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Buchtipp: Joey Kramer – Hit Hard

Über 100 Millionen verkaufte Alben, viele weltweite Mega-Tourneen – und seit 1970 (!) Schlagzeuger von Aerosmith, einer der größten Rockbands überhaupt. Klingt nach einer absoluten Traumsituation für einen Musiker. Oder?

Den Tiefpunkt erreichte er ausgerechnet mitten im Comeback ...
Den Tiefpunkt erreichte er ausgerechnet mitten im Comeback …


Leider weit gefehlt: „Ich habe meine Drums vor 80.000 extatischen Fans gespielt und bin in meiner eigenen Kotze ohnmächtig geworden. Ich bin im Privatjet getourt, in Limos gefahren, und hatte so gut wie jedes Mädel für so gut wie alles. Aber ich habe auch in rattenverseuchten Dreckslöchern gewohnt, war in einem brennenden Wagen gefangen, wo ich mir Verbrennungen 3. Grades am ganzen Körper zuzog, habe hundertausende Dollar an Schulden angehäuft, und es erlebt, wie mein Vater einen langsamen, qualvollen Tod starb. Aber noch nie hatte ich so etwas gefühlt, wie diese Depression, die mich zu Steps brachte … diesmal gab es nur mich und meinen Schmerz, und ich sah keinen Ausweg.“ (Übersetzt aus der Einleitung).  
1997, mitten im großen Aerosmith Comeback mit Nummer 1 Album und ausverkaufter Welttournee, zerreißt Joey Kramer eine Depression lebensbedrohlichen Ausmaßes – nach Jahren der Abstinenz und des Clean-Seins. Er ignoriert die Warnzeichen, bringt seine Frau zum Flughafen, die auf eine lange geplante Indienreise geht, und schafft es danach nur dank guter Freunde noch gerade rechtzeitig in die “Steps” Klinik. Er ist sich selbst und seiner unendlichen Traurigkeit schutzlos ausgeliefert, und braucht lange, um sich zu erholen. Diese Autobiographie ist ein mutiges Buch – Drogen, Alkohol und Groupieexzesse kennt man ja von Musikerlebensgeschichten. Joey Kramer traut es sich aber, über seine Depression zu schreiben. Nikki Sixx schreibt im Vorwort dazu: „Joey hatte die Eier, zu sehen was unter der Motorhaube los ist, und es in Ordnung zu bringen. Im Vergleich dazu war Rockstar sein ein Kinderspiel.“ Der Aerosmith Drummer schreibt, wie er fassungslos im Dunkel seiner eigenen Depression gefangen ist, und wie er dann doch die Kraft findet, sie anzugehen.
Aber natürlich geht es nicht nur darum: das Buch beginnt mit Joeys nicht ganz leichter Kindheit, und wie er im Alter von 12 das Schlagzeug spielen für sich entdeckt. Dann der ganze Weg von Aerosmith, er war ja ab der ersten Stunde dabei – und hat sich, wie er schreibt, den Namen einfallen lassen. Man vergisst immer wieder, dass diese Band mit zu den langlebigsten in der Geschichte des Rock gehört – und dass diese Herren schon zu Zeiten der Beatles Musik gemacht haben. Als das Fernsehen noch schwarzweiß war …  viele Bilder runden die Story ab, wobei der Fokus auf Joey liegt – Drummer kommen hier also voll auf ihre Kosten!
“Hit Hard” kam 2009 noch vor Steven Tylers Memoiren raus – ich habe es aber erst jetzt gelesen. Auf jeden Fall wieder ein Tipp für alle, die sich für die Geschichte des Rock aber auch die menschliche Seite hinter dem Rockstar-Image interessieren. Gut gefielen mir auch die Einblicke in die Band-interne Dynamik: manchmal macht man sich das Leben echt unnötig schwer. Leider ist dieses Buch bis jetzt nur auf englisch erhältlich.

Info
Verlag: HarperOne, Taschenbuch, 256 Seiten, Auflage 2010
ISBN: 978-0061566622

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von Ralf Schluenzen

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