EK_Profi_Keyboard Hersteller_Ketron
Test
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24.09.2015

Ketron SD7 Test

Entertainer-Keyboard

Arranger & Player

Die italienische Firma Ketron bringt mit dem SD7 eine weitere Arranger-Workstation auf den hart umkämpften Markt der Entertainer-Keyboards. Das neue Flagschiff der SD-Serie kommt mit einigen Besonderheiten daher, die es bisher in dieser Preisklasse nicht gegeben hat: Ein 7“-Touchscreen-Farbdisplay mit übersichtlicher Benutzeroberfläche, jede Menge live eingespielte Audio-Drum-Styles und hochwertige Sounds machen neugierig!

Neben den Audya-Keyboards und -Expandern, die für ihre realistischen Audio-Drums bekannt sind, und den MIDJAY- bzw. MIDJPRO-Modulen, die komplette Multimedia-Player mit Arranger-Funktionen darstellen, bestimmt die 2001 eingeführte SD-Serie die Produktpalette von Ketron. Das SD1 war ein Verkaufsschlager und ist noch heute bei vielen Keyboardern und Entertainern sehr beliebt. Ketron bot damals Features, die andere namhafte Hersteller erst später in ihre Geräte einbauten: Es gab z.B. einen vollwertigen Sampler und die Möglichkeit, Audio-Loops in MIDI-Files und Styles zu integrieren. Mit knapp 2.700 Euro liegt der Neuling in der Keyboard-Oberklasse, ist aber rund 500 Euro günstiger als das Korg Pa3X und 1.200 Euro günstiger als Yamahas Tyros5. Damit richtet sich Ketron mit dem SD7 sowohl an den Profi als auch an den ambitionierten Hobby-Keyboarder. Kann das SD7 klanglich überzeugen? Und wie bewährt sich die neue Benutzeroberfläche in der Praxis? Dieser Test gibt Antworten! 

Details

Aufbau

Das Ketron SD7 hat ein stabiles Metallgehäuse mit Kunststoff-Seitenteilen und ist in dunklem Anthrazit gehalten – bisher glänzten Ketrons Produkte in hellem Metall. Mit 15 kg ist das Instrument noch gut zu transportieren. Das Design möchte ich als wirklich gelungen bezeichnen. Das liegt einerseits an den harmonischen Rundungen des Gehäuses und zum anderen am aufgeräumten und übersichtlichen Bedienfeld. Durch den geradezu riesigen, 7 Zoll großen Touchscreen konnte Ketron auf viele verwirrende Taster verzichten. Durch die Touch-Bedienung der Menüs fallen viele der sonst üblichen Cursor- und Auswahl-Tasten rund um den Bildschirm weg. Dafür besitzt das SD7 insgesamt 11 Fader, die hauptsächlich als Lautstärkeregler für die einzelnen Parts dienen.

Die anschlagdynamische 61-Tasten-Klaviatur mit Aftertouch ist leicht gewichtet und gut spielbar. Links ist ein Joystick verbaut, der gleichzeitig als Pitch-Bend- und Modulations-Regler fungiert. Rechts von der Klaviatur befinden sich an der Frontseite des Gehäuses gleich drei (!) USB-Host-Slots. 

Anschlüsse

Die Rückseite ist recht umfangreich bestückt. Neben dem Ein/Aus-Schalter und dem Anschluss für das leider externe Netzteil liegen die Buchsen für das optionale Sustain- und Volumen-Pedal sowie ein SUB-D-Anschluss für einen speziellen Fußschalter, wie z.B. den FS6/FS13 von Ketron. Die Polarität des Sustain-Pedal-Anschlusses ist übrigens nicht einstellbar. Das SD7 hat unzählige Einstellmöglichkeiten, aber ausgerechnet diese nützliche und manchmal entscheidende Funktion ist nicht vorhanden.

Über den Fuß-Controllern findet man den obligatorischen USB-Device-Port zur Verbindung mit einem Computer und einen digitalen DVI-Anschluss für einen externen Monitor, beispielsweise zur Darstellung von Karaoke-Songtexten. Das ist lobenswert, denn die Konkurrenz verbaut oft nur einen analogen RGB-Port, der eine schlechtere Bildqualität liefert.

Die vier MIDI-Buchsen bestehen neben OUT und THRU aus zwei separaten MIDI-Eingängen: An einen Port kann ein gesondertes Keyboard angeschlossen werden, der andere Eingang ist für den Empfang von GM-Daten, z.B. von einem externen Sequencer. Über den MIDI-Buchsen befindet sich ein kleines Rad zur Einstellung der Display-Helligkeit.

Neben den Main-Out-Buchsen RIGHT und LEFT ist der Kopfhöreranschluss verbaut. Er kann auch als separater Ausgang zweckentfremdet werden, beispielsweise um einen Klick an den Band-Schlagzeuger zu schicken. Meine Idee, Bass und Schlagzeug getrennt über diesen Aux-Weg auszugeben, schlug aber leider fehl.

