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Dein Live! – Ableton mit eigenen Voreinstellungen besser nutzen

Irgendwann kommt jeder Musiker dahin, sich sein bzw. ihr Instrument nach den eigenen Vorstellungen einzustellen – der Gitarrist stellt sich die Saitenhöhe ein, die Schlagzeugerin dreht ihren Hocker extra niedrig.

(Credits: Shutterstock / Dutchmen Photography)
(Credits: Shutterstock / Dutchmen Photography)

Am Rechner mag das erstmal ungewohnt klingen, doch auch hier sind Producer anfangs mit fabrikseitigen Einstellungen bei Effekten und Instrumenten konfrontiert, die nicht immer zum Ziel führen und daher angepasst werden müssen. Manche DAWs sperren sich gegen solche Anpassungen. Nicht so Ableton Live 10 und Live 11 Beta!

Inhalte
  1. EQ und Filter
  2. Dynamik: Kompressor und Co.
  3. Verzerrung
  4. Räumliche Effekte
  5. Modulation
  6. Zerstörer
  7. Werkzeuge und andere Effekte
  8. MIDI-Effekte
  9. Favoriten, Standardaudiospuren und MIDI-Konvertierung anpassen

Allgemeines

Jeder der Audioeffekte in Live kommt mit einer Voreinstellung, die Ableton bei der Programmierung für die naheliegendste erachtet hat. Diese Einstellungen nach dem Laden immer auf die eigenen Bedürfnisse zumzustellen, kann auf Dauer nerven.

Nutzt man beispielsweise fast immer ein LowCut-Filter beim EQ Eight oder weiß aus seinem Workflow, wo die Parameter des Kompressors anfangs ungefähr stehen sollten, ist es ein Leichtes, sich die DAW so einzustellen, dass es weniger Klicks, weniger Suchen und Überlegen braucht und man letztendlich schneller zum Ziel kommt.

Wir haben für euch eine Liste mit Empfehlungen gesammelt, wie ihr Ableton Lives Effekte so einstellt, dass sie schneller so klingen, wie ihr sie braucht. Hier gilt:

  1. Jede Einstellung ist eine Empfehlung. Je nach Genre, Hörgewohnheit oder Hörumgebung kann es gut sein, dass ihr vollkommen andere Einstellungen wählt.
  2. Eine gute Vorstellung macht noch keinen guten Sound. Ihr dreht nur weniger an den Reglern und bleibt mehr bei der Musik. 
  3. Um den Workshop nicht zu sehr aufzublasen, haben wir aus den verschiedenen Effektkategorien jeweils die drei unserer Meinung nach meistgenutzten ausgewählt. Für eine komplette Auflistung mit Empfehlungen schaut euch den hervorragenden Workshop von „Patches“ an. 

Grundsätzlich geht die Änderung der Standard-Einstellung bei allen (Ableton-Live-eigenen) Effekten und Instrumenten in Live so: Effekt oder Instrument in neue Spur laden, so einstellen, wie ihr meint, dass ihr das Device am häufigsten nutzen werdet. Dann mit der rechten Maustaste auf den Titel des Effekts klicken und im Kontext-Menü „Als Standard-Preset sichern“ auswählen. Ab jetzt werdet ihr immer diese Einstellung sehen, wenn ihr den Effekt ladet. 

EQ und Filter

Tiefen filtern, Höhen dämpfen, Sweep – kaum ein Audioeffekt wird so häufig genutzt wie der Equalizer. Auch in Version 10 ist bei Lives EQ Eight stur das Low-Cut-Filter deaktiviert. Kaum ein anderes wird jedoch im Mix-Alltag häufiger gebraucht. Auch bei Channel EQ, EQ Three und beim Auto Filter gibt es einige Einstellungen, die das Leben leichter machen.

Fotostrecke: 3 Bilder Wichtigste Veränderung zum Fabrikstandard: Bei Band 1 einen 4-Pole-Low-Cut einstellen. Dazu wird im Rechtsklickmenü noch „Oversampling“ aktiviert, damit arbeitet EQ Eight in höherer Qualität (bei stärkerer CPU-Auslastung).
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Dynamik: Kompressor und Co.

