Test
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06.07.2019

Praxis

Unter Strom gesetzt gibt’s erst einmal eine Las Vegas reife Light-Show der Bedienelemente während des Boot-Prozesses. Das lässt Vorfreude aufkommen. Auch wenn der Prime 4 irgendwann Serato DJ kompatibel sein soll, das Gerät zudem externe CD/Vinyl-Player in den kunterbunten Mixreigen aufnimmt und somit das Zentrum eines DJ-Studios darstellen kann, ist „Standalone“ und „Engine“ das ausgerufene Primärziel der DJ-Workstation und dem wollen wir uns nun widmen.

Dateisysteme und Audioformate

Prime 4 unterstützt FAT32- und extFat-Laufwerke. Kein HFS, kein NTFS, was Mac- und Windows-User mitunter beachten sollten. Andererseits werden handelsübliche SSDs mit FAT32 ausgeliefert und sind, auch ohne die Notwendigkeit, diese zu formatieren, unter beiden Plattformen direkt lauffähig – kein Contra dafür. Was die abspielbaren Dateiformate angeht, gibt sich der Prime 4 nicht kleinlich und verarbeitet: AAC/M4A, AIF/AIFF (44,1 – 192 kHz, 16 – 32 Bit), ALAC, FLAC, MP3 (32 – 320 kbps, VBR), MP4, Ogg Vorbis und WAV (44,1 – 192 kHz, 16 – 32 Bit).

Vorbereitung der Musikstücke am PC nötig? Nö!

Analysiert werden darf on-the-fly oder via Engine-Software für PC und MAC, was wohl gerade bei umfangreichen Musikbibliotheken die komfortablere und schnellere Lösung darstellt. Aber wenn es aus irgendwelchen Gründen nicht am Rechner geht: Der Prime 4 berechnet die Musikstücke auch während des laufenden Betriebs, ohne dabei in die Knie zu gehen und ihr könnt die Listen auch dort bauen. Die Analyse am Gerät geht ziemlich zügig vonstatten. So benötigt Prime 4 etwa 20 Sekunden für einen 7 Minuten langen House-Track, selbst wenn ich alle Decks mit noch nicht berechneten Musikstücken belade, komme ich bei vier Titeln auf eine Zeit von 1:13 Minuten. Als Standalone-Einheit kann PRIME 4 Rekordbox-Libraries sogar nativ einlesen bzw. importieren. Dies betrifft Musik, Playlisten und Hotcues.

Sollte das Taktraster nach der Track-Analyse nicht korrekt sitzen, lassen sich via Beatgrid-Sektion Anpassungen vornehmen. So könnt ihr mit dem Jogwheel die Taktschläge des Rasters auf der Wellenform positionieren, dabei vor und zurück springen, das Grid verdoppeln und halbieren sowie resetten, nicht jedoch frei stauchen und dehnen.

Nach der on-the-fly Analyse durch den Prime 4 musste ich das Grid bei dem einen oder anderen Track anpassen, was problemlos vonstattenging und eine willkommene Lösung darstellt. Analysedaten und noch dazu am Gerät erstellte Hotcues und Loops sowie Playlisten, Crates etc. werden beim Auswurf auf den Datenträger geschrieben und in die Engine-Software übernommen. Vortrefflich.

Würden Denon jetzt noch eine Option einfügen, multiple Tracks oder ganze Datenträger via Selektion an der Hardware in einem Rutsch zu analysieren und nicht erst, wenn sie ins Deck geladen werden, das wäre der Knüller. Für alle, die Denons Preparation-Software noch nicht kennen: Werfen wir einen kurzen Blick auf Engine Prime.

