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16.02.2021

Besser Klavierspielen mit Fingersatz

Fingersatz verstehen und schreiben lernen

Zum perfekten Spiel gehört der passende Fingersatz. Lerne hier, wie man ihn aufbaut und wie man ihn zum Üben nutzt.

Schaut man in Klaviernoten zeigen diese oft Zahlen über und unter vielen Noten und man fragt sich, wofür sie stehen und was sie bedeuten. Stehen sie in direkter Verbindung mit den Noten? Haben sie etwas mit dem Noten lesen zu tun, oder helfen sie vielleicht beim Spielen?

Die verschiedenen Zeichen auf dem Notenblatt, wie Bögen, Punkte oder Striche hat man bereits aus den Noten für andere Instrumente kennen gelernt, Zahlen zeigen aber nur wenige Noten, was auch der Beweis dafür ist, dass diese Zahlen nichts mit den Noten selbst zu tun haben können, denn sonst würde man sie auch in den Noten für andere Instrumente finden. Was aber bedeuten die Zahlen? Hier die Auflösung: Die besagten Zahlen werden in den Noten von Tasten-, Streich- und Zupfinstrumenten verwendet. Dabei handelt es sich um den sogenannten Fingersatz, auch Applikatur genannt. Der Fingersatz und seine zahlen stehen für bestimmte Finger und für das Spielen auf dem Klavier zeigt er an, mit welchem Finger ein bestimmter Ton und damit welche Taste gespielt werden soll. Der Fingersatz ist also eine große Unterstützung, um mit nur zehn Fingern eine ganze Menge mehr an Tönen ohne Probleme spielen zu können.

In diesem Workshop erklären wir dir, was 'Fingersatz' bedeutet und wie man ihn einsetzt, um gut Klavier zu spielen.

Quick Facts: Fingersatz

Welche Aufgabe hat der Fingersatz?

Der Fingersatz - auch Applikatur genannt - ist ein Begriff, der in der Musik verwendet wird. In Notenschriften für Tasten-, Streich- und Zupfinstrumente gibt er als Zahl unter oder über der Note eine Empfehlung, mit welchem Finger der Spieler die Taste drücken bzw. die Saite greifen oder zupfen soll.

Der Fingersatz soll in erster Linie einen zweckmäßigen Einsatz der Finger ermöglichen, also ein möglichst einfaches und ergonomisches Spielen des Instruments. Er kann sich allerdings auch auf den klanglichen Ausdruck auswirken, so lassen sich am Klavier mit dem Daumen Akzente leichter hervorheben als beispielsweise mit den anderen Fingern.

Ist der notierte Fingersatz für den Spieler nicht optimal, lässt sich dieser durch einen eigenen grundsätzlich ändern und anpassen. Für Organisten gibt es sogar einen Fußsatz für das Pedal der Orgel

Ist der Fingersatz für das Klavierspiel notwendig?

Der Fingersatz ist eine große Hilfe für ein flüssiges Spielen von Klavierliteratur. Als Klavier spielender Anfänger sollte man auf keinen Fall darauf verzichten. Gerade bei diesem großen Instrument und seiner breiten Klaviatur mit 88 Tasten dauert es eine Weile, bis man sich darauf zurechtfindet. Mit der Zeit entwickelt sich der Fingersatz beim Klavierspielen zu einem wichtigen Hilfsmittel, er ist die Reiseroute der Finger auf der Tastatur, die bestimmt, wie gut und schnell man bestimmte Tonkombinationen zugleich oder nacheinander spielen kann. Ein optimaler Fingersatz hilft dabei die Finger für das Spielen so zu sortieren, dass man sicher sein kann, den gewünschten Ton ohne Fehler und Verrenkungen zu erreichen. Gerade später, wenn man schwierige Literatur spielt, kommt man ohne Fingersatz kaum mehr aus. Der Fingersatz ist quasi das Navi für die Finger eines Pianisten und ein erfolgreiches Hilfsmittel für ein fehlerfreies Spiel.

