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18.04.2019

Aufbau eines Tonstudios – Räume und Technik

Wie ist ein Recording-Studio aufgeteilt? Welche Geräte gibt es dort?

Basis-Wissen zum Musikstudio

Musik wird im Tonstudio aufgenommen. Zwar hat sich die Welt der Musikproduktion geändert, sodass immer mehr mobile und „Bedroom“-Produktionen in hoher Qualität veröffentlicht werden, doch ist das Musikstudio immer noch der Ort, an dem die wichtigsten Dinge passieren. Zwar haben manche der legendären Tonstudios schließen müssen, trotzdem gibt es immer noch sehr, sehr viele Recordingstudios mit klassischem Layout auf der Welt. Hier erklären wir, wie diese aufgebaut sind und was die wichtigsten Gerätschaften darin sind.  

Was ist ein „Tonstudio“?

In einem Tonstudio wird Schall aufgenommen, also Musik, aber auch Sprecher oder Geräusche. Dort wird auch bearbeitet und „gemischt“ („Audio Mixing“), also die Einzelsignale zusammengeführt und mit Effekten versehen.

Räumlicher Aufbau eines Tonstudios 

Welche Räume gibt es in einem Tonstudio?

Das klassische Tonstudio verfügt in jedem Fall über folgende Räume:

  • Studio (Aufnahmeraum)
  • Regie

Üblicherweise findet man im Tonstudio noch weitere Räumlichkeiten:

  • weitere Aufnahmeräume
  • Booth (Drums, Sprecher, Cabinets)
  • kleine Regie/Editplatz
  • Zentraler Geräteraum
  • Werkstatt
  • Lager
  • Aufenthaltsraum
  • Büro
  • Küche
  • Sanitärräume

Der Begriff „Tonstudio“ ist ja eigentlich irreführend: Im Studio, also dem Aufnahmeraum, arbeiten die Musiker an ihren Instrumenten, in der Regie Tontechniker an Mischpult und anderen Audiogeräten.

Die Trennung von Aufnahmeraum und Regieraum ist nachvollziehbar: Der Tontechniker möchte über seine Lautsprecher das beurteilen können, was die Mikrofone im Aufnahmeraum aufnehmen. Dabei würde der Schall, der direkt von den Instrumenten oder Verstärkern zu seinen Ohren gelangt, nur stören. Für den Sichtkontakt zu den Musikern ist oft eine Scheibe zwischen Regie und Aufnahmeraum vorhanden. Auch der Weg zwischen beiden Räumen ist nicht selten durch eine doppelte Tür (oder einen kleinen Zwischenraum namens „Sound Lock“) getrennt, damit möglichst kein direkter Schall von einem in den anderen Raum gelangen kann.

Ein Aufnahmeraum ist akustisch so gestaltet, dass der Klang dort möglichst gut zu den Instrumenten passt. Oftmals ist die Akustik auch variabel, im einfachsten Fall mit Stellwänden („Gobos“). Im Regieraum ist die Akustik hingegen daraufhin optimiert, dass am Arbeitsplatz des Tontechnikers ein möglichst ausgewogenes, natürliches Klangbild entsteht. Sehr selten sind „One-Room-Designs“, bei denen wie in einem Proberaum alles in einem Raum stattfindet.

Neben dem Aufnahmeraum, der oftmals eine recht große Grundfläche und gerne höhere Decken hat als ein normaler Wohnraum, gibt es in Studios nicht selten noch mehrere weitere Räume in unterschiedlichen Größen. Nicht unüblich ist ein separater „Drumroom“ für das Schlagzeug, manchmal mit stärker reflektiven Wänden, etwa Natursteinen oder Kacheln. Für Sänger und laut aufgedrehte Verstärker sind ebenfalls häufig sehr kleine Räume vorhanden (diese werden „Booth“ genannt). Vorteil des Mehrraumkonzepts: Auch bei Live-Einspielungen gibt es so gut wie kein Übersprechen der verschiedenen Signale zueinander. Der Tontechniker hat also alle Signale schön getrennt vorliegen.  

