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29.07.2015

Die Geschichte der elektronischen Musik #3

Musik und Strom - Trautonium, Hammond-Orgel und Ondes Martenot

Was haben der Franzose Maurice Martenot, der US-Amerikaner Charles Laurens Hammond und der Deutsche Friedrich Trautwein gemeinsam? Nun, sie alle haben zwischen 1928 und 1934 neue elektronische Instrumente erfunden, deren Namen auch heute noch eine Magie innewohnt: Trautonium, Hammond-Orgel, Ondes Martenot. Alle drei gehörten zu den ersten elektronischen Musikinstrumenten, die große Erfolge feiern konnten. Vom Markt verschwunden sind sie dennoch – doch ihre einzigartigen Sounds leben fort. 

Die Geschichten der Erfinder, so unterschiedlich sie auch sein mögen, sind schöne Beispiele dafür, was mit neuen Erfindungen so alles passieren kann. Und das Ganze hat auch heute noch Relevanz, denn Instrumentenbauer gibt es in unseren Tagen mehr denn je, schließlich ist jedes VSTi ein Instrument. Und was sind KorgYamaha und Roland anderes als Instrumentenerfinder? Aber im Gegensatz zu heute, wo die meisten elektronischen Instrumente programmiert werden oder in einer R&D-Abteilung einer mehr oder weniger großen Firma entstehen, wurde damals noch vom Erfinder persönlich Hand angelegt, gefeilt, gedacht, geschraubt und gehämmert. Und wenn das Instrument dann fertig war, fing die Herausforderung erst an: Wie bekomme ich es auf den Markt? Wie schaffe ich es, dass meine Erfindung ein Erfolg wird? Fragen, die sich die Erfinder von damals genauso stellten, wie die von heute.

1929/1930 - Friedrich Trautwein und das Trautonium

Trautonium – nie gehört? Wahrscheinlich doch. Das Trautonium war eines DER Instrumente zur Erzeugung neuer Klänge in den 1950/60er Jahren. Es lieferte die Sounds für über 300 Filmmusiken, darunter "Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse", "Der Würger von Schloss Blackmoor", vor allem aber die Vogelschreie in Hitchcocks "Die Vögel". Aber von vorne. Als Anfang der 1920er Jahre das Radio Fahrt aufnahm, gab es ein großes Problem: Die Mikrofone waren noch nicht wirklich gut. Als Folge daraus kam man auf die Idee, elektrische Musikinstrumente zu entwickeln, deren Signal man nicht erst aufnehmen musste, sondern gleich senden konnte. Also wurde eine Stelle in der "Rundfunksversuchsstelle" an der Musikhochschule Berlin geschaffen, ein Ingenieur der Elektrotechnik geholt, der auf dem Gebiet der Musik forschte – und los ging es.

Der Ingenieur hieß Friedrich Trautwein und hatte schon vorher auf dem Gebiet der Akustik geforscht und dabei ganz nebenbei die Grundlagen für den Vocoder gelegt. Trautwein war schlau: Er wusste, wenn sich das Instrument auf dem Markt durchsetzen sollte, musste es praktisch bedienbar sein, es musste Kompositionen dafür geben und es brauchte jemanden, der es in der Öffentlichkeit spielte. Mit begrenztem Etat entwickelte er 1929/1930 das Trautonium. Die Klangerzeugung des Instruments war denkbar einfach und bestand aus einem Sägezahnoszillator und zwei Formantfiltern. Die Steuerung übernahmen ein extra für diesen Zweck entwickelter Ribbon-Controller und zwei Pedale.

Exkurs: Der Ribbon-Controller

Ein Ribbon-Controller ist eigentlich eine ganz einfache Sache: Über eine Metallschiene wird eine Metallsaite gespannt. Drückt man die Saite mit dem Finger auf die Schiene, fließt Strom. Üblicherweise wird über die Länge der Saite die Tonhöhe kontrolliert wie z.B. bei einer Geige oder Gitarre. Und genau wie mit Saiteninstrumenten lassen sich auch mit Hilfe eines Ribbon-Controllers sehr leicht Vibratos und Glissandi spielen. Doch genauso leicht ist es auch, daneben zu greifen und falsch zu intonieren. Abhilfe hierfür schaffen Markierungen auf der Metallschiene, die die Orientierung und damit auch die Intonation erleichtern.