Engine Prime …

ist eine Software, die es dem DJ erlaubt, seine Musiksammlung am Computer für die Verwendung an den Denon Mixstations und Mediaplayern, also Prime 4, MCX8000, SC5000 und SC5000M vorzubereiten. Hier lassen sich Playlisten und virtuelle Plattenkisten (Crates) anlegen, allerdings noch ohne Smart-Playlists (Bsp.: alle Techno Tracks ab 130 BPM von 2017 und 2018), dazu Loops deklarieren, speichern und labeln, Metadaten editieren usw.

Obendrein bietet das Programm zwei Preview-Decks mit Crossfader, sodass man auch mal checken kann, ob der Mix einer Playlist passt. In Engine Prime lassen sich einzelne Songs und ganze Ordner importieren, falls vorhanden sogar Serato-, Traktor-, Rekordbox- und iTunes-Bibliotheken, was einem den Umstieg definitiv erleichtert, denn Meta, Playlisten, Cues und Co. bleiben erhalten, nicht jedoch Software-exklusive Tags, versteht sich.

Habt ihr eure Daten importiert oder neu angelegt, ist es ein Leichtes, diese für den Prime 4 fit zu machen. Man muss lediglich die Crates, Playlists oder Tracks via Drag & Drop auf den Datenträger der Wahl exportieren und nach Betätigen des Auswurfknopfs stehen sie kurz darauf für den Prime 4 bereit.

USB-Ringelpiez

Nun ist also die Sammlung auf dem Stick exportiert und los geht’s. Der Speicher findet oben im zugehörigen Einschub Platz. Der Player erkennt ihn direkt, schlägt vor, die Engine-Database zu importieren und zeigt mir in der Folge zunächst alle Titel der Sammlung an. Etwas anders stellt sich dies dar, wenn ihr mehrere Sticks anschließt, denn dann müsst ihr erst einmal einen davon selektieren. Dabei ist es egal, wie viele Datenspeicher ihr angeschlossen habt, ihr könnt beim Auflegen jederzeit hin und her springen. Prima, wenn euch auf einer Feierlichkeit jemand bittet, einen mitgebrachten Track zu spielen. Außerdem kann so der nachfolgende DJ seinen USB-Datenträger anschließen und schon mal nach einem Folgetrack suchen.

Ja, und natürlich ist das auch praktisch, wenn man mit einem Kollegen im Wechsel spielt und jeder seine eigene Library mitbringt. Möchte man mit mehreren Datenträgern auflegen, muss man damit leben, ständig auf den Screen zu tippen, um die Quelle umzuschalten. Hier wären Direktzugriffstasten wie beim Pioneer XDJ-RX2 eigentlich nicht schlecht, jedoch sollte man sich fairerweise vor Augen halten, dass der Denon ganze sechs Speicheranschlüsse und nicht nur zwei hat und somit dann auch sechs Tasten, verbaut werden müssten, möchte man ohne Shift auskommen. Will man das wirklich?

Library-View

Der Touchscreen reagiert hervorragend, fast, als wenn man am Rechner arbeitet. Über den Bildschirm habe ich Zugriff auf Playlisten, Crates, Ordner und die (auf gezielte Tags adressierbare) Suche. Ebenfalls vorhanden sind die obligatorischen Filter „Genre, Artist, Album, PBM, Key“ und eine schönes großes QWERTY-Keyboard. Ein Hardware-Tastatur lässt sich ebenfalls anschließen, aus QWERTZ wird dabei QWERTY, das lässt sich nicht umstellen. Schaltet man die Tastatur im Performance-View ein, landet man danach wieder im Library-View.

Für die jeweiligen Listen (im Browser-View werden maximal sechs Titel angezeigt, vier mit eingeblendeter Tastatur) sind zehn gesonderte Sortierfunktionen an Bord, siehe Bilderfolge. Sehr nützlich, jedoch wäre es schön, könnte man für das Key-Sort einen Track/Key als Startpunkt/Ausgang definieren.

