf die Timecode-Platte gesetzt wird. Allerdings bleibt der Motor des Plattentellers aus. Klickt man nun den Estimate-Button, so stellt sich von selbst der richtige Threshold ein. Diesen Vorgang wiederholt man nun mit dem anderen Deck. Auch die Kalibrierung von Traktor Scratch sowie von anderen DVS-Systemen sollte möglichst beim Maximalpegel der PA erfolgen.  

Tipp: Stellt Scratch Live aufgrund von erhöhten Vibrationen (z.B. Subwoofer der PA in der Nähe des DJ-Tisches), den Threshold zu hoch ein, so kann es vorkommen das der Timecode im laufenden Betrieb ab und zu „nicht greift“. Hier schafft in der Regel ein manuell nachjustierter (etwas niedriger) Schwellwert Abhilfe!

Wenn dieser Arbeitsschritt erledigt ist, werden bei Scratch Live die beiden Timecode-Signale bezüglich Stereo-Balance und Phasenverhältnis justiert. Mittels der virtuellen Drehregler müssen die dargestellten Zirkel nun möglichst kreisrund angezeigt werden. Je runder und weniger ellipsenförmig die Kreise abgebildet werden, desto besser können die Signale vom System ausgelesen werden. Ist die Darstellung der Kreise zu klein, so kann man sich mit den beiden Zoom-Slidern behelfen. Wird statt eines Kreises in einem der Displays lediglich ein Strich dargestellt, kommt einer der Stereokanäle erst gar nicht am Rechner an. Zu überprüfen sind dann die Steckverbindungen, das Phonokabel des Plattenspielers (Kabelbruch?) sowie die Verbindung von Tonabnehmer und Tonarm (SME-Anschluss). Hier kommt es erfahrungsgemäß oft zu Verschmutzungen. Reinigungsalkohol und Wattestäbchen schaffen dann Abhilfe. Bevor man nach der Kalibrierung aber nun mit der DJ-Arbeit los legt, sollte man die korrekte Funktion der beiden Decks mittels Scratches überprüfen. Wenn man z.B. die beiden Stereokanäle vertauscht, so funktioniert die Steuerung der Decks bei Scratch Live gar nicht, während Traktor Scratch und Torq die Songs fehlerhaft abspielen. Auch die Audiosignale, welche in den Mixer gespeist werden, sollten per Kopfhörer überprüft werden. So kann man sicherstellen, dass man die Ausgänge des Interface den richtigen Inputs des DJ-Pultes zugeordnet hat.

Körperschall & Entkopplung der Plattenspieler

DV-Systeme haben gegenüber regulären Schallplatten den Vorteil, dass bei der Wiedergabe grundsätzlich kein Bass-Feedback entstehen kann. Dennoch können stärkere Vibrationen (Körperschall), die über DJ-Tisch auf Plattenspieler und Nadeln wieder auf die Platte übertragen werden, zu großen Problemen führen. Diese sorgen dann für Aussetzer im Timecode-Signal und eventuell zu einer verzerrten Wiedergabe. Ein physisches Entkoppeln von DJ-Tisch und Plattenspieler durch spezielle Luftkissen kann das Problem lösen. 

Analyse Audiofiles/ Libary Protection

Bevor ein Audiofile in einem DVS vollwertig genutzt werden kann, muss es zunächst analysiert werden. Dabei werden von der Software die Spitzenpegel, die Länge sowie die Songgeschwindigkeit ermittelt. So kann, wenn gewünscht, die Aufholverstärkung (Gain) automatisch angepasst werden. Außerdem errechnet die Software aus den ermittelten Daten eine speziell auf das jeweilige System abgestimmte Wellenformübersicht sowie das sogenannte Beatgrid (Taktgitter). Die beiden letztgenannten Informationen speichert die Software in der Regel in separate Dateien und Ordner, während Songtitel, Interpret sowie BPM-Wert in den Metadaten der Songdateien (bei MP3-Files sind es die ID3-Tags) gespeichert werden.

