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23.07.2020

Band, Gig, Sound: Was bei einer Vorbesichtigung der Location wichtig ist

Workshop: Was solltest du über den Veranstaltungsort wissen, damit euer Auftritt gelingt?

Nachdem ihr in Teil 1 der Workshop-Reihe herausgefunden habt, welches Equipment ihr für das Mischen eurer ersten Live-Konzerte benötigt, betreten wir im zweiten Teil den Club zu einer Vorbesichtigung. Schnell werdet ihr feststellen, wie sinnvoll es ist, mehr als nur die Adresse des Auftrittsortes zu kennen. Ihr erarbeitet eine Checkliste für die Location, die euch den Soundcheck enorm erleichtern wird und findet eure persönliche FOH-Lieblingsposition.

Die Aufregung steigt, weil euer erster Live-Auftritt näher rückt? Bei den Proben fehlt seit Wochen keiner mehr. Alle merken, dass es langsam ernst wird. Deine Band will endlich vor Publikum zeigen, was sie drauf hat. Es soll natürlich ganz toll werden und auf dir als Bandtechniker lasten einige Erwartungen. Schließlich wird der Sound nur so gut, wie du ihn mischst. Leider hast du nicht die Möglichkeit, wochenlang zu proben. Lediglich einen kurzen Soundcheck in einer dir unbekannten Räumlichkeit mit dir fremdem Equipment wird es geben. Grund genug, dich sorgfältig auf deine Aufgabe als Mischer vorzubereiten.

1. Die im Club vorhandene technische Ausstattung

Je kleiner die Spielstätte, desto übersichtlicher ist in der Regel die Auswahl an Beschallungstechnik. Jedoch kann auch ein kleines Sortiment durchaus hochwertig sein. Die meisten Venues verfügen über eine Grundausstattung. Hat eine Band zusätzliche Ansprüche, wird verhandelt, wer die Kosten der Anmietung trägt. Funkmikrofone sind zum Beispiel keineswegs selbstverständlich allerorts vorhanden. Wer sicher das Haus füllt, darf schon mal Sonderwünsche anmelden. Als Newcomer habt ihr da eine eindeutige schlechtere Verhandlungsposition. Erkennst du aber die kniffligen Punkte rechtzeitig, kannst du dir in vielen Fällen Alternativen einfallen lassen. Am besten besuchst du dazu  rechtzeitig vor eurem Gig einmal die Location und erörterst euren Bedarf. Mit wem du dieses Gespräch am besten führst? Booker sind keine Tontechniker. Klingt simpel, ist es auch – und kann enorme Folgen haben, schließlich möchtest du ja fundierte fachliche Auskünfte. Also lohnt es ich, den Termin zur Vorbesichtigung so zu legen, dass ein Haustechniker anwesend ist.

2. Eine Checkliste für die Vorbesichtigung

Wenn du den Saal zum ersten Mal betrittst, empfehle ich dir, erst mal die Club-Atmo einzuatmen. Lass den Raum kurz auf dich wirken. Wie groß ist er? Wo ist die Bühne? Wird während des Gigs am Tresen bedient? Von wo kommen die Gäste rein? Stehen vor der Bühne Tische oder Stuhlreihen? Diese ersten Eindrücke geben wichtige Hinweise, zum Beispiel darauf, welche Instrumente überhaupt und wie laut verstärkt werden müssen, wie laut die Hintergrundgeräusche sein werden und ob du von deinem Platz am Tonpult aus freie Sicht auf die Bühne haben wirst.

Es hört sich lapidar an, aber ich habe schon Bands erlebt, die eine halbe Ewigkeit ihrer kostbaren Aufbauzeit vor verschlossener Tür verbracht haben, weil sie nicht reinkamen. Der Booker war am späten Nachmittag nämlich schon weg, der Haustechniker im Saal hörte die Klingel nicht und die Band wurde immer gestresster. Also sollte eine deiner Fragen sein, wie ihr am Auftrittstag an den Ort eures Wirkens gelangt.

Damit du bei der Besichtigung an alles denkst, hier eine Checkliste:

  • Zuwegung und Ladeweg
  • Parkmöglichkeiten
  • wo sind Anschlüsse für Ton- und Bühnenstrom sowie die Stagebox
  • wo befinden sich die PA-Lautsprecher
  • ist ein Schlagzeugteppich vorhanden
  • mögliche FOH-Plätze
  • Kabelwege bis zum FOH
  • welcher Mixer wird verwendet
  • passt die hauseigene Multicore-Auflösung in die Inputs eine evtl. mitgebrachten Pults
  • freizuhaltende Fluchtwege
  • Stauraum für mitgebrachte Cases
  • sind ausreichend geeignete Mikros, Stative, DIs, XLR- und Klinkenkabel vorhanden
  • sind genügend Schukokabel und Mehrfachsteckdosen vorhanden
  • Anzahl der Monitore und Monitorwege
  • Pult-Anschlüsse für einen Live-Mitschnitt
  • Ankunftszeit am Veranstaltungstag vereinbaren
  • Tel-Nr. eines am Veranstaltungstag erreichbaren Mitarbeiters

3. Vor- und Nachteile der verschiedenen FOH-Positionen

Häufig steht das Mischpult an der Saalrückwand gegenüber der Bühne. Dort hörst du die Stereo-Beschallung meist sehr gut und hast, falls die Konsole auf einem Podest steht, deine Band bestens im Blick. Nachteilig daran ist der Schallrückwurf von der Wand hinter dir. Je härter und glatter das Wandmaterial, desto deutlicher ist dieser Effekt. Leider erfolgt diese Signalverstärkung nicht gleichmäßig, sondern der Reflexionsgrad ist frequenzabhängig. Deshalb lohnt es sich in dieser Mischposition, dass du dich ab und zu unters Publikum mischst. Dort hörst du, wie dein Sound wirklich klingt. Außerdem kann ein Podest, auf dem der FOH aufgebaut ist, die Tiefen enorm schlucken. Auch aus diesem Grund ist der Gang in den Saal wichtig.

