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Drum Play-Alike – Stewart Copeland / The Police Workshop

Stewart Copeland gehört zu den einflussreichsten Pop/Rock-Trommlern der letzten Jahrzehnte. Bekannt geworden ist er mit der britischen New-Wave Band The Police, die er im Jahr 1977 zusammen mit Sting und Andy Summers gründete. Sein Drumming ist mitverantwortlich für den ureigenen Stil des Trios und den großen Hype, der die Band bis heute umweht.

Bild:© Shutterstock / Randy Miramontez
Inhalte
  1. Einflüsse und Stil
  2. Setup und Sounds
  3. Straight Punk Grooves
  4. Reggae Grooves
  5. Copeland Signature Grooves
  6. Hi-Hat Virtuosität und Delay-Effekte
  7. Ride-Akzentuierungen
  8. Der Song ist Chef

Zwar ist Stewart Copeland mittlerweile vor allem als Komponist für Filmmusik aktiv, doch zeigte er im Rahmen der The Police Reunion Tour 2007/2008 noch einmal eindrucksvoll, wie zeitlos und innovativ seine Grooves und Fill-Ins auch 30 Jahre später noch klingen. In diesem Drum Play-Alike zeigen wir euch mit Audio- und Notenbeispielen, was hinter seinem Drumming steckt.

Einflüsse und Stil

Stewart Copeland kam 1952 als Sohn des ehemaligen Glenn Miller-Trompeters Miles Copeland jr. und der Archäologin Lorraine Adie Copeland zur Welt. Kurz nach seiner Geburt zog die Familie Copeland zunächst nach Ägypten, daraufhin nach Syrien und später in den Libanon, da der Vater mittlerweile nicht mehr als Musiker arbeitete, sondern für Nahost-Operationen der CIA verantwortlich war. Die dort vorherrschenden Musikkulturen übten einen großen Einfluss auf den jungen Stewart Copeland aus, genauso wie die Big-Band- und Jazz-Plattensammlung seines Vaters. Später, in Beirut lebend, fing er mit etwa 13 Jahren an, Schlagzeug zu spielen, Unterricht zu nehmen und erste Live-Erfahrungen zu sammeln. 

Nach dem Umzug seiner Familie nach England, einem Studienaufenthalt in Kalifornien und einigen kleinen Jobs als Roadie sowie als Musikjournalist in der Londoner Szene, landete Copeland 1975 sein erstes professionelles Engagement als Drummer der damals angesagten Prog-Rock Band Curved Air. Fasziniert von der aufkeimenden Punkrock-Szene in England entschied er sich kurz darauf ein eigenes Trio namens „The Police“ zu gründen.

Weitere interessante Anekdoten und Eckdaten aus seiner Zeit vor Police erzählt Copeland hier im Interview mit Dom Famularo:

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Bereits die erste Police-Platte „Outlandos d’Amour“, die 1978 veröffentlicht wurde, war geprägt von Copelands unvergleichlicher Art, treibende Punkrock-Grooves mit rhythmischen Ideen und Strukturen aus Reggae, Ska, Weltmusik und Jazz zu verbinden. Dieser stilistische Spagat wurde nicht nur zu seinem Markenzeichen, sondern auch schnell zum Aushängeschild von The Police.

Setup und Sounds

Seit Anbeginn seiner Karriere spielt Copeland Tama Drums und Paiste Cymbals, jedoch kam der Legende nach bei allen Studioalben von The Police eine 14“ x 5“ Pearl Jupiter COB (Chrome over Brass) Snare zum Einsatz. Mittlerweile bietet Tama ein Stewart Copeland Signature Snare Modell an, das laut Hersteller der Pearl Jupiter Snare in ihrer Bauart nachempfunden ist. Abgesehen vom Equipment ist jedoch vor allem Copelands Sound-Ideal spannend, welches er Ende der Siebziger konsequent verfolgte. Zu einer Zeit, als Produzenten und Engineers zunehmend versuchten, das Schlagzeug so groß und mächtig wie möglich klingen zu lassen, ging Copeland in die komplett entgegengesetzte Richtung, indem er seine Trommeln sehr hoch stimmte, um möglichst viel Attack und Projektion zu erreichen. Sein Konzept dahinter erklärt er folgendermaßen:

“The basic principle is very tight, very high-pitched because the action is faster, they are more responsive, they are bouncier, and because they cut through better and fatness is just inevitable and can be augmented through the PA.“ (musicradar.com)

Passend dazu fällt auch seine Auswahl an Becken aus, die mit einem 13“ Hi-Hat Modell und einigen Splash-Becken ebenfalls auf knackige Akzente abgestimmt ist.

