Test
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22.07.2020

Praxis

Ich habe den Prime nach seiner Ankunft dann erst einmal laden lassen. Es dauert etwa 3 Stunden, bis der Proband komplett aufgetankt hat, dann hält er circa. 3,5 bis 4 Stunden durch. Das reicht definitiv für den Ausflug ins Grüne oder Blaue. Also kurzerhand ein paar Tracks auf einen frischen USB-Stick geschaufelt, um den kompletten „Standalone-Workflow“ mal im Freien zu genießen und natürlich die Akkubox eingepackt.

Auf meinem Stick (der Go liest extFat und FAT32 ein, jedoch kein HFS oder sonstiges Mac-Dateiformat) habe ich diverse Titel unterschiedlicher Genres geparkt und die Konsole liest den Datenträger in wenigen Sekunden ein.

Eine Batch Track-Analyse für das gesamte Medium wird mir nicht angeboten. Stattdessen erfolgt die Berechnung mit dem Laden des Musikstücks in ein Deck. Für einen 7 Minuten lange Techno-Track genehmigt sich der GO via USB etwa 20 Sekunden. Gegengecheckt später am Prime 4: kein Geschwindigkeitsunterschied. Einstarten darf man den Track auch schon vorher (im Gegensatz zu Streaming-Titeln, die zunächst komplett geladen werden müssen), doch dann stehen noch keine Grids und Co bereit.

Das Display zeigt dabei gestochen scharf Track-Infos, Status und Wellenformen an, lässt euch ohne Computer via On-Screen-Tastatur die Musiktitel bearbeiten, Playlisten generieren und editieren, sortieren, suchen, Tracks in die Decks schubsen, ohne auch nur im Ansatz träge zu erscheinen. Dem persönlichen Gusto entsprechend lässt sich das Wellenform-Layout von vertikal auf horizontal umschalten, wobei man im Vertikal-Layout zugunsten verkleinerter Waveforms noch die aktuelle Playlist in der Mitte eingeblendet hat. Praktisch.

Diverse Anpassungen lassen sich via Screen vornehmen, darunter Fadercurve, FX, Recording und Preview-Volume im Swipe bzw. Deck, Mixer- und System-spezifische Voreinstellungen über die Menü-Taste.  

Ferner befinden sich in den Preferences zahlreiche Tuning-Optionen wie Talkover, Mikrofondämpfung und eine Send-to Booth-Option, EQ- und Filteranpassung sowie Quantisierungsoptionen, Standard-Loop-Größen, Key-Notation, Deck-Farbe usw.

Folgende Musikformate unterstützt der Denon Prime Go:

  • AAC/M4A
  • AIF/AIFF (44,1-192 kHz, 16-32 Bit)
  • ALAC
  • FLAC
  • MP3 (32-320 kbps)
  • MP4
  • Ogg Vorbis
  • WAV (44,1-192 kHz, 16-32 Bit)

Auflegen

Das Mischen mittels Line- und Crossfader auf zwei Decks stellt sich mit den seitens Engine OS analysierten Tracks und trotz des kompakten Geräteformats gut ein. Man kann quasi im Blindflug beatmixen, wenn das Grid Sync-technisch sitzt. Doch wer glaubt, man sei hier auf Autosync beschränkt, der irrt, denn und auch die flachen Jogwheels machen ihre Sache gut und der kleine Pitchfader arbeitet sogar mit einem Hundertstel genau, sodass auch manuelles Beatmatching problemlos möglich ist. Alle Achtung.

In-the-Mix kommen einem die gut bestückte Cue-Schiene (ich erwähne dies extra, denn ich habe letztens noch eine Workstation begutachten können, die keinen Cuemix-Regler hat) und die Möglichkeit zum Track-Preview direkt aus der Library heraus zugute. Wer möchte, kann anhand eines Farb-/Nummerncodes harmonisch passende Musikstücke zum laufenden Titel identifizieren.

