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11.09.2019

5 Skills, mit denen du als FOH-Mann zur Sorgenmutter der Nation werden kannst

Ein FOH-Mann ist weitaus mehr als ein Techniker oder Operator. Er ist Auffangbecken für persönliche Sorgen und Equipment-Probleme. Nach dem Vorbild der eierlegenden Wollmilchsau eignet er sich zum

  • spontanen Seelenklempner
  • als Koffein- und Bierkellner
  • als Forscher bei der Frequenzsuche in unendlichen Schallwelten
  • Gerne kommt er auch als Kindergärtner oder Seniorenbetreuer zum Einsatz.

Diese Kompetenzen muss er sich aber erst mühsam erarbeiten und dabei sein eigenes Nervenkostüm pflegen. Hier ein paar Fähigkeiten, mit denen aus dem FOH-Mann eine Mutter Teresa wird.

Empathie für Durchgeknallte

Bandmitglieder wollen Dynamik und Exzentrik ausstrahlen (Tipps für den Soundcheck), um das Publikum beim Gig in ihren Bann zu ziehen. Vom FOH wird das Gegenteil erwartet. Der soll gelassen sein, immer alles unter Kontrolle haben. Weshalb auch solltest du mitgrooven?

Techniker machen das nicht. Vielmehr lobst du die Stage-Protagonisten für ihre Ausstrahlung, das bemerkenswerte Outfit oder ihre Klampfe – selbst, wenn die übel verstimmt sein sollte. Und schon hast du den Salat: Du bist akzeptiert. Ständig wird irgendeiner von ihnen an deinem Arbeitsplatz herumlungern (Tabuzone FOH-Platz) und dich mit seiner Lebensgeschichte zustopfen. Da kannst du froh sein, wenn du wenigstens beim Catering deine Ruhe hast.

Einfach mal die Klappe halten

Selbst wenn der Sound in Front und Monitor optimal justiert ist. Du weißt genau, gleich kommt wieder einer dieser genialen Sprüche. Denn welches Bühnen-Alphatier mag sich schon fremdkontrolliert in deine Obhut geben? Vorausschauend wartest du darauf, dass irgendwer sich gleich nicht hört oder findet, dass er komisch klingt. Klar, alles deine Schuld. Da heißt es ruhig und gelassen bleiben. Das ist nur der Musiker-Hilferuf nach Geborgenheit. Hier hilft der Trick, die Wahrnehmung der Stage-Akteure zu manipulieren. Ein verstehender Kommentar: „Ja, stimmt, da geben wir noch ein bisschen Schub.“, ein wenig vorgetäuschte Aktivität am Pult, eine freundliche Nachfrage „Passt so?" – und schon fühlt jeder Mucker sich bei dir bestens aufgehoben.

Basispädagogik

Schon mal jemandem aufgefallen, dass der Prozentsatz der Zicken und Diven unter männlichen Musikern extrem hoch ist? Vor dem Gig werden Gemeinheiten ausgetauscht und merkwürdige Blicke durch die Gegend geschossen. Keiner meint das dauerhaft böse. Aber jeder will den eigenen Stress auf den Schulten des Nebenmanns abladen. Für dich kein Problem. Denn was macht man, wenn ein Kind zu aufgeregt ist? Man gibt ihm ein Spielzeug. Also verteilst du ebenfalls Spielzeug an die Streithähne, und zwar in Form verschiedener Aufgaben. Ganz höflich holst du etwa den Basser zum FOH-Pult, der mal eben die Analyzer im Auge behalten soll oder schickst den Drummer in den Backstage-Bereich, um ein Ersatzmikro zu holen. Alles gut hörbar über Talkback natürlich. Deiner Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Streithähne getrennt, Ruhe herrscht. Und wenn dann auf der Bühne immer noch debattiert wird, nutzt du die Macht der Fader und ziehst sämtliche Mikrofone und Instrumente auf null. In urplötzlich stiller Atmosphäre streitet es sich nämlich nicht so gut. Der verblüffende Effekt ist für jeden spürbar.

Konstruktiv denken

Die Band hat sich monatelang auf das Konzert gefreut, weil angeblich der nächste Schritt auf der Karriereleiter bevorsteht. Allerdings ist die Band mitnichten der Haupt-Act. Die Truppe spielt engagiert bis in die Haarspitzen, allerdings nur vor 20 und nicht vor 2.000 Leuten. Pure Enttäuschung. Nun hast du zwei Möglichkeiten. Entweder lässt du dich von der Stimmung einlullen und nimmst das alles nicht so wichtig. Weitaus besser – und auch fairer – ist es, die Zeit zu nutzen. Mach‘ deinen Job professionell, ohne ständig auf den Bildschirm mit dem Fußballländerspiel zu glotzen. Und schreibe dir sämtliche Eindrücke zur Show und zur Musik auf. Wenn du anschließend die Mucker tröstest und ihnen konkreten Verbesserungsvorschläge unterbreitest, hast du gewonnen. Oder verloren – ganz, wie man’s nimmt. Sie riechen Lunte, werden immer wieder mit dir zusammenarbeiten und dir ihrer Sorgen und Nöte ungefragt aufschwatzen wollen.

Botschafter des guten Klangs

Das Auge hört bekanntlich mit. Und Menschen in fortgeschrittenem Alter, etwa Würstchenbuden-Betreiber und ängstliche Veranstalter, stellen sich die Nackenhaare auf, wenn sie das Boxen- und PA-Arsenal nur sehen. Sei aktiv und suche das Gespräch. Erkläre ihnen, dass die Größe des Equipments weniger der Lautstärke als dem angenehmen Klang dient. Führe ihnen das auch gerne vor oder lenke ihre Blicke auf die Delay-Line und erläutere deren Zweck. So sorgst du für eine positive Grundstimmung – auch bei den Zweiflern. Die Kehrseite der Medaille: Hast du dich einmal als Ansprechpartner angeboten, werden die Anwesenden das schamlos ausnutzen. Ein paar gefühlte Dezibel zu viel, ein knisterndes Gitarrenkabel oder was auch immer: Schon wird der FOH-Tower mit gut gemeinten Ratschlägen geflutet.

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