Workshop
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28.04.2018

Cubase 9.5 Crashkurs #1 – Gesang und Instrumente aufnehmen

Workshop: Perfekte Recordings mit Cubase

Vocal- und Instrumenten-Aufnahmen für Einsteiger

In diesem ersten Teil des Cubase-Workshops zeigen wir euch, wie ihr Audiorecordings in Steinberg Cubase aufnehmen könnt. Doch bevor ihr mit dem Recording loslegen könnt, sind wichtige Einstellungen notwendig, damit die Signale überhaupt erst in die DAW gelangen können. Dieses Tutorial führt euch step-by-step durch die optimalen Einstellungen, damit eurem ersten Demo nichts mehr im Wege steht. Ob ihr Vocals oder Instrumente aufnehmen wollt, spielt dabei keine Rolle.

Selbst wenn ihr mit dem ersten Projekt nicht gleich Platz 1 der Single-Charts belegt, die Aufnahme der eigenen Performance ist perfekt geeignet, um die eigene Spielweise und Gesangsperformance zu kontrollieren. Auch wenn ihr einfach mal eine Idee im Kopf habt und sie schnell in guter Qualität aufnehmen wollt, sollten die wichtigsten Einstellungen schon gemacht sein, um der Kreativität freien Lauf lassen zu können.

Deshalb schauen wir uns einmal an, welche Einstellungen notwendig sind und wie wir in Cubase Aufnahmen durchführen können.

Ein neues Projekt anlegen

Nach dem Start von Cubase erscheint zunächst der Steinberg Hub. Dieser zeigt uns auf der linken Seite News wie Softwareupdates und auch den Quickstart-Screen, in dem Tutorials zur jeweiligen Cubase-Version dargestellt werden. Auf der rechten Seite wiederum werden uns die Vorlagen angezeigt, die zum einen von Steinberg vorgefertigt sind und zum anderen von uns selbst angelegt werden können. Letzteres ist besonders sinnvoll, da die vorgefertigten nicht unbedingt auf eure individuellen Bedürfnisse zugeschnitten sind – zumal sie auch oft überladen sind mit Instrument-Spuren und Plug-ins, die ihr für eure Aufnahme nicht zwingend benötigt. Daher empfiehlt es sich, eigene Vorlagen anzulegen, die dann beim Start von Cubase in zukünftigen Projekten geladen werden können.

Zunächst beginnen wir wie beim Schreiben eines Textes am besten mit einem leeren Blatt Papier, in diesem Fall einem leeren Projekt. Wir wählen unter „Andere“ das Projekt „Empty“ und geben unter „Projektordner“ einen Namen ein, um unser Projekt später schneller wiederzufinden. Der Speicherort für unser Projekt kann nach Bedarf geändert werden. Durch einen Klick auf „erzeugen“ wird unser leeres Projekt angelegt.

Voreinstellungen der DAW

Nichts zu sehen, nichts zu hören? Gut, dann habt ihr bis hierhin alles richtig gemacht. Damit unsere Performance in die DAW gelangt, müssen wir zunächst die Eingänge konfigurieren. Dazu schauen wir unter „Studio → Studio Einstellungen“ und navigieren zum „VST-Audiosystem“. Hier können wir unter dem Punkt „ASIO-Treiber“ unser Audio-Interface auswählen.

Weiter unten beim „VST-Audiosystem“ erscheint nun der Name eures Interfaces. Hier stellt ihr unter „Einstellungen“ eine niedrige Puffergröße ein. Der I/O-Puffer sollte für die Aufnahme so klein wie möglich gewählt werden, allerdings dürfen auch keine Knackser oder Aussetzer in der Aufnahme verursacht werden, was bei einer zu kleinen Puffergröße der Fall wäre. Für die meisten heutigen Systeme liefern Werte zwischen 64 und 256 Samples gute Ergebnisse.

