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Test
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04.05.2019

Plugin Alliance bx_oberhausen Test

Synthesizer-Plugin

Synthesizer-Legende Oberheim SEM simuliert

Plugins von Brainworx sind bekannt für ihre exzellente Qualität. Ob SSL-Emulation, Buss-Kompressor oder M-/S-Matrix, viele Mix- und Mastering-Engineers schwören auf die Leverkusener. Deswegen hat man sich beim ersten eigenen Software-Synthesizer auch nicht lumpen lassen: So wurde mit dem Oberheim-SEM nicht nur einer DER Synthesizer schlechthin emuliert, sondern man packte oberdrauf auch noch eine ganze Reihe hauseigener, hervorragender Effekte und Features, die dem Synth noch mehr Soundmöglichkeiten mitgeben. 

Man kann die Bedeutsamkeit eines Synthesizers, die er für die Musikgeschichte hatte, an verschiedenen Punkten festmachen: Welche Künstler nutzten ihn, auf welchen Alben tauchte er auf, was ist er heute wert, gibt es viele Nachahmer? Oder man schaut einfach mal „in the Box“ nach, wie viele Emulationen es vom Instrument gibt. Neben dem Minimoog und dem Prophet V ist der Oberheim SEM einer der Klassiker, von denen es bereits einige Emulationen gibt: den SEM V (aus Arturias V Collection), der UV-1 (aus der OB-Legacy-Reihe von UVI), den OP-X PRO-II (Sonic Projects) und das Freeware-Plugin OBXD. 

Als der Musiktechnologiehersteller den Bx_oberhausen Anfang April ankündigte, waren das Staunen und die Erwartungshaltung der Fans des Unternehmens groß. Ein Softsynth von denen? Das MUSS gut klingen! Nicht nur wollte man mit eigener Emulationstechnologie den besonderen Charakter von Filter und Oszillatoren noch originalgetreuer gestalten, man packte dazu auch noch eine M/S-Matrix in den Filter und eine FM-Synthese als Schmankerl hinzu. Daneben setzte man mit einigen Miniversionen  von beliebten Effekte noch eins oben drauf – und das alles zu einem Preis, der in vielen Foren für Irritation sorgte: 249 Euro.

Details

Allgemeines

Bx_oberhausen gibt es als Audio-Unit (AU) sowie als VST2-, VST3- und im AAX-Native-Format. Auch ist man auf den NKS-Zug von Native Instruments (NI) aufgesprungen. Das bedeutet, dass ihr das Plugin über Komplete Kontrol ansteuern könnt, falls ihr einen der Controller von NI besitzt. Auf Macs wurde das Plugin mit den OS-Versionen 10.9 bis 10.14 als kompatibel getestet, bei Windows-Rechnern sollte es ab Windows 7 in jeder Betriebssystemversion laufen. Hardware-seitig werden zwei Gigabyte RAM und eine mindestens 2 Gigahertz große CPU empfohlen.

Do it again! SEM – Bx_oberhausen, die nächste Emulation

Zugegeben, der Name des Plugins ist etwas sperrig, aber in einer Branche, in der einer der bekanntesten Effekte Sausage Fattener heißt, muss man sich über nichts mehr wundern – und klar, Leverkusen liegt um die Ecke der namensgebenden Stadt. Brainworx geht mit seiner Emulation des Oberheim SEM einen ähnlichen Weg, wie viele andere Softwarefirmen. Das Ziel ist nicht nur eine besonders originalgetreue Emulation des analogen Instruments, sondern möchte man sich damit auch die Möglichkeiten, die eine Softwareversion eröffnet, zu Nutze machen. Diese gilt es so einzubauen, dass sie den bestehenden Synthesizer sinnvoll ergänzen und nicht etwa in eine vollkommen neue Richtung verändern. Das würde nicht nur den Charakter zerstören, sondern ist die Synth-Community bei allzu krassen Veränderungen hier auch eher empfindlich. 