Das Umsortieren von Playlisten im laufenden Betrieb ist kein Problem. Einen oder mehrere Tracks auswählen, verschieben – fertig. Ähnlich leicht geht die Erstellung von Listen und Crates von der Hand: erstellen, benennen und via Drag & Drop befüllen. Easy. Schön wäre es noch, wenn mit einem nächsten Update die Funktion „Select All Tracks“ Einzug hält. Für Playlisten-Einträge bitte noch eine „Delete-Funktion“ nachreichen.

Am unteren Bildschirmrand finden sich gut zugänglich die Shortcuts zur Tastatur, zum Library- und Deck-View sowie dem Popup-Menü mit „Preferences, Utility, Record, Source“. Mittels Swipe von unten nach oben kann die Quantisierung, Stoppzeit und der Abspielmodus umgeschaltet werden. Im Continous Mode werden die Decks automatisch mit dem nächsten Track der Playlist nachgeladen (!). Super, wenn man mal unerwartet die Decks verlassen muss. Gemixt wird dabei aber nicht.

Durch einen Swipe nach links befördert ihr das ausgewählte Musikstück in die temporäre Prepare-Liste (nicht als Playlist exportierbar), streicht ihr nach rechts, dürft ihr hier auswählen, in welches Deck geladen wird. In die Player lädt alternativ auch das Load-Tastenduo (Instant Doubles konnte ich nicht ausmachen) in Kombination mit dem Browser-Encoder in der Mixersektion. Super, wenn man nicht ziehen und swipen möchte, zumal auch noch Vor- und Zurück-Tasten und eine Ansichtsumschaltung vorahnden sind, die auch zum Aufruf des Gerätemenüs dient. 

Performance-View

Es gibt eine 2- oder 4-Deck-Ansicht auf dem Screen, wonach sich auch die Breite der zentralen Playlist ergibt. Die 4-Deck-Funktion kann auch im Setup deaktiviert werden. Die mittlere Listenansicht passt sich dem aktuellen Suchfilter an, wenn von der Library zurück in den Performance-View geswitcht wird.

Die Playlist zeigt euch hier ebenfalls maximal (Stand: Juni 2019) sechs Titel an, mit Cover-Art, BPM, Key, Titelinfos, Rating. Hier darf die Musik ebenfalls per Swipe in die jeweilig aktiven zwei Decks (Umschalter) befördert werden. Sehr komfortabel.

Erweiterte Titelinformationen erhält man, wenn man den Finger auf der Trackinfo ruhen lässt. Eine Editierfunktion ist mir hier leider nicht aufgefallen. Im Screen gibt’s auch keine Möglichkeit, eigene Kommentare oder erweiterte Titelinformationen zu sehen. Besser wäre es, man könnte die angezeigten Metadaten selbst auswählen.

Im Performance-View werden bis zu zwei horizontal oder vier vertikal laufende Wellenformen mit BPM, Laufzeit und Tonart in den typischen Prime-Wellenformauslegung angezeigt, wobei die Gesamtübersicht immer für das aktivierte Deck verfügbar ist. Die Ausschnittbetrachtungen lassen sich per Pinch zoomen. In der höchsten Zoomstufe wirkt die Darstellung aber (noch) etwas verschwommen.

Je nachdem, ob ihr „Navigation“ und „Laden“ in den Preferences gesperrt habt oder nicht, kann in der Wellenübersicht bei laufendem Track oder nur im Cue-Modus via Finger gespult werden. Cue- und Loop-Labels werden zwar in der vertikalen Wellenform angezeigt, nicht jedoch in der Übersicht, wo sie für mich auch gut aufgehoben wären. Andererseits ist das Display eine wirklich gelungene Sache und das ist schon meckern auf hohem Niveau. 

Ich hatte ja vorhin noch erwähnt, dass es eine …

Menü-Taste

zu Preferences, Utility, Record und Source gibt, was ich hier kurzerhand per Screenshots abhandeln möchte, mit dem Hinweis, dass gerade die Recording-Funktion äußerst komfortabel zu bedienen ist. 