Hier kommt es sehr stark darauf an, in welchem Genre ihr unterwegs seid. Kaum eine Einstellung für die Parameter der Dynamikbearbeiter kann man universell für alle Spuren, alle Instrumente und alle Stilarten anwenden. Daher möchten wir diese Effekte einfach etwas sanfter zupackend gestalten.  

Fotostrecke: 3 Bilder Wir stellen den Compressor so ein, dass er bei einem Signal möglichst keine Transienten beschneidet, visuell besser einschätzbar ist und deaktivieren den „MakeUp“-Button, der mit dem automatischen Pegelausgleich sonst unser Gehör betrügt.
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Verzerrung

Neben den zwei genannten Effektgruppen und einigen Exoten gibt es zwei Klangbearbeitertypen, die besonders oft in Ableton Live vertreten sind: Verzerrer und Delays. Macht auch Sinn, denn beide sorgen bei zu digitalem und leblosem Sound für analoge Wärme und Tiefe. Zuerst zu den Verzerrern. Insgesamt sieben (!) Verzerr-Effekte bringt Live mit, nimmt man den neuen Drum Buss dazu, sind es sogar acht.

Fotostrecke: 3 Bilder Beim Saturator wird am Drive-Regler von Anfang an Verzerrung erzeugt, am Output-Regler die entstandene Lautstärke kompensiert und die „Soft Clip“-Funktion aktiviert.
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Räumliche Effekte

Egal ob Dub, Techno, Filmmusik oder 80er-Ballade – ein ordentliches Echo, das in eiernden Achteln um die Ohren pfeift, hat noch keinem geschadet. Auch hier ist Live mit fünf Delay-Effekten üppig ausgestattet. Oft werden diese, ähnlich wie Hall-Effekte, jedoch eher subtil und im Mix für Größe und Tiefe eingesetzt und weniger als Sounddesign-Werkzeug. Auch beim Reverb geht es nicht darum, von Anfang an alles in Stadion zu schicken, sondern eher subtil etwas Räumlichkeit zu erzeugen

Fotostrecke: 3 Bilder Die wichtigste Einstellung bei Reverb ist die Veränderung auf „High“ bei den Qualitätseinstellungen. Dazu aktivieren wir den „Lo Cut“ beim Input Processing, erhöhen den PreDelay und deaktivieren die Modulation der Early Reflections und des Halls durch den Chorus.
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Modulation

Die verzerrte Gitarre weicher klingen lassen, dem Synthlead mehr Bewegung im Stereobild verleihen, Sounddesign für Videospiele – mit Effekten wie Auto Pan, den Modulationseffekten Chorus, Flanger und Phaser und den Klangveränderern Corpus und Resonators greift man vor allem kreativ in Sounds ein. Deswegen empfehlen wir euch bei den drei von uns ausgewählten auch eher drastische Einstiegseinstellungen, damit ihr … Effekt auch gleich zu hören ist. 

Fotostrecke: 3 Bilder Auto Pan ist standardmäßig ohne jede Bewegung eingestellt. Wir ändern das in eine deutlich zu hörende Viertelnoten-Panorama-Modulation.
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Zerstörer

Nach der Modulation kommt im Sounddesign die Zerstörung. Wenn ein Sound so gar nicht mehr nach dem klingen soll, womit man angefangen hat, man gerne mit kaputten Klängen arbeitet, die auch mit viel Verzerrung nicht zu erreichen sind, dann bietet Live diese Zerstörer an. Audio-Effekte, die schon bei geringen Werten den Klangcharakter drastisch verändern. 