Und das ist das Ziel: einerseits diejenigen zu begeistern, die bisher noch keinen Hardware-Synthesizer ihr Eigen nennen, aber in die Soundwelt der Analog-Synthesizer einsteigen möchten, und andererseits diejenigen abzuholen, die ewig viele Kisten im Heimstudio stehen haben und jede Software-Version ihrer Lieblinge argwöhnisch begutachten. Also hat Brainworx sich, was Layout und Bestandteile betrifft, genauestens an das Original gehalten: zwei Oszillatoren, die nur entweder Saw- oder Square-Waves erzeugen können, ein 12-Pole-Filter, zwei Hüllkurven und ein freischwingender LFO.

Soweit, so bekannt. Bevor wir uns die von Brainworx hinzugefügten Elemente genauer ansehen, ein Blick auf den hauseigenen Algorithmus Tolerance Modeling Technology. Ähnlich zu Arturias TAE (True Analog Emulation) hat man auch hier eine Technologie entwickelt, die den analogen Klangcharakter (also durch die Bauteile verursachte Schwankungen bei Tonhöhe, Klang und Lautstärke) besonders „echt“ erzeugt. Diese ist deutlich zu hören, wenn man im Bx_oberhausen viele Stimmen gleichzeitig spielt. Bei jeder Stimme wird die angelegte Modulation (beispielsweise ein LFO auf der Pulsewidth) leicht variiert – so, wie es in einem analogen Synthesizer auch passieren würde. 

Analog first, digital second

Wäre das alles, hätte man schon einen ganz passablen Synthesizer, aber Brainworx macht sich die Softwareumgebung zu Nutze und fügt einige Elemente hinzu, die man in eine Hardwareversion nicht so einfach einbauen könnte: Ein FM-Modul ist dabei. Aktiviert man es, moduliert Oszillator 1 den zweiten Oszillator. Getreu der FM-Synthese spielt neben der FM-Stärke, die mit dem „Amount“-Regler bestimmt wird, auch die Tonhöhe vom modulierenden Oszillator eine entscheidende Rolle. Die zweite Besonderheit: Das Signal kann über einen M-/S-Reger nur an den Seiten oder in der Mitte gefiltert werden. In Verbindung mit den „Spread“-Reglern an den Oszillatoren und einigen gezielten Modulationen könnt ihr Sounds erstellen, die extrem breit und flächig klingen. 

Enter the matrix - Modulationen

Stichwort Modulation: Hier hat Brainworx viel drauf gepackt. Neben dem freischwingenden LFO1 gibt es einen zweiten, der sich nicht nur zum Track-Tempo synchronisieren lässt, sondern der auch eine Retrigger-Option hat. So fängt die LFO-Modulation bei jeder Note neu an, und stolpert nicht mitten in die laufende Welle hinein. In der Modulationsmatrix gibt es neun Slots, in denen acht verschiedene Quellen 21 verschiedene Modulationsziele ansteuern können. Eine echte Besonderheit dabei sind die Modulationskurven. Der Verlauf einer Modulation kann auf fünf verschiedene Arten beeinflusst werden (Linear, parabolic, squareroot, sigmoit, cubic). Wer sich unter den Begriffen nichts vorstellen kann, dem liefert Bx_oberhausen kleine Visualisierungen der unterschiedlichen Kurven. Ein Arpeggiator ist auch dabei. Acht verschiedene Spielweisen könnt ihr unterdessen einstellen, bei den Geschwindigkeiten gibt es normale, triolische und punktierte Varianten. Eine Besonderheit auch hier: ein Swing-Regler. 

Bei den sechs Effekten hat Brainworx laut eigener Aussage auf bestehende Effekte aus dem Katalog bei Plug Alliance zurückgegriffen und Miniversionen in den Synth gesteckt. Der „Air Band“ beispielsweise ist auch optisch gesehen angelehnt an den EQ4 von Mäag, der vor allem für sein besonderes Shelve-Band geschätzt wird. Dieses fügt die Höhen zwischen 5 kHz und 40 kHz besonders sanft und musikalisch hinzu. Der „Blue Chorus“ stammt vom gleichnamigen Plugin, der „Digital Delay“ hat Elemente aus dem Bx_delay 2500. Die Reihenfolge der sechs Effekte lässt sich per Drag-and-Drop verändern, jeder Effekt ist separat zuschaltbar und die Effektkette ist auch global an- und auszuschalten.

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