Bei geringen Buffer-Sizes ist es somit ohne Problem möglich, sich auch „durch Cubase“ ohne wirklich spürbare Verzögerung zu hören. Sollte euer Audiointerface aber auch die Möglichkeit eines Direct- (also Hardware-) Monitorings bieten, gibt es natürlich keinen Grund, darauf zu verzichten.

Um in bestmöglicher Qualität und Dynamik aufnehmen zu können, solltet ihr zusätzlich unter „Projekt → Projekteinstellungen“ die Bit-Auflösung auf 24 Bit und die Sample-Rate auf 44,1 kHz bzw. auf ein Vielfaches davon setzen – je nach Audiointerface. Mehr über die Theorie in der Musikproduktion erfahrt ihr beim Workshop meines Kollegen Felix Klostermann „Digital Audio und Recording“.

Spur anlegen

Um das Eingangssignal wie Gesang oder Instrumente auf einer Spur aufzunehmen, müssen wir diese zunächst unter „Projekt → Spur hinzufügen → Audio“ anlegen. Unter „Konfiguration“ wählen wir Mono und belassen die Anzahl zunächst bei einer Spur. Durch einen Klick auf „Spur hinzufügen“ wird unsere Audiospur erzeugt. Gleichzeitig öffnet sich auf der linken Seite der Inspector, in dem wir nun einen Input für unsere Spur auswählen, von dem aufgenommen werden soll. Befindet sich euer Instrument oder Mikrofon im Eingang 1 von eurem Interface, wählt ihr diesen an.

Wichtiger Hinweis: Für den Fall, dass hier nur der Stereo-Input erscheint, müssen wir Cubase noch die Eingänge von unserem Interface zuweisen. Dazu wählen wir unter „Studio → Audioverbindungen“ den Reiter „Eingänge“ aus. Hier erscheint zunächst selbiger Stereo-Input Links/Rechts, den wir nun in Mono-Eingänge ändern können. Im Preset-Menü werden uns hierzu passende Vorlagen angezeigt. Statt in den Voreinstellungen können die Eingänge auch alternativ mit einem Rechtsklick manuell gelöscht und ebenso neue Eingänge angelegt werden. Wichtig ist hierbei, dass ihr Mono-Inputs hinzufügt und diese auch mit dem Geräte-Port eures Audiointerfaces übereinstimmen, also Bus-Name: Mono In 1 = Geräte Port: In 1. In den VST-Verbindungen können übrigens auch die Ausgänge zugewiesen werden. Die gute Nachricht ist, dass diese Prozedur nur einmal durchgeführt werden muss, da Cubase diese Zuweisungen speichert.

Spätestens jetzt erscheint im Inspector unserer Spur der Mono-Input 1, den wir nun auswählen, um den ersten Kanal unseres Audio-Interfaces aufzunehmen.

1. Los geht‘s: Spur aufnahmebereit schalten

Nachdem alle Einstellungen gemacht sind, aktivieren wir die Spur für die Aufnahme mit einem Klick auf das rote Record-Symbol unserer Spur.

2. Stimmgerät für Instrument laden

Um Vocals aufzunehmen, könnt ihr diesen Punkt natürlich überspringen, für Gitarre oder Bass ist diese Möglichkeit aber interessant, da auch bei bereits verkabelten Instrumenten schnell noch mal mit dem Tuner-Plug-In nachgestimmt werden kann – falls nötig. 

Cubase ist, wie viele DAWs, standardmäßig mit einem Stimmgerät ausgestattet. Im Inspector fügt ihr es unter „Insert-Effekte → Tools → Tuner“ hinzu. Jetzt könnt ihr mit dem Stimmen eures Instruments loslegen. 

