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Test
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03.06.2015

Allen & Heath Xone:43 Test

Vierkanal-Clubmixer mit vier Phono-Vorverstärkern

Eine runde Sache?

Xone:43, der neue 4+1-Mixer der britischen Pultschmiede Allen & Heath, hat im Vergleich zu seinem Vorgänger neben dem offensichtlichen Re-Design, das sich am Gewand der Modelle DB2 und DB4 orientiert, auch ein leicht geändertes Konzept erhalten. Zudem hat der Neuling pünktlich zur Musikmesse noch ein Geschwisterchen in Form des Xone:43c bekommen. Beide zusammen sorgen gemeinsam für die Ablösung des äußerlich in die Jahre gekommenen Xone:42. Während dieser seinerzeit mit zwei Phono-Vorverstärkern und einem schlichten Vierkanal-USB-Interface auskommen musste, sind die beiden Nachfolger mit je vier Phono-Kanälen recht üppig ausstaffiert.

Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Neuen liegt in der durchgängig analogen Ausführung des 43ers, denn Xone:43c verfügt über ein Serato DVS zertifiziertes USB-Audiointerface, das eine umfassende Einbindung der neuseeländischen DJ-Software erlaubt. Während die Anschaffung des heutigen Protagonisten einen Einsatz von 899 Euro bedeutet, schlägt Xone:43c mit 1.099 Euro zu Buche. 

Details

Frisch auf den Tisch

Gehen wir doch direkt in medias res und schauen uns an, was denn alles zum Lieferumfang des Xone:43 zählt. Neben dem Analogpult finde ich noch zwei Kaltgerätekabel im Paket, eins für die Vereinigten Staaten und eins für den Einsatz in Europa. Zu den gerade genannten Ingredienzien gesellen sich noch eine englische Kurzanleitung und ein Set Ersatz-Potikappen für Fader und Drehregler.

Chassis

Der Mixer macht einen guten und hochwertigen Eindruck – und schön finde ich ihn auch. Das 32 x 11 x 37 cm (Breite x Höhe x Tiefe) große Gehäuse wurde komplett aus Aluminium gefertigt und hat eine raue Oberfläche, die mit einem schwarzmatten Finish veredelt ist. Road-tauglich und gegen Schmutz unempfindlich zugleich, was man vom Vorgänger in Sachen „dirty fingers“ nicht behaupten kann. Für sein robustes Auftreten ist das Gewicht des 43ers schon fast putzig, denn 5,1 kg ist nicht zu viel, was den einen oder anderen mobilen Interessenten freuen wird. Für einen bombenfesten Stand sorgen vier üppige, abschraubbare, 5 mm hohe und 3,5 cm im Durchmesser betragende Gummifüße auf der Unterseite. Der Mixer fühlt sich versorgungstechnisch aufgrund der beiden mitgelieferten Kaltgerätekabel nahezu überall zuhause, denn seine Spannungsversorgung ist mit einem internen Schaltnetzteil, das mit 100-240 Volt bei 50-60 Hertz zurechtkommt, ausgestattet. Chapeau!

Neues, Oberflächliches

Sehr robust und trotzdem elegant: Selten habe ich eine derart gelungene Mischung aus Solidität, Funktionalität, Fertigungsqualität und vollendeter maschineller Eleganz gesehen. Man könnte meinen, dass Designer und Ingenieure hier in Personalunion tätig waren. Das 12-Zoll-Chassis verfügt über rund gefasste Kanten und zudem über abgerundete Ecken, somit ist die Verletzungsgefahr gleich null. Alle Bedienelemente fühlen sich schon im Trockenlauf echt toll an. Wer hier nach Graden, Unsauberkeiten beim Einpassen von Bedienelementen oder nach zu großen Spaltmaßen sucht, wird dabei elendig verhungern, denn der Mixer ist echt toll verarbeitet. Kompliment!

Neu sind die Trennungs- und Hilfslinien auf der Mixeroberfläche, ein sehr kleines unscheinbares Detail, könnte man meinen, aber es verbessert die visuelle Trennung der einzelnen Sektionen voneinander auf einfache, aber effektive Weise.

Die LEDs sämtlicher Meter haben nun rechteckige große Aussparungen in der Faceplate bekommen, sodass sie deutlich besser zu sehen sind. Auch das frische Farbkonzept unterstützt die „neue Schlichtheit“. Der schwarze Text auf den weißen Buttons, die verschiedenen LED-Farben bei den Button-Gruppen und auch der knallweiße Aufdruck der Beschriftungen auf der rauen, matten Pultoberfläche mit ihren gelegentlichen, orangenen „Farbklecksen“ sind kontrastreich und auch im Dunkeln gut zu erkennen. Sämtliche Potikappen sind nun gummiert und geriffelt, mehr Grip geht schon fast gar nicht! Zudem mutierte die Form der Potis auch ein wenig: Statt auf schlanke Modelle mit langem Schaft, setzt man bei A&H nun auf etwas kürzer gewachsene dickere Knobs, was ich sehr begrüße. Nicht, weil ich Wurstfinger hätte, sondern weil prinzipiell größere Durchmesser bei Regler-Kappen mehr Umfang bedeuten und damit in einem längeren Regelweg resultieren, was letztendlich immer mehr Gefühl beim Regeln und Pegeln bedeutet.

