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07.08.2019

In-Ear-Monitoring für DJs: Vorteile von In-Ear-Kopfhörern in der DJ-Booth

Mit dem In-Ear-Monitor zum DJ-Gig?

In-Ear-Kopfhörer erfreuen sich größter Beliebtheit unter Musikern und auch einige DJs möchten nicht darauf verzichten. In der Form dem Ohr angepasst, fallen die In-Ear-Kopfhörer weder auf, halten ihre Stellung selbst bei heftigen Kopfbewegungen und schirmen akustisch ab. Gegenüber der herkömmlichen Kombination aus Lautsprechermonitor und Kopfhörer hört man weniger Umgebungsgeräusche. Damit sinkt auch der für ein klar wahrnehmbares Signal erforderliche Pegel, der sonst den eh viel zu laut brüllenden Monitor übertrumpft und das Risiko von Tinitus und Schwerhörigkeit reduziert sich drastisch. Ganz nebenbei bleibt auch die Frisur unbeschadet.

Das überzeugt auch DJs, die zunehmend auf In-Ear-Kopfhörer zum Vorhören der Cues und zum Verfolgen des Mastersignals setzen. Warum dann nicht die Monitorbox einsparen und alle Signale im DJ-Booth komplett über In-Ears abhören?

Schaut man sich um, fällt auf, dass die meisten DJs noch immer mit klassischen geschlossenen Kopfhörern auflegen. Warum ist das so? Weil ...

  • sich das Auflegen mit IE-Kopfhörer „trocken“ anfühlt, man hört kaum die Main-PA beziehungsweise die Reaktionen des Publikums und beim Moderieren nimmt man die eigene Stimme anders und ungewohnt wahr
  • der „Spaß“ etwas auf der Strecke bleibt, denn durch den Sound der PA und des Monitors werden auch Endorphine im Körper ausgeschüttet
  • man kein richtiges Gefühl für den gefahrenen Pegel im Club hat
  • ständiges Plug-in und -out der In-Ears nervig ist. 

Zudem kosten professionelle In-Ear-Kopfhörer einiges mehr als Kopfhörer, was sich aber nicht nur beim Schutz der Ohren auszahlt und lohnt:

  • Während der Mixblende hört man die jeweiligen Elemente der Tracks und damit auch die Phasengenauigkeit viel detaillierter
  • Man mixt genauer und auch viel dynamischer
  • Das leichte Gewicht trägt deutlich weniger auf, der nervige Anpressdruck auf die Ohren entfällt
  • Platz und Gewicht wird auch in der Gigbag eingespart

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Otoplastik versus Standard

Es gibt zwei IE-Kopfhörer-Typen, die mit standardisierten und den mit individuellen, speziell angefertigten Ohrpassstücken (Custom), genannt Otoplastiken. Bei denen wird die Passform mit einem vom Hörgeräteakustiker erstellten Abdruck eurem Gehörgang angepasst. Damit hört ihr fast ausschließlich nur das zugespielte Signal.

Um dennoch von der Umgebung akustisch mehr mitzubekommen, besitzen beispielsweise die professionellen IE-Kopfhörer von Ultimate Ears eine Ambient-Funktion. Industrielle IE-Kopfhörer hingegen verschließen nicht komplett den Gehörgang, denn ihre Passform lässt den Schall der Umgebung reduziert durchgehen. Das muss nicht unbedingt von Nachteil sein. Denn dadurch bekommt ihr bei stummgeschalteten Cue-Signalen noch etwas von der Main-PA mit und fühlt euch dadurch nicht komplett isoliert.   Ob professionell oder semiprofessionelle IE-Kopfhörer, achtet beim Kauf auf:

  • einen unverfälschten, natürlichen Klang mit druckvollem Bass
  • einen hohen Ausgangspegel
  • strapazierfähiges und austauschbares Kabel mit ausreichender Länge
  • Kabelführung am Ohr und im Nacken
  • Form und Größe der Ohrpassstücke.  

Ohrpassstücke und Sound

Die Ohrpassstücke sollten fest auf dem Treiber sitzen. Anderenfalls kann beim Herausziehen des In-Ears der Gummiaufsatz im Ohr stecken bleiben. Ich musste schon deswegen einen HNO-Arzt konsultieren, der sich das Lachen nicht verkneifen konnte.