Um kleinere tontechnische Arbeiten wie Schnitte und andere Bearbeitungen zu verrichten, gibt es manchmal einen separaten Arbeitsplatz, damit gleichzeitig in Studio und Regie weitergearbeitet werden kann. Nicht selten ist das eine richtige kleine Regie, die mit ihrer Technik alternativ zur großen Regie benutzt werden kann. In wirklich großen Studios kann der Kunde über die Wahl der Regie zum Beispiel auswählen, welchen Mischpulthersteller (und somit: welchen Grundsound) ihm mehr liegt.  

Computer, Mischpulte und manche andere Geräte besitzen Lüfter, die durchaus nerven können. Manche Studios besitzen dafür kleine Kammern oder Räume. In größeren, miteinander vernetzten Studios ist das der „zentrale Geräteraum“ („ZGR“). Manchmal ist dieser direkt kombiniert mit einer kleinen Werkstatt für Löt- und sonstige Servicearbeiten am Equipment, nicht selten ist die Werkstatt jedoch ein separater Raum. Gleiches gilt für das Lager, in welchem sich momentan nicht benutzte Geräte, die Mikrofonsammlung, Originalkartons, Ersatzteile und der ganze andere Kram befindet, der beim Betrieb eines Studios eben so anfällt.  

Etwas, das ja auch immer anfällt, ist Organisationsarbeit. Disposition, Buchhaltung, Werbung und Kommunikation – dafür ist ein separater Büroraum sinnvoll.

Es soll Musiker geben, die Studios in erster Linie nach ihren Aufenthaltsräumen beurteilen. Vor allem dann, wenn eine große Band mitsamt Entourage das Studio bevölkert, müssen diese irgendwo ihren Platz finden. Manche Studios haben neben einer ordentlichen Küche auch eine kleine Bar, eine „Spieleecke“ mit Konsolen, temporäre Schreibtischarbeitsplätze und viel mehr. Und je nach Lage verfügen manche Studios wie auch manche Live-Venues über eigene Musikerwohnungen. Was darf sonst nicht fehlen? Klar: Toiletten. Und vielleicht irgendwo Parkplätze für Fahrzeuge.  

Technischer Aufbau eines Tonstudios

Das wohl wichtigste und unverzichtbare Werkzeug in einem Tonstudio ist die sogenannte „Abhöre“. In Tonstudios wird bis auf wenige Ausnahmen nicht über Kopfhörer, sondern Lautsprecher beurteilt, was von der Aufnahme bis zum finalen Mixdown klanglich geschieht. Diese Lautsprecheranlage nennt man auch Studio-Monitore. Große Studios besitzen eine „Hauptabhöre“, also eine große, bei Bedarf laute, fast immer sehr teure Lautsprecheranlage, die oft bündig in die Wand eingelassen wurde. Im Regelfall finden sich weitere Alternativen, etwa für geringe oder mittelgroße Abhördistanzen („Nearfields“ und „Midfields“). Ab und an sind auch sehr kleine „Mini“-Speaker zu finden („Omas Küchenradio“).

Lange Zeit war ein Tonstudio ohne Mischpult absolut undenkbar. Diese oft großen Pulte bilden den zentralen Arbeitsplatz des Tontechnikers und können den Preis für ein Eigenheim locker übersteigen. Hier werden Signale der Musikaufnahme verwaltet und verändert. Neben analogen Mischpulten gibt es auch solche mit digitaler Signalverarbeitung, mittlerweile keine Seltenheit mehr sind „Controller“. Controller sind im Grunde nur noch luxuriöse Fernsteuerungen für Computersysteme, die unter anderem die Aufgaben von Mischpulten übernehmen können („DAW“ genannt, „Digital Audio Workstation“). Die großen Mischpulte verfügen über viele Eingänge, Mikrofonvorverstärker, Equalizer zum Anheben und Absenken bestimmter Frequenzbereiche und erlauben die Kontrolle über alle Signale. Beispielsweise werden hier mit den „Aux Sends“ verschiedene Kopfhörermischungen erstellt, die die Musiker im Tonstudio benötigen.  