In der einfachsten Ausführung ist ein Ribbon-Controller monophon und ohne Lautstärkesteuerung. Aber schon das erste Trautonium aus dem Jahr 1930 konnte durch die Stärke des Fingerdrucks die Lautstärke kontrollieren. Wie fast alle "alternativen" Controller – und man kann sagen, das sind alle außer Keyboards – ist der Ribbon-Controller eher selten zu sehen, auch wenn Keith Emerson ihn ziemlich bekannt gemacht hat. Heute ist er in einigen Synthesizern als zusätzliche Spielhilfe eingebaut und auch als MIDI-Steuermodul beispielsweise von Doepfer oder in der Edelvariante "Continuum Fingerboard" zu haben. Aber auch als DIY-Projekt erfreut sich größter Beliebtheit.

Trautonium - Konzept und Aufbau

Bei der Konzeption seines Instruments hatte Trautwein an so ziemlich alles gedacht, was sich ein Spieler wünschen konnte: Der Ribbon-Controller hatte Markierungen für die Tonhöhen, man konnte durch stärkeren Druck die Lautstärke erhöhen und man konnte sehr expressive glissandierende Melodielinien spielen. Größere Lautstärkeunterschiede ließen sich mit einem Pedal realisieren, und mit entsprechenden Knöpfen konnte die Klangfarbe geändert werden. Wenn man das alles mit einem monophonen Synthesizer aus den frühen 1970er Jahren vergleicht, gibt es da schon ziemlich viele Ähnlichkeiten.

Musik für Trautonium

Jetzt musste noch Musik dafür geschrieben werden. Aber auch das war kein Problem, denn zufälligerweise war der berühmte Paul Hindemith Kompositionsprofessor an derselben Hochschule. Und dieser war bekannt für sein starkes Interesse an neuer Technik und ihrer Umsetzung in Musik. Hindemith schrieb diverse Stücke für das Trautonium, unter anderem einige für gleich drei Instrumente, die dann 1930 im ersten Konzert mit dem neuen Instrument gespielt wurden. Die Presse reagierte begeistert. Einer der Spieler war ein gewisser Oskar Sala. Und genau dieser wurde DER Trautonium-Spieler schlechthin. Trautwein hatte alles erreicht, was er sich vorgenommen hatte.

Nach dem ersten Konzert wurden weitere Stücke für das Trautonium geschrieben und der damals erst 20-jährige Oskar Sala, der eigentlich zum Klavier- und Kompositionsstudium nach Berlin gekommen war, hatte noch im gleichen Jahr seinen ersten Job im Filmmusik-Geschäft. Die Propellergeräusche in "Stürme über dem Mont Blanc" mit Leni Riefenstahl in der Hauptrolle stammen von einem Trautonium.

1933 hatten Trautwein und Sala es dann geschafft, das Trautonium ging in Serie, passend zur Zeit übrigens Volks-Trautonium genannt und gebaut von Telefunken.Das Ganze war aber ein ziemlicher Flop, denn zum einen kam die "mechanische Musik" kurzzeitig bei den Nazis in Verdacht, nicht ganz koscher zu sein, zum anderen war das Telefunken-Trautonium ziemlich teuer. Es wurden wohl ein paar Dutzend gebaut, gekauft wurden aber nur ungefähr zehn Stück.

1934/35 - das Rundfunk-Trautonium

Von diesem Schlag konnte sich das Trautonium nie ganz erholen. Trautwein stieg aus und überließ das Schicksal des Trautoniums Oskar Sala. Der war der perfekte Mann dafür und studierte zwischenzeitlich Naturwissenschaften, um "sein" Instrument weiter verbessern zu können. So entwickelte er 1934/35 das Rundfunk-Trautonium, bei dessen Möglichkeiten einem noch heute die Ohren schlackern: Zwei Pedale zur Lautstärke- und Klangregulierung, Oktav-Versetzung, mehrere Manuale mit eigener Tonerzeugung – das Trautonium war polyphon geworden. Sala hatte ganze Arbeit geleistet und ein ungeheuer ausdrucksstarkes sowie expressiv zu spielendes Instrument geschaffen. Weil das Rundfunk-Trautonium ein ziemlicher Apparat war, baute er schließlich eine transportfreundlichere Variante, das Konzerttrautonium, das er mit auf Tournee nehmen konnte. Das tat er in den nächsten Jahre auch ziemlich erfolgreich, bis ihm sein Militärdienst ein jähes Ende setzte.