Der Kopfhörerausgang hat zwar nicht so viel Output wie beim Prime 4, doch der Klang ist transparent und er ist laut genug, um Outdoor wie Indoor bestehen zu können (hier haben wir übrigens einige interessante Akku-Boxen für euch getestet). Einen Leistungsabfall im Akkubetrieb konnte ich adhoc durch Trennen bzw. Anstöpseln des Netzteils nicht ausmachen. Ferner greifen auch die Equalizer gut ins Klangeschehen ein, mit einem Cut/Boost von +/-6 dB Low und +/-10 dB Hi und Mid und der Option zum ISO nebst einstellbaren Grenzfrequenzen (für ISO EQ Hi und Low). Das Filter darf ebenfalls hinsichtlich der Resonanz angepasst werden. Dazu einige Audiobeispiele.

Klang und Metering

Der Prime GO klingt sehr ordentlich, stellt im Direktvergleich jedoch einen geringeren Output am Master/Booth zur Verfügung als der Prime 4, folglich ist der Prime Go bei gleichen Einstellungen am Kanal-Gain und Master-Regler spürbar leiser als sein großer Bruder, der außerdem einen etwas höheren Dynamikumfang und mehr Headroom mitbringt. Für eine 1300-Euro-Konsole finde ich das Metering jedoch nicht wirklich angemessen. Fünf Schritte, das mag vielleicht für einen Numark Mixtrack oder NI S2 MK3 völlig okay sein, aber für den Pro-Einsatz hätte ich mir mehr gewünscht, zumal hier ja auch noch Platz für 2-3 weitere LEDs gewesen wäre, hätte man die beiden View/Shift-Tasten horizontal direkt unter der Nav angeordnet.

Der Prime Go mit seinen kurzen LED-Ketten beginnt zudem mitunter früher im Klang zu zerren, als es die PEAK-LEDs anzeigen respektive bereits bevor die blaue LED aufleuchtet. Nicht nur für ungeübte DJs mitunter ein Stolperstein, hier sollte via FW-Update nachgebessert werden. Was mir noch aufgefallen ist: Dreht man den Gain und EQs testweise auf Anschlag, greift ein Limiter ein und es beginnt zu pumpen, aber dann ist man schon weit weg von klarem Sound.

Auf Level-Meter für den einzelnen Kanal muss DJ zudem komplett verzichten, die hätte man in diesem Fall aber auch durchaus horizontal unterhalb der Equalizer setzen können oder ganz einfach vom Sweep-Regler herablaufend oder wo auch immer. Level-Regler ohne Level-Meter mutet bei einer Konsole wie dieser schon etwas knauserig an. Selbst wenn hier nichts „von außen eingepegelt“ wird, sondern die lokalen bzw. die WiFi-Tracks angeglichen werden müssen: Channelmeter wären ein klarer Vorteil, selbst wenn es nur virtuelle Pegelmeter im Display wären, wie beim DJM-Tour1-Bildschirm. Ein Fall für ein FW-Update?

In der Summe ist also ein wenig Fingerspitzengefühl gefragt, wenn man die Einstellungen vornimmt oder im Laufe des Abends den Pegel mittels Prime Go erhöhen will. Hat man die Channel auf 12 bis 13 Uhr eingestellt und den Master bis zur extradicken 13-Uhr-Markierung  aufgedreht, sollte man in der Regel im sicheren Bereich sein bzw. bleiben.  

WiFi und Streaming Music

WiFi und Streaming Music Ich bin mit dem GO adhoc ins Grüne und WiFi-Streaming im Freien oder auf einer Outdoor-Party, beispielsweise am Baggersee oder auf einer Rooftop-Location hängt genauso wie Indoor natürlich vom vorhandenen Netz ab und ist somit vielleicht nicht immer möglich. Grundsätzlich aber bietet Denon DJ mit den kostenpflichtigen Streaming-Services von Tidal, Soundcloud GO+ und Beatport-Link ein solides musikalisches Fundament. Man kann zudem noch die Tidal, Soundcloud und Beatport Abspiel-/Download-Qualität beeinflussen. Die meisten Titel finden sich auf Soundcloud GO+ mit über 150 Millionen Tracks, DJ-Mixes und Remixes. Tidal bietet etwa 60 Millionen Titel. Für ein lokales Netzwerk oder eine Party in WLAN-freien Zonen bietet Beatport-Link, genau wie das aktuell noch nicht eingebundene Beatsource Link, eine Offline-Speicher-Lösung, wobei diese wiederum nicht unbedingt die Wedding- und Party-DJs dieser Welt ansprechen wird, sondern die elektronische Szene und Open Format DJs. Bis der Offline-Locker und Beatsource am Prime zur Verfügung stehen, soll es aber noch ein Weilchen dauern.

