Test
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23.12.2017

Erica Synths Acidbox III Test

Stereofilter mit LFO und Envelope Follower im Desktop-Gehäuse

Test in Kooperation mit Telekom Electronic Beats

Erica Synths stellt die Acidbox III vor, ein Tiefpass/Bandpass-Stereo-Filter, dessen Herz immer noch ein Filter nach Bauart des sowjetischen Polivoks-Synthesizers ist. Dieser Synth ist für seinen besonders brachialen Sound bekannt und war nicht nur im Kernland von Mütterchen Russland bekannt, sondern auch in den ehemaligen sowjetischen Teilrepubliken wie beispielsweise Lettland, in dessen Hauptstadt Riga Erica Synths beheimatet ist und die Tradition des Polivoks-Sounds in Eurorack-Modulen und eben auch Standalone-Geräten wie der Acidbox-Serie weiterleben lässt. Die Acidbox haben wir in diesem Test, der in Kooperation mit Telekom Electronic Beats stattfand, genau unter die Lupe genommen.

Details

Auspacken

Die Acidbox III kommt in einer schlichten recyclingbraunen Pappbox, gut gepolstert in Schaumstoff. Im Lieferumfang sind außerdem noch enthalten: Ein Universalnetzteil mit diversen länderstromnetzspezifischen Steckern, eine kurze Anleitung, ein kleiner Erica Synths-Aufkleber sowie mehrere Patch Note Vorlagen, um die Parameter der Lieblingseinstellungen zu vermerken. Ältere Semester kennen das noch von alten Synths ohne Speicherplätze.

Überblick

Die Erica Synths Acidbox geht jetzt bereits in die dritte Runde und verfügt endlich über zwei getrennte Klinkeneingänge. „This is huge“, wie man heutzutage im www-Land so schreibt. Die Vorgänger-Acidboxen mit nur einem Eingang waren schon toll als Send/Return-Effekte oder als Durchlauferhitzer für Mono-Signale. Nun ist eine echte Stereoverarbeitung möglich und dadurch bietet sich die Acidbox III für ungleich mehr Audioaufgaben an, wie z. B. kleine, harmlose Digitalsynthesizer böse machen, per Send/Return-Weg digitalen Pioneer-Mixern analoge Filter-Power hinzufügen, oder auch kreative Stereosubgruppen-Bearbeitung am Studiomischpult. 

Control, I’m here

Die Acidbox III kann nach wie vor auch nur mit einem Mono-Eingang gefüttert werden und dank dem rückseitigen Gain-Poti in Form eines Korg Volca-mäßigen Poti-Schafts auch ein E-Gitarrensignal verarbeiten.

Hinten finden sich neben den Stereoein-und-ausgängen und dem Gain Poti außerdem noch ein Ein-und-Ausschalter, der Anschluss für das mitgelieferte 12V Netzteil (110 - 220V) sowie eine CTRL IN-Buchse, über die sich die Acidbox III durch diverse Quellen kontrollieren lässt. Hierzu muss sie mittels zweier unterseitiger Plastikschräubchen konfiguriert werden. Folgende Optionen werden geboten:

  • Einzelner Fußschalter on/off
  • Doppelter Fußschalter und Tap Tempo
  • Trigger- und Gate-in für LFO Sync
  • CV in für den Cutoff-Regler
  • Cutoff CV und LFO Sync
  • Expression Pedal Roland-kompatibel
  • Expression Pedal KORG-kompatibel

Die Einstellung per Schrauberdreher ist etwas fummelig und sollte nicht unbedingt während des Gigs vorgenommen werden. Da der Control-Eingang als Stereoklinke vorliegt, benötigt man ein handelsübliches Insertkabel, um die Triggerimpulse zuzuführen. In meinem Fall nutzte ich einen Arturia Beatstep Pro als Triggerquelle, der nur über Miniklinkenausgänge verfügt. Da muss man sich entweder ein Spezialkabelbasteln oder sich mit nur einem Triggerziel begnügen und den Monostecker entweder ganz oder nur bis zum ersten Klick in den CTRL In einführen.

Zehn Regler, zwei Schalter, ein Tap-Tempo-Button

Ansonsten weist das robuste und komplett aus mattem schwarzem Aluminium verarbeitete 700 Gramm leichte Gehäuse mit 185 x 140 x 55 mm die gleiche Größe und Designsprache auf wie z. B. die Fusionbox aus gleichem Hause: Zehn hochwertige stufenlose Potis mit griffigen Moog-artigen Knöpfen in vier verschiedenen Größen, vier Status-LEDs, zwei Kippschalter und ein Tap Tempo-Button.

Die Acidbox III verzichtet auf vordergründige optische Effekthascherei und macht gerade dadurch einen professionellen, strengen und auch leicht sinisteren Eindruck. Geräte, die fluffig klingen, sehen anders aus.

Auf der rechten Seite thront ganz oben der enorm große Cutoff-Regler.  Den kann man nicht verfehlen und will das auch gar nicht, denn er liegt super in der Hand und es ist eine wahre Freude, damit am Sound herumzuschrauben. Darunter befinden sich zwei jeweils etwas kleinere Regler für Resonanz und das Modulationslevel sowie ganz unten en kleiner Regler für die Eingangslautstärke. 

Rundgang: Die Erica Synths Acidbox III mal von allen Seiten betrachtet. (Fotos: Mijk van Dijk)

In gleicher kleiner Größe geht es auf der linken Seite weiter, die ganz im Zeichen der Modulation steht. Der Wave Regler gleitet durch die verschiedensten Wellenformen wie Sinus, Sägezahn aufsteigend und absteigend, Rechteck, Random positiv und invertiert sowie das bei verrückten Klangwissenschaftlern immer noch beliebte Sample & Hold.

Die LFO Rate kann in ihrer Geschwindigkeit geregelt werden, eine rote LED gibt flackernd Auskunft über das Tempo, das mittels des Divide/Mult-Regler ebenfalls bis zu viermal geteilt oder multipliziert werden kann. Ob es dann wabbert oder nicht, entscheidet der Depth-Regler, ist er auf Linksstellung, nimmt der LFO keinen Einfluss.

Als zweite Modulationsquelle steht ein Hüllkurvenfolgegenerator zur Verfügung. Hier lässt sich die Follow Rate regeln, die Modulationstiefe kann positiv oder invertiert eingestellt werden, in Mittelstellung bleibt sie unberührt.

Tap-Tempo schließlich erlaubt das rhythmische Eintappen der Geschwindigkeit. Eine Synchronisation via MIDI oder gar Ableton Link ist nicht vorgesehen. Entweder muss frei moduliert oder per Triggersignal über CTRL in synchronisiert werden.

Unser Test in Kooperation mit Telekom Electronic Beats

Gerade unter dem Aspekt der Aktualität ud Affinität zu angesagten Produkten in der Szene, kooperiert Bonedo mit Telekom Electronic Beats. In unserem Doppelfeature beleuchtet auch der Hamburger Produzent STIMMING die aktuelle Erica Synths Acidbox III aus seiner Perspektive.

Seht hier die Beurteilung des Hamburger Produzenten STIMMING, der die Acidbox III für Telekom Electronic Beats und Bonedo in seiner Video-Review detailliert beleuchtet.

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