Sala musste an die Front, wurde verwundet und kam in Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Entlassung eilte er zurück nach Berlin, doch sein Rundfunktrautonium war nicht mehr da (angeblich wurde es verschrottet). Aber es gab ja noch das Konzerttrautonium. Doch dieses befand sich in einem bemitleidenswerten Zustand, da es von einem Güterzug überrollt worden war. Sala gab nicht auf, reparierte das Konzerttrautonium und baute zwischen 1948 und 1952 ein enorm erweitertes Gerät, das Mixturtrautonium, das Untertöne spielen konnte, einen Rauschgenerator hatte und schließlich auch noch so etwas wie eine Drummachine besaß.

Trotz der vielen Arbeit, die Oskar Sala in sein Instrument steckte, geriet das Trautonium mehr und mehr ins Abseits. Zum einen war mit dem Ondes Martenot ein weiteres, sehr erfolgreiches elektronisches Musikinstrument auf dem Markt, zum anderen aber interessierte sich die tonangebende Gruppe um Karlheinz Stockhausen im Studio für Elektronische Musik Köln (mehr dazu in Musik und Strom #5 - Krieg der Studios) nicht dafür. So wurde Sala Filmkomponist, unter anderem eben auch für die Dr. Mabuse-Reihe. Durch seine konstante Arbeit am Mixturtrautonium (der Name kommt von den Mixturregistern bei Orgeln) war das Instrument inzwischen ziemlich groß und ein reines Studiogerät geworden – und auch das einzige seiner Art.

Anfang der 1980er Jahre hörten drei Professoren der Fachhochschule der Deutschen Bundespost mehr durch Zufall Sala auf seinem Trautonium spielen und entschlossen sich, das Gerät mit moderner Technik nachzubauen. Sala, der anfangs ziemlich skeptisch war, wurde nach und nach immer begeisterter und spielte schließlich 1988, 35 Jahre nach seinem letzten öffentlichen Konzert, im Berliner Kongresszentrum auf dem neuen Halbleitertrautonium. Und ab diesem Zeitpunkt ging es für Sala wieder aufwärts: CD-Veröffentlichungen, Konzerte, Filmband in Gold, Bundesverdienstkreuz... Oskar Sala wurde von der jungen Pop-Elektronikgemeinde wie ein Star gefeiert.

2002 starb er. Das Trautonium aber steht entweder im Museum (ein Volkstrautonium und das Halbleitertrautonium in Berlin, das Konzerttrautonium in Paris und das Mixturtrautonium in Bonn) oder wird sehr vereinzelt nachgebaut. Auch aus Dopefer-Modulen kann es nachgebaut werden. Und für den Reaktor von Native Instruments gibt es ein Trautonium, das man als registrierter Nutzer herunterladen kann. Als Hardware-Instrument ging es aber nie wieder in Serie.

Klangbeispiele

Wie das Trautonium klingt, könnt ihr auf dieser Seite anhören: http://www.analog-synth.de/synths/trautonium/traut.htm

1928 - Maurice Martenot: Ondes Martenot

Ondes Martenot – nie gehört? Wahrscheinlich doch, denn die Ondes Martenot haben es in fast alle Musikbereiche geschafft: ob Bryan Ferry, Tom Waits, Gorillaz oder Joe Jackson im Pop, Jacques Brel und Edith Piaf im Chanson oder mit vielen Kompositionen in der klassischen Musik. Gar nicht schlecht für ein monophones Instrument, das zunächst einmal „nur“ ein verbessertes Theremin war.

Eigentlich hatte Maurice Martenot, der Erfinder der "Ondes Musicales Martenot", etwas ganz anderes im Kopf: Er wollte ein Instrument schaffen, das in der Lage war, die anderen Orchesterinstrumente zu imitieren – und sie damit aufs Altenteil zu schicken (Anm. des Autors: Das versuchen wir heute immer noch!). So traf er sich 1923 mit Leon Termen (siehe Teil 2 unserer Geschichte) und entwickelte auf Basis der Technik des Theremin sein neues Instrument. Entscheidender Vorteil der Martenot war aber, dass man die Töne, die man spielen wollte, auch traf. Auf den Ondes Martenot spielt man nämlich nicht in der Luft, sondern entweder auf einer Tastatur oder einem Ribbon-Controller. 

