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Eine Liebeserklärung an den Boss Heavy Metal HM-2

Um das Boss Heavy Metal HM-2 soll es in dieser Folge gehen, ein Pedal, an dem sich die Geister scheiden. Für seine Anhänger ist es der Inbegriff des schwedischen Metalsounds, sie nennen es liebevoll “the Swedish chainsaw” und halten es für ein Charakterprodukt par excellence, für das natürlich auch ein Platz im Pedal-Olymp fest reserviert ist.

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Aber dieses Pedal polarisiert wie kaum ein anderes. Ein sowohl-als-auch gibt es kaum, und deshalb ist es für die entgegengesetzte Fraktion der Gitarristengemeinde ein fürchterlicher Zerrer, der in ihren Ohren so abscheulich klingt wie kein zweiter. Schon die Tatsache, dass ein einfaches kleines Distortionpedal in der Lage ist, so unterschiedliche Reaktionen hervorzurufen, macht es zu einem ganz besonderen Mitglied auf unserem Effektboard, das sich seine Liebeserklärung mehr als verdient hat.

Inhalte

  1. Intro
  2. Geschichte
  3. Eigenheiten
  4. Aufnahmen
  5. Alternativen
  6. Soundbeispiele
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Quick Facts:

  • Der Boss HM-2 gilt als erster Metal-Distortion und ist inzwischen ein begehrtes Sammlerobjekt, weil er ab 1983 nur knapp acht Jahre lang hergestellt wurde.
  • Charakteristisch ist der geringe Arbeitsbereich des Gainreglers, wogegen der aktive EQ sehr effektiv und an sinnvoll gewählten Frequenzen ansetzt.
  • Alle Poti-Positionen komplett auf Rechtsanschlag gilt als das “Schwedische Setting”, weil viele schwedische Bands den HM-2 im Einsatz hatten.
  • Diese Charakterisierung trug erheblich zur immensen Popularität bei, die der HM-2 vor allem nach seinem Produktionsstop verzeichnete.
  • Ein kleines Manko ist der Netzbetrieb des Pedals, da alte Bossnetzteile ca. 12 Volt lieferten, die pedalintern auf 9V heruntergeregelt wurden. Hier gilt es zu tricksen, um die nötige Betriebsspannung zu erhalten.
  • Auch wenn der HM-2 nur noch auf dem Gebrauchtmarkt erhältlich ist, gibt es doch einige Alternativen und sogar Klone, die dem Sound sehr nahe kommen.

Intro

Dieser orange-schwarze Bodentreter, der eigentlich zu den ersten Metal-Verzerrern der Geschichte zählt, trat in den frühen 80er Jahren mit dem Vorsatz an, den britischen Marshallsound in Pedalform zu bannen – und scheiterte kläglich. Das angestrebte Zielpublikum der Hair-Metaller blieb seinen 800er Marshalls treu, die mit Boss OD-1, Rats oder Tubescreamern geboostet wurden, und schmähte den Pedaljüngling.
Der Sound des Boss HM-2 lässt sich dabei eigentlich kaum in Worte fassen: Es handelt sich weder um einen typischen Distortion, erst recht um keinen Overdrive, aber auch nicht wirklich um ein Fuzz, sondern um einen raffinierten Hybriden mit ziemlich effektivem EQ. Dennoch hat das Pedal längst Kultstatus erreicht und erzielt auf dem Gebrauchtmarkt auch mal gerne Preise um die 200 Euro, wofür es ein paar handfeste Gründe gibt, die wir hier erörtern wollen.

Geschichte

Der Boss HM-2 erblickte im Jahre 1983 das Licht der Welt und stieg damit in die Fußstapfen des zuvor entwickelten ersten Boss Distortion-Pedals, des DS -1, das schon seit 1978 erhältlich war, aber klanglich in eine vollkommen andere Kerbe schlug, wie wir noch hören werden. 1988 verlagerte Boss seine Produktion nach Taiwan und immer wieder entbrennen hitzige Diskussionen darüber, ob die Japan-Versionen besser klingen oder nicht. Bauteilbedingt ist aber eher davon auszugehen, dass eine gewisse Streuung in den Toleranzen jede der Serien betraf.
Schon 1991 wurde die Herstellung des HM-2 eingestellt, obwohl die Verkaufszahlen nicht wirklich schlecht waren. Aber sie lagen deutlich hinter den Erwartungen, denn die Käufer bevorzugten nach wie vor den orangefarbenen Kassenschlager DS-1. Als Nachfolger erschien 1993 der HM-3 Hyper Metal, ebenfalls im schwarz-orangefarbenen Look, dessen Sound sich jedoch vom HM-2 deutlich unterschied und der ebenfalls nach nur fünf Jahre wieder von der Bildfläche verschwand. Letztendlich war es der Metal Zone, der ihm folgte und auch heute noch erhältlich ist.