3. Metronom aktivieren und Tempo einstellen

Um zu einem festen Tempo spielen zu können, aktiviert ihr in der Transportleiste das Metronom. Mit anliegendem Pfeilsymbol gelangt ihr bei Bedarf zu den Metronom-Einstellungen, in denen ihr weitere Optionen wie Click-Sounds und -Patterns anpassen könnt. Wenn ihr die drei kleinen Punkte neben dem Pfeilsymbol anklickt, kommt der Vorzähler hinzu, der euch das Projekt einzählt, bevor die eigentliche Aufnahme startet. Diesen solltet ihr vor dem Recording aktivieren, um von Beginn an im Timing zu bleiben.

4. Groove laden in Cubase 9

Wer anstatt zum Metronom lieber gleich zu einem Groove spielen möchte, ohne einen Beat programmieren zu wollen/können, kann sich unter „Medien → Loop Browser“ aus der Cubase-Library einen Groove im Handumdrehen ins Projekt laden. Die mitgelieferte Media Bay liefert genreübergreifend einiges an vorgefertigten Drum-Grooves und Melodien, die zum schnellen Songwriting beitragen können. Habt ihr beispielsweise einen passenden Drum-Groove als Intro gefunden, könnt ihr ihn mit einem einfachen Doppelklick in euer Projekt laden, wodurch eine MIDI-Spur inklusive MIDI-Noten erzeugt wird. Um weitere Parts wie Vers, Chorus und Ending hinzuzufügen, wählt man den entsprechenden Loop und kann ihn ganz einfach per Drag & Drop auf die erzeugte MIDI-Spur ziehen.

Hören wir doch mal rein, was uns die MediaBay in Cubase an Drums zu bieten hat. Ich habe hier drei kurze Drum-Arrangements per Drag & Drop aus der MediaBay zusammengestellt.

Mit den vorgefertigten Loops kann zwar kein individuelles Arrangement gezaubert werden, jedoch liefern sie zum Songwriting genug Material, um kleine Arrangements zu erstellen, die natürlich nach den eigentlichen Aufnahmen wieder gelöscht und durch selbst eingespielte oder programmierte Spuren ersetzt werden können. Als kleine Starthilfe sind sie also durchaus zum Arrangieren geeignet.

5. Achtung, Aufnahme!

Wählt bei der aufzunehmenden Spur „Aufnahme aktivieren“. Mit einem Klick auf das Record-Symbol in der Transport-Leiste (bzw. Tastatur-Kommando „*“) startet der Vorzähler und die Aufnahme beginnt.

Um die Aufnahme zu stoppen, betätigt man ganz einfach das Stop-Symbol oder die Leertaste auf der Tastatur. Im Transportfeld kann mit der Zurück-Taste an den Anfang der Aufnahme gesprungen werden, um diese dann mit dem Play-Button abzuspielen. Die Tastaturkommandos sind hierfür „Umschalt + B“, um zum Anfang zu gelangen, und die Leertaste, um die Aufnahme abzuspielen.

Damit ihr diese Prozedur nicht nach jeder Aufnahme durchführen müsst, könnt ihr die Aufnahme nach jedem Durchlauf in Schleife aufnehmen. Dazu wählt ihr im Transport-Fenster das Cycle-Symbol und setzt die „Locator“ in der Zeitleiste über den Spuren. Diese werden ganz einfach durch eine Markierung mit der Maus, beispielsweise von Takt 1 zu Takt 8, ausgewählt. Startet ihr nun die Aufnahme, legt Cubase einen „Take-Ordner“ an, in dem alle Durchläufe unserer Aufnahmen (Takes) aufgeführt sind. Mit der Maus lassen sich nach der Aufnahme die besten Takes auswählen.

Und schon seid ihr mit eurer ersten Aufnahme inklusive Beat in Cubase 9.5 fertig. Im nächsten Teil dieses Workshops erfahrt ihr, wie ihr mithilfe von MIDI-Noten eure ganz eigenen Beats produzieren könnt. Bleibt dran!

Hier geht es zur Startseite „Crashkurs Cubase 9.5“ und zu den anderen Folgen.

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