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17.12.2015

5 Wireless-Systeme und Funkmikrofone unter 300 Euro

Funkstrecken für Einsteiger von t.bone, Shure, AKG und Samson

Preisgünstige Drahtlosanlagen für Musiker und Veranstalter

Spätestens seit der ZDF Hitparade sind die Sennheiser-Handgurken ohne Kabel jedem Fernsehzuschauer ein Begriff und kein Kabarettist tritt heute noch ohne sein Lavaliermikrofon auf. „The Golden Age Of Wireless“ hat natürlich auch Einzug in die unteren Preiskategorien gehalten und was davon zu halten ist, haben wir bereits mannigfach für euch getestet. Anlass genug, mal fünf preiswerte und gute Funkstrecken unter 300 Euro zu empfehlen.

Details

Eine Funkstrecke besteht immer aus einem Sender und einem Empfänger. Beim Empfänger wird in True und Non Diversity unterschieden, also, ob eine oder zwei Antennen inklusive Empfangseinheiten an dem Gerät verbaut worden sind. Ein Mikrochip misst die jeweiligen Feldstärken der eingehenden Signale und leitet das stärkste Signal weiter. Das Ziel: Drop-outs oder Interferenzstörungen zu eliminieren. Zwei Antennen bieten also die größtmögliche Übertragungssicherheit, die doppelte Technik kostet allerdings auch mehr Kohle. Bei den Sendern gibt es die Möglichkeit, Handmikrofone oder Taschensender einzusetzen. An einem Bodypack können entweder ein Headset, ein Lavaliermikrofon oder ein Instrument angeschlossen werden. Viele Systeme verfügen über einen Kanalwahlschalter, sodass mehrere Geräte parallel genutzt werden können. Bewegungsfreiheit für die ganze Band und das alles für um die 300 Euro klingt gut.

the t.bone TWS Vocal One

Der erste Kandidat ist gleich der günstigste und ein hervorragendes Tool für den Einstieg. Für schlappe 50 Euro bekommt Ihr ein überraschend gut klingendes Set. Manche der günstigen Mikros neigen dazu, Greifgeräusche allzu leicht mit zu übertragen. Hier hält sich das in Grenzen und die Sendeleistung reicht locker für einen Bewegungsradius von 6 Metern auf der Bühne. Gerade für kleine Bühnen am Anfang der Karriere braucht es auch nicht mehr. Mit zwei AA-Batterien gefüttert, hält der Sender circa 8 Stunden durch. Die maximale Reichweite ist mit 50 Metern angegeben. Das lässt sich sehen! Thomann bietet die Geräte in vier unterschiedlichen Frequenzbändern an, wobei jeweils zwei Frequenzbänder parallel betrieben werden können. Zwar bietet das Bundle Technik auf einfachem Niveau, aber dafür ist ein abschraubbarer Mikrofon-Gitterkorb und ein praktischer Transportkoffer inklusive. Hier geht´s zum Test.

Samson Concert 88 Mic

Mit der C88-Serie hat Samson eine hervorragende Funkstrecke für einen unverschämt kleinen Preis gebaut. Das System ist auch mit Lavalierpacks für Gitarristen oder Headset-Spezialisten kombinierbar und hat dank True Diversity eine unverschämt hohe Reichweite. Rein formal sind 90 Meter Umkreis drin, nur wird euch der Laufzeitunterschied des Funksignals etwas kleinere Kreise ziehen lassen. Acht Geräte sind parallel an dem gebührenfreien Frequenzband betreibbar und solltet ihr zur Variante mit dem Handheld-Mikrofon greifen, seid ihr für bis zu 12 Stunden gerüstet! Die Funkstrecke ist sehr stabil, Drop-outs oder Störungen durch benachbarte Telefongespräche sind dem System unbekannt. Theoretisch sind 16 Geräte gleichzeitig betreibbar, da die freien Funkfrequenzen aber nur ein enges Band darstellen, können nur maximal acht parallele Funkstrecken ans Netz genommen werden. Die Mikrofonkapsel gehört zu den Mittelklasseprodukten und es ist nötig, am Mischpult noch etwas mehr „Luft“ via EQ hereinzudrehen. Aber bei welchen Live-Performance Mikrofonen in den günstigen Preisklassen muss man das nicht? Die Bedienung der Gerätschaften ist schnell erlernt und einfach durchzuführen. Das Mikrofon selber klingt nicht übel, überträgt jedoch gerne mal Tast- und Greifgeräusche. Trotz allem, eine der potentesten Funkstrecken in der günstigen Einsteigerklasse! Mit 159 Euro seid ihr dabei.

the t.bone free solo HT 863 MHz

Die Thomann-Serie „t.bone“ hat zwar auch in der günstigen Preiskategorie schon True Diversity Systeme, aber hier nun eines der „Spitzenmodelle“ für 199 Euro. Geliefert wird der Free Solo HT in einem stabilen, ausgepolsterten, Kunststoffkoffer, in dem alle Komponenten geschützt, übersichtlich und griffbereit parat liegen. 16 mögliche Betriebskanäle erlauben den Aufbau eines umfangreichen Funknetzwerkes und die zwei AA-Mignonbatterien im Handsender reichen für 8 Stunden Dauerbenutzung. Dank True Diversity sind „Moves like Jagger“ auf entsprechenden Bühnen durchaus möglich, ohne gleich das Signal zu verlieren. Die umfangreiche Bedienung des Empfängers ist dank des großen Displays ein Kinderspiel, wie unser Test belegt.

