Test
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30.11.2018

Praxis

Workflow

Das ‘Space’ ist ein breit aufgestellter Reverb mit vielen Einstellungs-Möglichkeiten. Dafür, dass er sich im Workflow mit seiner Vielseitigkeit nicht selber im Weg steht, sorgt eine intelligente, übersichtliche Bedienoberfläche mit genügend Knöpfen und Schaltern. Es gibt quasi kaum in Sub-Menüs versteckte Parameter, nur bei wenigen muss ich zum Verständnis doch noch einmal in der Bedienungsanleitung nachschlagen. Soweit, so gut. Aber wie klingt das Ganze denn nun?

Klang

Eventide dürfte mit dem ‘Space’ seinem Ruf als erfahrener, renommierter Reverb-Pionier nicht schaden. Dafür sprechen die detailreiche Klangauflösung und eine sehr natürliche Raum-Simulation. Die variablen Parameter wirken gut auf die jeweiligen Algorithmen zugeschnitten. So lässt sich der „Hall“-Engine beispielsweise eine angenehme Chorus-Modulation beimischen, wodurch statische Synth-Pads zu schwebenden Ambience-Flächen werden. Unterstützt wird das durch bis zu 20 Sekunden Decay-Zeit. Dreht man den Decay-Poti voll auf, geht die Hall-Fahne in den „Freeze“. Leider kann der Freeze-Modus nicht wie bei anderen Reverb-Pedalen über einen separaten Fußschalter aktiviert werden, dafür kann man mit den Size/Pre Delay-Potis im Freeze wilden Feedback-Spaß haben. 

Beeindruckend ist die Ansprache und Natürlichkeit des Room-Sounds. Sie wirkt angenehm komprimiert und detailliert, ohne scharf zu klingen. Auf die Impulse wird sanft aber erkennbar reagiert, Synth-Riffs im 80‘s Style heißt das ‘Space’ ebenso willkommen wie elektronische Drum-Sounds. 

Arpeggiator-Impulse werden gerade vom Plate-Algorithmus super aufgegriffen. Man kann sich diese solide Ansprache zugute machen, wenn man beispielsweise via Equalizer mit dem Höhen-Anteil spielt, dadurch einzelne Töne in die Hall-Fahne hineinzieht und sie so auf eine Reise schickt.

Im Spring-Modus kann man zwar die Feder-Spannung einstellen, jedoch hilft das klanglich nicht wirklich weiter. Der Algorithmus klingt insgesamt ein wenig mau und nicht wirklich „federig“. Vielleicht ändert sich das, wenn man eine Gitarre an das ‘Space’ anschließt. Grundsätzlich habe ich aber schon wesentlich griffigere, realistischere Spring Reverbs gehört. So famos die Simulation abstrakter Reverbs und Räume beim ‘Space’ funktionieren mag, bei der Nachempfindung eines mechanischen Reverbs hat die Konkurrenz in Sachen Natürlichkeit und Ansprache meiner Meinung nach die Nase vorn. Für Keyboarder ist das aber nicht sonderlich relevant, weil der Spring-Reverb nur für wenige Keyboard-Sounds wie Orgel oder E-Piano wirklich interessant ist. 

Aufregend wird es, wenn die Reverbs auf Delay-Algorithmen treffen, die in dem ‘Space’ verbaut sind. Zwar sind die neuen Parameter-Bezeichnungen nicht sofort verständlich, dafür wird man aber schließlich mit angenehm verschwurbelten Klang-Welten belohnt und kann diese mithilfe von Feedback-Spielereien auf weiter Flur entführen.

Die Delay-Ebene wird im „Reverse“-Modus noch weiter ausgelebt, so dass man hier eigentlich fast von einem „Reverse Delay“ sprechen kann – was bei dieser Art Sound Sinn macht. Die Decay-Zeit wird zur Delay-Zeit, was Feedback Pitch-Spaß ermöglicht und in teils wabernden, teils abgefahrenen Tupfer-Sounds mündet.

Pitchshifting-Effekte liefert der „Shimmer“-Modus. Zwei additive Intervalle (höher oder tiefer als das Original) lassen sich hier per Encoder einstellen, die in Quint-Schritten durch die Cent-Werte springen. Wenn man sich schon für Cent-Werte statt explizite Intervall-Namen entscheidet, wäre eine Cent-genaue Einstellung des Pitches erstrebenswert gewesen. So richtig dissonante Klänge sind nicht möglich, aber der Cluster-Welt gegenüber ist das ‘Space’ definitiv nicht abgeneigt.

Die restlichen Modulations-Reverbs bieten eine angenehme Abwechslung zu dem, was man von anderen Reverb-Pedalen gewöhnt ist. Unkonventionell und aktuell, so wie beispielsweise der verzerrende Mangle Verb (endlich mal Distortion im Reverb!) der stürmische „Blackhole“-Algorithmus oder Modulationen wie Tremolo, Flanger und Resonance. Zwar ist hier und da der Hall-Anteil nicht ganz erkennbar und die Engines wirken wie „trockene“ Modulations-Effekte (z. B. Tremolo-Verb), aber das ändert nichts an der Originalität und Flexibilität des ‘Space’.

Video: Eventide Space Sound Demo (no talking) with Sequential Prophet 08

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