Das erste Modell, das 1928 vorgestellt wurde, war noch sehr einfach und gar nicht so weit entfernt vom Trautonium: Die rechte Hand spielt die Tonhöhen, die linke Hand regelte die Klangfarbe und die Lautstärke. Anders als beim Trautonium, wo eine Saite über eine Metallschiene gespannt und der Ton wie bei einem Cello "abgegriffen" wurde, wird bei den Ondes Martenot eine Metallleiste über eine Metallschiene gezogen. Im Prinzip ähnlich, nur dass die Metallschiene bei schnellen Sprüngen ziemlich schnell an ihre Grenzen kommt. Dafür hatte man auf den Ondes Martenot aber einen Umfang von sieben Oktaven zur Verfügung!

Beim nächsten Modell wurde dann eine Pseudo-Klaviatur aufgemalt, damit man auch wirklich wusste, wohin man die Schiene ziehen musste, um den richtigen Ton zu treffen. Und schließlich baute Martenot eine "richtige" Tastatur ein, behielt die Schiene aber trotzdem bei, damit man trotzdem noch Glissandi und Vibrato spielen konnte.

Bemerkenswert ist aber vor allem, dass die Ondes Martenot schließlich mit vier Arten Lautsprechern geliefert wurden, zwischen denen man mit der linken Hand umschalten konnte. Die sieben Klangfarben, welche die Ondes Martenot produzierte, wurden so entweder über einen normalen Lautsprecher ausgespielt, über einen Lautsprecher mit eingebautem Federhall, durch einen kleinen Gong und mit einem Lautsprecher, der mit Saiten bespannt war, um Resonanzen hervorzubringen. So etwas gab es weder vorher noch nachher jemals wieder. Diese Verzahnung von Instrument und Lautsprecher ist am ehesten mit Hammond Orgel und Leslie Speaker vergleichbar.

Martenot arbeitete unglaubliche 57 Jahre, nämlich von 1918 bis 1975, an seinem Instrument. 1975 erschien die siebte und letzte Version, Martenot starb 1980. Sein Instrument wurde noch bis 1988 gebaut, bis Martenots Assistent in den Ruhestand ging. Seither sind die Instrumente extrem begehrt.

Seit einigen Jahren versucht eine Pariser Firma das Nachfolgeprojekt "L'Ondéa" zu produzieren, es ist aber mit jahrelangen Lieferzeiten zu rechnen, sofern man denn überhaupt an die Firma herankommt und 15.000 Euro auf der hohen Kante liegen hat. Die Glanzzeit der Ondes Martenot lag in der klassischen Musik Mitte des letzten Jahrhunderts. Messiaen, Varèse, Honegger, Milhaud, Bussotti, Scelsi, Boulez, Murail, Jolivet, Martinu... das sind alles große Namen, die für die Ondes Martenot geschrieben haben. Wie viele Stücke es gibt, weiß man allerdings nicht so genau – von weniger als 300 bis über 1500 ist die Rede.

Im Pop-Bereich ist das Instrument erst so richtig wahrgenommen worden, als es schon längst nicht mehr produziert wurde. Dementsprechend findet man auf den verschiedensten Produktionen doch immer wieder die selben Spieler, wie zum Beispiel den Franzosen Thomas Bloch. Jonny Greenwood von Radiohead hat lange erfolglos nach einer zweiten Ondes Martenot gesucht. Dies wiederum führte dazu, dass es jetzt wieder ein Ondes Martenot-Interface gibt, das unter dem Namen "French Connection" verkauft wird. Die "French Connection" besitzt aber selbst keinen Tonerzeuger, sondern gibt nur MIDI-Daten aus.

Klangbeispiele

Hier findet ihr Klangbeispiele des Ondes Martenot: http://www.cslevine.com/ondea/

1934 - Laurens Hammond und die Hammond-Orgel

Es ist Anfang der 1930er Jahre, und Laurens Hammond hat ein Problem: Seine Firma geht gerade pleite. Nach dem Schwarzen Freitag und der darauf folgenden Wirtschaftskrise hat es die Uhrenindustrie schwer, und auch die Hammond Clock Company muss kämpfen. Neue Produkte müssen her, und so wird erst einmal ein elektrischer Bridge-Tisch erfunden, der die Firma aber auch nicht langfristig sichert. Doch Hammond gibt sich nicht geschlagen und kommt schließlich auf die Idee, dass man die großen, verschleißanfälligen Kirchenorgeln durch moderne Technik ersetzen könnte.