In kleineren Locations wirst du den Mischplatz manchmal seitlich auf der Bühne finden. So spart der Veranstalter Kabelwege und hat mehr Platz für die Gäste. Für dich ist daran gut, dass du unauffällig und direkt mit deiner Band kommunizieren kannst. Allerdings hörst du nicht, was aus der PA bei den Zuschauern ankommt, weil du hinter den Boxen sitzt. Diese Lösung kann jedoch für kleine Ensembles mit fest eingestellten Lautstärkeverhältnissen der Einzelkanäle durchaus sinnvoll sein. Hilfreich ist dann eine zweite Person im Saal, die dir während der ersten Songs zuvor verabredete Zeichen gibt, was du am Sound ändern solltest.

Willst du deine Band ohnehin vom Pad oder Smartphone aus mischen, kannst du dir die beste Hörposition aussuchen, bist dort allerdings auf eine stabile Funkverbindung und die eingeschränkte Übersicht auf dem Display angewiesen.

Wenn man dich allerdings in eine Regiekabine hinter Glas verfrachten möchte, solltest du vorsichtig werden. Diese oft in Mehrzweckhallen anzutreffende Konstruktion bietet für Band und Techniker keine mir bekannten Vorteile. Du hörst nur über einen eigenen Monitor, was du mischst. Du hast denkbar schlechten Kontakt zur Band und spürst auch nicht, wie dem Publikum dein Ton gefällt. Da diese Schwierigkeiten bekannt sind, bieten solche Häuser in der Regel die Möglichkeit, ein Tonpult unten im Saal aufzustellen, vorausgesetzt, du fragst bei der Vorbesichtigung danach.

4. Kabelwege finden

Deine Kabelwege sollten sicher, kurz und möglichst einfach sein. Willst du eine bestimmtes Audioleitung in einer Konzertpause schnell abkabeln, ist eine farbige praktisch, ansonsten sind schwarze am unauffälligsten. Etwa 50 Meter darf ein symmetrisches Kabel maximal lang sein, um ein Tonsignal störungsfrei zu übertragen. Um eine aufgeräumte Bühne zu erhalten, empfiehlt es sich, Audiokabel gebündelt in mehreren Strängen oder in einem kleinem Multicore, einem Subcore, rechtwinklig zu verlegen. Am besten lässt du die Musiker erst mal ihre Backline aufbauen und positionierst die Monitore. So vermeidest du Quetschungen an den empfindlichen Audioleitungen. Außerdem solltest du einplanen, dass manche Musiker auf der Bühne einen großen Bewegungsradius haben, Kabel durch Drauftreten jedoch auf die Dauer beschädigt werden.

5. Normgerechtes Verlegen von Kabeln an Notausgängen

Gemäß § 9 Abs.3, S.1 der Muster-Versammlungsstättenverordnung dürfen Türen in Rettungswegen keine Schwellen haben. Erst recht verboten sind also Stolperfallen in Form von Kabeln, die quer über den Fluchtweg laufen, auch wenn sie mit Gaffa verklebt sind. Musst du im Club eigene Leitungen ziehen, frag am besten erst mal den Haustechniker nach einem geeigneten Weg. Oft gibt es fest verlegte Anschlüsse, die du nutzen kannst. Muss doch mal ein Notausgang überbrückt werden, haben viele Räume bereits vorinstallierte Befestigungsmöglichkeiten, in denen du deine Kabel über den Türrahmen legen kannst. Selbstverständlich gehören Leitungen ebenso wenig auf Treppen. Oft kann man sie besser unter der Bühne und damit auch unter der Bühnentreppe platzieren.

6. Vorsicht vor veralteten Venue Specs

Irgendwann mal hat fast jeder Clubbetreiber den Haustechniker gebeten, das vorhandene Material für Licht, Ton, Video und Bühne einmal komplett aufzulisten. Dann ging etwas kaputt, neues Equipment wurde ergänzt, altes ausrangiert. Aber die technischen Spezifikationen zu aktualisieren, hat man irgendwie vergessen. Dennoch werden die veralteten Venue Specs vom Büro munter in die Welt gemailt.

Beim Aufbau heißt es dann oft: „Ach so, ne, das haben wir schon lange nicht mehr. Die meisten Bands bringen das eh selbst mit. Sorry.“ Möchtest du eine solche Situation vermeiden, lohnt sich immer der kurzfristige Abgleich mit dem Haustechniker, ob für euren Bedarf aktuell alles vorhanden ist. Auch dafür ist eine Vorbesichtigung sinnvoll.

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