Resümee: Mit dem Screen lässt sich ohne Frage gut arbeiten und man hat sich schnell an den Touch-Workflow gewohnt, schließlich ist man das ja von Tablet und Smartphone nicht anders gewohnt. Dennoch hätte dem Prime 4 vielleicht am rechten Rand der Mike/FX-Sektion eine vertikale mit Shortcut-Buttons gut zu Gesicht gestanden. Was ich mir für den Performance-View noch wünschen würde, wäre die „klassische“ Frequenz-Kolorierung wie bei Serato DJ.

In the Mix

Zunächst muss man festhalten, dass der neue Denon-Bolide einem wirklich viel Raum zum Arbeiten gibt. Die Abstände der Bedienelemente zueinander sind großzügig gewählt. Die Fader laufen geschmeidig, die Pots kennen wir so vom X1800, die Tasten sind entsprechend ihrer Funktion passend gewählt und reagieren gut, da gibt’s nichts zu meckern und das visuelle Status-Feedback ist ausgezeichnet.

Egal ob man an dem Teil stehend arbeitet oder gar davor sitzt: Man kommt (zumindest ich mit meiner durchschnittlichen Größe und Armlänge) an alle Tools gut ran und der verstellbare Bildschirm sorgt für die passende Ablesbarkeit. Allerdings spiegelt der Screen auch und sollte ihr Outdoor, speziell auch mit der Sonne im Rücken auflegen wollen, empfehle ich auf jeden Fall, einen Schirm aufzustellen.

Standalone und extern

Jeder Kanal kann via Schalter am Frontpanel auf USB/Engine-Betrieb oder alternativ zu den digitalen Eingängen auf Line umgeschaltet werden. Möchte man mit Plattenspielern arbeiten, lässt sich der Input am Backpanel auf Phono schalten, was am Display unten angezeigt wird und ein Erlöschen des Jogwheel-Ringes zur Folge hat. Das Plattenspielersignal ist transparent und der Mix mit den internen Player ist kein Problem. Die Musikstücke bleiben beim Umschalten auf Line im Deck erhalten und werden zum Zeitpunkt der Umschaltung gestoppt, geht’s zurück auf USB, ist man quasi, wo man vorher war. 

Jogwheels, Pitch, Beatmatching

Das 150/130 mm große Jogwheel mit dem integrierten Display und dem beleuchteten LED-Ring fasst sich gut an. Damit lassen sich Jogwheels lassen sich die Tracks anschubsen und bremsen, wenn man manuelles Beatmatching betreibt. Kann aber nicht zu Hochgeschwindgkeitssuche genutzt werden. Liegt die Hand auf dem Vinyl, darf gescratcht werden (deaktivierbar). Die Ringe leuchten weiß bei Berührung (on air = nur weiß). Für die Handräder ist am Gerät jedoch keine Widerstandsregelung möglich und sie sind manchem Anwender vielleicht etwas zu leichtgängig, was sich besonders bei Backspins bemerkbar macht, die dreimal so lang laufen, wie beim XDJ-RX2 beispielsweise. Ob einem das entgegenkommt oder nicht, ist irgendwie auch Geschmackssache. Der Teller setzt Bewegungen akkurat auf die Tracks um. Mit den Displays in den Jogwheels werden die Teller auch nach Stunden gerade mal handwarm, das ist okay. Schickes Ding.

Bei manuellem Beatmatching ist der Pitchfader unerlässlich, Er fühlt sich klasse an und er arbeitet sehr feinfühlig. Die Range reicht von 4 bis 100 % und man kann auf 1-2 Hundertstel genau das Tempo einstellen. Die gut funktionierende Master-Tempo-Funktion behält die Tonart bei, auch hier zeigt sich der Prime von der besten Seite. Key-Shifting kann wie gesagt via Touchscreen in Semitonschritten erfolgen. Key-Transpose erfolgt via tippen auf den Screen. Hier hätten Denon durchaus die Performance-Pads einbeziehen können, um eine Art Pitch-Play zu erzeugen, mit dem man unterschiedliche Tonlagen über die Pads spielen kann.

