Test
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02.07.2010

Aquarian Fell-Test

Ein Aquarian für alle Fälle

Aquarian ist ein amerikanischer Fellhersteller, dessen Name hierzulande nicht unbedingt jedem Drummer geläufig ist. Gründer Roy Burns ist sozusagen der „Colt Seavers“ der Fellhersteller. Wir erinnern uns an die amerikanische Kult-Serie „Ein Colt für alle Fälle“ aus den Achtzigern: Lee Majors spielte einen Stuntman, der für alle Stars die spektakulärsten Stunts macht, aber nie die volle Wertschätzung erhält – niemand kennt ihn. So ähnlich ist das mit Burns, er vollzieht spektakuläre Fell-„Stunts“, aber die große Mehrheit der Drummer bekommt sie nicht mit.

In den USA ist Roy seit den Fünfzigern ein bekannter Jazz-Big-Band-Drummer, der auch schon mit Benny Goodman spielte. In den Sechzigern war er einer der ersten Schlagzeuger, die Drumclinics und Workshops populär machten. 1987 gründete dieser Trommel- und Soundspezialist dann seine eigene Firma unter dem Namen Aquarian Drumheads. Sein Ziel war es, ein neuartiges Fell zu konstruieren. Es sollte einen, an den Klang von Naturfellen erinnernden, warmen und runden Grundsound haben, sich leicht stimmen lassen und anschließend stimmstabil bleiben. Das Coating sollte zudem haltbarer sein als bei Konkurrenzprodukten. Eine große Auswahl an Fellen sollte alle Musikstile und Trommelgrößen abdecken - ein schwieriges Vorhaben, zumal Kollege Evans schon 1956 das synthetische Fell erfunden hatte, zu einer Zeit, als Mitstreiter Remo Belli schon weltweiter Marktführer war. In den vergangenen Jahren ist es Aquarian aber immer wieder gelungen, eigene Wege zu gehen und innovative Felle wie das “Super Kick” Bassdrum-Fell oder die “American Vintage”-Serie zu entwickeln. Aber was hat diese kleine Firma, was andere nicht haben? Lassen wir uns überraschen ...

Gesamtfazit

Der Unterschied der Felle war sowohl akustisch als auch im Studio aufgenommen deutlich zu hören. Wie Hersteller, die neu auf den Markt kommen, hat auch Aquarian ein Problem, das weniger mit dem Produkt selbst zu tun hat, als vielmehr mit unseren Gewohnheiten. Remo Belli genießt mit über 80% Marktanteil seit etwa 50 Jahren eine außerordentliche Monopolstellung. Er hat Maßstäbe gesetzt und alles andere wird damit verglichen. Damit sollte eigentlich Schluss sein, denn die Felle mit dem Aquarian-Logo sind hervorragend, aber auch ich muss zugestehen, dass ich zwischen der „gewohnten, alten Remo-“ und der „neuen Aquarian“-Welt gefangen bin. Dieses Problem haben wahrscheinlich viele Drummer, denn sonst müsste Aquarian einen Marktanteil deutlich im zweistelligen Bereich haben. Die Klasse und die Masse dazu hat die Marke allemal. Auf der Vertriebsseite sind unglaubliche 25 Fellserien gelistet. Roy Burns alias Colt Seavers baut Trommelfelle, die vor dem Mikrofon schon so klingen, wie sie nachher auf Band klingen sollten. Hinter Aquarian steckt ein anderes Konzept, das musikalisch perfekt funktioniert und nie die Absicht hatte, andere Firmen zu kopieren. Die getesteten Felle entsprachen alle den ursprünglichen Vorgaben von Burns und bestachen durch perfekte Verarbeitung, Sound und Qualität! Alle lassen sich einfach stimmen und haben einen typischen warmen Grundsound. Viele Felle sind vermeintlich etwas leiser als Konkurrenzprodukte, aber dafür muss ich weniger dämpfen und habe von Anfang an einen Sound, mit dem ich professionell live und im Studio auf höchstem Niveau arbeiten kann. Wenn es Probleme gibt, würde ich diese eher in Richtung Schlagzeuger schieben als in Richtung Hersteller. Wie heißt es in dem Titelsong von „Ein Colt für alle Fälle“? „...’cause I am the lonely stuntman that makes Eastwood look so fine!“ Passender für Mr Roy Burns wäre: „...cause Roy is the unknown stuntman that makes us drummers sound so fine!“

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