Keyboards
Test
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16.02.2018

Praxis

Haptik und Politik


Der Model D kostet rund 350 Euro und damit ein Zehntel des Originals. Das liegt nicht nur an der günstigen Fertigung in China gegenüber der teuren Handfertigung in den Staaten, nein, auch die Wertigkeit der Materialen ist eine andere – genau wie das Markenimage und damit die Bereitschaft der Kunden für Moog mehr auszugeben.

Mein Moog fühlt sich einfach wie ein echtes Instrument an! Der Behringer hingegen berührt mich nicht wirklich und ist einfach nur eine weitere Kunststoffkiste mit der es mir schwer fällt Emotionen aufzubauen – vergleichbar mit den ganzen neuen Roland AIRA und Boutique Kisten. Aber Achtung: An der Verarbeitung gibt es nichts auszusetzen. Lediglich die dicken Potis sind bei dem engen Stand zueinander nicht unbedingt ideal. Und wie es um die Haltbarkeit bestimmt ist, das wird die Zeit zeigen – an Spekulationen möchte ich mich jedenfalls nicht beteiligen. Fakt ist aber: Sollte mal etwas kaputtgehen, wird der Boog aufgrund seiner dichten Bestückungen definitiv schwieriger zu reparieren sein. 

Hail to the king


Die monströse Erscheinung und Klobigkeit des Minimoog, das echte Holz, die dicken Knöpfe und Drehschalter, der großzügige Raum zwischen den Bedienelementen – all das hat auf mich beim Soundschrauben auch einen Einfluss; Vergleichbar mit dem Spielgefühl im Stehen zu dem gebeugten Klicken am Rechner im Sitzen. Dass es trotzdem möglich ist, gleiche Sounds zu finden, möchte ich absolut nicht bestreiten. Trotzdem: Wer möchte nicht lieber Ferrari anstatt Fiat fahren. Dass ein Fiat aber besser als kein Fiat ist, kann dennoch niemand leugnen. In dem Zusammenhang möchte ich auch loswerden, dass ich kein Freund von Synths ohne Klaviatur bin. Klar, alles redundant und auch vom Master-Keyboard bedienbar – nur eben nicht mein Ding. Aus dem Stegreif kriegt man so eben keinen Ton aus der Kiste. Ob das den Preisunterschied rechtfertigt ist eine ganz andere Diskussion, äußerst individuell und meist nicht zielführend.

Keine Presets, keine Klaviatur, kaum MIDI-Parameter-Steuerung


Was der weder Boog noch Moog können, sind Recall und tiefergehende MIDI-Steuerung. Logisch: hier ist alles analog und würde eine digitale Zwischenebene erfordern. Bei meinem Moog stört mich das nicht, beim Boog wäre es aber dennoch schön gewesen, eben weil es für mich ein Expander und kein Keyboard ist. Das mag der Eurorack-Fraktion gänzlich egal sein, mir ist es das nicht – da bin ich gerne Diva. Und wäre Behringer diesen Schritt gegangen, Controller Know-how ist ja zur Genüge vorhanden, hätte es den Boog in meinen Augen deutlich aufgewertet und ich hätte ihn mir zusätzlich gegönnt. 

Klang


Was gab es im Netz nicht alles für Diskussionen. Klingt genauso, klingt überhaupt nicht so, Plastik-Schrott, Snob Elite, und so weiter. Anstrengend – allein, weil doch schon der Verwendungszweck ein gänzlich anderer ist, siehe oben. Ich habe versucht, mich davon freizumachen. Besonders, weil ich über die letzten Jahre vor allem eins gelernt habe: Don‘t trust the internet!

Entsprechend unvoreingenommen bin ich an die Sache herangegangen, glaubt mir. Ich wusste, früher oder später schlägt die Kiste eh bei mir auf – und dann kann ich endlich selbst vergleichen. Und bei dem ersten Einstöpseln war mit klar – die beiden Kisten klingen verdammt ähnlich. Daraufhin habe ich auch direkt versucht identische Patches zu basteln – welche zugegebenermaßen im Vergleich wirklich äußerst schwer auseinanderzuhalten sind. In einer fertigen Produktion macht das sicherlich keinen Unterschied – aber Unterschiede in den Nuancen sind da! Aber höret selbst bei diesem simplen Beispiel, nutzt dabei bitte euren Monitorcontroller zum Umschalten zwischen Links und Rechts.

Bedenkt bitte, wir hören hier auch nur mp3 und kein wav. Trotzdem sind die Sweetspots bei dem Moog feiner aufgelöst. Besonders fällt mir das beim External-In auf, der Boog übersteuert hier abrupter und nicht ganz so smooth. Generell klingt der Moog etwas wärmer, dynamischer, runder oder anders gesagt etwas weniger steril bzw. nagelnd. Dazwischen liegen keine Welten, aber eben ein feiner kleiner Unterschied, der zumindest mir doch wichtig ist. Man braucht aber auch entsprechend gute Speaker, um das heraushören zu können, keine Frage – auf dem Mac Book klingt das wirklich alles gleich.

Mich hat das Ganze ein wenig an den Arturia MatrixBrute erinnert, welcher ja grundsätzlich auch den Minimoog-Ansatz verfolgt. Aber hier wie auch dort höre ich einfach die „dünnen Kabel“ und die Mikroelektronik raus. Nennt es Esoterik, mir ist das egal. Denn auch, wenn sich die Kisten den Schaltplan teilen, die Bauteile und der Aufbau sind nunmal ein anderer. Das heißt aber nicht, dass man mit dem Boog keinen Spaß haben kann, er fetten, echten analogen Sound für Jedermann bringt und das die Kiste für den Preis ein absoluter Knaller ist!

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