Generell ist es empfehlenswert, die gesamte Musik-Libary vor dem Einsatz zu analysieren. Dabei ist zu beachten, dass dieser Vorgang bei großen Musiksammlungen durchaus mehrere Stunden Zeit in Anspruch nimmt. Analysiert man seine Musikfiles im Vorfeld nicht, muss man zahlreiche Nachteile in Kauf nehmen. Erstens kostet eine Analyse im laufenden Betrieb wertvolle Rechner-Performance. Außerdem dauert es in der Regel relativ lange, bis die Software die nötigen Daten errechnet hat. Beim Test mit meinem Macbook und Traktor Scratch Pro 2 brauchte der Rechner etwa 13 Sekunden für ein Stück, welches in eines der Decks geladen wurde, um es vollständig zu analysieren. Bedenkt man, dass manche Songs nur knapp 3 Minuten lang sind, so ist das fast eine halbe Ewigkeit. Außerdem hat man in einem solchen Fall keine Garantie, dass die DVS-Software z.B. in ihrer Tempoanalyse oder dem ermittelten Beatgrid richtig liegt. Denn diese Werte müssen nach der Analyse, erfahrungsgemäß häufig per Hand korrigiert werden. Manche der erhältlichen DV-Systeme ermöglichen auf Wunsch (Einstellung in den Preferences) eine Analyse der Libary im Hintergrund. Ob dies zu empfehlen ist oder nicht, hängt ganz von der jeweiligen Rechnerleistung ab und der Frage, inwiefern die Performance des Rechners ausgereizt wird. Betreibt man z.B. mehrere Programme gleichzeitig (z.B. Scratch Live und Abelton Live), so sollte man davon eher die Finger lassen.   

Um Änderungen in den Metadaten der Songs (Titel, Interpret und Genre) zu bewirken, ist es notwendig, dass die verwendeten Audiofiles nicht schreibgeschützt sind. Dieser kann unter u.a. automatisch aktiviert werden, wenn Dateien über ein Netzwerk übertragen werden. Sollte es also beim Sichern dieser Daten Schwierigkeiten geben, könnte das einer der Ursachen sein. Ein weiterer Grund, warum man z.B. Songtitel nicht verändern oder Playlisten bei einem DVS nicht löschen kann, könnte eine „Libary-Protection“ sein, die in den Voreinstellungen der DJ-Software aktiviert ist. Wer sein System ausschließlich selbst nutzt, der sollte diese Option deaktivieren. Denn schließlich möchte man gerne im laufenden Betrieb mal das Genre oder Kommentare nachträglich ändern und Playlisten umbenennen oder löschen, ohne jedes Mal die Prefs. aufzurufen. Lässt man sich aber öfters mal von anderen DJs für eine halbe Stunde vertreten oder verleiht für einen Abend gar sein ganzes System, macht diese Funktion absolut Sinn.

Wie die nötigen Voreinstellungen konkret aussehen, zeigen wir euch an den Beispielen Traktor Scratch Pro (Version 2.6.0.) und Scratch Live (Version 2.4.4.). 