Alle Parameter im Blick und Total Recall bei der nächsten Benutzung machen dieses Gerät absolut benutzerfreundlich. Spezielles Augenmerk liegt hier auf dem einregelbaren „Squelch“, ein Noise Gate, dass bei HF-Störungen aktiviert werden kann. Bei einer zu starken Einstellung des Threshold könnte das Audiosignal beeinträchtigt werden, Fingerspitzengefühl ist gefragt! Ankreiden mag man, dass die Greifgeräusche am Handsender etwas zu laut geraten können, dafür ist allerdings der Klang des mitgelieferten Mikros schon ganz schön amtlich! Ein gutes Gesangsmikrofon, dessen Nierencharakteristik genügend Feedback-Freiheit gibt, um den Bühnenmonitor ordentlich auszufahren.

AKG Perception Wireless 45 Vocal Set

Die Perception Wireless 45 von AKG bringt für 199 Euro den True-Diversity-Betrieb gleich mit, auch wenn man es nicht sieht. Die Antennen sind intern verbaut, was der schnittigen Optik noch ein Quantum mehr Aufgeräumtheit beschert. An den acht möglichen Kanälen sind bis zu fünf Frequenzen des freien Bandes sauber empfangbar, was den Betrieb mit fünf parallelen Geräten ermöglicht. Optional bietet AKG zur Funkstrecke passende Erweiterungen an, beispielsweise Headset, Lavaliermikrofon und Taschensender. Das hier mitgelieferte Mikrofon ist auf Gesangs- und Stimmperformance optimiert und benötigt nur eine Mignonzelle, deren Lebensdauer gut 8 Stunden beträgt. Eine Sendeleistung von 10 mW ermöglicht einen maximalen Aktionsradius von 30 Metern, da geht schon einiges. Der On/Off/Mute-Schalter macht zwar ein leichtes Geräusch bei Betätigung und wie bei vielen Mikros der unteren Preisklasse sind auch hier Tastgeräusche vernehmbar. Trotzdem hat das Gerät ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und ist für Einsteiger bereits der halbe Schritt in die professionelle Welt.

Shure BLX24/PG58

Bei den Wireless Systemen darf Shure natürlich nicht fehlen. „Performance Gear“ kennzeichnet das preisgünstige Segment des Portfolios und bietet den amtlichen Shure Sound zu fairen Konditionen. Auch wenn wir das Budget mit dem BLX24 PG58 strapazieren, es gehört dennoch hierhin, denn die Features lassen sich sehen: 14 Stunden Betrieb mit zwei AA Batterien, True Diversity mit integrierten Antennen, Pilotton und eine auf Gesang und Sprache ausgerichtete PG58-Mikrofonkapsel auf Basis des SM58-Klassikers. Der Klang und das Verhalten des PG58 ist dem Shure SM58 gleichzusetzen, ein absolutes Bühnenmonster, mit dem getrost „gearbeitet“ werden kann.

Als Aktionsradius des Senders gibt Shure 100 Meter bei 10 mW an und bedient somit die Ansprüche größerer Bühnen. Shure hat einiges an Technik eingebaut, um Stimmen mit möglichst viel Druck und minimalster Rauschfahne über den Äther zu senden. Die Quickscan-Funktion sucht automatisch aus 150 möglichen Kanälen nach freien Frequenzen und erleichtert so die Kanalwahl beim parallelen Betrieb mit bis zu 12 Geräten. Das bisschen Handgeräusch, das sich über das Kunststoffgehäuse breit macht, müssen wir einfach akzeptieren, wobei die Geräusche von allen getesteten Strecken hier am geringsten sind. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, den Empfänger mit anderen Sendern der Shure-Serie anzusteuern und damit aufzurüsten. 259 Euro kostet das Gerät und ist eine gute mittelfristige Investition.

Die oben genannten Systeme sind ebenso mit Lavalierpacks für Headsets, Ear-Buddies oder Instrumenteneingang erhältlich. Es lohnt sich natürlich, auch mal ein Blick und speziell zwei Ohren auch auf die etwas kostenintensiveren Modelle zu werfen, die ihr auch in unserem Testmarathon findet. Eins ist jedoch Gewiss: Die Großen müssen sich mit den kleinen Messen und wir haben hier einige Davids, die den Goliaths ordentlich Konkurrenz bieten. Viel Spaß beim Aussuchen. Und schön darauf achten, ob die Anlage ab dem 1.1 2016 (Stichwort Digitale Dividende) auch noch anmeldefrei betrieben werden kann, so sie es den soll.

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