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06.06.2013

Buchtipp: Tony Iommi "Iron Man" Autobiographie

Über Black Sabbath, Ozzi und wie man Gitarrenheld wird

Ob Eddie Van Halen, Brian May oder James Hetfield: Viele Gitarrenhelden sehen in Tony Iommi den wahren Vater des „Heavy“ im Metal. In seinem Buch „Iron Man“ bekommt man den autobiographischen Background zum legendären Sound...

Feuer und Wasser, Yin und Yang, Heaven and Hell – Iommi und Osbourne. Dieses Jahr kommt nach 35 Jahren erstmals wieder ein Black Sabbath Album mit Ozzy am Mikrofon. Die Herren waren sich eine Zeit lang geschäftlich nicht so grün – gerade wenn man auch Ozzys Autobiographie (Buchtipp HIER) gelesen hat, wird es also „höllisch“ interessant. Beim Lesen fällt auf, dass bei Tony einige Ereignisse in einer leicht anderen Reihenfolge sind. Man bekommt einen anderen Blickwinkel auf die Sabbath Geschichte: Wie man auch bei Ozzy nachlesen konnte, wären Black Sabbath ja beinah schon vorbei gewesen, bevor sie überhaupt ihren Namen gefunden hatten: Tony wurde nämlich von Jethro Tull abgeworben. In „Iron Man“ bekommt man die Inside-Story, und was zu seiner Rückkehr führte – Wie sich für ihn alles irgendwie „falsch“ anfühlte, Jethro Tulls Sänger Ian Anderson an seinem eigenen Tisch getrennt von der Band zu speisen pflegte, und ihm gesagt wurde, er solle sich doch glücklich schätzen, mitspielen zu dürfen. Da wollte Tony doch lieber eine eigene Band mit seinen „Mates“...

Genau wie Ozzy geht Tony mit 15 von der Schule ab und schlägt sich mit Jobs durch. Seine Eltern wollen, dass er etwas „Richtiges“ macht, doch Tony will lieber Gitarre spielen. Mit 18 – noch bevor Black Sabbath als „Polka Tulk Blues Band“ zusammen finden – ist am Vortag seines ersten richtigen Engagements als Gitarrist für eine Tour durch Europa die ganze Karriere eigentlich vorbei: er verliert bei einem schweren Unfall im Stahlwerk die Fingerkuppen seines Mittel- und Ringfingers der rechten Hand. Für einen Linkshänder eigentlich das AUS! Tony ist verzweifelt und frustriert, mag auch keine Musik mehr hören. Dann schenkt ihm sein ehemaliger Chef eine Schallplatte des legendären Gitarristen Django Reinhardt: „Das solltest du dir anhören, der spielt Gitarre mit ZWEI Fingern!“ Das inspiriert ihn, er bastelt sich schließlich sogar künstliche Fingerkuppen, stimmt seine Gitarre runter, sucht extra dünne Saiten – und kreiert so fast schon nebenbei einen ganz eigenen Sound. Der Rest ist Legende.

Apropos Legende: Black Sabbath sah sich ja immer wieder Satanismus-Vorwürfen ausgesetzt. Tony erzählt wie es dazu kam, distanziert sich aber auch: Man war sich der Tragweite gar nicht bewusst, fand das erste Cover mit dem umgedrehten Kreuz innen einfach schick, als es angeboten wurde. Erst als sie von der Szene vereinnahmt werden, wiederholt zum heiteren Satanbeschwören geladen werden, und der britische Satanistenführer sich mit ihnen treffen will, steuern sie gegen. Einmal werden sie im Hotel von Satanisten förmlich belagert, sie sitzen im Kreis und haben Kerzen angezündet. Die Band geht kurzerhand zu ihnen hin, bläst die Kerzen aus und singt „Happy Birthday“. (auch hier macht man sich erst später über die möglichen Konsequenzen Gedanken). Seit der Zeit hatten Black Sabbath übrigens die von Ozzys Vater gemachten Alu-Kreuze um. Natürlich erzählt Tony auch über seinen Weg und die Zeit nach Ozzy (mit dem inzwischen leider verstorbenen Ronnie James Dio) und den Umbesetzungen in der Band – die Biographie endet offen mit Ozzie, der sagt, er „würde wieder gern was machen“... 

Diese Lebensgeschichte eines der wichtigsten Gitarristen im Heavybereich ist sehr schön geschrieben – und so ganz anders, als das Buch von Ozzy. Natürlich gibt es auch jede Menge Anekdoten, aber mich haben am meisten Tonys Gedanken zum Gitarre spielen und zur Musik im Allgemeinen interessiert, von allem gibt es reichlich. So räumt er mit dem Mythos auf, dass man dicke Saiten braucht um Heavy zu klingen: Er konnte wegen seines Unfalls nie welche spielen, alle Heavy Sabbath Riffs spielt er auf dünnen Saiten. Der Ton kommt eben doch aus den Fingern! Es gibt seit 2012 eine deutsche Fassung – ich habe es aber mal wieder beim englischen Original belassen, das sehr gut verständlich geschrieben ist. Ein Lesetipp nicht nur für Sabbath Fans...

INFO

Deutsch

Verlag: Hannibal Verlag (Mai 2012)

Gebundene Ausgabe, 384 Seiten

ISBN: 978-3854453833

Englisch

Verlag: Simon + Schuster UK (Oktober 2011)

Taschenbuch, 383 Seiten

ISBN: 978-0857201522

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