War das Aufnahmemedium lange ein Magnetband auf einer Band- oder Kassettenmaschine, ist es heute fast durchweg ein Computer. Der mögliche Funktionsumfang ist mittlerweile enorm, wird aber selten komplett genutzt. Wichtig ist das „Editing“, also die Möglichkeit zum Schnitt von Audiomaterial, zur Veränderung/Verbesserung von Timing und Intonation und der Zugang zu Plug-in-Effekten, die nur auf dem Computer existieren.

Damit Audiosignale in den Computer hinein- und aus ihm wieder herauskommen können, ist ein Gerät namens Audiointerface notwendig. Im professionellen Bereich ist es nicht selten, dass weit über einzelne 32 Ein- und Ausgänge zur Verfügung stehen.  

Nur auf ein Mischpult und die Plug-ins verlässt sich kaum ein Studio. Üblicherweise ist die Regie neben und hinter dem Mischpult mit standardisierten „Racks“ (Breite: 19 Zoll!) ausgestattet. Dort sind neben weiteren, oft besonders klingenden Mikrofonvorverstärkern und Equalizern auch Kompressoren, Limiter und viele weitere Effektgeräte und spezielle Geräte zu finden. Diese „ausgelagerten“, gerne sehr edlen und teuren Geräte nennt man zusammenfassend das „Outboard-Equipment“. Ebenfalls oft dort zu sehen sind Steckfelder („Patchbays“), auf denen mit kurzen Kabeln („Patchkabel“) die Eingangs- und Ausgangsverbindungen des Geräteparks gesteckt werden können. Denn auch von großen Mischpulten aus kann nicht immer alles per Knopfdruck gesteuert werden. Manchmal wird so etwas aber auch digital gelöst („Kreuzschiene“).  

Audiosignale müssen in Studios verschiedenste Wege nehmen können. Die wichtigsten sind die der verschiedenen Signale aus dem Aufnahmeraum in die Regie. Dafür stehen im Regelfall verschiedene „Wallboxes“ zur Verfügung, das sind große Anschlussfelder, in die man Mikrofon- und andere Kabel einstecken kann. Von diesen aus werden die Audiosignale mit einem „Multicore“-Kabel, das ist ein dickes „Sammelkabel“ mit vielen Adern, in den Regieraum geleitet werden. Auch in die andere Richtung geht es: Kopfhörermischungen, aber auch die Stimme des Tontechnikers („Danke, das war schon ganz nett… macht doch noch mal einen, aber bitte mit etwas mehr Talent.“) weitergegeben wird. Damit die Musiker im Aufnahmeraum überhaupt etwas anderes als den direkten Schall ihres Instruments hören können, sind geschlossene Kopfhörer und Kopfhörerverstärker vorhanden.  

Mikrofone sind sehr wichtige Geräte, schließlich sind sie es, die Schall in Signale verwandeln, die gespeichert und verändert werden können. Dass ein Studio um die hundert Mikrofone besitzt, ist gar keine Seltenheit. Das liegt nicht etwa daran, dass so viele Signale gleichzeitig aufgenommen werden müssten, sondern dass gerade Mikrofone beim Formen des Klanges eine wesentliche Rolle spielen und auch sonst sehr unterschiedliche Eigenschaften aufweisen. Es gibt durchaus Allrounder, die nicht einmal besonders teuer sein müssen, manche Klassiker, nach denen viele Kunden fragen und absolute Spezialisten für ganz besondere Aufgaben. So gut wie immer gibt es auch Instrumente, die zur Basisausstattung eines Tonstudios gehören.  

Dass der Betrieb eines Tonstudios nicht umsonst ist, erscheint nach diesem Text wohl klar. Miete oder Darlehen für die Räume, Nebenkosten (Strom!) der streckenweise enorm aufwändige und kostenintensive Akustikausbau (mit Belüftung und Klimaanlage!), die Ausstattung mit Audiogeräten, Wartung, Aktualisierung und Neukauf, Möbel und natürlich Personalkosten und Werbung… da verwundert es nicht, dass ein Studiobesuch „echtes“ Geld kostet. Umgekehrt sind es aber genau diese Räumlichkeiten, in denen Kulturgeschichte geschrieben wurde und weiterhin wird.

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