Dazu einige Audiobeispiele

Autosync und Beatgrid

Sitzt das Beatgrid, funktioniert die Taktsynchronisation auf Knopfdruck problemlos, wobei ihr zwischen drei unterschiedlichen Sync-Modi (BPM, Beat, Bar) auswählen könnt. Ihr könnt das Master-Deck allerdings aufgrund der fehlenden Master-Taste nicht bei laufender Synchronisierung festlegen. Stattdessen werden die Decks auf den Titel gematcht, bei dem als erstes Sync aktiviert wurde.

Auch bei intensiven Juggles, Scratches oder Spins (das noch vorab) oder Pad-Aktionen marschiert die Konsole. Die Performance stimmt. Mit dem Prime 4 zu arbeiten, macht wirklich Laune. 

Mikrofonsektion

Hinten angeschlossen, oben eingestellt. Mike 1 hat einen Dreibänder spendiert bekommen, Mike 2 einen HiQ und LowQ, jeweils mit +/-15 dB justierbar, mit Echo-Effekt und einstellbarer (Level, Resume) Talkover-Funktion belegbar, wobei das für beide Kanäle gleich ist, genau wie der Echo DRY/WET. Jeder Mikrofongruppe wurde ein Einschaltknopf angedacht, was einem lästiges Ein- und Auspegeln erspart. Dazu ist eine Dämpfungseinstellung vorhanden, die von 0 bis -15 dB reicht.

In der Mikrofonsektion können die EQ-Frequenzen (noch) nicht verändert werden. Ferner hätte ich es begrüßt, hätte man den Mikes ein Reverb spendiert. Davon abgesehen kann man der Entwicklungsabteilung sicher ein Lob aussprechen. On Top dürft ihr noch festlegen, ob die Mikes zum Booth geschickt werden. Jeder Mikrofon-Gain besitzt eine Peak-LED, die vor Übersteuerung warnt – spätestens bei gelb heißt es aufpassen.

Dreifaches Playout dank Zone

Alle Regelmöglichkeiten für die XLR-Output-Level befinden sich in einer Sektion. Da braucht man nicht lange zu suchen. Die Booth- und Zone-Regelung ermöglicht, unterschiedliche Pegel für die Hauptanlage, die Monitorboxen und einen weiteren Saal direkt vom Pult einzustellen. Der Master ist auf mono schaltbar, ferner dürft ihr festlegen, ob das Mikrofonsignal auf Master, Booth oder beides ausgespielt, für den Zone-Out und die Booth gibt es einen Zweiband-EQ, um den Sound anzupassen. Sehr schön.

Eigene Zone-Playlist möglich

Eine Besonderheit ergibt sich im Zusammenspiel mit dem Zone-Out-Button. Ihr habt nämlich die Möglichkeit, den kompletten Mix an den Zone-Out auszuspielen oder ihr definiert eine Crate oder Playliste für diesen Kanal. Dann könnt ihr Deck 4 nicht mehr zum Mixen nutzen. Hier erscheint dann auf dem Screen eure Playliste. Die Eingriffsmöglichkeiten und die Darstellung sind an dieser Stelle ziemlich limitiert. Man kann durch die Playlist skippen und Tracks starten und stoppen, jedoch den Kanal nicht abhören und es werden auch keine Laufzeiten angezeigt. Außerdem wäre es nicht schlecht, wenn der Zone-Out zumindest eine Automix-Funktion mit wählbarer Übergangszeit und/oder Mix-FX zur Seite gestellt bekommen hätte. Hier sehe ich Potenzial für Optimierungen.

