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Denon DN-MC6000 Test

DETAILS
Auf dem Schirm
Das anthrazitfarbene Design reiht sich nahtlos in Denons bestehende Produktpalette ein und kommt elegant und zeitlos daher. Der Party-Recke im Metallpanzer trägt zwei schmucke champagnerfarbene Zierblenden an der Seite, die sich gegen zwei mitgelieferte 19-Zoll-Ohren austauschen lassen, um ihn ins Rack zu schrauben. Der Proband misst 460 x 50 x 255 Millimeter und wiegt 4,6 Kilo. Sicherlich ist dies ein nicht zu unterschätzendes Transportgewicht für den Rucksack, es sind sogar zwei knappe Pfündchen mehr als beim vornehmlich aus Kunststoff gefertigten, aber räumlich deutlich großzügiger konzipierten NI-S4. Für mein Namba Remix-Backpack sind beide Kandidaten leider zu groß. Ich würde aber in jedem Fall zu einer gut gepolsterten Transporthülle raten. Und das nicht nur, weil dem MC6000 ein paar Bügelgriffe an der Vorderseite (zum Tragen und zum Schutz der Mikrofon-Equalizer) gut zu Gesicht gestanden hätten. Die meisten Producer Backpacks sollten eigentlich ausreichen. Alternativ liefert der Handel Butterfly-Cases, die in einfacher Ausführung mit Notebook-Ablage ab 120 Euro den Besitzer wechseln. Für das DJ-, Ton- oder Webcast-Studio, den Partykeller, die Tanzschule oder Bar bieten sich zudem ein Dust-Cover Marke UDG, Zomo oder Glorious an, die mit rund 10 Euro deutlich preiswerter ausfallen. 

Blende_Denon_DN-MC6000

Lieferumfang
Der Kartoninhalt insgesamt: DN-MC6000, Netzteil, USB-Kabel, zwei Winkeladapter samt Schrauben, japanisch/englische Handbücher, 19“-Rackmount und eine Treiber-CD. Sollten die Fremdsprachenkenntnisse oder einfach die Bequemlichkeit erfordern, dass eventuelle Fragen in Muttersprache geklärt werden, liegt auf der CD eine PDF-Datei vor. Zudem stehen auf der Website von Denon-Dj.eu einige europäische Ausgaben der Handbücher für die Controller, Controladores oder Controleurs parat. Die Booklets dokumentieren nicht jede Einzelheit, liefern aber einen groben Leitfaden hinsichtlich der Bedienung, Installation und Software-Einrichtung. Auch an eine MIDI-Tabelle hat der Hersteller gedacht. Nur die Übersetzungen sind an einigen Stellen etwas gewöhnungsbedürftig. Als Software wird in europäischen und asiatischen Breitengraden Traktor LE beigepackt, in Amerika ist Virtual-DJ Light mit an Bord. Eines möchte ich aber gleich vorwegnehmen: Wer alle Features ausreizen möchte, sollte in beiden Fällen ein Versionsupgrade einplanen, das sich bei knapp 130 Euro pro Software einpendelt. Leider lag unserem Testmuster kein DJ-Programm bei, daher haben wir uns entschlossen, den Test mit der fünften und neuesten Traktor-Generation Pro 2 durchzuführen. Mancher Anwender liebäugelt sicherlich schon mit einem Update auf die aktuelle Generation des mittlerweile 10-jährigen Kassenschlagers von Native Instruments.