Was sollte man vermeiden?

Gerade Anfänger, oder die, die noch recht unsicher sind, lassen sich dazu verleiten über jede Note den zum Spielen auserkorenen Finger per Zahl zu notieren. Ist das zu übende Klavierstück recht komplex und zeigt sich in Form vieler aufeinanderfolgender Noten, dann entsteht bald ein Wald aus Noten und Zahlen, der das gesamte Notenblatt schon bald sehr unübersichtlich macht. Die Signalwirkung an wirklich wichtigen Stellen geht verloren und man steht vor demselben Problem, als hätte man gar keinen Fingersatz notiert. Der Fingersatz entwickelt seine optimale Wirkung also nur dann, wenn er sich zielgerichtet auf die Stellen reduziert, an denen echter Handlungsbedarf notwendig ist.

Wichtig sind die Noten selbst, denn sie bestimmen den tonalen Teil es zu spielenden Stücks und der Fingersatz übernimmt die Koordination von Hand und Fingern, um die zu spielenden Töne leicht zu erreichen. Hier zählt die Regel: Weniger ist oft mehr. Im gesamten Lernprozess entwickelt später jeder für sich eine eigene Methode, um schwierige Stellen so zu kennzeichnen, dass sie mit dem eigenen Fingersatz problemlos gespielt werden können. Das oben und unten abgebildete Notenblatt zeigt, wie man es nicht machen sollte: Viele Noten + viel Fingersatz = Große Unübersichtlichkeit.

Wie entwickelt man den richtigen Fingersatz?

Der richtige Fingersatz ist der, der die folgenden Regeln erfüllt:

  • Das Stück muss klanglich genauso umgesetzt werden können, wie es durch die Noten vorgegeben ist.
  • Das Spielen der Noten muss sich gut anfühlen, beim Positionieren der Finger sollten keine Probleme in der Umsetzung auftreten oder Verspannungen in der Hand entstehen.

Beachtet man beide Regeln kann eigentlich nichts schiefgehen. Natürlich zeigen Klavier- und Orgelliteratur auch Fingersätze, die dadurch entstanden sind, dass viele Anwender sie als nützlich empfunden haben und der Verlag diese als bewährte Hilfsmittel mit abdruckt. Das sind allerdings lediglich Vorschläge nach denen man sich richten kann, aber nicht muss. Wichtig ist, wie man selbst entsprechende Stellen sieht, sodass man durchaus ausprobieren sollte, ob der Im Notenpaper notierte Vorschlag hilfreich ist, oder man durch eine selbst erstellte Fingerkombination besser zum Ziel kommt. Klavier spielen fordert Eigeninitiative, die richtig eingesetzt ein Stück viel einfacher übbar macht.

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Welcher Finger steht für welche Zahl?

Jedem Finger wird eine Zahl zugeordnet:

  • Der Daumen ist an beiden Händen immer die 1
  • Der Zeigefinger ist immer die 2
  • Der Mittelfinger die 3
  • Der Ringfinger immer die 4
  • Der kleine Finger bekommt die 5

Beim Schreiben des Fingersatzes werden also die Zahlen von 1 bis 5 verwendet. Für die rechte Hand schreibt man den Fingersatz immer über die Noten der rechten Hand, für die linke Hand immer unter die Noten der linken Hand.

So ist das Lesen viel einfacher, schließlich ist die rechte Hand oben und die linke unten notiert. Somit ist die Zuordnung der Zahlen zu den Händen viel leichter zu erkennen. Und falls die rechte Hand mal sehr tief und die linke gleichzeitig sehr hoch spielt, ist zwischen den beiden Händen gar kein Platz für Zahlen. 

Ist der Fingersatz immer gleich?

