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09.10.2017

Gear Chat Tobin Esperance

Der Papa Roach-Bassist im Gespräch über sein Equipment

Die New-Metal-Band Papa Roach wurde 1993 in Vacaville (Kalifornien) gegründet. Bis heute haben sie über 17 Millionen Alben verkauft - gerade in der heutigen Zeit eine sehr stattliche Zahl. In ihren ersten Jahren erspielte sich das Quartett zwar regional einen beachtlichen Ruf als Live-Act, der große Durchbruch blieb ihm jedoch vorerst verwehrt. Nach Veröffentlichung einiger EPs wurde 1999 schließlich doch noch ein Major Label auf sie aufmerksam. Dieser glückliche Umstand resultierte in dem enorm erfolgreichen Debütalbum "Infest", auf dem sich mit "Last Resort" auch der bislang größte Hit der Band befindet. Seitdem ist die Band ein fester Bestandteil der internationalen Heavy-Szene und bringt es auf bereits acht Studioscheiben. Die letzte Veröffentlichung erschien dieses Jahr und trägt den Namen "Crooked Teeth".

Seit über 20 Jahren ist Tobin Esparance der feste Bassist von Papa Roach. Er hat also die komplette Bandgeschichte vom regionalen Act bis zum weltweiten Erfolg miterlebt. Die aktuelle Tour führt die Band derzeit auch wieder nach Deutschland. Dies gab uns die Gelegenheit, vor dem Gig in der Fürther Stadthalle mit Tobin über sein aktuelles Equipment zu sprechen.

Beim Konzert in der Fürther Stadthalle hatte ich zunächst die Möglichkeit, nach dem Line Check am frühen Nachmittag Tobins Bass-Techniker zu interviewen. Er zeigte und erklärte mir ausführlich das Setup für die aktuelle Tour. Im Gepäck sind drei Viersaiter: zwei Lakland 44-94 USA und ein Lakland Darryl Jones aus der Skyline-Serie. Tobins Hauptbass ist ein 44-94 in Translucent Red, den er sich bei Lakland speziell auf seine Bedürfnisse hat zuschneiden lassen. Zum einen besitzt der Bass eine 35-Zoll-Mensur, was natürlich den tiefen Tunings der Band sehr entgegenkommt. Zum anderen beschränkt sich die Elektronik auf einen Volumen-Regler und einen Pickup-Wahlschalter ‑ weniger geht kaum!

Mit diesem Bass bestreitet Tobin in der Regel die komplette Show. Er wechselt die Instrumente nur, falls das Tuning nicht mehr passt oder mal eine Saite reißt. Der zweite Lakland ist ebenfalls ein 44-94 "made in USA", allerdings mit Custom-Lackierung. Tonabnehmer und Elektronik dieses Instrumentes sind jedoch Standard. Der dritte Bass im Bunde ist ein Darryl Jones Signature aus der Lakland Skyline-Serie. Tobin hat sich diesen mit Nordstrand-Pickups modifizieren lassen. Alle Bässe sind mit Ernie Ball Slinkys in den Stärken 50/70/90/125 besaitet und auf Drop C gestimmt (C G C F).

Tobins Signal kommt über ein Audio Technica Wireless-System zunächst in die vor allem bei Bassisten enorm beliebte BAE Audio BMP 1073 D.I.-Box. Diese dient zur Impedanzanpassung und um den Signal etwas analoge Wärme einzuhauchen. Danach geht es in einen Kemper Modelling-Amp - es gibt also keine Verstärker oder Boxen auf der Bühne. Für Bands, die derart viel auf Tour sind wie Papa Roach, bringt das natürlich große Vorteile in punkto Transport (vor allem bei Flügen!), Auf- und Abbau, Soundcheck etc. Vom Kemper geht es auf die Stage Monitore, das In Ear Monitoring und natürlich an die FOH (Front Of House, Beschallung für Zuschauerraum).

Im Wesentlichen verwendet Tobin drei Sounds: einen cleanen, einen mit leichtem Overdrive und einen mit ordentlich Distortion. Die beiden letzteren kommen für spezielle Passagen in Songs zum Einsatz, bei denen der Bass sich richtig durchsetzen muss. Generell bevorzugt Tobin aber ein unverzerrtes Signal.

