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28.09.2016

5 gute Ratschläge für DJs vom FoH

Ehrlich gemeinte Empfehlungen von der Tonfraktion

Cool, ein neues Booking im Terminkalender und dann noch so eins: Endlich mal eine ordentliche Gage, 2.000 erwartete Besucher, Übernachtung im Hotel inklusive. Wenn das mal nicht gut klingt. Von jemandem, der so fürstlich für seinen Zwei-Stunden-Gig entlohnt wird, sollte man ein entsprechendes Fachwissen über die verwendete Technik sowie eine grundsätzliche Bereitschaft, die Veranstaltung professionell durchzuführen, erwarten können. An jener Bereitschaft scheitert es selten, eher an einigen Kleinigkeiten, die einen professionellen Deejay dann letztendlich doch ausmachen.

Öfter kommt es vor, dass der gebuchte DJ wenig oder womöglich gar nichts von der Signalkette, die seinem DJ-Mixer folgt, versteht und das kann durchaus zu Problemen führen. Niemand (!) verlangt von euch, komplett verinnerlicht zu haben, wie die Verstärkung und Wandlung des Signals im Detail vonstatten geht. Aber ein wenig grundsätzliches tontechnisches Wissen sollte schon vorhanden sein und es wäre gut, ihr wisst über die Konsequenzen Bescheid, falls gewisse Regeln seitens des DJs nicht eingehalten werden.

1. Seid Pünktlich!

Eine Disziplin ist Grundvoraussetzung für eine professionelle Zusammenarbeit zwischen Crew und DJ: Zeitliche Absprachen, die ihr mit dem Tontechniker vor Ort trefft, solltet ihr generell tunlichst einhalten. Wenn ihr also eine Uhrzeit für einen Line-Check mit dem Toningenieur vereinbart habt, dann haltet diese unbedingt ein. Oft ist das Line-up auf einer großen Veranstaltung dermaßen eng getaktet, dass Pausen für derartige Prozesse genutzt werden müssen. Seid ihr dann nicht da, entfällt euer Soundcheck eventuell komplett und es ist euer Außensound, der dann eben erst zu Beginn eures Gigs quasi on the fly angepasst wird. Somit fällt euer fettes Intro womöglich voll ins Wasser. Und: Ist der Monitor zu leise, werdet ihr das auch erst während des ersten Übergangs bemerken, der dann womöglich auch „nasse Füße kriegt“.

Also: Zeigt euch professionell und seid pünktlich, die Tonfraktion wird es euch danken und euer Sound wird gewiss nicht darunter leiden. Für die Ladies ist nach dem Gig immer noch genügend Zeit.

2. Seid verbindlich!

Habt ihr euch mit der Tonfraktion vor Ort auf einen maximalen Spitzenpegel geeinigt, haltet ihn unbedingt ein. Euer Außen- und Monitorsound hängen in der Regel maßgeblich davon ab. Hierzu solltet ihr Folgendes wissen: Die Signalkette einer großen PA besteht aus vielen Einzelgeräten. An allen Schnittstellen zwischen diesen Modulen (sprich: DJ-Mischer – FoH-Pult – eventuell Kompressor/Limiter – Frequenzweichen - Endstufen – Lautsprecher) müssen die Pegelnormen eingehalten werden. Werden diese an einer jener „Übergänge“ überschritten, wird das Endergebnis, also die Beschallung wie auch immer verzerrt klingen. Und hierfür ist eben der Soundcheck so wichtig: Der Tonmann am FoH-Platz nutzt euren maximalen Pegel als Referenz und passt die gesamte Signalkette daran an. Der Sound soll ja genügend laut und fett über die PA erklingen, sodass die Party rocken kann, aber eben auch nicht zu laut sein, da sonst der Sound eventuell zu matschig wird oder es gar die Hochtöner dahinrafft. Und ist die Technik erst geschrottet, ist die Veranstaltung schnell am Ende...  

3. Macht euch schlau!

Grundsätzlich ist für die Einschätzung eurer Position auf der Veranstaltung von unfassbar großem Wert, wenn ihr wisst, welchen Weg euer Signal nach dem DJ-Pult zurücklegt bzw. welche Klangprozessoren jene Summe noch beeinflussen, bevor sie aus der PA tönt. Hält man euch für Vollprofis und eure Summe wird ohne große Umwege vom FoH zu den Speakern geführt? Oder eher für einen ambitionierten Semiprofessionellen und komprimiert euren Mix leicht an? Oder denkt man von euch, ihr seid blutige Anfänger und führt das Signal durch einen stramm eingestellten Limiter?