FX und Pads

Cuepoints lassen sich mittels Quantisierung zielgenau platzieren und abfeuern, Rolls und Loops triggern, manuelle Schleifen fängt man mittels Loop-Mode der Pad-Sektion ein, wahlweise quantisiert oder eben nicht. Sie werden dann auch gleich auf die entsprechenden Loop-Bänke gespeichert.  

Über den Jogwheels platziert, stören mich die Tasten dort nicht, schließlich müssen ja noch Cue und Play/Pause untergebracht werden und ich hätte die Platzierungen nicht gern getauscht. Man hätte sich seitliche Transporttasten mit mehr Breite erkaufen können. Muss aber nicht sein, passt schon (und gab’s ja auch schon öfter). Außerdem steht hier der „Performance Pad“ Faktor in Anbetracht der Größe der Konsole sicher nicht im Vordergrund, ich begrüße allerdings die Anwesenheit und dass sich Denon wie bei den großen Modellen gegen Klick-Klack-Buttons aus Hartplastik entschieden hat.

Mit den beiden Sweep-FX hat man einen Kompromiss getroffen, der für mich in Ordnung ist, jedoch wäre eine Einstellung via Preferences für die volle Palette des P4 begrüßenswert (Stichwort: Noise), sodass man die Möglichkeit hätte, seine beiden bevorzugten Sweep-FX selbst festzulegen. Trostpflaster hier: Die Haupt-Effektsektion kann auch für das Deck genutzt werden, warum man sie allerdings nicht als Master-FX nutzen kann, ist ein Rätsel. Auch täte Denon DJ gut daran, ein paar Build-up- und Breakdown-FX in die Prime-Serie zu integrieren, mit denen man ordentlich Alarm machen kann. Und das sind die vorhandenen Effekte

  • Reverb
  • Echo
  • Delay
  • Ping Pong
  • Auto Gate
  • Flanger
  • LFO-Filter
  • Phaser
  • Crush
  • Roll
  • Rev-Roll
  • Scratch
  • Hall

Was passiert eigentlich, wenn


... das Netzteil versehentlich getrennt wird?

Das Gerät schaltet auf Akkubetrieb um und läuft einfach weiter, sofern noch genug Akku-Power vorhanden.

... der USB-Stick hinten rausgezogen wird (versehentlich oder mutwillig)?

Es gibt einen Warnhinweis mit der Aufforderung, den Track wieder einzustecken. Geladene Tracks laufen weiter, einen Loop setzen kann man ebenso. Schiebt man den Stick – oder eine identische Sicherheitskopie, die man sich gegen Langfinger zugelegt hat – wieder ein, geht’s nahtlos weiter. Super.

... die W/LAN-Verbindung unterbrochen wird?

Der Go zeigt dann „Lost Connection“ an. Bereits gepufferte Titel bleiben erhalten, also bspw. auch der in Deck 2 gecuete, wenn grad noch Deck 1 läuft, sodass man eventuell noch Zeit hat, die Fehlerquelle zu finden oder erst mal auf USB umzusatteln. Einen Loop kann man natürlich auch setzen.

... der Akku leerläuft?
Dann ist natürlich Schluss, wenn ihr kein Netzteil oder ein zusätzliches Battery-Pack habt, das als Ersatz-Stromspeisung fungieren kann. Es gibt allerdings zuvor einen Warnhinweis, erstmalig ab 20 %, der Ladezustand ist ebenfalls im Display in Prozent ersichtlich.

... die Netzwerkverbindung genutzt wird?

Diese kann einerseits  als WiFi-Ersatz dienen oder zur Licht-Steuerung.

Denon DJ Prime Go ist also auch für "besondere Situationen“ gut gewappnet, womit er gerade im mobilen Einsatz oder als Backup-System weitere Punkte einfahren kann. Und die Konsole spart einfach, möchte man mit zwei Mediaplayer-Decks auflegen, wirklich Platz ein und ist auf Knopfdruck startklar. Man darf gespannt sein, wie die Konkurrenz auf das Konzept reagieren wird.

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