Nein, denn Fingersatz ist erst einmal Geschmackssache. Das bedeutet, dass lediglich die beiden oben bereits erwähnten Parameter erfüllt sein müssen. Der eigene Fingersatz sollte einem fehlerfreien Spielen des Stücks nicht im Weg stehen und er muss mit der eigenen Anatomie vereinbar sein. Ansonsten ist der Weg frei. Der eigene Fingersatz wird schon durch die Größe eigenen Hände bestimmt. Ein Pianist mit einer kleinen Hand wird an vielen Stellen definitiv einen anderen Fingersatz wählen als ein Kollege mit einer großen Hand.

Zwei Wege, um einen Fingersatz zu schreiben

An einem Beispiel schauen wir uns an, welche Überlegungen beim Schreiben eines Fingersatzes wichtig sind. Dazu verwenden wir ein Stück, dass wir alle kennen: „Alle meine Entchen“. 

Erkennbar ist, dass das Lied - wie bei einer Tonleiter - mit einer Reihe stufenweise aufsteigender Töne beginnt. Hier folgen sechs Töne nacheinander, wir haben aber nur fünf Finger. Deshalb müssen wir uns einen Fingersatz einfallen lassen, damit wir überhaupt erst einmal alle sechs Töne spielen können. Wie gesagt, es ist ratsam sich einen eigenen Fingersatz zu schreiben. Um diesen aufzubauen zeigen wir dir zwei Wege, wie man das bei diesem Lied anstellen könnte.

Weg Nr. 1: Starten mit dem Zeigefinger

Video: Starten mit dem Zeigefinger

(Video: Tobias Homburger)

Da wir sechs Töne haben, beginnen wir das Stück mit dem zweiten Finger. Durch den folgenden Fingeruntersatz macht dann der Daumen weiter. So können wir alle sechs Töne in Folge mit einer Hand spielen. Diese Technik verwendete z. B. auch Johann Sebastian Bach in seiner zweistimmigen Invention in D-moll (siehe Bild unten).

Weg Nr. 2: Der Daumenuntersatz

Schauen wir uns jetzt noch eine weitere Möglichkeit an.

Video: Der Daumenuntersatz

(Video: Tobias Homburger)

Dieses Mal hat der Daumen begonnen und der Daumenuntersatz findet erst statt nachdem der dritte Finger gespielt wurde. Anhand dieser Beispiele sehen wir, dass man jede Stelle auf verschiedene Arten spielen kann. Ich selbst würde hier den zweiten Weg wählen, da man - geht man den ersten Weg - im dritten Takt die Tonwiederholungen sonst mit dem kleinen Finger spielen müsste, das finde ich persönlich etwas mühsam. Wie man in den Videos hört, klingen beide Versionen identisch, denn sie bedienen sich derselben Noten. Das Ziel ist es, die unterschiedlichen Fingersätze nicht zu hören, sondern nur die korrekt gespielten Noten. Vielleicht gibt es hier aber noch andere Möglichkeiten … und, niemand schreibt so gute Fingersätze wie du selbst, es geht dabei ja schließlich um deine Finger und deine Hand.

Wie man im unteren Bild sehen kann, sind nur die wirklich wichtigen Zahlen im Notentext vermerkt. Hier also noch einmal der Hinweis, es mit dem Fingersatz nicht zu übertreiben, denn dann geht der Signaleffekt dieses Hilfsmittels verloren und der gesamte Notentext wird unübersichtlich. Startet die linke Hand beispielsweise mit dem vierten Finger und spielt Töne stufenweise nach oben, sollte man auf keinen Fall alle vier Noten mit einer Zahl versehen. Wozu auch? Es ist logisch, dass bei einer Tonleiter einfach immer der nächste Finger zum Einsatz kommt. 

Wichtige Stellen markieren

Wird ein vorgegebener Fingersatz z. B. durch einen Daumenuntersatz geändert, ist es sinnvoll diese Stelle mit einer Zahl zu markieren, denn die zuvor vorgesehene Abfolge wurde geändert. Sollte es an dieser Stelle dann trotzdem zu Verspielern kommen, ist es ratsam mit weiteren Fingersätzen zu experimentieren.