Auch die weiteren Effekt-Sounds kommt aus dem Kemper. Außer den angesprochen Overdrive und Distortion nutzt Tobin für einige Intros oder ruhigere Passagen ein Delay und ein Wah Wah, um synthieähnliche Sounds zu erzeugen.

Interview Tobin Esparance

Abgesehen von den ersten drei Jahren der Bandgeschichte ist Tobin nun schon seit 1996 der Bassist von Papa Roach. Entsprechend häufig ist der End-Dreißiger mit der Gruppe inzwischen um den Erdball getourt. Aufgrund seiner Erfahrungen weiß Tobin ganz genau, warum er welches Equipment verwendet - mehr als genug Gesprächsstoff unter Bassisten also!

Hi Tobin! Schön, dass du etwas Zeit für uns hast. Dein Bass Tech hat uns schon ausführlich dein aktuelles Rig gezeigt. Kannst du uns zuerst was zu deinen Bässen sagen und warum du Laklands bevorzugst?

Ich liebe die Laklands, weil sie absolut zuverlässige Arbeitstiere sind. Ich nehme sie bei jeder Show wirklich heftig ran, aber sie lassen mich einfach nie im Stich. Dazu haben sie einen wunderbar ausgewogenen Sound, den man nicht mehr bearbeiten muss. Die Jungs bei Lakland haben mir bei meinem Hauptbass die Elektronik modifiziert. Im Eifer des Gefechts waren mir oft die Potis im Weg, jetzt habe ich einen Volume-Regler und einen Wahlschalter für die Pickups ‑ das war es dann auch schon! Mein Grundsatz bei allem Equipment ist: Einfach und gut. Ich möchte die Sachen benutzen, aber mich nicht ständig drum kümmern müssen. Die Laklands liefern mir genau das! Du stöpselst den Bass ein und musst dich wegen nichts mehr sorgen. Es sind wirklich tolle Instrumente!

Erzähl uns doch mal etwas zu deinem Signalweg. Wie geht es nach deinem Bass weiter?

Über ein Wireless-System geht es zunächst in die BAE Audio BMP 1073 D.I.-Box. Das Teil ist wirklich unglaublich - egal, ob live oder im Studio. Jeder Sound Engineer liebt dieses Teil! Das Bass ist mit ihr einfach "da". Es ist wie mit allem: Hast du gutes Equipment, musst du eigentlich nicht mehr viel machen. Danach geht es in den Kemper Modeling Amp, den ich seit einiger Zeit auf Tour nutze. Wie siehst du persönlich Modeling Amps im Vergleich zu Zeiten, als man noch mit richtigen Verstärkern und Boxen unterwegs war? Der Kemper ist für mich immer noch neu und ich versuche das, was ich im Kopf höre, aus ihm herauszukitzeln. Noch bin ich nicht ganz da, wo ich hin will. Vor allem im Zusammenspiel mit den High-Gain-Gitarren kämpfe ich noch damit, die richtigen Frequenzen zu finden, um nicht den Kollegen in die Quere zu kommen. Ich sehe natürlich die praktischen Vorteile beim Touren, aber ich vermisse schon das Gefühl, als ich mit teilweise vier (!) Ampeg 8x10-Boxen auf der Bühne stand. Der FOH-Mann war davon zwar nie begeistert, aber es war schon ein ganz anderes Gefühl als heute. Der Sound und die Power, welche du von diesen alten Ampegs bekommst, sind einfach unglaublich. Aber letztlich war ich an einem Punkt, wo ich sagen musste, ich habe alles gehabt. Ich muss mich der neuen Technologie stellen und mich mit ihr auseinandersetzen. Mit dem Kemper habe ich auch zum ersten Mal das Gefühl, dass es etwas gibt, mit dem man verlässlich und professionell arbeiten kann. Das war vorher - zumindest für meinen Geschmack - noch nicht der Fall. Christoph Kemper kam persönlich zu einer unserer Shows und erklärte mir alles. Aber ich muss mich immer noch daran gewöhnen. Es ist natürlich cooler mit einem Amp auf der Bühne, aber wenn man so viel tourt wie wir und ständig mit dem Flugzeug unterwegs ist, muss man sich irgendwann der Realität stellen. Es spart enorm viel Geld und Platz. Da wir keine jetzt Amps mehr on stage haben, eröffnen sich für uns auch mehr Optionen, unsere Show visuell interessanter zu gestalten. Der klassische Rock'n'Roll-Look ist, dass die Drums in der Mitte stehen und rechts und links davon die Amps. Jetzt haben wir in diesem Punkt viel mehr Freiheiten.