Layout

Hinsichtlich des Layouts kann man auf den ersten Blick schon feststellen, dass sich nicht so viel getan hat, musste aber auch nicht sein. Für Nutzer des Xone:42 gibt es kaum Änderungen beim Arrangement der Bedienelemente. Links befindet sich der Mic/Aux-Kanal, worauf die vier Main Channels folgen, wenn der Blick von links nach rechts schweift. Beim Vorgängermodell residierte hier der USB-Port anstelle des Aux-Eingangs, der als Cinch-Paar ausgeführt ist. Unterhalb des Mikrofonkanals hat wie auch schon beim 42er die Kopfhörersektion Platz gefunden, die exakt die gleiche Ausstattung bietet wie der Vorgänger. Nur sind die beiden Drehregler jetzt endlich soweit voneinander entfernt, dass man an beiden ungestört schrauben kann. Gut so.

Ganz rechts residiert das in der Minimal- und Elektro-Szene so beliebte, spannungsgesteuerte Filtersystem (VCF), ein wahlweise schaltbares Hoch-, Tief- oder Bandpassfilter mit regelbarer Grenzfrequenz und der stufenlos verstellbaren „mild to wild“ Resonanzregelung. Zudem findet sich in jedem Channel-Strip ein dedizierter XFX-Regler ein, der das Kanalsignal auf ein externes Effektgerät führt. Das effektierte Signal wird über den rückseitigen XFX-Eingang, der als Cinch-Buchsenpaar ausgeführt ist, in den Xone:43 zurückgeführt.

Backpanel – Hier finden sie Anschluss!

Das Pult stellt vier Phono/Line-Kanäle bereit, so dass insgesamt acht vollwertige Zuspieler angeschlossen werden können. Zählt man den Aux-In und den XFX-Return hinzu, finden insgesamt zehn Quellen Zugang zum 43er, der die vielen Signale zudem problemlos verwalten kann. Der Xone:43 ist somit womöglich einer der letzten Clubmixer, die noch den simultanen Anschluss von vier Plattenspielern zulassen – oldschool! Zudem ist die Signalverarbeitung nach wie vor komplett analog. Eine Eigenschaft, die sich nicht mehr so viele Diskopulte auf die Fahnen schreiben können.

Unterhalb der Kanalzüge residiert der austauschbare Crossfader, der Innofader-kompatibel ist und drei verschiedene Curves kennt, die per Switch ausgewählt werden. Kurze Cuts über „normale“ Crossfades bis hin zu langen Überblendungen sind mit dem 45 mm langen Crossfader absolut möglich. Die VCA-gesteuerten Kanal-Fader verfügen nicht über flexible Kurvencharakteristiken, brauchen sie aber auch nicht unbedingt, wenn man mich fragt. Sie sind wie der horizontal angeordnete Kollege 45 mm lang und lassen sich mit einem angenehmen Widerstand ausgestattet prima über die Leiterbahn schieben.

Master & Monitors

Der Mastersektion steht eine Stereo-LED-Anzeige anheim, die mit neun Segmenten pro Seite die Pegelverhältnisse übersichtlich darstellt. Die Messung orientiert sich eher am RMS- als am Spitzenwert, da es ein wenig träger als die damals verwendeten Meter reagiert, was ich aber grundsätzlich begrüße. Die Anzeigen des Xone:62 wirkten mir ehrlich gesagt ein wenig zu zappelig und waren auch nicht so informativ wie die jetzt verwendeten.

Sowohl Master als auch Monitor (Booth) sind für meine Begriffe sehr spärlich ausgestattet. Außer Pegelsteller und Master-Meter ist hier nichts auszumachen. Kein Hochpassfilter, keine Mono-Schaltung, kein Balance-Regler und auch kein EQ für den Master oder Monitor. Während die erwähnten EQs sicherlich kein Standard in dieser Preisklasse sind, sieht das für die erstgenannten Features schon anders aus. Purismus in allen Ehren, aber ich bin über die Jahre zu der Ansicht gelangt, dass zumindest Mono-Schalter und Balance-Regler zum Pflichtteil eines potenziellen Club-Kandidaten gehören. Dabei geht es mir persönlich gar nicht um Korinthenkackerei bzw. um die zwei bis drei Dezibel Pegelunterschied, die mancher Track aufweist, die man damit natürlich auch prima ausgleichen könnte. Nein, viel wichtiger werden Mono-Switch und Balance in Kombination bei einem Mini-Katastrophenszenario:

Man stelle sich vor, dass sich im Club bei einem Plattenspieler ein Kanal verabschiedet oder ähnlich geartete Probleme mit Seitensignalen auftreten. Mit einem Mono-Schalter und einem Pegelsteller für den Seitenausgleich hat man hilfreiche tontechnische Werkzeuge zur Hand, mit denen man zumindest den Abend noch spontan retten kann, indem man die Summe mono schaltet und die Pegeldifferenz ausgleicht. Klar, solche Features kosten Geld, aber wir reden hier nicht von Übertragern, hochwertigen Phono-Vorverstärkern oder aufwendigen Filterkonstruktionen, sondern von einem Balance-Regler und einem Summenschalter, was definitiv nicht viel finanziellen Aufwand bedeutet. Mit einem 43er an so einem Abend ausgestattet, schauen alle auf dem Dancefloor in die Röhre, weil nur eine Seite der PA läuft. Daher verliert unser Proband hier einen halben Stern.

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