Fotostrecke: 4 Bilder Ordentlich verpackt…
Fotostrecke

Erster Eindruck
Wem ist es nicht schon einmal passiert, dass man am Set ankommt, beide Hände über dem Kopf zusammenschlägt und sich wünscht, man hätte sein eigenes Equipment am Ort des Geschehens. In so einem Fall ist es natürlich eine tolle Sache, wenn man seine Kommandozentrale mit allen individuell angelegten Steuerbefehlen im Gepäck hat. Robuste Road-Qualitäten sollte sie dann natürlich mitbringen, weder im feuchten Club noch in der sengenden Wüstensonne die Segel streichen, im Nu aufgebaut und mit der PA verkabelt sein. Ein Job für den Denon MC-6000? Die Verarbeitung ist zumindest schon einmal sehr gelungen. Die Anschlussbuchsen sitzen fest im Gehäuse, die Beschriftungen an der Rückseite sind eindeutig. Die beiden Jogdials und die gut definierten Schaltflächen machen einen soliden Ersteindruck im Trockenlauf. Die gummierten Potis zeigen einen angenehmen Regelwiderstand, sie sind griffig und haben teilweise rastende Mittenstellungen. Die Flachbahnregler gleiten weich auf den Leiterbahnen, sind aber etwas locker eingebaut, und die 45 mm Kanal-Fader könnten für meinen Geschmack ruhig etwas länger ausfallen. Viele der vollflächig auslösenden Gummibuttons sind beleuchtet, die Konstrukteure setzen zum Großteil auf milchige Ausführungen, die unterschiedliche Farbzustände annehmen können. Prima. Da sollte der Akteur auch in dunkleren Spelunken zu später Stunde noch den Überblick behalten. Die Oberfläche ist ziemlich dicht besiedelt, dennoch wirkt der MC6000 nicht total überladen. Lediglich in der EQ-Sektion hätte ich mir ad hoc etwas mehr horizontale Distanz, wie bei den FX-Sektionen gewünscht, und bei einigen Schaltflächen, wie den zentralen Panel-Buttons, könnten je nach Umfang der Extremitäten gleichfalls Problemchen auftreten. Insgesamt stellen Denons Ingenieure 74 Buttons, 42 Drehregler, 5 Drehschalter, einen Encoder, 7 Fader, 2 Jogwheels und zwölf Switches zur Verfügung. Dazu kommt noch, dass ein Teil der Bedienelemente über die SHIFT-Tasten doppelt belegt wurde. Reicht dies für ein spektakuläres MIDI-Feuwerk?

DJ MIDI-Controller mit 4-Deck-Support
DJ MIDI-Controller mit 4-Deck-Support

Frontpanel
An der linken Vorderseite ist der Anschluss für den Kopfhörer platziert. Entgegen augenblicklicher Tendenzen in dieser Preisklasse verzichtet Denon auf einen weiteren 3,5-Millimeter-Ausgang für den DJ-Kollegen. Schade. Die Regler für die Lautstärke und das Stereopanorama befinden sich direkt über dem Anschluss auf der Bedienoberfläche, auch ein Split/Cue-Betrieb ist möglich. Der Vorverstärker ist wirklich ausreichend laut, beginnt jedoch auf dem letzten Meter ein wenig zu zerren. Dennoch ist er insgesamt als clubtauglich einzustufen, was ich natürlich auch erwartet hatte. 

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Rechts daneben folgen die Dreibänder für die Mikrofoneingänge MIC1 und MIC2 sowie ein regelbarer Echo-Effekt. Die Mikrofonvorverstärker klingen ausgewogen und ziemlich rauscharm. Sollten also Onkel Helmut und Schwager Jens mal wieder darüber diskutieren, wer der bessere Barde sei: Einfach jedem ein Mikro in die Hand geben und Tacheles reden, respektive singen. Natürlich können sich so auch professionelle MCs auf der Stage ein imposantes Battle liefern. Das regelbare Echo steht dabei als einziger Hardware-Effekt etwas allein auf weiter Flur, ist aber einer der beliebtesten Mikrofon-Effekte und daher durchaus ein Gewinn.

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EQs und Echo Ducking Ducking mit Echo

Auf der anderen Seite befinden sich die Stellungsschalter für die Crossfader-Zuweisung (A-B-OFF) sowie ein Drehregler für die stufenlose Anpassung seiner Flankensteilheit von scharf bis weich. Auch die Idee, einen Stand-by-Modus zu implementieren, kann sich in Zeiten steigender Energiekosten sehen lassen. Der digitale Sparstrumpf wird per Schalter aktiviert und versetzt unseren Testkandidaten nach einigen regungslosen Stunden in den Tiefschlaf, was durch eine rote LED bestätigt wird. Ein Tastendruck auf Restart bringt den musikalischen Doktor Eisenfaust wieder von null auf 100.