Traktor Scratch Pro 2

In den Voreinstellungen von Traktor Scratch Pro 2 findet man im Reiter „File Management“, die Optionen, welche sich für die Analyse der Audiofiles zeigen. „Analyse new imported Tracks“ sollte aktiviert sein, wenn die Files im Hintergrund automatisch analysiert werden sollen. Auf die Frage, ob dies für jeden User zu empfehlen ist, bin ich im oberen Teil dieses Abschnitts bereits eingegangen. In jedem Fall sollte „Analyse new tracks when loading into Deck“ aktiviert sein. Nur so ermittelt der Computer das Tempo von Songs, die noch nicht analysiert worden sind und die man von einem frisch angeschlossenen USB-Stick importiert.   Ebenfalls aktiviert werden sollte der Punkt „Determine track-time automatically“. Dieses Feature errechnet die Länge der Songs, unabhängig davon, ob diese bereits von der Software analysiert worden sind oder nicht. Eine Möglichkeit, die Libary mithilfe der Preferences vor Veränderungen zu schützen, gibt es bei Traktor Scratch Pro (Stand Version 2.6.0.) im Übrigen nicht! Durch Ctrl-Klick auf dem Mac und Strg-Klick in Windows auf eine oder mehrere selektierte Musikdateien in der Software öffnet sich ein Fenster, mit dessen Hilfe man die selektierten Files vor einer Veränderung der BPM-Werte schützen kann. „Enable BPM Lock“ heißt jene Funktion. Bei Musikfiles, deren BPM -Wert bereits korrekt ermittelt wurde, ist das zu empfehlen. Im gleichen Menue findet man den Eintrag „Analyse (Async)“. Ein Klick darauf öffnet einen Dialog, wo die gewünschten Voreinstellungen für die manuelle Analyse vorgenommen werden können. Unter „BPM Range“ lassen sich zehn verschiedene Tempobereiche vorselektieren. Eine korrekte Vorauswahl verhindert, dass Traktors Algorithmus bei der Tempoanalyse die BPM-Werte verdoppelt oder halbiert.   Ebenso sollte man die Option „Set Beatgrid“ im Analyse-Fenster einschalten. So erstellt die Software passend zum ermittelten Tempo auch gleich ein Beatgrid bzw. Taktgitter. welches zur automatischen Synchronisation benötigt wird. Des Weiteren gibt es die Option „Replace existing Gain“ für User, die viele Songs in ihre Libary importiert haben, die von Vinyl eindigitalisiert wurden. Zuverlässig werden dann zu niedrige Pegel angehoben. Für eine automatische Analyse der Tracks stehen in den Preferences in der Sektion „File Management" und dem Punkt „BPM Detection“ ebenso die Optionen „BPM Range“ und „Set Beat-Grid“ bereit. Mit diesen Features sollte bei der automatischen Analyse genau wie bei der manuellen verfahren werden.   Ist die Funktion „Store Beatmarker as Hotcue“ aktiviert, so wird der erste Beat des Taktgitters automatisch als Hotcue verwendet. Wer beim Auflegen gänzlich darauf verzichtet, Intros zu spielen und mehr aufs Mixing fixiert ist, der sollte bei dieser Option „ein Häkchen setzen“.  

Scratch Live

Eine von den Decks separate Analyse der Audiofiles ist bei Scratch Live nur möglich, wenn das Audiointerface abgeklemmt wird und der entsprechende Vorschau-Player auf dem Bildschirm auftaucht. Betätigt man nun den „Analyse Files“ - Button, so werden sämtliche Audiodateien der Libary auf Geschwindigkeit, Songlänge analysiert und die Wellenformübersicht errechnet. Damit Scratch Live das Songtempo überhaupt ermittelt, muss die „Set Auto BPM“ - Option aktiviert sein. Ferner empfiehlt es sich, einen Geschwindigkeitsbereich (Range) auszuwählen. Hat man z.B. fast nur langsame Balladen im Programm, sollte man den Bereich 58-115 BPM auswählen. So kann vermeiden werden, dass ein Song mit 65 BPM von der Software als 130-BPM-Track (Double-Time) interpretiert wird. Wurden Files bereits vor dem Import in Scratch Live hinsichtlich ihrer Geschwindigkeit geprüft, so muss man keine Angst haben, dass diese Information verloren geht, sobald die „Set Auto BPM“ Option aktiv ist. Diese Information wird nur dann überschrieben, wenn man das entsprechende File per Drag & Drop einzeln auf den „Analyse Files“ - Button zieht. Die File-Analyse von Sratch Live verfügt im Gegensatz zu der von Traktor Scratch über keine automatische Gain-Korrektur. Allerdings speichert die Software den manuell eingestellten Gain-Wert der Files. Und genau das find ich persönlich sehr gut, denn die in den Preferences unter dem Punkt „Playback“ zu findende „Auto Gain“ - Option sorgt bei Scratch Live in den meisten Fällen für ein digitales Clipping. Also am besten Finger weg davon...

Ebenfalls in den Voreinstellungen unter dem Punkt „Libary“ findet man die bereits angesprochene „Protect Libary“ - Option. Ist diese in Betrieb, lassen sich Daten der Libary nicht mehr editieren. Und das kann in manchen Fällen (siehe weiter oben) durchaus sinnvoll sein. 

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