Hersteller_Akai
Test
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20.07.2009

Beim Auspacken der APC40 war ich von der Qualität angetan, denn bei mir schwebten immer noch Erinnerungen an ältere MIDI-Keyboards von AKAI mit, die eben komplett aus Kunststoff gefertigt waren.

Die APC40 hingegen erinnert nicht nur vom Namen an die MPC, sondern auch optisch und hinsichtlich ihrer Fertigungsqualität. Imagetransfer hin oder her, die Qualität ist gut: Das Gehäuse besteht aus Metall und Hartplastik und vermittelt bereits vom Gewicht her eine gewisse Wertigkeit. Man braucht also auch keine Angst haben, das Gerät bei härterem Zulangen über den Arbeitstisch zu schieben.

Der Datenaustausch findet rückseitig über den USB-Anschluss statt, die Strom-  versorgung nur über das mitgelieferte Netzteil - zur Fixierung des Kabels steht eine Sicherungsöse als Zugentlastung parat. Darüber hinaus können zwei optionale Fußpedale angeschlossen werden.

Im Zentrum des Geschehens stehen die gummierten, vielfarbig hinterleuchteten Pads. Sie vermitteln einen angenehmen Druckpunkt und erinnern mich an die Buttons der Electribe-Serie von Korg. Die meisten von ihnen sind in einer 5x8 Matrix angeordnet und repräsentieren zeitgleich 40 Clips, acht Tracks und fünf Szenen - daher auch die „40“ im Namen. Ein Druck auf den richtigen Button und der entsprechende Clip wird abgefeuert.

Neben dieser Matrix befinden sich auch die Szenenstart- Knöpfe und unter ihr die Clip-Stop- Knöpfe. Noch weiter unten, über den neun Fadern, finden sich Track Selection, Track On/Off, Solo/Cue (Vorhören) und Record Arm (für Aufnahme scharf schalten).

Alle anderen Buttons sitzen auf der rechten Seite und sind nicht gummiert, sondern lediglich  aus Kunststoff. Warum hier gespart wurde, ist mir ein Rätsel, denn die gummierten Taster fassen sich bedeutend besser an, und von ihnen rutscht man auch in schwitzigen Club-Situationen nicht ab. Die meisten von ihnen braucht man zwar nur für die Navigation, trotzdem passt dies meiner Meinung nach nicht in das Qualitäts/Preis-Konzept.

Zu den nicht-gummierten Buttons zählen zum Beispiel die vier Bank Select Navigationstasten, mit denen die Auswahl der momentan auf der APC verfügbaren 40 Clips gesteuert wird. Mittels Shift-Taste können Zweitbelegungen aktiviert werden. Auch die gröbere Schnellnavigation über die Matrix, bei der ein Pad 40 Clips repräsentiert, wird so möglich. So scrollt man selbst durch größere Sessions schnell hindurch.

Ganz in der Nähe der Navigationstasten befinden sich auch die Tempo-Buttons mit Nudge Plus bzw. Nudge Minus, mit denen ein Set „angeschoben“ bzw. „abgebremst“ werden kann, sowie der Tap Tempo-Button, mit dem man sich „nach Gefühl des im Takt klopfenden Fingers“ einer Geschwindigkeit annähern  kann. Die Tap-Funktion kann aber auch über ein Fußpedal ausgeführt werden.

Die Fader der APC verfügen über einen Regelbereich von 45mm, was sie nicht unbedingt zum Finetuning und Mischen prädestiniert. Allerdings laden sie durch ihre massiven Faderkappen zum  fröhlich-rhythmischen Betätigen der Kanalfader ein. Sie erinnern mich an einen guten Battle-Mixer und stehen in keinem Vergleich zu den Fadern der Remote SL-Serie von Novation, die eher mittelprächtig sind.

Der Crossfader ist bedeutet leichtgängiger als die Kanalfader, was mir persönlich gut gefällt, aber natürlich Geschmackssache ist. Eine weitere gute Nachricht: er ist austauschbar!

Die Drehpotis bzw. Encoder sind sehr hochwertig verbaut und bieten genügend Platz zu ihrem Nachbarn - der Abstand hätte meiner Meinung nach aber ruhig noch ein wenig größer ausfallen können.  Der  Qualitätsunterschied zu den Encodern der Behringer BCR- bzw. BCF-Serie ist riesig! Alle Drehregler sind als Endlos- Encoder ausgelegt, die ihren Momentan-Wert - mit Ausnahme des Cue Level Reglers - über einen hübschen „Ableton-grünen“ LED-Kranz visualisieren. Schick!

Acht der Endlos- Encoder befinden sich im oberen Block, der sich Track Control nennt. Mittels der vier Taster Pan, Send A, Send B und Send C können ihnen neue Funktionen zugewiesen werden, was vier Bänken entspricht. Man kann also immer einen Parameter (Pan oder Send) der im Matrix-Focus liegenden acht Tracks regeln. Wem das nicht gefällt, kann den  8x4  (= 32) Reglern manuell eine beliebige, neue Funktion zukommen lassen.

Acht Bänke gibt’s hingegen für den anderen Achter-Block, der sich Device Control nennt. Dieser wird per Shift-Regler mit darunter liegenden Buttons umgeschaltet, womit insgesamt 64 Regler zur Steuerung von Plug- Ins verfügbar gemacht werden. Praktisch dabei ist, dass sich seit Live 8 per 3rd Party Mapping die acht wichtigsten Parameter eines Plug- Ins sehr einfach auf die ersten acht Regler mappen lassen.

Bei so vielen Parametern kann man allerdings auch schnell die Übersicht verlieren: Kleine Displays mit dem Namen der Parameter über den Reglern wären meiner Ansicht nach sehr hilfreich.

Unglücklich finde ich jedoch einige der Belegungen für die Ableton Plug-Ins: Beim EQ 8 hat man sich zum Beispiel nicht dafür entschieden, einer Bank ein EQ-Band zuzuordnen, sondern jeder Funktion eine Bank. Wenn ich also das erste EQ-Band bearbeiten will,  muss ich in Bank 1 gelangen, um es zu aktivieren, dann in Bank 2, um die Frequenz auszuwählen, anschließend in Bank 3, um das Gain festzulegen und zu guter Letzt in Bank 4, um die Güte zu bestimmen. Das ist eine Aufgabe, die man im Allgemeinen  nicht einfach seriell erledigt, sondern indem man immer wieder zu einem der Parameter zurück springt, bis es passt – die Shift-Taste dabei  immer im Anschlag.  Auf der Bühne wird das wohl keinen interessieren, denn bei ordentlicher Vorbereitung wird man sich mit acht Parametern pro Track zufrieden geben können, Kenntnisse der Makro-Funktion eines Instrumenten-Racks vorausgesetzt.

Wenn man den Shift-Taster nicht benutzt, bieten die acht Taster des Device Control folgende Funktionen: Man kann zwischen den Plug- Ins eines Tracks umschalten, diese an- und ausschalten, das Metronom, die Quantisierung und MIDI-Overdub aktivieren sowie zwischen Detail-, Track- und Clip-View hin- und herschalten.

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