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Feature
8
20.06.2015

The Sound of Sherover Theatre, Israel

On the road mit She She Pop

Als die Anfrage kam, mit der Performance-Gruppe „She She Pop“ nach Israel zu fahren, zögerte ich tatsächlich zunächst ganz schön. Das lag jedoch definitiv nicht an der Gruppe, mit denen Reise ich nämlich sau gerne durch die Welt. Nope, viel eher fielen mir da Dagmar Berghoff (für die älteren Semester) oder Jens Riewa (für die Youngster) ein und was die eben so von ihren Kärtchen über den „Nahen Osten" ablesen. Außerdem war ich dieses Jahr schon so viel auf Tour und ... Aber überspringen wir einfach mal die kurze Kopfkino-Vorstellung, ich habe glücklicherweise doch zugesagt.

Details

Die Vorkommunikation mit den Festival-Veranstaltern viel relativ kurz aus, da sie einfach alles, was in meinem Technical Rider stand, bejahten. Etwas verunsichert aufgrund ähnlicher Erfahrungen in Moskau oder Indien, wo eben auch zu allem ja gesagt wurde, wollte ich weitere Details in Erfahrung bringen. Moment, lasst es mich in familiären Zusammenhängen erklären: Wenn der Rider mein wundervolles Kind wäre, was ich jeweils freudig vor Ort zu treffen erwarte, steht dort stattdessen oft nicht mal der Cousin der Schwester der Großtante von einem verloren geglaubten Onkel. In Jerusalem allerdings war alles paletti.

Was ich für das Stück „Frühlingsopfer“ technisch benötigte, war kurzgefasst: 

  • eine dem Haus angemessene Front-PA mit ggf. Nearfills und Delayline
  • eine kleinere Fullrange PA hinter der Bühne
  • zwei hochwertige Monitore
  • ein gutes Digitalpult
  • drei einwandfrei funktionierende Handfunken
  • eine Handvoll Richtmikros und Grenzflächen
  • ein paar hochwertige DI-Boxen.

Das Stück lebt tontechnisch gesehen von der Interaktion der Darstellerinnen und Darsteller und deren auf vier große Rückproschals projizierten Müttern. Also auch sehr davon, Sound aus der Dose und Live Sound in eine Welt zu bringen. Die Playbacks sind zum Teil in Videodateien integriert und zum Teil kommen sie aus meinem MacBook und dem wundervollen Program Qlab. Als Back-PA und fürs Monitoring hatte ich wahlweise CT115 oder CT112 von HK-Audio. Als Beschallungsanlage erwartete mich ein sehr schönes System von L’Acoustics, alles soweit stimmig eingestellt, und zwar:

  • 9x Cabinets Kara
  • 2x SB28 pro Seite
  • 3x ArcsWide als Center
  • 4x XT8 als Frontfill
  • 5x XT5 als Delayline

Am FOH begrüßte mich dann auch noch eins meiner Lieblingspulte, das Yamaha CL5. So konnte ich bereits im Vorfeld weite Teile der Show über die Yamaha-App „CL-Editor“ offline Programmieren.

Eine weitere Anforderung für das Stück und für mich auch grundsätzlich immer ein wichtiger Faktor für Theatersound, war die sogenannte Time Alliance, was bedeutet: mehrere Schallquellen durch das Verzögern (Delayen) der Lautsprecher beim Publikum gefühlt gleichzeitig und zum visuellen Eindruck passend ankommen zu lassen. In diesem Fall:

  • Live Texte über Stützmikrofone
  • Live Texte über Funkmikrofone
  • Texte und Musik-Einspielungen vom Playback aus mehreren, sich an unterschiedlichen Abständen zum Publikum befindlichen Lautsprechern

Dies verlangt selbstverständlich einige Erfahrung und gegebenenfalls Messhilfen/Programme. Ich nehme mir wenn möglich tatsächlich gerne die Zeit und mache das per Gehör. Speziell bei diesem Stück musste ich allerdings noch auf andere Weise tricksen, aber das kann ich an dieser Stelle nicht verraten. Anyway, die Voraussetzungen waren sehr zu meiner Zufriedenheit und vor Ort im Sherover Theater war auch alles ziemlich optimal:

Die Sherover Hall befindet sich im Jerusalem Theater für Performing Arts und ist mit 950 Sitzen der größte Komplex des Gebäudes, gefolgt von der Henry Crown Symphony Hall (Heimat des Jerusalem Symphony Orchestra) mit 750 „Seats“, dem Rebecca Crown Auditorium mit 450 Plätzen und dem kleinen Theater  mit 110 Sitzen. 

Eine tolle Atmosphäre. Viel besser als irgendeine zweckentfremdete Mehrzweckhalle, auf die man so oft auf Touren durch Europa trifft. Reale akustische Signale, beispielsweise Sprache, tragen sich im Sherover Theater sehr gut durch den Saal - was allerdings einmal mehr bedeutete, sich bei der Time Alliance Mühe zu geben, weil sonst das verstärkte Signal nicht zeitgleich mit dem Live-Signal bei den Zuschauern ankommt.

Und selbst, wenn man nicht beschreiben kann, warum, kommt einem das als Zuhörer merkwürdig vor. Oder zumindest merkt man „die Technik“. Und im Theaterbereich geht es halt oft darum, eben nicht zu merken, dass Technik im Spiel ist.

Beim Soundcheck fiel mir allerdings noch auf, dass Frontfill und Front-PA entgegen der Ansage doch auf einem Zuspielweg liefen. Das obligatorische Rumlaufen und Checken machte sich also wieder einmal bezahlt. Mein Laptop war dabei live über einen mitgebrachten WiFi-Router und die CL-Editor-App mit dem Mischpult verbunden, was mir die Arbeit deutlich erleichterte.

Ich hatte zwar einen separaten Output für die Frontfills und den eben auch minimal anders „delayed“ als die Haupt-PA, aber beim Abspielen einer Audiodatei allein über den Stereo-Master, kam eben auch was über die Frontfills, während ich in den ersten Reihen saß. Da meine Bitte an den Haustechniker, dies im System zu ändern, leider nicht umgesetzt werden konnte, musste ich einen Kompromiss finden: mit einer Verzögerungszeit für links, rechts und die Frontfills.

Das war aber auch wirklich der einzige Kompromiss, den ich eingehen musste und daher komplett verträglich. Die Shows kamen sehr gut an und es wurde ein extrem gelungenes Gastspiel auf dem „Israel Festival 2015".

Bis bald

Euer Manuel Horstmann (Autor PA)

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