Workshop

Hier kannst du dir vorab die Noten des Workshops als PDF herunterladen:

1. Straight (Punk) Rock Grooves

Zunächst befassen wir uns mit ein paar Drum Parts, die Copelands Vorliebe für treibende, Punkrock-beeinflusste Grooves zeigen, die er vor allem im Refrain des jeweiligen Songs spielt, um diesem den nötigen Drive zu verleihen. Auffällig ist, dass er dabei stets ein sehr dichtes Bassdrum-Pattern spielt, das an den „Motorik Beat“ erinnert, der durch Kraftwerks legendären Song „Autobahn“ im Jahre 1974 berühmt wurde.

„So Lonely“ Refrain Groove – 160 bpm
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“So Lonely” Refrain Groove – 160 bpm
„Roxanne“ Refrain Groove – 138 bpm
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“Roxanne” Refrain Groove – 138 bpm
„Message In A Bottle“ Pre-Chorus Hi-Hat Groove – 150 bpm
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“Message In A Bottle” Pre-Chorus Hi-Hat Groove – 150 bpm

2. Reggae Grooves

„Walking On The Moon“ ist einer der Songs, die Copelands Faible für Reggae Grooves zeigen, die im Gegensatz zum Rock Groove keine starke Betonung auf der ersten, sondern vor allem auf der dritten Zählzeit besitzen. Interessant ist in diesem Beispiel, wie Copeland das Achtelpattern der Hi-Hat phrasiert. Während er Rock Grooves wirklich „straight“ und eher „nach vorne“ spielt, phrasiert er die Hi-Hat bei „Walking On The Moon“ leicht geshuffelt („in between Feel“). Im folgenden Beispiel könnt ihr euch zum Vergleich einmal verschiedene Arten der Hi-Hat Phrasierung anhören.

„Walking On The Moon“ Vers Groove
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“Walking On The Moon” Vers Groove – 144 bpm – in between Feel “Walking On The Moon” Vers Groove – extrem straightes Feel “Walking On The Moon” Vers Groove – extrem geshuffletes Feel

Hier seht ihr ein paar Beispiele, wie Copeland seine Reggae Grooves durch weitere Schläge der Hi-Hat oder der Bass Drum variiert:

Walking On The Moon“ Vers Groove – Variation 1
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“Walking On The Moon” Vers Groove – Variation 1
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“Walking On The Moon” Vers Groove – Variation 2
„Walking On The Moon“ Refrain Groove
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“Walking On The Moon” Refrain Groove – 144 bpm

Dass Reggae Grooves auch mal sehr virtuos ausfallen können, zeigt Copeland im Refrain von „Driven To Tears“, dem zweiten Song auf dem 1980 veröffentlichten Album „Zenytta Mondatta“. Im diesem Beispiel ist gut zu erkennen, wie er die Betonung auf der dritten Zählzeit mit einigen Fill-Ins, Beckenakzenten und Hi-Hat-Öffnungen umspielt.

„Driven To Tears“ Refrain Groove – 157 bpm
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“Driven To Tears” Refrain Groove – 157 bpm “Driven To Tears” Refrain Groove – 113 bpm (langsamer)

3. Copeland Signature Grooves

Was Copelands Drumming so einzigartig macht, ist nicht nur die Art und Weise, wie er die bereits besprochenen Stile Punkrock und Reggae in einem Song mischt, sondern vor allem, wie er sie in nur einem Groove miteinander vereint. Das erreicht er durch einen einfachen Trick, nämlich das Freilassen der ersten Zählzeit und die dadurch verlagerte Betonung auf die dritte Zählzeit. Dadurch bekommt jeder Rock Groove eine gute Portion „Reggae Charme“ verpasst!  

