Software
Test
10
19.08.2014

Praxis

Grundklang und erster Eindruck

Wie der (gehörnte) Wolf im Schafspelz präsentieren sich die Chris Hein Horns nach dem Laden eines Instruments mit einer sehr überschaubaren Bedienoberfläche. Die einfach gehaltene Play-Ansicht liefert visuelles Feedback zur MIDI-Aktivität und auf Wunsch einen Überblick zu den verschiedenen Keyswitches mit den dazugehörigen Artikulationen. Die Benutzeroberfläche birgt in den weiteren Ansichten jedoch sehr umfassende Eingriffsmöglichkeiten, über die man bis in die Tiefen des Sample-Pools abtauchen kann.

Für den Moment bleiben wir aber entspannt an der Oberfläche und führen uns den unbearbeiteten Out-Of-The-Box-Sound der Library zu Gemüte. Im Player gibt es ein Funk-Arrangement zu hören, das vorerst ausschließlich die Sustain-Artikulationen der Solo-Instrumente verwendet. Zum Einsatz kommen zwei Trompeten, ein Tenor-Saxophon und eine Posaune. Das Playback im Hintergrund ist selbstverständlich wie immer zu 100% echter Fake und wurde mit virtuellen Instrumenten aus NI Komplete und Spectrasonics Trilian erstellt. Wie man hört, klingen die Bläser in diesem Stadium noch sehr deutlich nach MIDI. 

Für die folgenden Beispiele wurden lediglich die Einzelinstrumente aus Volume 1 durch die entsprechenden Sections aus Volume 2 ersetzt, was natürlich einen wesentlich fetteren Bigband-Klang erzeugt. Auch in diesem Fall ist noch deutlich hörbar, dass es sich bei den Bläsern um Musiker aus der Dose handelt.   

More is more – Artikulation und Modulation

Weniger ist oftmals mehr, in Bezug auf die Artikulationsauswahl bei den Chris Hein Horns Pro kann man aber getrost sagen, dass mehr mehr ist. Im Fall der Solo-Instrumente reichen die pro Instanz 26 möglichen Keyswitches zum Umschalten der bis zu 38 Spielweisen nicht aus, um alle Möglichkeiten gleichzeitig verfügbar zu machen, und es macht natürlich auch Sinn, an einem gewissen Punkt eine Grenze zu ziehen und nicht das halbe Masterkeyboard mit Steuertasten zu bepflastern. 

Im Gegenzug ist das Keyswitch-System jedoch hochgradig flexibel. Einzelne Artikulationen können in der Tiefe bearbeitet werden und lassen sich beispielsweise über Time-Stretching oder verschiedene Legato-Modi (und weit mehr) an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Zusätzlich gibt es neben den Standard-Keyswitches auch Hotkeys, die nicht vor dem Anspielen einer Note, sondern währenddessen ausgelöst werden. Auf diesem Weg lässt sich z.B. ein Key-Vibrato direkt über Tastendruck steuern oder in eine andere Spielweise überblenden. Im folgenden Audio-Beispiel sind alle Haupt-Artikulationen der Querflöte aus Volume 1 zu hören. Phrasen oder Grooves wurden für dieses Beispiel ausgeklammert.

Abseits der prinzipbedingt starren Artikulations-Samples lassen sich einzelne Töne allerdings auch durch verschiedene Scripts beeinflussen. Die Klarinette aus dem folgenden Beispiel ist zunächst roh zu hören und wird dann in einzelnen Schritten mit detailliert anpassbaren Legato-Übergängen, ebenso flexiblem Vibrato und einem Dynamikverlauf versehen. Dank der phasensynchronen Samples sind die dazu benötigten Crossfades im Vergleich zu früheren Versionen kein Problem mehr. Alle Übergänge wirken butterweich, und von Phasing ist keine Spur zu hören. In diesem Punkt haben die Chris Hein Horns ordentlich dazugelernt! Im zweiten Beispiel wird die einsame Klarinette von zwei weiteren Vertretern ihrer Zunft (inklusive einer Kontrabass-Klarinette) begleitet. 

Aber kehren wir zurück zu unserem bisher noch sehr rohen Soul-Bläsersatz! Dieser wurde für die folgenden Tracks mit reichlich Artikulationen und Dynamik-Bearbeitung im Sinne der obigen Beispiele versehen. Bei der Bearbeitung fiel mir auf, dass manche Spielweisen der Solo-Instrumente aus Volume 1 nicht immer ganz perfekt aufeinander abgestimmt sind, und so mussten beispielsweise die Swells am Anfang des Arrangements über Time-Stretching in ihrer Dauer angeglichen werden. Ab Volume 2 wurde in diesem Bezug offenbar deutlich größerer Wert auf Einheitlichkeit gelegt, und so musste für das Section-Beispiel wesentlich weniger an den Bedienelementen geschraubt werden. In Hinsicht auf  die Klangqualität gab es auch bei deutlichen Anpassungen glücklicherweise keine weiteren Probleme.

Zum Abschluss des Tests wurden dem Section-Satz die Solo-Instrumente leise beigemischt, was durchaus noch ein wenig Extra-Leben in das Arrangement bringt. Im Gegensatz zu den bisherigen Beispielen wurde zudem der interne Faltungshall durch externen Hall ersetzt und etwas EQing, Kompression und Bandsättigung verwendet. Vor allem letztere konnte die teilweise etwas harschen Signal-Anteile bei höheren Velocity-Werten bändigen. Wenn dann noch jemand Demo-Vocals über das Demo-Arrangement singt, klingt das so:

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