Vom Frequenzgang her, decken etliche IE-Kopfhörer 20 bis 18.000 Hz ab. Ultimate Ears 11 Pro punkten gar mit einer 3-Wege-Frequenzweiche inklusive Subwoofer, die Ultimate Ears 5 Pro mit einem Monitorsystem mit zwei Antriebsspulen für zwei Lautsprecher.

Je nach Modell verfügen sie über die besagte Ambient-Funktion und austauschbare Filter in zwei Dämpfungsgraden. Das lässt sich Ultimate Ears auch bezahlen, los geht’s ab 600 Euro. Wer es nicht so dicke hat, preislich lukrativ und qualitativ überzeugend sind auch die Shure SE215-CL, deren recht robustes Kabel problemlos getauscht werden kann. Mehr etwas mehr ausgeben möchte, der greift zu den Shure SE425-CL oder Pioneer DJ DJE-2000 mit hybridem 2-Wege-System.

Generell sollte das Kabel hinter dem Ohr entlang geführt und im Nacken mit einer Klammer festgezurrt werden. Das sorgt für einen festen Sitz, selbst bei Kopf- beziehungsweise Kieferbewegungen. 

Tipps für das Auflegen mit In-Ear-Kopfhörern  

1. Behaltet ihr während einer Moderation die In-Ears im Ohr, dann routet beim Mixer den Master-Cue samt Mikrofonkanal auf den In-Ear-Kopfhörer zur Kontrolle. Ihr werdet noch deutlicher sprechen und mehr mit eurer Stimmlage spielen.

2. Schaltet Cues auf dem Mixer stets ab, ausgenommen beim Beatmatching, Mixing und Moderieren. Ohne Signal auf den Ohren wirken die IEs wie lärmschützende Filter. Der Geräuschpegel deiner Umgebung wird gedämpft, die Main-PA und auch deine Crowd nimmst du trotzdem wahr.

3. Überwacht stets die Level-Anzeige des Mixers, anderenfalls verliert ihr das Gefühl für den erforderlichen Pegel, da der akustische Bezug zur realen Lautstärke im Club fehlt. Das heißt nicht, dass ihr es zwangsläufig vom Pegel über-, sondern sogar eher untertreibt.

4. Natürlich kann man mit In-Ears genauso auflegen, wie mit einem Kopfhörer, also nur zum Vorhören. Allerdings nervt es, die Treiber ständig in die Ohren rein- und rausstöpseln.

5.Wenn ihr euer Monitoring über In-Ear- oder einen herkömmlichen DJ-Kopfhörer verfolgt, dann mischt stufenlos über die Cue-Mix-Funktion den Master zum Cue oder legt die beiden Cues der Kanäle übereinander.

Ich persönlich bevorzuge lieber die Split-Funktion am Mixer. Sie trennt Master- und Cue-Signal voneinander und legt sie separat auf die beiden Treiber, um eine akustische Abhörsituation wie mit einer abgeklappten Kopfhörermuschel und einem Monitor-Wedge zu simulieren.  

Nutzt ihr einen geschlossenen DJ-Kopfhörer auch als Monitor, werdet ihr merken, dass ihr mit weniger Pegel als mit einer externen Monitorbox fahrt. Außerdem lernt ihr, auch ohne Monitorlautsprecher auszukommen. Denn selbst im Jahr 2019 fehlen in manchen Locations oder bei Veranstaltungen die Monitor-Speaker.  

Sprüche wie „Der Raum ist doch klein“ oder „Du stehst doch vor der Box, da brauchst du kein Monitoring“, höre ich als Ausrede noch zu oft. Dass das Mastersignal über die PA nur zeitverzögert und etwas undeutlich wahrgenommen wird, scheint so manchem Veranstalter nicht bewusst zu sein. Deswegen schult euer Gehör unter solchen akustischen Situationen, um auch ohne zusätzliche Lautsprecherbox auszukommen.     

Resümee

Wer von euch bisher noch keine Erfahrungen mit In-Ears sammelte, der sollte sich dieser Alternative ruhig öffnen. Die Vorteile überwiegen eindeutig. Der klassische Kopfhörer wird wohl mehr aus Gewohnheit als aus Funktionalitätsgründen bevorzugt. Besonders unvoreingenommene Einsteiger oder Bedroom-DJs ohne großartige Kopfhörerpräferenzen sollten sich überlegen, von Beginn an auf IE-Kopfhörer zu setzen. Es dankt euch nicht nur das eigene Gehör …  

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