Boss Distortion DS-1 und Boss Heavy Metal HM-2
Boss Distortion DS-1 und Boss Heavy Metal HM-2

Eigenheiten

Der Boss HM-2 verfügt über vier Regler für Level, Distortion und eine Zweiband-Klangregelung, die mit “Color Mix” betitelt ist. Level bestimmt die Masterlautstärke und liegt etwa bei 14 Uhr auf Unity Gain. Das Distortion- bzw. Gain-Poti ist ziemlich kurios, da es über den Großteil seines Regelwegs vollkommen wirkungslos ist: Im ersten und im letzten Drittel hebt sich die Zerrung etwas, aber zwischen 9 und 15 Uhr passiert tatsächlich nichts. Umso effektiver arbeitet die sinnvoll gewählte Klangregelung, die aktiv ausgelegt ist und eigentlich für die damalige Zeit ein wirkliches Novum darstellt. Hier liegen zwei Frequenzen an, die jeweils um 20 dB geboostet oder gecuttet werden können. Laut Manual sind diese bei 100 Hz und 1 kHz angesiedelt, und auch wenn man diesen Angaben nicht immer zwingend Glauben schenken kann, sind die Frequenzen doch so gewählt, dass die Bässe an der Resonanz der tiefen E-Saite ansetzen und gleichzeitig undefinierte Tiefmitten etwas ausgedünnt werden. Das High-Poti greift eher in die Mitten ein, sorgt für Durchsetzungskraft im Mix und gibt dem HM-2 den etwas aggressiveren Sound, der ihm den Spitznamen “Chainsaw” oder “Buzzsaw” eingebracht hat.
Eine besondere Erwähnung verdient die Stromversorgung der alten Bosspedale. Hier sieht man am Netzstecker außen die Anweisung “use BOSS ACA ADAPTER ONLY”. Diese waren in der Anfangszeit als 12V-Adapter ausgelegt, eine Spannung, die im Pedal mithilfe einer Diode und eines Widerstandes auf 9 Volt abgesenkt wurde. Das Ergebnis: Wenn der HM-2 mit Batterie betrieben wird, läuft alles rund, kommt jedoch ein handelsübliches 9V-Netzteil zum Einsatz, flackert die rote Betriebs-LED sehr schwach und das Klangverhalten verändert sich.
Als Lösung bieten sich nun verschiedene Wege an. Zum einen kann man auf Batteriebetrieb umsteigen, oder aber das alte, passende Netzteil auftreiben, was nicht immer sehr leicht fallen dürfte. Zum anderen lassen sich die Pedale auch so modifizieren, dass Standardadapter eingesetzt werden können, was jedoch mit Lötarbeiten verbunden ist und möglicherweise den Sammlerwert schmälert. Die einfachste Alternative ist der Einsatz von Daisy Chains oder Netzverteilern mit gemeinsamen Massen, denn hängt am Verteiler ein weiteres Pedal, das sich mit dem HM-2 die gleiche Masse teilt, wird die Voltreduzierung umgangen.