Tritt der erste Fall ein und ihr habt freie Hand und fahrt eine mächtig überdimensionierte Anlage, findet einen gesunden Kompromiss aus berechtigter Vorsicht und Vollgas. Geht zur Not am Anfang eures Sets ein bis zwei Mal auf den Dancefloor und mach euch persönlich ein Bild vom Klang auf der Tanzfläche. Wird euer Signal komprimiert, lernt, aber nur falls nötig, mit der Kompression zu spielen. Wird ein wirklich edler optimal eingestellter Kompressor verwendet, wird das Signal ohne Pumpen verdichtet. Ein Effekt mit dem man als Deejay bei vollem Dancefloor durchaus mal ein wenig spielen kann. Aber Vorsicht, ist der verwendete Stereokompressor kein Sahneteil, sondern nur ein durchschnittlich gut klingendes Arbeitsgerät, funktioniert längst nicht jede Einstellung und im Prinzip werden bei jedem neuen Track die „Karten neu gemischt“. Was eben noch gut funktionierte, kann ein wenig später grausig klingen. Im letzten Fall, sprich bei harter Limitierung, solltet ihr euch am besten einfach an die vereinbarten Pegel halten, denn ansonsten wird es auf jeden Fall „unschön“ klingen. Ihr habt es einfach nicht in der Hand und könnt daran nichts ändern. Arbeitet an eurem Ruf, falls euch einer vorauseilt...

4. Habt Vertrauen!

Wenn ihr noch nicht derart erfahren seid, dass ihr genau wisst, wie sich der vorliegende DJ-Mixer bei Überschreiten des Headroom oder nach Erreichen eines bestimmten Pegels genau verhält, vertraut den Tontechnikern vor Ort, denn sie kennen in der Regel ihr Equipment ganz genau. Wenn euer Tontechniker sagt, dass vor der ersten roten LED Schluss sein muss und das Pult bei Pegeln darüber Rechteckschwingungen ausgibt, dann wird er es wohl wissen und ihr solltet das in jedem Fall in eurem Set berücksichtigen. Pioneers altgediente Discopulte DJM500 und DJM600 zum Beispiel waren bei den PA-Leuten dafür bekannt, dass die Hochtöner der PA bei Übersteuerungen am DJM stark gefährdet waren. Die MX-Serie von Rodec hingegen hatte soviel Spielraum nach oben, dass selbst bei „allen Lampen an“ ein glasklares Signal die Geräteausgänge passierte. 

Generell könnt ihr aber davon ausgehen, dass ihr auf Veranstaltungen, egal welcher Mixer vor euch steht, entweder die 0dB-Marke einzuhalten habt oder die NoGo-Zone bei der ersten roten LED, wenn nicht früher, beginnt! Mit den rot-gelb-grün-codierten LED-Peakmetern verhält es sich wie mit Ampeln im Straßenverkehr: Bei „Grün“ gehen und bei „Rot“ stehen bleiben! Bei „Gelb“ kann man ruhig noch einmal nachfragen.

5. Nehmt euch selbst nicht so wichtig...Auf einer großen Veranstaltung, womöglich sogar mit mehreren Bühnen, dürft ihr es den Mitarbeitern der Crew bzw. den Tonleuten nicht übel nehmen, wenn sie euch mal nicht soviel Aufmerksamkeit schenken können, wie ihr es gerne hättet. Die tontechnische Betreuung eines DJs bzw. der Line-Check für ein DJ-Setup ist im Vergleich zum Soundcheck einer kompletten Sechs-Mann-Kapelle mit kompletter Drum-Mikrofonie ehrlich gesagt ein schlecht gemeinter Scherz. Und mal ganz ehrlich: Ein DJ ist an so einem Veranstaltungstag nur ein kleines Rad unter ganz vielen, die sich aber alle drehen müssen. Also: Keep Cool.

Eure Meinung

Habt ihr noch ein paar Tipps auf Lager, die ihr gern teilen wollt, nur her damit. Unsere Kommentarfunktion steht euch offen.

Euer Daniel Wagner (DJ/PA)

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