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13.11.2020

JD Beck: Wie ein 17-jähriger die US-Drummerszene aufmischt

Schlagzeugspiel der nächsten Generation!

Wer sich ein bisschen mit dem aus Dallas, Texas stammenden Schlagzeuger JD Beck beschäftigt, kommt nicht umhin, an den arg strapazierten Wunderkind-Begriff zu denken. In den USA darf er erst in vier Jahren legal Alkohol trinken, steht aber schon mit den angesagtesten Kollegen auf Bühnen und in Studios, produziert Beats für bekannte Künstler und hat ein viel beachtetes Duoprojekt mit der französischen Pianistin Domi Degalle. Nebenbei beeinflusst er mit seinem komplexen, kontrollierten Stil und seiner Geschwindigkeit die neue Drummergeneration. 

Seine fast noch kindliche Ausstrahlung und Spielfreude bilden dazu einen kuriosen Kontrast und wirken in Zeiten durchgestylter Online-Auftritte sehr erfrischend. Viel Instrumentarium benötigt er übrigens auch nicht, ein absolutes Basis-Setup – meistens ohne Toms – genügt ihm. 

Im Spannungsfeld von Gospelchops, Drum'n'Bass und Elektronika

Eine besonders interessante Beobachtung bei JD Beck ist der Umstand, dass seine eigenen Idole und Einflüsse auch wiederum Fans von ihm selbst sind. So nennt er den Snarky Puppy Drummer „Sput“ Searight als wichtige Inspiration aus seiner Heimatregion Dallas, ebenso Mike Mitchell (auch bekannt als Blaquedynamite) und Cleon Edwards. Während Sput Searight als eine Art musikalischer Mentor für JD fungiert, hat speziell der explosive und teilweise wilde Gospelchop-Stil der letzteren beiden einen bleibenden Eindruck in seinem eigenen Spiel hinterlassen. So verbindet er deren Gruppierungsansätze und hohe Dynamik mit irrsinniger Geschwindigkeit und Notendichte. 

Erstaunlich ist auch die Präzision, mit der JD agiert. In Interviews erklärt er, dass er kaum andere Dinge übt als die Standardhandsätze, gleichzeitig aber ein natürliches Gespür für Tempi und deren Verschachtelungen besitzt. Dies ermöglicht ihm, die aktuell so angesagten „drunken“ Beats ebenso problemlos umzusetzen wie die komplexen Arrangements seines Duos mit DOMi oder heftig gebrochene Drum’n'Bass-Figuren. Dass er auch Louis Cole als Inspiration nennt, ist also ebenso wenig verwunderlich wie die Tatsache, dass er schon mit diesem gespielt hat. 

Eine einzigartige Stimme

Dass es JD Beck nicht nur auf Geschwindigkeit und beeindruckende Technik ankommt, zeigt sich nicht nur in seinem Spiel, sondern auch in seinen eigenen Aussagen zu anderen Trommlern. Dort erklärt er sinngemäß, dass er lieber Trommlern zuhört, die vielleicht nicht so gut spielen können wie er selbst, aber dafür etwas haben, was sie von anderen abhebt. 

Sound

Klanglich geht es bei JD Beck kontrolliert bis staubtrocken zu. Meistens sieht und hört man ihn mit stark gedämpften Bassdrums, einer mit Splashbecken belegten Snare und einem ebenfalls stark gedämpften Floortom. Das braucht es auch, denn lange ausklingende Trommeln würden bei seiner Spielweise den Klang vermatschen. Dass auch die Hi-Hat und das eine Becken in der Regel beklebt sind, passt natürlich perfekt zu dieser Soundphilosophie. 

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