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Tipps für einen Fingersatz bei schwierigen Stücken

Manchmal ist es hilfreich, wenn man auch die Note vor einem Daumenuntersatz mit einer Zahl versieht. Hier musst man einfach herumprobieren. Mit der Zeit findet man die optimale Darstellung der Zahlen in den eigenen Noten. Hier noch ein zweites Beispiel; dieses Stück ist schon deutlich schwieriger.

In diesem Beispiel spielt jede Hand zwei verschiedene Stimmen. Sowohl oben als auch unten gibt es zum einen eine Stimme, die nur aus Viertelnoten besteht, zum anderen eine Stimme aus Sechzehntelnoten, die durch beide Hände wandert. Das Spielen der linken Hand lässt sich relativ leicht realisieren. Hier reicht es, wenn wir die Sechzehntel immer mit Zeigefinger und Daumen spielen, dann sind für die untere Stimme noch genau drei Finger übrig. So sieht das Ganze dann aus. Zur Veranschaulichung verstoßen wir jetzt gegen den zuvor aufgestellten Rat und notieren einmal viel Fingersatz.   

Video: Fingersatz bei schwieriger Klavierliteratur

(Video: Tobias Homburger)

Der stumme Wechsel

Nun zur rechten Hand. Müssten wir nur die obere Stimme in der rechten Hand spielen, wäre der Fall einfach. Vier absteigende Noten erfordern nur vier Finger. Allerdings übernimmt die rechte Hand ja die zweite Hälfte der Sechzehntel-Begleitung und diese Noten sind ziemlich tief für die rechte Hand. Wir können diese Noten auch wieder nur mit Daumen und Zeigefinger spielen.

Das klappt wunderbar, aber wie wollen wir dann die Melodie binden? Die Töne liegen zu weit auseinander. Deshalb müssen wir ein bisschen tricksen, und zwar mit dem sogenannten stummen Wechsel. Wir starten bei den Viertelnoten also mit dem kleinen Finger und spielen dann das ‚Gis‘ mit dem vierten, so können wir die beiden Töne sehr gut binden. Sobald wir das ‚Gis‘ angeschlagen haben, tauschen wir den vierten gegen den fünften Finger aus, ohne die Taste dabei loszulassen. Mit dem stummen Wechsel ist das eine gute Lösung, in diesem Fall aber gar nicht so leicht, weil die schwarzen Tasten ja viel kleiner sind.

Video: Stummer Wechsel (Beispiel: rechte Hand)

(Video: Tobias Homburger)

Mit dieser Technik kann man also auch solche Stellen den Noten entsprechend spielen. Letztendlich könnte diese Stelle also so in deinen Noten aussehen. Dieses Mal wieder nur mit dem wirklich nötigen Fingersatz. 

Video: Stummer Wechsel (Beispiel: linke und rechte Hand)

(Video: Tobias Homburger)

 

Schlusswort

Der Fingersatz gehört neben dem eigentlichen Spielen von notierten Noten zu den wichtigsten Parts beim Üben und Spielen von Klavier- und Orgelliteratur. Der Fingersatz beschreibt den Weg der Finger beider Hände auf der Tastatur und sollte – sorgfältig an die eigene Anatomie angepasst – nur die wichtigsten und schwierigsten Stellen markieren, um die Übersicht auf dem Notenblatt zu wahren. Der Fingersatz koordiniert den spieltechnischen Ablauf und gibt Signale an den Stellen, die erhöhter Aufmerksamkeit bedürfen. Wichtig ist, dass man für sich den Fingersatz findet, der den bequemsten Ablauf zum Spielen des Stücks bietet und diesen auch übt. Die Kombination aus perfektem Fingersatz und Üben garantiert dann später den Erfolg, auf den man hinarbeitet.

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