Beat-FX

Der Blick streift gen Norden und kommt zur Deck-FX-Sektion, ein weiteres Highlight am Prime 4, da es nicht nur die üblichen Regler gibt, sondern auch noch Displays dazu, die anzeigen, was gerade genau getweakt wird. 14 FX sind an Bord und es ist eine ausgewogene und gut klingende Mischung vorhanden. Reverb, Echo, Delay, Hall Echo, Ping Pong, Auto Gate, Flanger, Filter, Phaser, Bitcrusher, Roll, Rev-Roll, Beat Breaker, Scratch.

Die Frequenzzuweisung der jeweiligen FX darf über ein Poti stufenlos angepasst werden (alle Bänder, unter 400 Hz, über 800 Hz zum Beispiel). Ob man mit Hi/Mid/Low-Freq-Tasten à la DJM lieber mag und ob man lieber FX auf dem Master oder FX auf dem Channel mag, ist natürlich auch eine Frage der persönlichen Arbeitsweise, allerdings wäre es schon schön gewesen, könnte man die FX mit vorhören, was allerdings nicht geht. Master-FX oder Beat-FX wie beim 1800er gibt es nicht, stattdessen sind die 14 Deck-FX in zwei Sektionen jedem einzelnen Deck zuweisbar, also auch den externen Signalen. Wechselt ihr den Effekt, schaltet sich der nächste FX erst einmal aus. Klanglich wird man hier nicht enttäuscht, weder in der Auswahl noch im Sound. Dennoch wäre die Zuweisung auf den Mix und die Mikros nicht schlecht gewesen. Ein Build-up auf den Gesamtmix zu legen, ist so nur möglich, indem der FX-Kanal auf sämtlichen beteiligten Decks aktiviert wird. Vielleicht nicht für jeden relevant, aber dennoch möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass man die FX-Displays sitzend schlecht lesen kann, da die Regler vor und nicht hinter den OLED-Anzeigen sitzen.

Channel-FX

Filter, Noise, Wash und Echo sind hier vertreten. Sie lassen zwar leider einen dedizierten Parameter-Regler vermissen, aber sie sind anwenderfreundlich parametrisiert und das Setup lässt kleinere Einstellungen zu, was jedoch aus Workflow Aspekten besser per Parameter-Regler umgesetzt wäre. 

Loop Sektion

Ein Autoloop-Encoder und zwei In-Out-Tasten. Da gibt’s nicht viel zu zu sagen. Habt ihr hier einen Auto-Loop gesetzt, lässt sich dieser ganz unkompliziert auf ein Pad speichern. Vielleicht noch zu erwähnen, dass Anpassung der Loops via Jogwheel-Flanken noch nicht möglich ist. Bitte nachreichen.

Das Beat-Jump-Feature ist hier nicht auf den Pads zu finden (vielleicht werden die ja noch für etwas anderes gebraucht), sondern zwei Tasten auf halblinks. Praktisch, um bestimmte Songpassagen zu überspringen, aber es kann nicht separat von der Autoloop-Länge festgelegt werden. Das führt uns zu den …

Performance Pads

Sechs Modi an der Zahl sind vertreten: Hotcues, Saved Loops, Autoloops, Rolls, Slicer (Loop und normal). Zwei Bänke sind frei, das wäre doch was für Pitch-Play oder FX-Kombis. Mal sehen, ob und wenn ja dann was noch nachgereicht wird. Über die Parametertasten können die Performance-Modi zum Teil variiert werden, besser gesagt der Slicer und die Rolls. Im ersten Fall aber nur zusammen (Domain, Length).

Triggern lassen sich die Pads sehr gut und das Farbspiel ist prächtig. Für die bessere Platzierung von Cuepoints wäre mitunter auch ein Single-Deck-View nicht schlecht, aber immerhin kann man sich mit Snap-to-Grid/Quantisierung helfen lassen, so es denn auf dem Takt sein soll.