Er kauft ein Klavier, baut bis auf die Klaviatur alles aus und setzt seinen Synchronmotor ein, mit dem er schon bei den Uhren großen Erfolg hatte. In diesen Motor setzt er sogenannte Tonräder ein – neun Stück pro Ton. Damit konnte er wie bei einer Orgel den Grundton sowie acht verwandte Töne spielen, genauer gesagt: den ersten bis sechsten und den achten Oberton, sowie den ersten Unterton und dessen zweiten Oberton. Oder einfacher: Wenn der Grundton das c1 ist, dann kann die Hammondorgel c, c1, g1, c2, g2, c3, e3, g3 und c4 spielen. Die Intensität der einzelnen Töne wird dabei über Zugregler kontrolliert, die von 0 (aus) bis 8 (maximale Lautstärke) gezogen werden können. Zusätzlich dazu erhielt der Elektromotor durch eine Zahnradkonstruktion 12 verschiedene Übersetzungen, sodass man mit den daraus resultierenden unterschiedlichen Geschwindigkeiten die 12 Töne der Oktave spielen konnte.

Exkurs: Das Tonrad (Tone Wheel)

Die Entwicklung des Tonrads hängt eng mit der Entwicklung des Films und der Entdeckung zusammen, dass man Klang auch optisch kontrollieren und speichern kann. Schon 1873 wurde entdeckt, dass Selen seinen elektrischen Widerstand unter Lichteinfluss ändert. Mit dieser Erkenntnis konnten elektromechanische Tonabnehmer gebaut werden, die unterschiedliche Lichteinstrahlung in unterschiedliche elektrische Frequenzen und so letztlich Tonhöhen übersetzten. Bei einem Tonrad sitzt so ein Tonabnehmer vor einem kleinen Rad, das einen geriffelten Rand hat. Durch die Riffelung fällt das Licht in unterschiedlich Art und Weise auf den Tonabnehmer. Ändert sich der Lichteinfall 440 mal in der Sekunde, wird folgerichtig ein Ton von 440 Hz erzeugt. Die Art der Riffelung bestimmt dabei die Klangfarbe: Sind es Rundungen, wird ein sinusartiger Ton daraus, sind es Zacken hört man eher einen Sägezahn.

Eine andere Art der fotoelektrischen Klangerzeugung besteht darin, zwischen Tonabnehmer und Lichtquelle z.B. eine Glasplatte oder ein Band laufen zu lassen, das unterschiedlich geschwärzt ist. So wird das Licht, das auf den Tonabnehmer fällt, gefiltert und der Tonabnehmer reagiert entsprechend. Im Prinzip funktioniert die Tonspur von Filmen bis heute so.

Die Hammond-Orgel – ein kommerzieller Erfolg

Mit seiner Erfahrung als Uhrenhersteller konnte Hammond gleich ein komplettes, qualitativ hochwertiges Produkt herstellen (im Unterschied zu seinen Kollegen Trautwein und Martenot, die eher mit Prototypen an die Öffentlichkeit gingen). Bevor er das Instrument präsentiert, ließ er es sich patentieren, und dann ging es los. Die Hammond Orgel wurde bei allen möglichen öffentlichen Veranstaltungen vorgeführt, vor allem aber auch in Kirchen, denn eigentlich sollte sie ja Kirchenorgeln ersetzen. Der Erfolg dieser Vorführungen war enorm. Hammond Orgeln verkauften sich trotz ihres hohen Preises wie geschnitten Brot. Henry Ford kaufte gleich sechs Stück, George Gershwin und Count Basie bestellten auch gleich, und sogar der berühmte Dirigent Stokowski, der sich schon früh für die Ondes Martenot einsetzte, zeigte sich begeistert. In den ersten drei Jahren gingen über 3000 Aufträge ein und 1937 wurde aus der Hammond Clock Company die Hammond Instrument Company, die 1953 wiederum die Hammond Organ Company wurde.

Wer Erfolg hat, bekommt schnell Neider. So wurde 1937 zum Beispiel verlangt, dass sich die Hammond Orgel nicht mehr Orgel nennen dürfe. Und auch die in der Werbung angegeben, „unendlich“ vielen Klangfarben gerieten in die Kritik. Nach einem Hörtest durfte sich Hammonds Instrument aber weiterhin Orgel nennen. Die Anzahl der Klangfarben begrenzte man auf 253 Millionen. Damit konnte man leben.