Roxanne“ Vers Groove – 134 bpm
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“Roxanne” Vers Groove – 134 bpm
„Roxanne“ Pre-Chorus Groove – 134 bpm
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“Roxanne” Pre-Chorus Groove – 134 bpm
„Message In A Bottle“ Vers Groove
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“Message In A Bottle” Vers Groove – 150 bpm

Die folgenden zwei Beispiele zeigen Copelands Talent dafür, das Gefühl für „die Eins“ gänzlich verschwimmen zu lassen. Durch das Auslassen eines Backbeats und die Platzierung der Bass Drum auf der zweiten Zählzeit entsteht bei folgenden Grooves die Illusion, dass der Takt im Ganzen um eine Viertelnote verschoben ist.

„Can’t Stand Losing You“ Vers Groove – 138 bpm
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“Can’t Stand Losing You” Vers Groove – 138 bpm
„Regatta de Blanc“ Ride Groove – 144 bpm
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“Regatta de Blanc” Ride Groove – 144 bpm

4. Hi-Hat Virtuosität und Delay-Effekte

Nun werfen wir einen Blick auf Copelands virtuoses Hi-Hat-Spiel und den Einsatz von Delay-Effekten. Beides ist im Titelsong des 1979 veröffentlichten Album „Regatta de Blanc“ zu hören. Der Song beginnt mit einem schnellen Sticking, das Copeland zwischen der Hi-Hat und der Snare (Sidestick) verteilt.

„Regatta de Blanc“ Intro Groove – 144 bpm
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“Regatta de Blanc” Intro Pattern – langsam

Kurz danach startet der Viertelpuls der Bass Drum, woraufhin Copeland erneut das Sticking im Kreis spielt. Da das Sticking einer Länge von sechs Viertelnoten entspricht, verschiebt es sich in der Wiederholung gegen den Viervierteltakt, der vom Bass und von der Gitarre gespielt wird und beginnt erst nach drei Takten wieder auf der ersten Zählzeit.

„Regatta de Blanc“ Intro Groove – 144 bpm
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“Regatta de Blanc” Intro Groove – 144 bpm

Essentiell für den Vibe dieses Songs ist obendrein der Einsatz eines Delay-Effekts, der das Gespielte mit einer Verzögerung von drei Sechzehnteln wiederholt. Dadurch entsteht eine Art „Klangteppich aus Sechszehnteln“.

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“Regatta de Blanc” Intro Groove + Delay Effekt “Regatta de Blanc” Delay Effekt

5. Ride-Akzentuierungen

Sobald Copeland Grooves auf dem Ride-Becken spielt, benutzt er häufig die Glocke, um markante, oft improvisierte Akzente zu setzen. 

„Can’t Stand Losing You“ Refrain Groove – 138 bpm
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“Can’t Stand Losing You” Refrain Groove – 138 bpm
„Driven To Tears“ Vers Groove
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“Driven To Tears” Vers Groove – 144 bpm
„Message In A Bottle“ Pre-Chorus Ride Groove – 150 bpm
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“Message In A Bottle” Pre-Chorus Ride Groove – 150 bpm

6. Der Song ist Chef

Abschließend schauen wir uns an, was Copeland zum Song „Every Breath You Take“ vom 1983er Album „Synchronicity“ beigesteuert hat. In diesem Fall stellt er sein Drumming mal absolut in den Dienst des Songs. Hört selbst:

„Every Breath You Take“ – Groove 1 – 119 bpm
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“Every Breath You Take” – Groove 1 – 119 bpm
„Every Breath You Take“ – Groove 2 – 119 bpm
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“Every Breath You Take” – Groove 2 – 119 bpm

Ich wünsche euch viel Spaß beim Ausprobieren der Notenbeispiele und hoffe, dass ihr etwas für euer eigenes Drumming mitnehmen könnt!

Weitere interessante Inhalte:

Drum Recording – Basics und Tipps – Video-Workshop von Nick Mavridis und Christoph Behm
Selfmade Grooves mit Rudiments – So baut ihr Rudiments in Grooves ein
Groupings am Drumset – Superdrummer Moritz Müller erklärt im Video Dreier-, Fünfer- und Sechsergruppen
Drum Cover Workshop – Legendäre Schlagzeug-Beats zum Nachspielen

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von Jonas Böker

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