Standby_Denon_DN-MC6000

Backpanel
Werfen wir nun einen Blick auf die Eingänge. Von innen nach außen sind zunächst zwei Aux-Inputs zu vermerken. Dann folgen zwei Phono/Line-Eingänge mit zugehörigem Wahl-Schalter. Eine Erdungsschraube nimmt die Massekabel der Turntables auf und schützt vor Brummschleifen. Die Phono-Preamps klingen transparent und druckvoll. Nachstehend ein Vergleich mit brandaktuellen Konkurrenten und Klassikern. Ganz rechts sind die Mikrofoneingänge platziert. Einer davon im Standard-Klinkenformat, der andere als XLR-Klinke Kombibuchse.

Inputs_Denon_DN-MC6000
Audio Samples
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Denon DN-MC6000 Preamps American Audio VMS4 Preamps NI Traktor S4 Preamps Pioneer DJM600 Preamps Denon X600 Preamps

Ausgangsseitig stehen Master (symmetrisch XLR und Stereo-Cinch), Booth (symmetrisch, 2 x 6,3 Millimeter Mono-Klinke) für die Verbindung mit einer professionellen PA, den Monitorboxen oder der Stereoanlage bereit sowie ein Record-Out über Stereo-Cinch. Ein besonderer Leckerbissen ist die Booth Out-Sektion. Diese hat nicht nur einen eigenen Zweiband-EQ nebst Level spendiert bekommen. Sie kann auch – und zwar Pre-Fader – wahlfrei die einzelnen Kanäle eins bis vier ausspielen oder den Master ausgeben. Bedeutet: Wildecker Herzbuben für den Tanztee im Saal 1, ungemixt und unverblümt. Rocknummern für die feierwütigen Hochzeitsgäste in Saal 2. Oder doch lieber etwas House auf dem Clubfloor und eine Trip-Hop CD für den Außenbereich?! Und falls ein schusseliger Stolperer das Kopfhörerkabel zum Bersten gebracht hat, kann die Monitoranlage in manchem Genre aushelfen. DJ-Herz, was willst du mehr? Vielleicht digitale Outputs? Vielleicht! Auch wenn hier gerade auch aufgrund des Booth und des geklonten Masters eine umfangreiche Anschlussvielfalt geboten ist, mit der man gut gerüstet für die globalen Beschallungsanforderungen ist, einen Adapter für den Notfall in der Tasche zu haben hat noch nie geschadet. Von klanglicher Seite habe ich nichts zu beanstanden. Der Testkandidat liefert präzise Bässe auf die Monitoranlage, und auch die Höhen und Mitten sind klar definiert.

Das kontaktfreudige Anschlussfeld findet seinen Abschluss in einer Netzteilbuchse mit Kabelschlaufe und zugehörigem Power-Switch sowie einer Ausfräsung für einen Kensington-Diebstahlschutz.

Backpanel_Denon_DN-MC6000

Aufstellung und Taktik
Der MC-6000 ist eine Symbiose aus Clubmixer-Elementen und einem typischen DJ-Controller. Offensichtlich stand Mischpult-Überflieger DN-X1600 (Test hier) aus gleichem Hause Pate bei der Konstruktion, denn in ähnlicher Manier befinden sich Monitor- und Mikrofonabteilung an der westlichen Außenseite, Master und Booth auf dem östlichen Flügel. Das macht das Zentrum frei für den Mischer und die Navigationselemente, welche von den Decksektionen mit ihren Kreativabteilungen eingefasst werden. Ob man den MC6000 als Clubmixer einsetzen will oder ob er als Controller MIDI-Daten senden soll, wird über den rückseitigen Schalter eingestellt. Doch bevor wir auf die Betriebsmodi eingehen, schauen wir uns einen der Kanalzüge im Detail an. Hoch im Norden zeigt jeder Weg eine Input-Matrix. Die äußeren Kanäle haben neben MIDI und Aux noch Zugriff auf die beiden Line-Quellen, die inneren wählen jeweils ein Line-Gerät oder den MIDI-/USB-Betrieb, der per Schalter an der Rückseite einzustellen ist. Darunter ist der Aufholverstärker platziert, welcher ein Cut/Boost von -∞ bis +20 dB liefert. Ihm folgt ein Dreiband-EQ, der im Höhen- und Mittenband maximal 10 dB zulegt, in den Tiefen 6 dB. Eine Kill-Funktion ist ihm ebenfalls zuteilgeworden. Dreht der DJ folglich die Regler gegen den Uhrzeigersinn, wird das entsprechende Band komplett abgesenkt. Enjoy the silence. Die EQs packen ordentlich zu. Besonders wenn es Richtung Kill geht, greifen sie verständlicherweise kräftiger an.