Aufnahmen

Noch bevor die Metal-Fraktion auf den HM-2 aufmerksam wurde, gab es einen prominenten User, den man nun so gar nicht mit Heavy Metal assoziieren würde, nämlich Pink Floyds David Gilmour. Dieser benutzte das Pedal in Kombination mit seinem Mesa Boogie MkI auf seiner Soloplatte “About face” und der Pink Floyd Scheibe “A momentary lapse of reason”. Über sein Setting ist wenig bekannt, auf Bildern sieht man jedoch die Regler um die 12-Stellung, wobei lediglich das Distortion-Poti im unteren Viertel platziert ist.
Gilmour äußerte sich dazu im Guitar Player Magazine 1984 mit den Worten:
“At the moment, the sound that I’m using a lot of the time is going through a Boss HM-2 Heavy Metal to a Boogie amplifier to a [MXR] DDL and then on into a regular Fender amplifier….I use a DDL on it…because I find it stops the fuzz box from sounding like a fuzz box. It smoothes off the unpleasant, raw frequencies that you get from the fuzz box. Then you get a nice sort of sound.”
Weitere prominente User sind die Gitarristen von “My bloody Valentine”, weshalb der HM-2 auch den Ruf eines exzellenten Shoegazing-Verzerrers erwarb. Den bedeutendsten Anteil an der Reputation des Pedals haben jedoch sicherlich schwedische Metalbands wie “Entombed”, die auf ihrem 1990 releasten Album “Left Hand Path” den HM-2 einsetzten. Im Sunlight Studio des schwedischen Produzenten Tomas Skogsberg in Stockholm entstanden unzählige Platten diverser Metalbands, die ebenfalls auf den schwarz-orangenen Bodentreter zurückgriffen. Das Setting des HM-2 war dabei denkbar einfach: alle Regler auf Maximum!
Es ist vor allem der High-EQ in der Max-Stellung, der dem Pedal zum schwedischen Buzzsaw-Sound verhilft. Häufig wurde das Pedal in Kombination mit günstigeren Transistoramps wie dem Peavey Bandit, Express oder Rage und den damals verfügbaren Marshalls der 800er und 900er Serie eingesetzt, hier auch gerne als Booster! Weitere Künstler dieses Genres waren Bands wie Dismember, Grave, Bloodbath, Disfear etc., aber auch modernere Protagonisten wie Nails und Black Breath greifen gerne auf den Klassiker zurück.

Alternativen

Da die Sammlerpreise für alte HM-2 mittlerweile in die Höhe schnellen, sucht man natürlich nach Nachbauten und Klonen, von denen es unzählige gibt. Viele davon stammen jedoch aus dem Boutique-Markt und sind demnach keine wirklichen preislichen Alternativen zum Original. Günstige HM-2 Klone kommen allerdings aus dem Hause Behringer in Form des HM 300 oder des TC Electronic Eyemaster. Bei letzterem ist der EQ quasi per Default auf dem schwedischen Setting, sodass nur Level und Gain bestimmt werden können.

Behringer Heavy Metal HM300, Boss Heavy Metal HM-2, TC Electronic Eyemaster Metal Distortion
Behringer Heavy Metal HM300, Boss Heavy Metal HM-2, TC Electronic Eyemaster Metal Distortion

Auch der Arion Metal Master stellte eine günstige Alternative zum Original dar, ist aber ebenfalls nicht mehr erhältlich und kann nur auf dem Gebrauchtmarkt erworben werden. Die Firma BYOC bietet mit “The Swede” einen DIY-Bausatz an, der ein ziemlich beliebtes Replikat des Originals ist und mit runden 65 USD Materialkosten auch sehr erschwinglich ausfällt.
Teurere Optionen, die auch nicht zwingend direkte Klone sind, stammen z.B. von Abominable Electronics (Throne Torcher), Anarchy Audio (Deadwoods), Nine of Sword (Funeral Party), Dunn Effects (Hierophant HM-2), Dunwich Amplification (Modded HM2), Earthbound Audio (Throat Locust), KMA Audio (Wurm) oder Lone Wolf Audio (Left Hand Wrath)

Soundbeispiele

Hören wir uns zunächst ein paar klassische HM-2-Sounds an. Zum Einsatz kommt eine Ibanez Artist mit Häussel 59 Tonabnehmern über einen Roland JC 120, da gerade Transistoramps häufig in Kombination mit dem HM-2 gesehen werden.
In einigen Artikeln oder Videos wird der HM-2 gerne auf seine Arbeit im Metal-Genre reduziert; dass er allerdings auch in anderen Settings durchaus überzeugen kann und dort auch wesentlich besser klingt als sein Ruf, könnt ihr hier hören:

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Mid Setting

Hier ein Setting mit niedrigeren Werten, auch wenn der traditionelle Blueser wohl eher nicht zu diesem Pedal greifen wird.

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Low Gain Setting

80er Rhythm- und Solosounds mit dem HM-2:

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Hi Gain Setting
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Lead Sound

Und das “Schwedische Setting”:

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Schwedisches Setting

Hier hört ihr die Wirkungsweise des EQs und des Gain-Reglers:

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EQ und Gain Sweep

Ein Mid-Setting, das den HM-2 mit dem DS-1 vergleicht, zwei Distortionpedale, die sehr unterschiedlich daherkommen.

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HM-2
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Boss DS-1

Zum Abschluss stelle ich euch das Original im Vergleich zum Behringer HM300 und dem TC Eyemaster vor – das Setting ist auf die schwedische Kettensäge getweakt, das heißt, alle Regler bei allen Pedalen auf Maximum!

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Boss HM-2 Behringer HM 300 TC Electronic Eyemaster
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von Haiko Heinz

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