Stichwort Sampler? Ja, ein Sampler-Modus, vielleicht sogar mit integrierter Splice-Unterstützung, so wie es bei der Force der Fall ist, das würde dem Prime noch gut zu Gesicht stehen. Okay, ist vielleicht nicht für jeden DJ und jede Art der Veranstaltung nötig, wäre aber dennoch nice to have. 

In puncto Klangqualität habe ich nichts am Prime auszusetzen. Der Sound ist druckvoll, die Mikrofonwege sind rauscharm, Signale werden ohne Störgeräusche eingebunden, Grundrauschen ist quasi nicht existent, der Turntable-Sound ist gut und der Mischer kommt mit einem musikalischen, konfigurierbaren EQ daher und die FX reihen sich positiv ins Gesamtbild ein. Den Sound komplett zu überfahren, ist dank des integrierten Limiters Schwerstarbeit.

Die Kopfhörersektion liefert einen transparentes Bild und macht richtig Dampf. Die Lautstärke darf sogar via Setup-Menü um plus/minus 10 dB variiert werden. Split-Cue, Volume und Cue-Mix sind ebenfalls zugegen. Prima. Einzig, dass man nicht in den Zone-Output reinhören kann, finde ich sehr schade.

Setup und Sicherheitsvorkehrungen

Im Setup-Menü gibt es vier Optionen, darunter auch die Preferences und Utilities, um Benutzer- und Systemeinstellungen festzulegen. Das reicht von Mischpulteinstellungen zu den Mikrofonen, den Signalausspielungen auf diverse Kanäle oder X-Over-Frequenzen der EQs und Filter-Tweaks bis hin zu Track/Deck-spezifischen Dingen wie Loop- und Sync-Modus, Key-Notation, BPM-Filtertoleranz etc.

Und wenn mal der Strom ausfällt?

Der Prime signalisiert euch mit einem roten Warndreieck, falls der Stecker versehentlich gezogen wurde – und natürlich durch den sofortigen Tonausfall, gefolgt von einem mehrsekündigen Prozess des Herunterfahrens und dem sicheren Systemauswurf der USB-Datenträger. 

Das Zeitalter des Emergency-Loops scheint man bei Denon übrigens hinter sich gelassen zu haben, denn nach abruptem Entfernen der beiden Datenträger (von jedem liefen zwei Titel) spielte jedes Musikstück bis zum Ende ab. Es scheint also einen integrierten, nicht zu knapp bemessenen Puffer zu geben, was vor dem Hintergrund des anstehenden Streaming-Features sowieso sinnvoll ist.

Ausblick, Serato, Streaming und DVS?

Bald soll auch die umfassende Steuerung für Serato DJ Pro möglich sein und die Konsole soll Streaming-Media abspielen können, also Musik von Beatport und Beatsource, Tidal und Soundcloud (zur Meldung). Das deckt ein recht breites Spektrum ab. Der WiFi-Chip ist bereits integriert und wird in Kürze via Firmware-Update freigeschaltet.

Man kann geteilter Meinung darüber sein, ob der DVS-Betrieb für DJs bei einer Konsole wie dieser sinnvoll ist oder nicht, aber wenn schon eine DJ-Software dies kann, warum es nicht auch „erlauben“. Logo, die Wege zum Turntable sind schon aufgrund der Decks ziemlich weit, aber schaden kann’s ja nicht.

Zum aktuellen Zeitpunkt klappt das Zusammenspiel mit Serato und Prime noch nicht, aber wir liefern den Test, so uns dann ein Gerät zur Verfügung steht, gern nach. Das Gleiche gilt auch für die Streaming-Pläne. Die Serato-Implementierung dürfte sehr spannend werden. Besonders die Frage, ob neben der obligatorischen Library und den Decks mit Waveforms und Co auch Plug-ins wie Serato Video von der Anzeige unterstützt werden oder ob die integrierten FX bei Nutzung von Serato deaktiviert werden und mehr. Lassen wir uns überraschen. 

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