An die XLR/Klinke-Kombibuchse MICRO IN kann ein dynamisches Mikrofon angeschlossen werden, dessen Pegel sich mit dem Regler GAIN MICRO einstellen lässt. An der MICRO OUT-Buchse liegt dann das verarbeitete und evtl. mit Effekten versehene Mikrofonsignal an, um es ggf. auf einen separaten Mischpultkanal schicken zu können. Über die INPUT-Buchse (Mono) kann ein zusätzliches Instrument, z.B. eine Gitarre oder ein zweites Mikrofon angeschlossen werden. Die eingebauten Lautsprecher des SD7 lassen sich durch einen Schalter auf der Rückseite ein- und ausschalten. 

Frontpanel

Das Bedienfeld wird von den beiden Lautsprecher-Einheiten eingerahmt. Es sind jeweils ein Mid Range Speaker und ein Tweeter verbaut, mit einer Gesamtleistung von 2x 20 Watt. In der Mitte strahlt das große Farbdisplay, das mit dem Datenrad und den Tastern ENTER, EXIT und SAVE eine Einheit bildet.

Wie gemeinhin üblich liegen links vom Display alle Bedienelemente, die mit dem Arranger und dem Media-Player zu tun haben. Mit den Tasten PLAYER 1 bzw. 2 wählt man einen der beiden Audio/MIDI-Player an. Die Tasten rechts daneben aktivieren wichtige Funktionen des Arrangers: Mit PIANIST wird die Akkorderkennung auf den gesamten Tastaturbereich erweitert, mit LOWEST wird der tiefste Ton des gespielten Akkords als Basston generiert, mit MANUAL aktiviert man die sehr praktische Manualbass-Funktion, bei der man den Bass mit der linken Hand spielt, und mit SPLIT kann man schnell den Splitpunkt zwischen den Lower- und Right-Voices einstellen.

Die Taster oben links steuern Funktionen bei der Wiedergabe von Songs. LEAD MUTE schaltet die Melodie-Spur bei MIDI-Files aus. Bei Audio-Songs wird versucht, die Gesangsstimme so gut wie möglich zu unterdrücken, um selbst mitsingen zu können. LYRIC erlaubt die Darstellung von Texten von Karaoke-Files, mit JUKEBOX wird die Songliste in Form von großen Schaltflächen auf dem Bildschirm dargestellt und mit XFADE werden zwei Songs ineinander überblendet. SEARCH erlaubt eine komfortable Suchfunktion zum Aufspüren beliebiger Dateien. Mit GM verschafft man sich Zugriff auf die Verwaltung der Sounds eines MIDI-Files.

Die Fader auf der linken Seite stellen im Style-Modus ein Mischpult für die einzelnen Arranger-Spuren dar. Mit STYLE wird die Gesamtlautstärke, mit DRUM, BASS, CHORD und LOWER die Lautstärke der entsprechenden Gruppe eingestellt. Unter dem Display liegen alle Tasten, die nötig sind, um den Arranger zu steuern: Es gibt drei Taster für Intros und Endings sowie vier für die Variationen des Styles, die bei Ketron „Arranges“ heißen. Taster mit der Bezeichnung FILL, BREAK, KEY START, KEY STOP, START/STOP, TEMPO+/- und HOLD erklären sich von selbst. Mit PAUSE hält man im Songmodus den Song an einer Stelle an und kann ihn dort weiterlaufen lassen. Im Style-Modus wird mit derselben Taste ein Einzähler gestartet oder, wenn der Style schon läuft, ein neuer Taktanfang gesetzt.

Rechts vom Display dreht sich alles um die live gespielten Sounds. Mit REGS gelangt man ins Register-Menü, um Komplettregistrierungen des SD7 abzurufen. Es können vier Bänke mit je 1024 Einträgen gespeichert werden. Drückt man VOICE, erscheint das normale Auswahl-Menü für Klänge der rechten Hand. VOICE LIST öffnet eine Liste mit den Sounds, die man vorher als Favoriten gespeichert hat, um schnell eigene Lieblingsklänge aufzurufen. Mit RAM SOUND können besonders hochwertig gesampelte Sounds ausgewählt werden. Rechts oben liegen die Bedienelemente, die für die Transpose-Funktion und die Oktavlage der rechten Hand zuständig sind. Mit LIVE EFX wird ein Effekt aktiviert, der z.B. DJ-mäßige Filterfahrten des Beats oder einer Voice erlaubt. Mit DOUBLE wird der Sound der rechten Hand oktaviert wiedergegeben. Der 2ndVOICE-Taster legt einen Layersound unter die aktuelle Voice, DRUMS lässt die Klaviatur zum Schlagzeug werden, mit DSP gelangt man in die Welt der digitalen Effekte und mit der Taste REC öffnet man das Menü für den MIDI- oder Audio-Recorder.

Die fünf Fader auf der rechten Seite regeln die Lautstärkeverhältnisse der Voice und 2ndVoice der rechten Hand sowie den Pegel für das Mikrofonsignal und den Vocalisten. Ganz rechts außen liegt – recht ungewöhnlich – der Master-Volume-Regler. Mit der Taste HARMONY aktiviert man den gleichnamigen Effekt für die Voice der rechten Hand. TALK schaltet die Mikrofon-Einstellung so um, dass der Hall aus oder kürzer ist, damit das gesprochene Wort bei Ansagen besser zu verstehen ist. Mit MICRO und INPUT werden die entsprechenden Audio-Eingänge aktiviert und Menüs für ihre Einstellungen aufgerufen. FADE lässt das Gesamtsignal des SD7 langsam aus- oder wieder einfaden. 

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