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Buchtipp: Luke Haines – Bad Vibes

Britpop – da fällt einem natürlich sofort Oasis ein – vielleicht noch Blur oder Suede oder der später angetretene Glamour-gestählte Pete Doherty, dessen Band Libertines vor allem durch seine Kapriolen in den Schlagzeilen war (gab’s da auch Musik?). Luke Haines war Frontmann einer weiteren Kombo, die es nicht so weit bringen konnte: Beinah ganz oben, und schnell vergessen. Trotz Titelgeschichten im Melody Maker. Eine Musikergeschichte von einem, der es FAST geschafft hat.  

Die Karotte des Erfolges war schon ganz nah ...
Die Karotte des Erfolges war schon ganz nah …


In den 90ern war die Szene noch anders als heute, man konnte noch Geld verdienen mit CD-Verkauf, die Majorlabels investierten noch auf die „gute alte Art“. Und es ist nicht so, dass die Auteurs keinen Erfolg hatten – 1993 starteten sie gleich mit dem ersten Album „New Wave“ gut durch, vor allem in Frankreich. Allein damit war Luke also schon weiter als 98% der restlichen Musiker, damals wie heute. 1994 wurde er sogar für den Mercury Music Prize nominiert – der dann leider an Suede ging. Und dieses „beinah“ zieht sich weiter durch seine Karriere …  
Die Geschichte fängt 1985 mit seinem Umzug nach London an, und dem Beginn eines Studiums am London College of Music – nachdem er vorher von der „normalen“ Schule geflogen war. Passenderweise bezieht er pünktlich zum Wochende der Brixton Riots seine neue Bleibe. Mit seiner ersten Band „The Servants“ erlebt er eine Enttäuschung (übersetztes Zitat aus dem Buch): „Vier Jahre des Aufnehmens von Songs, die keiner hört. Gigs zu denen keiner kommt. Fotos, die niemand sieht. Vier lange Jahre von der Stütze leben. (…) Vier lange Jahre und eine Single in ’89 mit dem Titel „It’s My Turn“ (war es nicht), und ein Album – existentieller Art Rock , 10 Jahre zu spät und 15 Jahre zu früh – mit dem in unnachgiebiger Selbsterkenntnis verliehenen Titel „Disinterest“. Vier lange Jahre. Sechs Bassisten, drei Drummer und zwei uninteressierte Plattenlabel.“ Er kommt ins Nachdenken, er ist inzwischen schon 24, und am Ende seiner Kräfte – aber er kann es nicht lassen (welcher echte Musik-Autist kennt das nicht?). Nach dem Split der Band beginnt er neues Material aufzunehmen, und dann geht’s los… aber leider nicht alles glatt. Nur beinahe.
Durch Bad Vibes zieht sich Luke Haines’ feiner Sarkasmus und der typisch britische Humor. Auch sich selbst gegenüber ist Luke dabei recht gnadenlos. Er schreibt schon im Vorwort, dass er die Weisheiten seines Buches im Sinne einer „Morgen-danach-Ernüchterung“ serviert. Bad Vibes ist keine Musikerbiographie mit harten Rockern, Bitches und Doppel-Bassdrums, sondern ein Einblick in eine ganz andere Szene – irgendwo zwischen Indie und Pop mit Anspruch und Selbstzweifeln. Dazu bekommt man mit, dass es in England ganz anders abgeht als hier – da sind die Bedingungen in der Regel härter, allerdings auch die Möglichkeiten. Weil er mit größeren Bands der Zeit getourt hat, wie z.B. Suede, und auch die Situation der Band beschreibt, ist es ein prima Einblick hinter die Kulissen der Britpop-Szene – und, wie der Untertitel der englischen Originalausgabe verspricht, Lukes „Anteil an dessen Untergang.“ Ich habe das Buch auf englisch gelesen, es gibt aber inzwischen auch eine deutsche Fassung, die Ende 2010 bei Heyne erschienen ist (Da das ganze Buch „very british“ ist, würde ich euch – falls möglich – zum Original raten…). 
Link zur Bandseite auf Wikipedia.

Infos
Englisches Original: Taschenbuch, 256 Seiten, 
Windmill, ISBN-13: 978-0099522263      
Deutsche Fassung: Taschenbuch, 320 Seiten, 
Heyne Verlag, ISBN-13: 978-3453675872

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von Ralf Schluenzen

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