So sehen fernöstliche Frequenz-Killer aus...
So sehen fernöstliche Frequenz-Killer aus…
Audio Samples
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EQ-Cuts MC6000 EQs EQ-Cuts Traktor Nuo EQS EQ-Cuts VDJ EQs

Der obligatorische CUE-Button schaltet den Kanal auf den Kopfhörer. Dann folgen die 50-Millimeter-Channelfader, denen leider kein wahlfreies Kurvenprofil vergönnt ist. Auf prominenter 18-Uhr-Position residiert der Crossfader. Er ist sehr leichtgängig und aufgrund der flexiblen Schaltung und der Curve-Control für mich als scratch-tauglich einzustufen. Schade finde ich allerdings, dass Denon keine Faderstart-Option für die Softwaredecks oder extern anliegende, kompatible Geräte implementiert hat.

Faders_Denon_DN-MC6000

Eine aus zehn Segmenten bestehende LED-Kette (-20/+10 dB, orange, grün) informiert über den Masterpegel. Alternativ kann man sich hier die Kanäle 1/4 oder 2/3 anzeigen lassen. Separate Meter an den Kanälen kann der DN-MC6000 nicht vorweisen.

Levelmeter_Denon_DN-MC6000

Jogwheel
Ein Eyecatcher sind die Jogwheels mit ihrem inneren Silberring im Zentrum der Decksektionen. Sie haben einen Gesamtdurchmesser von 105 mm und eine sensitive Auflagefläche von 45 Millimetern Radius. An den Seiten sind Ornamente eingearbeitet, die als Fingerführung dienen können. Die Teller haben einen akkuraten Rundlauf, sind angenehm leichtgängig, dazu leise und kommen nach einem Schubser flott zum Stillstand. Am südlichen Ende wird die schwarze Dial-Aussparung durch eine milchige Leiste unterbrochen, die durch einen Farbcode signalisiert, auf welchem Software Player der DJ gerade arbeitet. Deck A und B leuchten blau, Deck C und D rot. Das mag der Treckerfahrer. Für Virtual-DJ wäre es an dieser Stelle sicherlich toll gewesen, wenn die Decks analog zu den Farben in der grafischen Benutzeroberfläche leuchten würden (rot, blau, gelb, grün). 
Unter den Tellern befinden sich extragroße CUE- und PLAY-Buttons, SYNC und MASTER sowie PITCHBEND und zwei Pfeiltasten, die im Song spulen. Die restlichen Funktionen der Deck-Sektionen und der zentralen MIDI-Abteilung unterscheiden sich anwendungsspezifisch, daher werden wir im Praxisteil näher darauf eingehen.

Jogwheel_Denon_DN-MC6000

Pitch
Der Pitchfader könnte gerade für Umsteiger von Plattenspielern oder Tabletop CD-Playern ein wenig gewöhnungsbedürftig positioniert sein, liegt er doch nicht direkt neben dem Jogwheel, sondern halb-rechts oben-drüber. Zudem ist er konstruktionsbedingt etwas kleiner als am externen Full-Size Zuspieler. Dafür ist er aber dennoch sehr präzise. Bei plusminus Acht zeigten sich mögliche Tempoabstimmungen von zwei hundertstel BPM (bei einem 120 BPM Track) oder rund 0,03 Prozent Pitch. Die unsensiblen Fader-Bereiche betragen circa ein Drittel einer Skaleneinteilung an den Nord- und Südenden sowie an der mittengerasteten Nullstellung, was völlig in Ordnung geht. Die Keylock-Taste schaltet den softwareseitigen Timestrech-Algorithmus ein, damit der Zuhörer bei Geschwindigkeitsanpassungen keine Tonhöhenänderung wahrnimmt. Nachstehend haben wir den Pitchvorgang bei Plusminus 25 Prozent und aktiviertem Keylock mit VDJ und Traktor aufgezeichnet.

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Keylock plusminus 25 Traktor 2 Keylock plusminus 25 VDJ 7
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