Hersteller_Arturia Software
Test
10
18.11.2014

Praxis

Sound

Beim ersten Anspielen der Presets liegt sofort der Geist der Sixties in der Luft. Der Grundsound des Plug-ins klingt sehr authentisch nach sägender Comboorgel. Er hat einen weichen Charakter und ist schön sauber und klar. Alles wird mit viel Liebe zum Detail abgebildet. Es gibt überall die typischen, pfeifenden, rauschenden, röchelnden und brummenden Nebengeräusche der analogen Vorbilder. Und genau das sorgt für Authentizität und verleiht dem Plug-in den richtigen Retrocharme. Dennoch fehlt im direkten Vergleich mit dem Original die gnadenlose kühle Direktheit der Transistoren, die dem Vox-Sound seine Durchsetzungskraft verleiht. Vor allem in hohen Lagen wirkt die Continental V etwas schwach auf der Brust. Der Sound im Allgemeinen könnte etwas rauer und grober sein.

Gut gelungen finde ich die internen Orgeleffekte. Das Tremolo klingt lebendig und flattert sehr schön. Im Gegensatz dazu ist das Vibrato etwas dezenter und unaufdringlicher, „eiert“ aber ganz wunderbar vor sich hin.

Die Verstärker- und Leslie-Simulationen klingen ebenfalls sehr gut und detailreich. Auch hier sind alle rauschenden und scheppernden Nebengeräusche am Start. Beim Leslie hört man das kreisende Rauschen der Rotoren und das leichte Netzbrummen des Verstärkers. Die Klangunterschiede der einzelnen Verstärker- und Mikrofontypen sind gut herausgearbeitet und deutlich wahrnehmbar, womit sich die gesamte Palette an benötigten Verstärkersounds abdecken lässt. Mein Favorit ist der 1x 12" Blackface mit einem SM57 off Axis.

Bei den Bodeneffekten ist vor allem das Analog Delay ein brauchbares Tool zum Erzeugen von psychedelischen Delay- und Tonhöhen-Modulationsorgien. Lediglich eine TAP-Funktion zur einfachen Synchronisation mit dem Songtempo beim Liveeinsatz der Standalone-Version hätte ich mir noch gewünscht.

Die Modulationseffekte sind sehr vielseitig und klingen sehr authentisch. 

Der Overdrive erinnert an den Tube Screamer von Ibanez und ist ein eher verhaltener Effekt zum Anrauen des Orgelsounds. 

Ebenso hat das Wah-Wah hat einen dezenten, unaufdringlichen Klang und ist in Verbindung mit einem MIDI-Control-Pedal sehr funktional einsetzbar. 

MIDI Control Configuration

Realistisches und lebendiges Orgelspiel lebt von ständigen, spontanen Soundveränderungen. Dafür ist ein direkter Zugriff auf alle Funktionen unverzichtbar. Zu diesem Zweck verfügt die Vox Continental V über ein vollständiges MIDI-Mapping, bei dem sich ALLE Bedienelemente des Plug-ins ohne Ausnahme über die Controller eines angeschlossenen MIDI-Keyboards steuern lassen – von den Drawbars bis zu den Potis der Effektgeräte oder des Verstärkers. Zunächst ist die Software natürlich kompatibel zu Arturias hauseigenen Controllerkeyboards der Keylab-Serie. Aber über eine Learn-Funktion lässt sich auch jedes andere Keyboard spielend leicht konfigurieren. Dazu klickt man in der Menuleiste zunächst auf den MIDI-Button. Danach wählt man durch einen Klick das Bedienelement aus und betätigt den gewünschten Controller am Keyboard. Fertig. Hat man alle Controller zugewiesen, lassen sich die Einstellungen als MIDI Controller Configuration mit dem Preset abspeichern. Es ist auch ein Im- und Export von vollständigen Konfigurationen aus und zu anderen Presets möglich. Extrem nützlich, wenn man immer dasselbe Keyboard benutzt.

In den verschiedenen MIDI-Modes der Arturia Vox kann man die Bereiche UPPER, LOWER und BASS sowohl einzeln als auch im SPLIT-Mode gleichzeitig auf einem gemeinsamen MIDI-Kanal ansprechen. Dafür gibt es zwei definierbare Splitpunkte. Einmal zwischen Upper und Lower und einmal zwischen Lower und Bass. Interessant ist auch der Multi-Mode, bei dem alle drei Bereiche auf unterschiedlichen, frei definierbaren MIDI-Kanälen angespielt werden. Mit entsprechender MIDI-Hardware aus zwei Keyboards und einem Basspedal kann man somit die Software in Verbindung mit den MIDI-Control-Möglichkeiten wie eine richtige Orgel spielen. Bei den MIDI-Features bleiben keine Wünsche offen. Alles wurde sehr gut durchdacht und äußerst simpel umgesetzt. Somit lässt sich das Plug-in wie ein „richtiges“ Instrument spielen. In der Praxis funktionierte alles reibungslos. Topp!

Bedienung

Die Bedienung ist kinderleicht. Das Plug-in kommt mit nur einem einzigen Bildschirmfenster aus, von dem aus alle Funktionen des Instruments direkt zugänglich sind. Dies ist natürlich sehr praktisch, wenn man die Vox Continental V live einsetzen möchte. Der Bildschirm ist übersichtlich gestaltet und erklärt sich von selbst. Somit ist ein Blick in die Bedienungsanleitung eigentlich nicht nötig. Falls doch, kann man sie sich als PDF-Datei von der Arturia Website herunterladen. Man sollte allerdings der englischen, französischen oder japanischen Sprache mächtig sein, denn eine deutsche Ausgabe liegt nicht vor.

Das Plug-in liegt in den gängigen Formaten vor und lässt sich somit problemlos in alle aktuellen DAWs integrieren. Zudem geht es noch Ressourcen-schonend mit der CPU-Leistung um. Leider ist mir die Software im Standalone-Modus während des Tests allerdings mehrere Male abgestürzt. Dies sollte auf jeden Fall behoben werden, weil man den Standalone Modus wohl hauptsächlich in Live-Situationen benutzt. Und gerade dort sind Abstürze fatal.

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