Früher war Ampeg also deine bevorzugte Wahl?

Ja, ich liebe die Ampegs. Ich habe eine riesige Sammlung mit Amps, Preamps, Power Amps und Boxen in allen Größen und Ausführungen aus allen Dekaden der Firmengeschichte. Ich habe ein ganzes Lagerhaus voll und sollte dringend mal ein paar Sachen verkaufen, aber ich kann mich einfach nicht davon trennen. (lacht)

Welche Ampsimulationen benutzt du denn im Kemper?

Wie überall möchte ich es auch hier möglichst einfach. Ich nutzte nur eine, und zwar einen Ampeg B-15 mit zugehöriger Box. Der Equalizer ist komplett flat, mit den Laklands wäre alles andere schon zu viel des Guten. Ein Freund schenkte mir mal eine ganze Festplatte mit Profilen von Bass-Amps. Die bin ich dann in Ruhe durchgegangen und habe dasjenige ausgewählt, welches für meine Ohren wie ein richtiger Amp klingt. Das war der Ampeg B-15.

Du hast also noch keine Profile von deinen eigenen Amps erstellt?

Doch, das habe ich auch schon probiert, aber die Presets gefielen mir tatsächlich besser. Vielleicht muss ich mich da noch etwas mehr einarbeiten.

Wie sieht es mit den Effekten aus?

Auch die kommen mittlerweile alle aus dem Kemper. Ich benutze in der Regel Presets, die ich leicht modifiziere. Ich habe drei Sounds, einen cleanen, den ich meistens spiele. Einen mit etwas Overdrive und einen richtig übel verzerrten mit viel Distortion. Sowohl Overdrive als auch Distortion sind Effekte aus dem Kemper. Ansonsten kommen noch etwas Delay und ein Wah Wah zum Einsatz, wenn ich spezielle Sounds für Intros oder ruhigere Passagen brauche. Der Vorteil des Kemper ist, dass er absolut ohne Nebengeräusche arbeitet. Das ist mit meinen alten geliebten Vintage-Effektpedalen schon etwas anderes, denn die rauschen zum Teil echt gewaltig. Im Studio benutze ich gerne die Sachen von Darkglass. Ich finde, die machen wirklich großartiges Zeug!

Erzähl uns doch noch etwas zu deinen Saiten!

Du spielst Ernie Ball Slinkys, oder? Genau! Aber auch hier sehe ich es wieder genauso: es muss einfach sein und funktionieren, ohne dass ich viel darüber nachdenken muss. Die Ernie Balls liefern das punchige Low End, das ich benötige, und halten auch meinem harten Anschlag stand. Ich spiele komplett mit Fingern, schlage aber sehr stark an, sodass manch ein Sound-Engineer schon dachte, ich würde mit Plektrum spielen. Seit unsere Tunings tiefer geworden sind, bin ich auf dickere Drähte umgestiegen. Ich spiele aktuell die Stärken 50, 70, 90 und 125. Außerdem sind die Jungs bei Ernie Ball einfach super nett und unterstützen uns, wo sie nur können!

Vielen Dank für deine Zeit und das nette Gespräch. Ich hoffe, ihr habt noch eine tolle Zeit in Deutschland!

Vielen Dank an euch von bonedo! Es ist jedes Mal wieder großartig, wieder in Deutschland zu sein.

Im anschließenden Konzert zeigte die Band dann, warum sie sich schon seit über 20 Jahren im Geschäft halten kann: Von der ersten Minute an konnte sie mit ihrer energiegeladenen Performance die randvolle Fürther Stadthalle zum Kochen bringen und lieferte eine super professionelle Show ab. Für mich ging es nach einem sehr langen Tag mit Papa Roach dann standesgemäß mit klingelnden Ohren wieder nach Hause.

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