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Clean-Desk-Challenge am FOH

Die ersten Meter deiner Clean-Desk-Challenge am FOH

Honorige Wissenschaftler kommen nach tiefgreifenden Studien zu einem unerwarteten Ergebnis: Wer Ordnung am Arbeitsplatz hält, arbeitet effektiver. Wer hätte das gedacht? Eine erstaunliche, ja geradezu verblüffende Erkenntnis. Den intellektuellen Sozio-Forschern möchtest du gerne glauben. Schließlich wissen die manchmal bis meistens, wovon sie sprechen und können das sogar mit Fakten belegen. Also runter mit dem ganzen unnützen Krempel vom Arbeitsplatz. Schon geht dir die erste Gedankenlampe wie ein nordisches Irrlicht auf: Eigentlich geht es um Struktur. Was du in die vorläufige Ablage „P“ geschoben hast, muss jetzt geordnet werden. Und während du heimlich über das Wie, Wo und Warum philosophierst, strukturierst du automatisch dich selbst und deine künftige Arbeitsweise. Schon keimt die Erinnerung an deine pubertierende Jugend auf:

Räum‘ dein Zimmer auf!

Schon damals konntest du diese keifende Stimme nicht mehr hören: Permanent diese abschätzigen Blicke, die eigentlich schon für sich sprechen. Doch bei dieser unterschwelligen Aufforderung wollte es deine Mutter natürlich nicht belassen. Mit voller Vehemenz feuerte sie dir den Spruch wieder entgegen: Räum dein Zimmer auf! Damals warst du ziemlich stinkig; heute – so ist es manchmal – bist du ihr dankbar. Immerhin hat sie dir konfliktbereit beigebracht, dass man manche Dinge durchaus wiederfinden kann. Und zwar auf Anhieb. Stell‘ Dir nur mal vor, wie das wäre, wenn Du nicht erst unter Bergen von Unsinn nach Fernbedienungen, Spezialschlüsseln, Adaptern, Kabeln und sonstigem Werkzeug suchen müsstest? Ein Arbeitsplatz mit Schlaraffenlandfaktor. Das Resultat: Zeitersparnis satt.

Arbeitsorganisation zwischen vorgestern und übermorgen

Trotz aller akademischer Forschungen hat sich im Laufe der Jahrzehnte an einem Prinzip nix geändert: Benötigte Dinge findet man bekanntlich dann am schnellsten wieder, wenn man weiß, wo man sie abgelegt hat. Dafür gibt es so außerordentlich neumodische Erfindungen wie beispielsweise Schubladen. Im Möbeldeutsch nennt sich das „Stauraum“. Die typische Techniker- und Musikerschublade befindet sich sinnvollerweise im 19-Zoll-Rack. Und dann haben findige Entdecker vor langer Zeit herausgefunden, dass man diese Schubladen sogar beschriften kann.

(Bild: Fotolia, Credits: Firma V)
(Bild: Fotolia, Credits: Firma V)

Ist das nicht unglaublich? Du weißt nicht nur, dass da irgendwas drin ist. Du weißt sogar exakt, was da drin ist. Schon nistet sich dieser unfassbare Gedanke ein, man könnte beim nächsten Mal irgendein Utensil ohne stundenlanges Suchen wiederfinden. Warum hast du bisher nur immer geglaubt, dein optimaler Stauraum wäre auf der Autobahn im Berufsverkehr?

Tabu-Zone für Fressalien & Co.

Und schon wieder will sich jemand mit Kaffee, Cola oder gar dem Essen hinter den FOH-Riser kumpelhaft zu dir gesellen. „Kerl, pass‘ bloß auf!“ denkst du dir. „Das hier ist Tabuzone für Schmierzeugs oder sich unachtsam verteilende Krümel.“ Schließlich sind Getränke und Essensreste die natürlichen Feinde von Elektrik und hochwertigem Equipment. Beschützend stellst du dich vor Tastaturen, Fader, Konsolen und mehr. „Hier kommst du nicht durch!“
Die Freundschaft zu dem eben noch netten Kollegen ist akut gefährdet. Mag sein, er schaut verdutzt, wenn du dich als „Clean-Desker“ outest. Aber mal ehrlich: Dass obergärige, klebrige und irgendwann mal schimmelnde Speisereste gefälligst Abstand vom Equipment halten müssen, lernt man im Veranstaltungstechniker-Kindergarten.

Für beste Monitorsicht

Heutzutage üblich ist es, dass sich am Platz des Tontechnikers Monitore und weitere Bildschirme – oftmals mit Touch-Oberfläche – befinden. Macht schon Sinn, die aus hygienischen, ästhetischen und funktionalen Gründen von Zeit zu Zeit säubern. Und nein, dafür nimmst du nun nicht den Lappen oder das Handtuch, das gerade mal in der Küche rumlag, auch nicht das Taschentuch mit Kamillenbalsam. Stattdessen sollte man dafür einen TFT-Reiniger und ein Mikrofasertuch verwenden.
Übrigens: Damit keine Kurzschlüsse entstehen, wird das Gerät bereits eine halbe Stunde vorher vom Strom getrennt. Monitore putzen, solange sie unter Spannung stehen, ist ein absoluten No-Go. Reinlichkeit braucht eben auch eine Portion Zeit.

Kammerjäger für Unsichtbares

Die Arbeit an fremden Pulten ist in punkto Hygiene etwas für Hartgesottene. Aus dem IT-Sektor ist bekannt, dass die allermeisten Bakterien und Co. sich in und unter der Tastatur ansammeln. Im Sanitärbereich wiederum sind eben nicht die Toiletten die neuralgischen Punkte, sondern vielmehr die Armaturen und Türklinken. Eben dort, wo die meisten Menschen mit ihren Griffeln zupacken. Im Umkehrschluss bedeutet das für die Tontechniker, dass sich die Belastungen bei den Fadern, Reglern und Potis einnisten.
Das Perfide: Wahre Hygiene sieht man nicht. Und wer vor dir den Regler in der Hand hatte, nachdem er sich nach Currywurst und Fritten die Finger abgeleckt hat, weißt du erst recht nicht. Warum also nicht mit einem Handdesinfektionsmittel arbeiten und das Equipment vorsichtig damit behandeln?  Bietet sich übrigens auch an, die Mikrofonköpfe regelmäßig mit Desinfektionsmittel zu reinigen. Dann fühlt sich jeder Sangeskünstler, als hätte er frisch beim Zahnarzt gegurgelt.

Reinigungsplan

Um vom Clean-Desk-Prinzip dauerhaft zu profitieren, sind mindestens zwei Dinge ausschlaggebend.
Punkt 1: Zunächst muss – wie in jedem anderen Betrieb auch – regelmäßig gesäubert und aufgeräumt werden. Der Putzfrau (oder dem Putzmann) kannst du das kaum überlassen.
Punkt 2: Alle, die an diesem Arbeitsplatz tätig sind, müssen an einem Strang ziehen und den FOH-Platz nach dem Job sauber wieder verlassen. Nur fair und logisch: Schließlich haben auch alle was davon. Praktisch, funktional und auch in Sachen Wohlgefühl.

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von Jörn Petersen

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