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26.05.2019

ESI Planet 22x Test

Audiointerface mit Dante-Anbindung

Network-Recording

Die Dante-Audio-over-IP-Netzwerklösung der australischen Firma Audinate hat sich in den letzten Jahren als Quasi-Standard für Live- und Installationsanwendungen etabliert und wird mehr und mehr auch im Studio eingesetzt. Mit dem Planet 22x stellt der deutsche Hersteller ESI erstmals ein kompaktes, Dante-basiertes Audiointerface vor.

Details

Was ist Dante?

Ein Dante-Netzwerk basiert auf einem handelsüblichen IP-Netzwerk und ist in der Lage, bei 44,1 kHz Samplingrate bis zu 512 Audiokanäle über ein einfaches Cat-5-Kabel zu übertragen. Dabei können handelsübliche Netzwerkswitches eingebunden werden, und auch die Verwendung des gleichen Netzwerkes für sonstige, nicht audiobezogene Daten stellt kein Problem dar. Dies macht Dante vor allem im Installationsbereich unerreicht flexibel, da einfach eine vorhandene IP-Infrastruktur für ein Audionetzwerk mitbenutzt werden kann. Inzwischen wird das äußerst stabil laufende Dante-Protokoll von den meisten großen Herstellern digitaler Livemischpulte unterstützt, beispielsweise setzt Yamaha mit seiner aktuellen CL- und PM-Serie konsequent auf Dante-Anbindung. Dante-basierte Audiointerfaces für den Studiobereich werden beispielsweise von Ferrofish angeboten, auch Focusrite setzt mit der Rednet-Serie konsequent auf Dante. 

Mehr über AOIP (Audio-over-IP), darunter auch Dante: AOIP verständlich erklärt

Überblick über das Planet 22x

Das ESI Planet 22x verfügt über je zwei symmetrische analoge Ein- und Ausgänge sowie einen frontseitigen regelbaren Kopfhörerausgang. Für die Anbindung an die digitale Welt steht ausschliesslich ein Dante-Netzwerkanschluss zur Verfügung. Die beiden Eingänge sind als XLR/Klinke-Kombibuchsen ausgeführt und können sowohl Line- als auch Mikrofonsignale verarbeiten. Auch eine schaltbare Hi-Z-Betriebsart – beispielsweise für Tonabnehmer von akustischen Gitarren – ist erfreulicherweise vorhanden.

Das Gehäuse ist mit 17,5 cm Breite, 12,0 cm Tiefe und 4,5 cm Höhe etwas größer als zwei Zigarettenschachteln und sehr hochwertig verarbeitet. Frontplatte, Ober- und Unterseite bestehen aus Metall, während die Seitenwände und die Rückseite aus stabilem Kunststoff gefertigt wurden. Vier Gummifüße sorgen für stabilen Stand. Sämtliche Potis und Schalter der Frontplatte sind im Inneren des Gehäuses solide verschraubt und auch die Buchsen der Rückseite machen einen stabilen Eindruck – da wackelt und klappert nichts, sehr schön.

Die Frontseite beherbergt von links nach rechts zunächst die Bedienelemente für die beiden Eingänge. Jeder Input verfügt über zwei Schalter für Line-, Mikrofon oder Hi-Z-Signale, einen gerasterten Gainregler sowie eine dreistufige LED-Pegelanzeige mit je einer grünen, einer gelben und einer roten Leuchte für -18, -6 und 0 dB Eingangspegel. Für einen schnellen Überblick ist das nützlich und völlig ausreichend, schließlich verfügt jede DAW über eine genaue Pegelanzeige. Rechts der Inputsektion findet sich ein weiterer Schalter, der für beide Eingänge gemeinsam 48 Volt Phantomspeisung aktiviert, sowie ein großer gerasterter Lautstärkeregler für die Analogausgänge. Ein davon unabhängig regelbarer Kopfhörerausgang nebst einem Powerschalter samt zugehöriger Kontroll-LED runden die Ausstattung der Frontplatte ab.

Die Rückseite beherbergt zunächst die beiden Kombibuchsen der Eingänge, zwei XLR-Buchsen für die Ausgänge sowie die Cat-5-Netzwerkbuchse für das Dante-Signal und einen Anschluss für das mitgelieferte Netzteil, der sich bedauerlicherweise nicht verriegeln lässt.

Stichwort Stromversorgung: Das Planet 22x kann über die Netzwerkleitung mit Strom versorgt werden, sofern es an einem PoE-fähigen Switch (Power-over-Ethernet) mit mindestens 12 W Stromlieferfähigkeit betrieben wird. Wer einen solchen Switch nicht besitzt oder das Interface direkt am Netzwerkanschluss seines Studiorechners anschließen möchte, kommt indes nicht um die Verwendung des externen Netzteils herum.

Dante-Anbindung des Planet 22x

Die Anbindung des ESI Planet 22x an den Studiorechner erfolgt über die Software Dante Virtual Soundcard von Audinate, die vor Inbetriebnahme aus dem Internet heruntergeladen und installiert werden muss. Das Programm kostet auf der Audinate-Webseite 29,99 US-Dollar, im Lieferumfang des ESI-Interfaces ist jedoch ein Aktivierungscode enthalten, sodass für den Käufer an dieser Stelle keine zusätzlichen Kosten entstehen. Zusätzlich ist zum Betrieb die Dante-Controller-Software notwendig, die auf der gleichen Webseite umsonst heruntergeladen werden kann.

Dante Virtual Soundcard (DVS) ist ein kleines Programm, das die Ethernet-Schnittstelle eures Rechners zu einer Dante-Soundkarte macht. Im zugehörigen Dialogfeld kann man zunächst festlegen, wie viele Ein- und Ausgänge DVS bereitstellen soll – hier stehen verschiedene Optionen zwischen jeweils 8 bis 64 Ein- und Ausgängen zur Verfügung. Danach muss lediglich auf einen Button namens „Start“ gedrückt werden und schon erscheint die Dante Virtual Soundcard als I/O-Device im zugehörigen Setupfenster der DAW. Um loslegen zu können, müsst ihr aber zusätzlich im Dante Controller die Ein- und Ausgänge des ESI Planet 22x auf die verfügbaren Inputs der Dante Virtual Soundcard routen. 

Der Audinate Dante Controller

Über die auf der Audinate-Homepage frei verfügbare Dante-Controller-Software lassen sich – wie der Name schon sagt – sämtliche an ein Dante-Netzwerk angeschlossenen Dante-Geräte verwalten. Herzstück des Programms ist eine umfangreiche Matrix, mit der sich jeder beliebige Eingang im Netzwerk auf jeden beliebigen Ausgang routen lässt. Das Ganze funktioniert selbstverständlich auch dann, wenn die Geräte über Netzwerkswitches miteinander verbunden sind. Habt ihr lediglich das Planet 22x an euren Rechner angeschlossen, so müsst ihr einfach durch Setzen von Häkchen an den entsprechenden Koppelpunkten die Ein- und Ausgänge des ESI-Interfaces mit der DVS verbinden. Allerdings geht das naturgemäß nur dann, wenn auch die Sampleraten der DVS mit der des Planet 22x übereinstimmen. Ist das nicht der Fall, so lässt sich der entsprechende Koppelpunkt nicht setzen. Die Dante-Controller-Software verfügt daher zusätzlich über ein Device-View-Fenster, in dem sich verschiedene Parameter wie Latenz und Samplerate für jedes angeschlossene Dante-Device individuell konfigurieren lassen.

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