Im Laufe der Zeit wurden unzählige Verbesserungen, Erweiterungen und neue Modelle vorgestellt und zwar nicht nur von der Hammod Organ Company, sondern auch von vielen anderen Herstellern. Bemerkenswert ist die Symbiose, die die E-Orgel mit dem Leslie-Lautsprecher einging. Der Klang der rotierenden Lautsprecher ist so eng mit der Hammond-Orgel verknüpft, dass man sich die Orgel heute kaum noch ohne ihn vorstellen kann und er zum unverzichtbaren Bestandteil des klassischen Sounds geworden ist.

Außerdem wurden schon recht bald Synthesizer-Einheiten in die Orgeln gebaut, mit denen man auch andere Sounds, allerdings nur monophon, spielen konnte. Schon früh kamen auch Vibrato und Tremolo dazu, später auch Chord-Funktionen, Tap-Tempo und alle Annehmlichkeiten, die im Laufe der Jahre entwickelt wurden. Ein großes Problem war allerdings immer das enorme Gewicht der bis in die 1970er Jahre hinein rein mechanischen Orgeln. Der Schreiber dieser Zeilen war z.B. im Besitz einer Hohner Heimorgel (mit indirekter Illumination!), die deutlich schwerer war als das Klavier, das daneben stand.

Es gab zwar bald Versuche, die Orgel transportabler zu machen (z.B. die sogenannten Chop Orgeln), aber wo Mechanik drin ist, muss man die Mechanik auch schleppen. Im Laufe der 1970er Jahre wurden dann die ersten Transistor-Modelle geschaffen, und auch das digitale Zeitalter machte sich an die Replikation des berühmten Orgelsounds. Die frühen Versuche der Orgel-Emulation scheiterten allerdings ziemlich kläglich, und auch heute noch sind B3-Klone Gegenstand vieler Diskussionen.

Eines ist jedoch sicher: Die E-Orgel wird nicht aussterben. Zu tief hat sich der Orgel-Sound in unsere Gehörgänge gefressen. Inzwischen gibt es sogar wieder zweimanualige Waterfall-Tastaturen zu kaufen, an die man die digitale Emulation seiner Wahl anschließen kann. Im Jazz und im Pop/Rock-Bereich geht es ohne die E-Orgel einfach nicht. Und in amerikanischen Kirchen sieht man übrigens auch mehr elektrische Orgeln als "echte" Kirchenorgeln. Was ganz nebenbei auch noch den Vorteil hat, dass man den Organisten sehen kann!

Wieso wurde die Hammond-Orgel sofort ein Verkaufsschlager, während andere wegweisende Instrumente nur vereinzelt hergestellt wurden? Zum einen lag es daran, dass man kein neues Instrument spielen lernen musste, wenn man Hammond-Orgel spielen wollte. Ein Organist konnte sich sofort daran setzen und normal spielen. Ein Klavierspieler musste bloß aufpassen, dass er mit seinen Füßen nicht die Pedale berührte! Das war bei den Ondes Martenot, dem Theremin und dem Trautonium anders. Der gleiche Trick funktionierte knapp 40 Jahre später übrigens noch einmal, als ein gewisser Robert Moog seinem Synthesizer eine Tastatur verpasste und den Synthesizer damit zum Keyboard-Instrument machte.

Zum anderen lag es sicher daran, dass die Orgeln von Hammond solide gebaut waren – immerhin gibt es noch heute zahlreiche tadellos funktionierende Exemplare, die vor dreißig oder vierzig Jahren hergestellt wurden. Das kann man nicht von vielen mechanischen Geräten sagen.

Und schließlich wurden die "Bugs" der Hammond-Orgeln durch die Kreativität der Musiker zu Features. So ist das charakteristische Anschlagsgeräusch der Hammond-Orgel (Key Click) eigentlich eine Fehlschaltung. Hammond arbeitete lange daran diesen Fehler auszumerzen, und schließlich gelang es ihm mit der L-100 Serie. Allerdings liebten die Jazz Organisten gerade den Click-Sound, und so ist die B-3 auch heute noch der Standard aller E-Orgeln. Genauso sorgt die leichte Verstimmung der Orgel für hohe Durchsetzungskraft und eine Dreckigkeit, wie sie sich im Namen „Schweineorgel“ ausdrückt.

Die Hammond-Orgel wurde immer wieder neu erfunden, von ihren Anfängen als Sakralinstrument ging es gleich in die Unterhaltungsmusik und von dort in den Jazz. Schließlich kam die Rockmusik und an deren Ende die Hard Rock-Variante, die mit dem stark verzerrten Orgelsound die ursprünglichen Intentionen des Erfinders auf den Kopf stellten.

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