Fotostrecke: 2 Bilder Der Vocoder in Ableton Live funktioniert anders als die meisten Vocoder-Plugins, da er nicht über MIDI-Noten und ein Sidechain-Audiosignal, sondern rein als Audioeffekt arbeitet. Im „Pitch Tracking“-Modus kommt man zu sehr guten Ergebnissen.
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Werkzeuge und andere Effekte

Die kleinen Alltagswerkzeuge Utility, Audio Effect Rack und Tuner sind bei vielen Producern mit die meistgenutzten. Beat Repeat und Looper kommen vor allem bei Performances zu Einsatz und sind damit in finsteren Producer-Studios eher selten im Einsatz. 

Fotostrecke: 2 Bilder Beim wichtigen Utility-Device aktivieren wir als Standard das Bass-Mono-Signal. Dazu stellen wir das Tool so um, dass der „Width“-Regler zu einem Mitte-Seite-Regler wird, was beim Mixen von Signalen mit großer Stereobreite sehr hilft. Beim Tuner lässt sich in der Histogramm-Ansicht besser nachverfolgen, wie ein gesungener oder gespielter Ton tonal verläuft.
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MIDI-Effekte

Die MIDI-Effekte, auch wenn es wenige sind, wollen wir hier nicht außen vorlassen. Gerade der Arpeggiator, Chord und Scale kommen häufiger zum Einsatz, wenn es um schnelles Einspielen von Melodien oder Akkorden geht, die eigenen Klavierspielfähigkeiten aber eher mau sind. 

Fotostrecke: 3 Bilder Wichtigste Einstellung ist hier der „Velocity“-Bereich, der den MIDI-Noten, die der Arpeggiator ausspuckt, leichte Velocity-Variationen verleiht. Damit klingen die Arpeggios musikalischer.
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Favoriten, Standardaudiospuren und MIDI-Konvertierung anpassen

Zu guter Letzt noch zwei Empfehlungen: Seit Ableton Live 10 gibt es die Favoriten. Hier die Plugins und Sounds abzulegen, die man besonders häufig nutzt, spart viel Zeit. Legt euch beispielsweise in die erste Kategorie die Instrumente und Plugins, die ihr häufig ladet. In die zweite Kategorie packt ihr Sounds, Loops und Presets, die ihr beim Durchhören und Stöbern in Live oder einem VSTi entdeckt. In den restlichen sechs Kategorien legt ihr dann aufgeteilt nach EQ, Kompressor, Verzerrung, Modulation, Sounddesign und Mastering die Plugins und Audioeffekte ab, die ihr in den jeweiligen Kategorien am häufigsten nutzt.

Fotostrecke: 2 Bilder Dieser Spurenstandard ist bei MIDI-Spuren ebenso möglich, da man hier jedoch häufig unterschiedliche Instrumente und Effekte lädt, ist eine Standard-MIDI-Spur wenig sinnvoll.
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Die zweite Empfehlung geht darum, dass man Ableton Live auch dazu bringen kann, eigene Standards beim Erstellen von Spuren, beim Konvertieren von Audio zu MIDI und beim Erzeugen von Slicing-Racks zu laden. Es ist zum Beispiel sehr wahrscheinlich, dass man in Audiospuren immer einen EQ, einen Kompressor und einen Saturator laden wird. Legt also die drei Effekte (egal ob Lives eigene oder externe) in eine leere Audiospur, klickt diese mit rechts an und wählt „Als Standard-Audiospur sichern“. Nun wird jede neue Audiospur in Ableton diese Effekte in dieser Reihenfolge enthalten. Diese Voreinstellungen sind ebenso möglich, wenn es darum geht, die Audio-To-MIDI-Funktionen, die Slicing-Möglichkeiten und das Drum-Rack den eigenen Wünschen anzupassen.

Wenn ihr jetzt noch einen Schritt weitergehen wollt in Sachen schnelles Arbeiten, weniger Plugins und Sounds suchen und mehr Flow im Workflow, erstellt euch Vorlagen oder Templates mit fertigem Routing und allen häufig genutzten Plugins und Einstellungen. Viele Producer, die professionell Beats produzieren oder in Studios arbeiten, haben diese Vorlagen und eigene Presets, um schneller ans Ziel zu kommen. 

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von Julian Schmauch

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